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Modernes Operationsverfahren nutzt die Selbstheilungskräfte des Körpers

Nach dreiwöchiger stationärer Behandlung und zwei Operationen kann eine 57-Jährige Heidenauerin, bei der sich Krebsabsiedlungen in der Leber gebildet hatten, wieder Hoffnung schöpfen: Als erste Patientin des Universitätsklinikums Carl Gustav Carus profitierte sie von einem modernen OP-Verfahren, das auf die Selbstheilungskräfte des Körpers setzt: Die Chirurgen nutzten dabei auf den Umstand, dass sich Lebergewebe neu bilden kann.

130104-Prof-Weitz-mit-Patientin.jpgDie Metastasen waren Folge eines Darmtumors, der im November vergangenen Jahres in einem anderen Krankenhaus erfolgreich entfernt werden konnte. Dabei stellten die Mediziner fest, dass ein Großteil der Leber bereits von Krebsabsiedlungen befallen war. Die Ärzte überwiesen die Patientin deshalb ans Universitäts KrebsCentrum (UCC) des Dresdner Uniklinikums. Hier stellte sich heraus, dass es nicht mehr ausgereicht hätte, den von Metastasen betroffenen Teil der Leber in einer Operation zu entfernen – der verbleibende Teil wäre zu klein gewesen, um die überlebenswichtige Funktion des Organs sofort übernehmen zu können. Das Tumorboard des UCC entschied deshalb, erstmals eine "in situ Split-Leber-Operation" vorzunehmen.

Bei diesem bisher noch nur an wenigen Zentren durchgeführten Verfahren durchtrennte das OP-Team um Prof. Jürgen Weitz, Direktor der Klinik für Viszeral-, Thorax- und Gefäßchirurgie, zuerst die Leber der Patientin und teilte so den metastasenfreien Bereich des Organs ab. Zusätzlich unterbanden die auf komplexe Leberoperationen spezialisierten Chirurgen teilweise die Blutzufuhr des von Absiedlungen betroffenen Leberlappens, der dennoch im Körper verblieb, um den lebenswichtigen Stoffwechsel aufrecht zu erhalten. Ein Effekt des Eingriffs war die verstärkte Durchblutung des gesunden, abgetrennten Teils der Leberhälfte, was dort einen starken Wachstumsreiz auslöste. Innerhalb einer guten Woche vergrößerte sich dieser gesunde Teil des Organs etwa um ein Drittel, so dass er nun allein die Rolle im Stoffwechsel des Körpers erfüllen konnte. Deshalb entfernten die Chirurgen am 27. Dezember schließlich die tumorbefallene rechte Leberhälfte. Der Patientin geht es nach den beiden Operationen so gut, dass sie am 4. Januar nach Hause entlassen werden konnte.

Kontakt

Prof. Dr. med. Jürgen Weitz, MSc
Direktor der Klinik für Viszeral-, Thorax- und Gefäßchirurgie
Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden
Tel. 0351/ 458 2742
Direktor-VTG-Chirurgie@uniklinikum-dresden.de

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