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Klinische Ethikberatung

Klinische Ethikberatung

Schwierige ethische Entscheidungen

Die moderne Medizin eröffnet viele Behandlungsmöglichkeiten, die noch vor wenigen Jahrzehnten kaum vorstellbar gewesen wären.

Auch heute noch stößt die Medizin jedoch allzu oft an ihre Grenzen oder steht im Konflikt zu den Wünschen der Betroffenen und/oder deren Angehörigen. Auch Mediziner*innen und Pflegende können über das geeignete Vorgehen in ethisch schwierigen Situationen in Konflikte geraten.

Das Komitee für klinische Ethikberatung (KKE) bietet Patient*innen und deren Angehörigen sowie Mitarbeiter*innen Unterstützung an, wenn ethisch schwierige Entscheidungen im Rahmen einer klinischen Behandlung getroffen werden müssen.

Kontakt

Wenn Sie Fragen zum Komitee für klinische Ethikberatung oder eine Anfrage für eine Ethikberatung haben, können Sie sich direkt an die Koordinatorin des Komitees wenden.

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Dr. Saskia Metan

Sprechzeiten: Montag - Freitag 9:30 - 13:30 Uhr

0351-3177 404
0351-3177 401

Ziele der Ethikberatung

Das Komitee für Klinische Ethikberatung kann Patient*innen, Angehörige, Betreuende sowie Ärztinnen, Ärzte und Pflegekräfte in dem Prozess der Entscheidungsfindung unterstützen.

In der Ethikberatung geht es darum, gemeinsam und berufsgruppenübergreifend

  • ethische Fragestellungen zu formulieren
  • die Selbstbestimmung des Patienten zu achten
  • ethisch fundierte Entscheidungshilfen zu suchen
  • mögliche Lösungswege aufzuzeigen
  • in Konfliktfällen zu vermitteln

Die Ethikberatung bietet Raum und Zeit, um Entscheidungen treffen zu können.

Sie hat eine beratende Funktion.

Die Ethikberatung verteilt die Auseinandersetzung mit dem Konflikt auf viele Schultern, um gemeinsam eine tragfähige Lösung zu finden. Die Beratung erfolgt ergebnisoffen.

Alle an der Beratung Beteiligten unterliegen der Schweigepflicht.

Mitglieder des Komitees für klinische Ethikberatung

Im Komitee engagieren sich Ärztinnen und Ärzte, Pflegekräfte, Seelsorger*innen, Sozialpädagoginnen und Sozialpädagogen, Physiotherapeut*innen und klinische Ethiker*innen.

Die Mitglieder des Komitees sind bei der ethischen Beratung unabhängig und nur ihrem eigenen Gewissen verpflichtet.

  • Peter Brinker, Dipl.-Theologe (kath.), Seelsorgezentrum
  • Prof. Dr. med. Florian Bruns, Institut für Geschichte der Medizin
  • PD Dr. med. Jürgen Dinger, Kinderklinik
  • Bianca Freund, Chirurgische Notaufnahme
  • PD Dr. med. Robert Haußmann, Psychiatrie u. Psychotherapie
  • Dr. med. Manja Hubald, Herzzentrum
  • Dr. med. Gabriele Kamin, Frauenklinik
  • Kathrin Krüger, Physiotherapie
  • Michael Leonhardi, Pfarrer (ev.), Seelsorgezentrum
  • Dr. phil. Saskia Metan, Koordinatorin, Institut für Geschichte der Medizin
  • Yvonne Müller, Herzzentrum
  • Christiane Neumann-Stern, Universitäts PalliativCentrum
  • Dr. med. Ulrike Reuner, Vorsitzende d. KKE, Neurologie UKD
  • Dr. med. Katharina Schütte, Universitäts PalliativCentrum
  • PD Dr. med. Ulrich Schuler, Universitäts PalliativCentrum
  • Nicola Zöllner, Kinderklinik

Aufgaben des Komitees für Klinische Ethikberatung

Zu den Aufgaben des Komitees gehören drei große Themenkomplexe:

  • Ethikberatung
  • Erarbeitung allgemeiner Empfehlungen und Leitlinien
  • Fort- und Weiterbildung

Ethikberatung

Trotz großer Fortschritte stößt die Medizin manchmal an ihre Grenzen oder steht im Konflikt zu den Wünschen der Betroffenen und/oder deren Angehörigen. Auch Mediziner*innen und Pflegende können über das geeignete Vorgehen in ethisch schwierigen Situationen in Konflikte geraten. Wir bieten Patient*innen und deren Angehörigen sowie Mitarbeiter*innen Unterstützung in Form einer Ethikberatung an, wenn ethisch schwierige Entscheidungen im Rahmen einer klinischen Behandlung getroffen werden müssen.

Die Anforderung einer solchen Beratung kann sowohl telefonisch als auch schriftlich erfolgen.

In dringenden Fällen stehen zeitnah Konsultant*innen zur Verfügung, die eine Beratung direkt auf der anfragenden Station anbieten können. Für längerfristige Entscheidungsprozesse kann eine Ethikberatung mit allen verfügbaren Mitgliedern des Komitees, der behandelnden Ärztin oder dem behandelnden Arzt, dem zuständigen Pflegepersonal sowie dem Patienten oder der Patientin und/oder dessen oder deren Angehörigen erfolgen.

Erarbeitung allgemeiner Empfehlungen und Leitlinien

Zu regelmäßig auftretenden medizinethischen Problemen werden konkrete Handlungsempfehlungen entwickelt. Diese Empfehlungen sollen das gegenwärtige Vorgehen der Wahl angesichts eines bestimmten medizinischen und/oder ethischen Problems definieren und somit den Ablauf für alle Beteiligten vereinfachen.

Dazu muss der aktuelle Wissensstand zu spezifischen Versorgungsproblemen sowohl aus der Wissenschaft als auch der Praxis dargelegt und unter methodischen und klinischen Aspekten bewertet werden. Zudem ist die Klärung gegensätzlicher Standpunkte sowie das sorgfältige Abwägen von potentiellem Nutzen und Schaden erforderlich.

Fort- und Weiterbildung

Im Rahmen der medizinischen Aus- und Weiterbildung bietet das Ethikkomitee verschiedene Kurse zu ethisch relevanten Themen an.

Geschichte des Komitees für klinische Ethikberatung

Mit der Entwicklung vielfältiger medizinischer Techniken wuchs auch die Anzahl und Komplexität der Behandlungsoptionen enorm. Zugleich stieg damit auch der Bedarf, ethisch fundierte, gut begründete und nachvollziehbare Behandlungsentscheidungen zu treffen.

Vorgeschichte

Schon vor 100 Jahren gab es in katholischen Krankenhäusern der USA erste Überlegungen zur ethischen Behandlung der Patienten¹. Im Jahr 1949 wurden erste ethische Richtlinien veröffentlicht¹. In den 1960er Jahren wurde am Universitätsklinikum von Seattle ein Ethikkomitee gegründet, das darüber entscheiden sollte, welche Patienten Zugang zu einer damals noch sehr begrenzt verfügbaren Dialysebehandlung erhalten sollten. Aufgrund einiger ethisch kontroverser medizinischer Fälle in den 1970er und 1980er Jahren, über die gerichtlich entschieden werden musste, wuchs das Bewusstsein für die Notwendigkeit ethischer Entscheidungsgremien in den Krankenhäusern¹. Ähnliche Entwicklungen zeichneten sich auch in vielen anderen Ländern ab. So gab es in den 1980ern (z.B. Kanada, Frankreich) sowie in den 1990ern (z.B. Großbritannien, Belgien, Norwegen, Japan, etc.) erste Initiativen zur Etablierung ethischer Komitees in medizinischen Einrichtungen².

Im Jahre 1997 setzte die Initiative christlicher Krankenhausverbände den ersten großen Meilenstein zur Etablierung von Ethikkomitees in Deutschland³. Daraufhin entstanden zahlreiche Ethikkomitees in konfessionellen Einrichtungen sowie in einigen wenigen nicht-konfessionellen Krankenhäusern. 2005 veröffentlichte die Akademie für Ethik in der Medizin erstmalig ein Curriculum zur Ethikberatung im Krankenhaus⁴. Im selben Jahr betonte auch die UNESCO die Bedeutung von Ethikkomitees in ihrer „Universal Declaration on Bioethics and Human Rights“⁵. Im Jahr 2006 empfahl auch die ZEKO (Zentrale Kommission zur Wahrung ethischer Grundsätze in der Medizin und ihren Grenzgebieten) die Etablierung einer klinischen Ethikberatung in Krankenhäusern⁶.

Gründung des KKE

Im Zuge dieser Entwicklungen wurde das Komitee für klinische Ethikberatung (kurz: KKE) im Jahr 2006 auf Initiative von drei klinisch tätigen Oberärztinnen und Oberärzten gegründet. Seitdem engagieren sich zahlreiche Mitglieder aus unterschiedlichen Bereichen des Uniklinikums um gemeinsame, ethisch fundierte Entscheidungen bei medizinisch herausfordernden Fällen.

Literatur

¹ Sabandal, E.P. (1996). Ethical Establishment & Theological Role in the American Hospital Ethics Committee

² Hajibabaee, F. et al. (2016). Hospital/clinical ethics committees‘ notion: an overview. Journal of Medical Ethics and History of Medicine 9:17.

³ Deutscher Evangelischer Krankenhausverband e.V./Katholischer Krankenhausverband Deutschlands e.V. (DEKV/KKVD) (1997) Ethik-Komitee im Krankenhaus. Erfahrungsberichte zur Einrichtung von Klinischen Ethik-Komitees. Rebholz, Berlin. Freiburg

⁴ Vollmann, J. (2008). Klinische Ethikkomitees und Ethikberatung in Deutschland: Bisherige Entwicklung und zukünftige Perspektiven. Bioethica Forum, 2008, 1; p. 33-39.

⁵ UNESCO. (2006). Universal declaration on bioethics and human rights. Paris. June 2006 at http:// unesdoc.unesco.org/images/0014/001461/146180E.pdf.

⁶ Stellungnahme der zentralen Kommission zur Wahrung ethischer Grundsätze in der Medizin und ihren Grenzgebieten (Zentrale Ethikkommission) bei der Bundesärztekammer zur ETHIKBERATUNG IN DER KLINISCHEN MEDIZIN (2006).