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Jahresberichte des Universitätsklinikums Carl Gustav Carus

Jahresberichte des Universitätsklinikums Carl Gustav Carus

2020 – "Neuland: suchen."

Eine innovative Strategie auszuarbeiten, ist weder ein Hexenwerk noch Kaffeesatzleserei. Man muss einfach nur die richtigen Fragen stellen. Und offen nach den besten Antworten suchen.

Erfolg kann einschläfernd wirken: Dank der Innovationen in Krankenversorgung, Forschung und Lehre haben wir uns als Hochschulmedizin Dresden gut eingerichtet. Da kann sich schon die Frage im Unterbewusstsein festsetzen, was wir denn noch mehr erreichen können. In einem Vierteljahrhundert haben wir uns vom jungen Nobody der deutschen Universitätsmedizin zu einer der Top-Institutionen entwickelt, was uns auch in ganz Europa Anerkennung eingebracht hat. Eine Entwicklung, die sich nicht nur auf die Medizinische Fakultät Carl Gustav Carus und das Universitätsklinikum beschränkte, sondern auch auf andere Bereiche der Technischen Universität Dresden als Exzellenzuniversität sowie auf viele außeruniversitäre Forschungsinstitutionen.

Derjenige, der in einem heiß umkämpften Feld wie der Forschungsförderung einmal Erfolg hat, entwickelt sich nicht so schnell zurück. Das ist jedoch ein tückischer Effekt: Wer erfolgreich ist, bekommt bevorzugt Chancen, mit denen sich der Status quo aufrechterhalten lässt. Die von der Hochschulmedizin Dresden eingeschlagenen Pfade sicherten bisher ein kontinuierliches qualitatives wie quantitatives Wachstum – in der Krankenversorgung genauso wie in der Forschung. Allerdings kam immer häufiger der subjektive Eindruck auf, dass es zunehmend an einer neuen, starken Motivation fehlt, sich in der Hochschulmedizin Dresden gemeinsam ganz neuen und innovativen Herausforderungen zu stellen.

Diese Konstellation ist gefährlich: Der Abstieg ist schleichend und spitzt sich irgendwann zu. Der Blick in die Wirtschaftsgeschichte hält unzählige Beispiele dafür bereit. Schuhfabriken gibt es heute in Deutschland genauso wenig wie Hersteller von Fernsehern. Der Strukturwandel ist unerbittlich und Aussitzen keine Option.

Um gar nicht erst in einen Abwärtsstrudel zu geraten, der auch unsere Partner in der Region mitreißen könnte, ist es immer wieder gut, sich und seine Strategien auf den Prüfstand zu stellen. Die Pandemie hat uns zwangsweise aus diesem Trott geholt und gezeigt, wie wichtig es ist, schnell und konstruktiv an neuen Wegen und Lösungen zu arbeiten. Sie ist ein Stresstest: Eben nicht nur für jeden Einzelnen, jede Familie und die Gesellschaft insgesamt, sondern auch für den Mikrokosmos von Uniklinikum und Medizinischer Fakultät. Die Dynamik aus diesem Stresstest gilt es nun zu nutzen.

Wir als Hochschulmedizin Dresden konnten unter Beweis stellen, dass wir im vergangenen Jahr nicht nur in der Krankenversorgung eine zusätzliche Rolle gefunden haben, sondern dass die Pandemie uns alle als Akteure insgesamt positiv verändert hat. Nicht nur, dass unsere Arbeit eine höhere Wertschätzung erfährt. Wir erfahren persönlich, dass unser Tun dauerhaft positive Effekte zeigt, und wir konnten bei vielen Dingen unsere Aufgabe als Vorbild weiter stärken.

Darauf können wir als Hochschulmedizin Dresden gemeinsam stolz sein: von den Teams der Servicebereiche über die Pflegenden bis hin zu den ärztlich Tätigen und den Forschenden. Dass es gelungen ist, neue Wege bei der Bekämpfung der Pandemie erfolgreich einzuschlagen, hat mit der Fähigkeit zu tun, spontan, flexibel und interdisziplinär zu agieren, aber auch mit der Haltung, dass wir uns aufeinander verlassen können. Dieser ganz besondere „Spirit“ ist nicht nur im Krisenmanagement zu spüren, sondern weit darüber hinaus.

Bei vielen Kontakten registrieren wir, dass die Pandemie den Anstoß zu weiteren Veränderungen liefert. Nach Corona haben wir uns verändert: Wir wollen nun nicht mehr so sein, wie wir vorher waren. Wir stellen uns dem Wandel und gestalten ihn aktiv, statt ihn zu negieren. Die Erfahrungen aus der Einführung des Fallpauschalensystems der DRG vor knapp 20 Jahren machen uns zuversichtlich, dass dies gelingen kann. Damals sorgte zudem die Jahrhundertflut dafür, dass wir enger zusammengerückt sind und einen Sprit entwickelt haben, der bis heute Bestand hat.

Doch wie sieht der Wandel konkret aus? Wer profitiert davon? Was wird sich sicher verändern? Ausgehend von der Überzeugung, dass die Großräume robust genug sind, den Wandel zu meistern, blicken wir in die Region, die mehr Unterstützung braucht, um die Zukunft in ihrem Sinne erfolgreich zu gestalten und attraktiv für alle Generationen zu bleiben. Um das zu schaffen, gilt es, Neuland zu erobern. Die Hochschulmedizin Dresden möchte die Lausitz bei diesem ambitionierten Vorhaben begleiten: mit ihrem Carus-Gen, den Erfahrungen eines Aufsteigers, dem medizinischen und technischen Know-how, aber auch den bereits bestehenden Netzwerken. Und mit einem partnerschaftlichen Ansatz.

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