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Thema des Monats: Hart und doch verletzlich

Zahnschmelz lässt sich durch richtiges wie regelmäßiges Zähneputzen gesund erhalten – aber noch nicht regenerieren

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Kaum ein Teil des Körpers ist in seiner Form und Funktion so beständig wie der Zahn. Bei guter Pflege können die eigenen Zähne 80 bis 90 Jahre halten. Diese Dauerhaftigkeit haben Zähne vor allem dem harten Zahnschmelz und dessen innigem Verbund mit dem darunterliegenden Dentin – auch Zahnbein genannt – zu verdanken. „Das ist eine geniale Biokeramik“, schwärmt Prof. Christian Hannig. Der Direktor der Poliklinik für Zahnerhaltung des Dresdner Uniklinikum muss es wissen: Als Zahnarzt und Wissenschaftler ist er Experte für das komplexe Thema der Struktur der Zähne und wie sie richtig gepflegt und behandelt werden müssen.

Die Oberflächen von Zahnschmelz und Dentin werden nicht erneuert – eine Eigenschaft, die im menschlichen Organismus äußerst selten vorkommt. Während sich die Haut als ebenfalls äußerst beanspruchtes Organ aus eigener Kraft regenerieren kann, ist der Verlust der sogenannten Zahnhartsubstanz unwiederbringlich.

Und doch haben gesunde Zähne eine Chance: dank der Zufuhr von Mineralien lässt sich der Zahnschmelz stärken. So ist heute ist die Gabe von Fluorid in der Zahnpasta Standard: Erwachsene sollten sich zweimal täglich die Zähne putzen und dabei eine Paste mit einem Fluorid-Anteil von 1.400 ppm – das Kürzel steht für „parts per million – verwenden. Diesen Wert erreichen alle marktüblichen Zahnpasten. Lediglich für Kinder unter sechs Jahren muss die Fluoridmenge deutlich geringer sein – nämlich nur 500 ppm. In diesem Alter führt eine zu hohe Gabe zu Fluorosen, das sind braune oder weiße Flecken und Strukturveränderungen der entstehenden bleibenden Zähne. „Dank der Zahnpasta kann sich auf der Zahnoberfläche eine dünne Kalziumfluoridschicht bilden, die die Remineralisierung fördert und so die durch Nahrungsmittel ausgelösten Entkalkungsprozesse verzögert“, erklärt Prof. Hannig.

Schwachstelle Zahnzwischenraum

Dass Zähne nicht nur regelmäßig gesäubert werden müssen, sondern eines zusätzlichen Schutzes bedürfen, liegt an modernen Ernährungsgewohnheiten. Nicht nur Zucker, sondern auch die im Essen und Trinken enthaltenen Säuren setzen den Zähnen erheblich zu. Insbesondere Softdrinks, die oft einen pH-Wert von zwei bis drei aufweisen, tragen zum Mineralverlust an der Zahnsubstanz bei.

Fluorid allein aber ist kein Garant für gesündere Zähne. „Das Elementare beim Zähneputzen bleibt die mechanische Entfernung des bakteriellen Zahnbelags“, so der Direktor der Poliklinik für Zahnerhaltung. Dieser Biofilm besteht aus Mikroorganismen, Resten von Nahrungsmitteln und bakteriellen Stoffwechselprodukten. Letztere – vor allem die organischen Säuren – greifen die Zähne an.

Größte Schwachstelle beim Putzen sind die Zahnzwischenräume: Mit der normalen Zahnbürsten sind sie nicht erreichbar; dabei sind sie bevorzugter Ausgangspunkt von Karies. Deshalb gehören heute Zahnseide sowie spezielle Bürsten zur zeitgemäßen Mundhygiene. Da viele Menschen Probleme haben, die Engstellen gut zu reinigen, empfiehlt Prof. Hannig, eine in vielen Zahnarztpraxen tätige Prophylaxehelferin zu Rate zu ziehen. Sie kann bei der Auswahl der richtigen Zahnzwischenraumbürste oder der Zahnseide helfen und zeigen, wie sie optimal eingesetzt wird. Welche Techniken zur Pflege von Zahnzwischenräumen besonders vielversprechend sind, erforscht die Poliklinik für Zahnerhaltung am Dresdner Uniklinikum und sucht dafür nichtrauchende Probanden im Alter von 18 bis 30 Jahren (Kontakt: Constanze.Wagenschwanz@uniklinikum-dresden.de).

Kariesschutz durch körpereigenen Schutzfilm

Heute muss zerstörte Zahnsubstanz nach wie vor durch Füllungen oder Inlays repariert werden. Denn bisher haben die Wissenschaftler noch keinen Weg gefunden, eine dem Schmelz ähnliche Schicht in einer Stärke zu erzeugen, die verlorene Zahnhartsubstanz ersetzen könnte. Größere Chancen räumen forschende Zahnärzte wie Prof. Hannig der Strategie ein, kleinste Bauelemente des Zahnschmelzes über Zahnpasta in die Zahnhartsubstanz zur Remineralisation einer beginnenden Entkalkung einzuschleusen: „Doch es ist noch viel Forschung notwendig, um hier zu einem Ergebnis zu kommen.“

Ein zweiter Ansatz für Innovationen in der Zahnpflege ist der die Zähne umgebene, natürliche Schutzfilm, die Pellikel – ein Spezialgebiet des Direktors der Poliklinik für Zahnerhaltung am Dresdner Uniklinikum. Bisher ist noch zu wenig über diesen komplexen Mikrokosmos im Mund bekannt. Das wollen Wissenschaftler wie Prof. Hannig ändern und dabei auch Wege finden, wie sich die schützenden Eigenschaften der Pellikel steigern lässt.

Kontakt:

Poliklinik für Zahnerhaltung
Prof. Dr. med. dent. Christian Hannig
Tel. 0351-458 2713
christian.hannig@uniklinikum-dresden.de


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