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Sternenkindern wird seit zehn Jahren würdevoll gedachtEin Blick auf die reich geschmückte Grabstelle, bei der Anfang September 2017 die Sternenkinder des letzten halben Jahres bestattet wurden.
07. September 2017

Sternenkindern wird seit zehn Jahren würdevoll gedacht

Verlust ungeborenen Lebens: Verein schafft betroffenen Familien würdigen Rahmen für das Abschiednehmen / Basis sind ehrenamtliches Engagement sowie Unterstützung durch Kliniken

Mit einem Symposium und einer anschließenden Gedenkfeier in der Dresdner Dreikönigskirche erinnert der Verein „Sternenkinder“ an seine vor elf Jahren erfolgte Gründung und die vor zehn Jahren eingeweihte Grabfläche für Sternenkinder auf dem Neuen Katholischen Friedhof. Der Verein engagiert sich für Familien, die um Kinder trauern, die mit einem Gewicht von weniger als 500 Gramm tot zur Welt gekommen sind. Dank des im Februar 2007 in Kraft getretenen Personenstandsgesetzes können Eltern diese Sternenkinder beim Standesamt eintragen und damit im Nachgang auch unter ihrem eigenen Namen beerdigen lassen. Der Sternenkinder e.V.“ sorgt mittlerweile seit zehn Jahren dafür, dass diese tot zur Welt gekommenen Kinder einen würdigen Platz auf einem Dresdner Friedhof erhalten und im Rahmen einer Trauerfeier beerdigt werden. Das große ehrenamtliche Engagement der Mitglieder sowie die finanzielle Unterstützung der Krankenhäuser im Großraum Dresden, die eine geburtshilfliche Station betreiben – darunter ist auch das Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden mit der Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe – machen diese Angebote erst möglich.

Für die meisten Familien ist eine Totgeburt ein äußerst traumatisches Erlebnis. Vor 2007 wurde diese Situation für die Eltern von Kindern mit einem Geburtsgewicht unter 500 Gramm dadurch verschärft, dass keine Trauerfeier und damit keine Möglichkeit zum Abschied angeboten wurde. Damit fehlte den Betroffenen auch ein Ort des Trauerns und Erinnerns. Diese Situation verschlimmerte bei vielen Betroffenen die seelische Not. Deshalb gründeten Hebammen, Krankenschwestern und Ärztinnen – darunter auch die heutige Vereinsvorsitzende Privatdozentin (PD) Dr. Daniela Aust vom Institut für Pathologie des Dresdner Uniklinikums – den Sternenkinder Dresden e.V., bereits bevor das geänderte Personenstandsgesetz in Kraft trat. Viele der Vereinsmitglieder begleiten im Rahmen ihrer beruflichen Tätigkeit die betroffenen Familien und kennen damit deren seelische Nöte. Aber auch Eltern, die selbst eines oder gar mehrere ungeborene Kinder verloren haben, engagieren sich für den Verein.

Mit der im Herbst 2007 im Neuen Katholischen Friedhof eingeweihten Sternenwiese gibt es einen Ort des Gedenkens. In den vergangenen zehn Jahren sind hier mehr als 1.500 Kinder beerdigt worden, die nach der zwölften Schwangerschaftswoche geboren wurden, aber unter 500 Gramm wogen. Dazu richtete der Verein bisher 21 Trauerfeiern aus – die letzte am vergangenen Sonnabend (2. September).

Peter Flache und Olaf Böhme gestalten Gedenkfeier zum Vereinsjubiläum
Das elfjährige Vereinsjubiläum ist „Grund zur Freude über Erreichtes, aber auch Gelegenheit, den Blick zurück und in die Zukunft zu richten“, sagt Dr. Aust. Deshalb veranstaltet der „Sternenkinder e.V.“ am Vormittag des 9. September in der Dresdner Dreikönigskirche ein Fachsymposium für Mitarbeiter aus Gesundheitsberufen sowie für Ärzte, Seelsorger und Psychologen. Daran schließt sich um 14.30 Uhr eine Sternenkinder-Gedenkfeier an, für die der Verein die Dresdner Künstler Peter Flache (Musik) und Olaf Böhme (Buch und Regie) gewinnen konnte. Zu der kostenlosen Veranstaltung sind nicht nur betroffene Familien eingeladen, sondern auch Interessierte. Über Spenden zur weiteren Unterstützung der Vereinsarbeit würde sich der „Sternenkinder e.V.“ freuen.

Die zweimal im Jahr stattfindende Beerdigung der Sternenkinder auf dem an der Bremer Straße gelegenen Neuen Katholischen Friedhof wird von den Vereinsmitgliedern mit großem Engagement vorbereitet. So werden die Leichname in bunte Babywindeln gewickelt und mit Blumen geschmückt. Zusammen mit einer betroffenen Familie wird ein Symbol – in diesem Herbst war es die Libelle –ausgesucht, das zum Leitthema der Gedenkveranstaltung wird und sich auch auf dem gemeinsamen Grabstein wiederfindet. Diese Details sind wichtige Elemente, um die Trauer um ein verlorenes Kind verarbeiten zu können.

Viele betroffene Eltern sind sehr dankbar für die Arbeit des „Sternenkinder e.V.“, was auch im Gästebuch der Vereins-Website nachlesbar ist: „Vielen lieben Dank an das ganze Sternkinder Team und die vielen Helfer für die schöne Trauerfeier und Beerdigung unseres Kindes.“ „Zu sehen, dass wir mit unserer Trauer und unserem Schmerz nicht allein sind, hat uns an diesem sehr schweren Tag sehr viel Trost gespendet. Tief bewegt waren wir von dem betroffenen Vater der, neben den anderen Eltern, die Kraft hatte ein paar Worte zu sagen.“ „Danke, dass es Euch und Eure Arbeit gibt, denn gerade wir Sternenkindereltern stoßen immer noch auf Unverständnis in unserem Umfeld, und fühlen uns sehr allein gelassen.“ „Vielen herzlichen Dank für die Wiese der Sternenkinder! Wir sind sehr froh um die Möglichkeit, unser Kind dort bestatten zu können. Dort ist es nicht allein und an einem wunderschönen Ort geborgen.“ „Am Wochenende mussten wir schweren Herzens unseren Bauchzwerg in der fünften Schwangerschaftswoche gehen lassen. Es war unser Wunschkind. Auch wenn ich zwei wundervolle Kinder habe und das Kind erst fünf Wochen war, liebte ich es jetzt schon und werde es vermissen.“

Der  „Sternenkinder e.V.“  wird wesentlich unterstützt durch das Diakonissenkrankenhaus Dresden, die Standorte Meißen und Riesa des Elblandklinikums, das Krankenhaus St. Joseph-Stift Dresden, das Städtische Klinikum Dresden mit den Standorten Friedrichstadt und Neustadt, das Universitätsklinikum Carl Gustav Carus, die Helios Weißeritztal-Kliniken und das Helios Klinikum Pirna.

Kontakt für Journalisten
„Sternenkinder e.V.“
c/o Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden
Institut für Pathologie
PD Dr. Daniela Aust
Telefon: 0351 / 458 30 04
E-Mail: info@sternenkinder-dresden.de
www.sternenkinder-dresden.de
www.uniklinikum-dresden.de