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Thema des Monats: Sportverletzungen im Winter

Viele Hobbysportler schränken ihre Aktivitäten im Winter witterungsbedingt ein oder trainieren verstärkt in Innenräumen. Über die Risiken, auch in der kalten Jahreszeit draußen Sport zu treiben, und die Möglichkeiten, sich vor den damit verbundenen Risiken zu schützen, sprach wir mit Dr. Heidrun Beck von der Abteilung für Sportmedizin und Rehabilitation des UniversitätsCentrums für Orthopädie und Unfallchirurgie am Dresdner Uniklinikum.

freeimages_1160977_35376779_ski_clip.jpgFrage: Beim Thema Sportverletzungen im Winter denkt jeder ans Skifahren: Lädierte Knie, ausgekugelte Schultergelenke oder Knochenbrüche sorgen nicht selten für ein abruptes Ende der winterlichen Freuden. Warum passiert auf den Pisten so viel?

Dr. Heidrun Beck: Sportler verletzen sich vor allem dann, wenn sie sich überschätzen. Das gilt nicht nur für das Skifahren im Winter sondern ganz allgemein. Fehlt die Kondition und die Kraft, steigt unter anderem die Sturzgefahr. Das größte Risiko haben diejenigen, die physisch stark ermüdet sind. Denn mit einer geschwächten Muskulatur ist es schwieriger, seine Bewegungen zu kontrollieren. Ein gutes Beispiel ist das alpine Skifahren. Am Ende eines Tages auf der Piste verletzen sich die meisten – sie schaffen es dann nicht mehr, kontrolliert zu fahren. Geraten sie aus dem Gleichgewicht, fehlt die Kraft, gegenzusteuern oder sich richtig aufzufangen. Und unkontrollierte Stürze führen leichter zu Verletzungen.

Frage: Was ist zu tun, um kräftemäßig und konditionell gut präpariert in den Skiurlaub zu fahren? Reichen da ein paar Wochen Skigymnastik aus?

Dr. Heidrun Beck: Wer sich gut auf den Wintersport vorbereiten möchte, sollte nicht nur in dieser Jahreszeit sportlich aktiv sein. Ideal ist es ohnehin, über das ganze Jahr hinweg regelmäßig etwas für die eigene Fitness zu tun. Empfehlenswert ist es mindestens zweimal pro Woche die Ausdauer und allgemeine Kraft zu trainieren. Skigymnastik sollte nur eine Ergänzung sein. Kurzfristig lässt sich die eigene Fitness ohnehin nicht steigern. Ganz allgemein gilt, dass sich erste Effekte eines speziellen Trainings frühestens nach sechs Wochen zeigen.

Frage: Heißt das, in letzter Konsequenz, bei mangelnder Vorbereitung gar nicht erst auf die Skier zu steigen?

Dr. Heidrun Beck: Wichtig ist es, seine eigenen Grenzen zu kennen und sich entsprechend zu verhalten. Ohnehin ist es ratsam, sich am Anfang der Saison oder des Winterurlaubs erst einmal einzugewöhnen. Das heißt, leichtere Pisten zu nutzen und langsam zu fahren. So sieht man, ob alles passt.

Frage: Und wie sieht es bei anderen Wintersportarten aus?

Dr. Heidrun Beck: Auch die Verletzungsgefahr beim Ski-Langlauf oder beim Schlittschuhlauf sollte man nicht vernachlässigen. Im Prinzip gelten hier dieselben Verhaltensregeln.

Frage: Im Winter kann das Thermometer durchaus auf Temperaturen jenseits von minus zehn Grad sinken. Ist jemand, der dann draußen noch joggt, Fahrrad fährt, sich auf die Skier oder Schlittschuhe stellt, besonders gefährdet?

Dr. Heidrun Beck: Wer völlig gesund ist, braucht eigentlich keine große Bedenken haben. Trotzdem ist es wichtig, empfindliche Körperteile vor starker Kälte zu schützen. Vor allem Ohren, Nase und Finger beziehungsweise Zehen können leicht Erfrierungen davontragen. Eine Mütze schützt Jogger ebenso gut wie Ski-Langläufer und wer Abfahrtsski fährt, sollte ohnehin einen Schutzhelm tragen. Viele Frauen haben bereits bei geringen Plusgraden Probleme mit schlecht durchbluteten Fingern. Deshalb ist es für sie wichtig, frühzeitig auch Handschuhe zu nutzen. Wer im Winter draußen Sport treiben möchte, sollte bei der Kleidung allerdings nicht auf die Regel ‚viel hilft viel‘ setzen. Denn es besteht durchaus die Gefahr, sich zu überhitzen. Ideal ist deshalb die sogenannte Zwiebeltechnik – also mehrere unterschiedliche Kleidungstücke übereinander anziehen. Wird einem zu warm, kann man schnell etwas ausziehen und sich bei einer Pause zum Beispiel mit einer Jacke wärmen.

Frage: Beißende Kälte kann einem nicht nur auf der Haut zu schaffen machen, sondern auch das Atmen erschweren. Wie groß sind die Risiken eigentlich?

Dr. Heidrun Beck: Große Vorsicht ist vor allem bei Menschen angezeigt, die unter Erkrankungen der Atemwege wie zum Beispiel Asthma oder unter  Durchblutungsstörungen des Herzens leiden. Die Kälte verbunden mit einer sehr geringen Luftfeuchtigkeit kann die Schleimhäute erheblich reizen. Zudem reduziert die trockene Luft die Schutzfunktion der Schleimhaut – damit haben Viren und Bakterien ein leichteres Spiel sie zu überwinden und so eine Infektionskrankheit auszulösen. Da im Winter die geheizte Luft in den Innenräumen ebenfalls trocken ist, stehen die Atemorgane auch dort unter Stress.

Kalte Luft kann bei herzkranken Patienten sogenannte Angina pectoris Anfälle provozieren. Trotzdem ist Bewegung in der frischen Luft wichtig – und dafür reicht auch ein längerer Spaziergang ohne eine große körperliche Belastung wie sie etwa beim Laufen entsteht. Wer gesund ist, braucht deshalb im Winter aber nicht auf Sport im Freien zu verzichten. Allerdings gilt auch hier, sich nicht zu überschätzen und mögliche Warnsignale des eigenen Körpers ernst zu nehmen.

Kontakt

Dr. med. Heidrun BeckUniversitätsCentrum für Orthopädie und Unfallchirurgie
Bereich Sportmedizin
Dr. med. Heidrun Beck
Tel.: 0351-458 5978
sport.medizin@uniklinikum-dresden.de



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