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30 Jahre Transplantation am Universitätsklinikum Dresden(v.l.n.r.) Prof. Esther Troost, Dekanin Medizinische Fakultät TU Dresden, Prof. Uwe Platzbecker, Medizinischer Vorstand Uniklinikum Dresden, Sachsens Wissenschaftsminister Sebastian Gemkow, Prof. Christian Thomas, Direktor der Klinik und Poliklinik für Urologie, Prof. Martin Bornhäuser, Direktor der Medizinischen Klinik I, Dr. Axel Rahmel, Vorstand der Deutschen Stiftung Organtransplantation, Prof. Christian Hugo, Bereichsleiter der Nephrologie, und Prof. Johannes Schetelig, Hämatologie, Zelltherapie und Medizinische Onkologie. Foto: UKD/Marc Eisele
29. August 2025

30 Jahre Transplantation am Universitätsklinikum Dresden

Mit einem Festakt feiert das Uniklinikum das 30-jährige Jubiläum der Nieren- und Stammzelltransplantation. Seit 1995 wurden mehr als 1.400 Nieren- und 4.000 Stammzelltransplantationen durchgeführt. 2024 ermöglichte das Uniklinikum die meisten Organspenden in Deutschland.

Mit einem Festakt und wissenschaftlichen Symposium hat das Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden an diesem Freitag (29. August 2025) das 30-jährige Bestehen seiner Programme zur Nieren- und Stammzelltransplantation gefeiert. Seit 1995 wurden über 1.400 Nieren- und mehr als 4.000 Stammzelltransplantationen durchgeführt – ein bedeutender Beitrag zur modernen Hochleistungsmedizin in Sachsen und weit darüber hinaus. Und für jeden einzelnen Patienten und Patientin ein Stück Hoffnung auf dem Weg zur Genesung. „30 Jahre Nieren- und Stammzelltransplantation sind nicht nur ein medizinischer Meilenstein – sie sind Ausdruck von Hoffnung, medizinischem Fortschritt und Menschlichkeit“, sagt Prof. Uwe Platzbecker, Medizinischer Vorstand des Uniklinikums Dresden. „Jeder Eingriff, jede Therapie steht für ein Leben und ein Stück Zukunft. Dieses Jubiläum erinnert uns daran, wie weit wir gekommen sind – und wie viel wir noch bewegen können.“

Das Universitätsklinikum Dresden leistete in den vergangenen 30 Jahren Pionierarbeit in zwei wichtigen medizinischen Disziplinen.In der Klinik und Poliklinik für Urologie werden seit 1995 Nieren von postmortalen (verstorbenen) Spenderinnen und Spendern transplantiert. Seit 1997 werden zudem Lebendnierenspenden durchgeführt. Das von Prof. Manfred Wirth (ehem. Klinikdirektor der Urologie, verstorben 2024) und Prof. Peter Gross (ehem. Prof. Innere Medizin, Schwerpunkt Nephrologie) gegründete Zentrum versteht sich als enge interdisziplinäre Kooperation und wird als solche von Prof. Christian Thomas, Klinikdirektor der Klinik und Poliklinik für Urologie, und Prof. Christian Hugo, Bereichsleiter der Nephrologie, fortgeführt. Im Schnitt werden jährlich 60 Nieren transplantiert.

Erweiterung der Lebendspende-Technik dank OP-Robotik
Seit der Gründung des Zentrums konnten insgesamt mehr als 1.400 Nieren am Uniklinikum transplantiert werden, davon knapp 280 Lebendnierenspenden. Die Lebendspende-Operation wurde aufgrund der großen Expertise in der Urologie auf dem Gebiet der robotischen Operationen im Jahr 2024 um die robotische Technik erweitert. Diese minimalinvasive Technik ist besonders schonend für die Spenderin bzw. den Spender. Insgesamt war Dresden im vergangenen Jahr das zweitgrößte Zentrum für Nierentransplantationen in Ostdeutschland und eines der wenigen urologisch-operativ geführten Zentren Deutschlands.

 „Die Nierentransplantation ist für viele Patientinnen und Patienten der Weg zurück in ein selbstbestimmtes und verlängertes Leben“, sagt Prof. Christian Thomas, Direktor der Klinik und Poliklinik für Urologie. „Dass wir heute auf 30 Jahre erfolgreiche Transplantationsmedizin zurückblicken können, verdanken wir einem hochspezialisierten Team und dem Vertrauen unserer Patientinnen und Patienten.“

Das Transplantationszentrum (TX-Zentrum) am Uniklinikum Dresden hat überregionale Bedeutung und konnte etwa mit einer großen Corona-Impfstudie nierentransplantierter Patientinnen und Patienten in Sachsen 2021 bedeutsame Erkenntnisse zum Umgang mit Impfungen erlangen. Weiterhin war das Zentrum an der Entwicklung einer Perfusionsmaschine für Nieren vor Transplantation im Labormodell beteiligt. Die Maschine sorgt für eine künstliche Durchblutung von Organen während der Zeit außerhalb des Körpers.

Die enge Vernetzung zeigt sich sowohl in der Fachgesellschaft der Deutschen Transplantationsgesellschaft (DTG), dessen Generalsekretär Prof. Hugo war, als auch durch die urologische Beteiligung in der Fachkommission Organentnahme. Expertinnen und Experten der Fachdisziplinen sind zudem an der Qualitätssicherung in der Transplantationsmedizin in Deutschland beteiligt (IQTIG; Institut für Qualitätssicherung und Transparenz im Gesundheitswesen). "Durch die strikte Umsetzung der geforderten Qualitätskriterien waren wir - was die sofortige Funktionsaufnahme des Organs nach Transplantation betrifft - 2022 unter den besten Zentren in Deutschland ", berichtet Dr. Juliane Putz als transplantationsverantwortliche Oberärztin der Urologie. Enge Kooperationen des TX-Zentrums bestehen auch regional, etwa zur DSO (Deutsche Stiftung Organtransplantation) im regionalen Fachbeirat als auch zur Sächsischen Landesärztekammer - unter anderem auf dem Gebiet der Laienedukation zum Thema Organspende und Transplantation.

Die Besonderheit am Uniklinikum Dresden ist ein langjährig etabliertes, enges Nachsorgeprogramm für die Patientinnen und Patienten in Nephrologie und Urologie. Zudem kann die fachärztliche Zusatzbezeichnung „Transplantationsmedizin“ am Uniklinikum erworben werden. Die Medizinerinnen und Mediziner der Urologie nehmen im Rahmen der Nieren-Entnahmechirurgie für die DSO an den Organspenden in ganz Sachsen teil. Sämtliche am Uniklinikum realisierten Organspenden finden im urologischen OP-Trakt mit den dortigen OP-Pflegekräften statt.

Das Engagement und die medizinischen Erfolge werden darüber hinaus auch öffentlichkeitswirksam gewürdigt. So war das Uniklinikum Dresden am 25. Juli diesen Jahres Zielpunkt der „Radtour pro Organspende“. Zudem fanden vom 17. bis 24. August 2025 die „World Transplant Games“ in Dresden statt. Gerade dies unterstreicht sächsische Spitzenmedizin im internationalen Kontext.

Höchste Anzahl an Organspenden 2024 am UKD
Neben dem Engagement und der Expertise im Bereich der Nierentransplantation ist es dem Universitätsklinikum Dresden ein Anliegen, sich für die Organspende zu engagieren. Das Team um die Transplantationsbeauftragte Dr. Anne Trabitzsch blickt gleichsam auf eine beständig erfolgreiche Arbeit zurück. So konnte das Dresdner Uniklinikum im Jahr 2024 deutschlandweit die meisten Organspenden realisieren. Dies ist auch auf das in Dresden entwickeltes Screening-Tool DETECT zurückzuführen, welches Patienten mit einem potentiell drohenden irreversiblen Hirnfunktionsausfall detektiert und in den Fokus des Transplantationsbeauftragten setzt. In diesem Jahr zeigt sich deutschlandweit ein insgesamt positiver Trend mit um 7,5 Prozent mehr Organspenden bis Juni dieses Jahres im Vergleich zum Vorjahr. Bis Juni 2025 gab es insgesamt 497 Organspenden.

Auch das Team der Transplantationsbeauftragten ist durch Zugehörigkeit zum Fachbeirat der DSO Region Ost, das Engagement im TXB Netzwerk Ost, sowie eine enge Kooperation mit den relevanten Kommissionen der Sächsischen Landesärztekammer regional ausgezeichnet vernetzt.

Maßstab im Bereich der Stammzelltransplantation
Auch auf dem Gebiet der Stammzelltransplantation hat das Uniklinikum Dresden Maßstäbe gesetzt. Seit der ersten Transplantation 1995 wurden über 4.000 Patientinnen und Patienten mit hämatologischen Erkrankungen wie Leukämien oder Lymphomen behandelt. „Die Entwicklung in der Stammzelltransplantation war rasant – von der klassischen Knochenmarktransplantation bis hin zu modernen Zelltherapien“, erklärt Prof. Martin Bornhäuser, Direktor der Medizinischen Klinik I. „Heute können wir auch Hochrisikopatientinnen und -patienten mit personalisierten Therapiekonzepten erfolgreich behandeln.“ Am Uniklinikum werden sowohl allogene (von verwandten oder unverwandten Spendenden) und autologe - mit Zellen von Patientin oder Patienten selbst - Transplantationen durchgeführt.

Neue Behandlungsoptionen mit genetisch modifizierten Patientenzellen
Die neu eingeführte Behandlung mit genetisch modifizierten Zellen der Patientinnen und Patienten, sogenannte CAR-T-Zellen, wird bereits seit 2018 in Dresden durchgeführt. Damit gehört Dresden zu den ersten Standorten in Deutschland, die dieses Behandlungsverfahren anwenden konnten. Jährlich werden in Dresden 60 CAR-T-Zellbehandlungen durchgeführt. Neue Wege geht Dresden auch im Bereich der individuellen Patientennachsorge. Das von Dresden aus geleitete SPIZ-Programm entwickelt einen neues, digital unterstütztes Nachsorgeprogramm für Transplantations- und CAR-T-Zell-Patientinnen und -Patienten in Sachsen. Das Projekt wird seit zwei Jahren vom Gemeinsamen Bundesausschuss (GBA) gefördert und ist ein von Dresden aus geleitetes Kooperationsprojekt mit den Standorten Leipzig und Chemnitz. Das klinische Transplantationsprogramm, die Stammzellgewinnung, die CAR-T-Zellbehandlung und Zellverarbeitung sind nach europäischen Standards seit dem Jahr 2012 akkreditiert. Bei den Qualitätsindikatoren liegt das Stammzelltransplantationsprogramm in Dresden unter den Top Ten der Zentren in Europa.

Dresden führend in der Gewebetypisierung Stammzellspende
Schon seit 1995 ist die von Prof. Gerd Ehninger gegründete Deutsche Knochenmarkspenderdatei (DKMS) enger Kooperationspartner am Standort Dresden. Neben einer seit 2003 bestehenden Stiftungsprofessur für Stammzelltransplantation gibt es enge Kooperationen zwischen DKMS und dem Uniklinikum Dresden im Bereich der Blutstammzellspende und -transplantation. Die weltweite größte Spenderdatei DKMS konnte die Verfügbarkeit von passenden Spendenden auch für Dresdner Patientinnen und Patienten in den vergangenen Jahrzehnten deutlich verbessern.

Das in Dresden ansässige DKMS Life Science Labor - das weltweit größte Gewebetypisierungslabor - übernimmt die Gewebetypisierung aller Betroffenen aus Dresden und Chemnitz und führt mit seiner Sucheinheit die nationale und internationale Spendersuche für alle Patientinnen und Patienten durch. Für über 80 Prozent der Betroffenen können auf diese Art passende, unverwandte Spendende identifiziert werden. Mehrfach konnten bei entsprechenden Aktionen erfolgreich neue Spendende aus Dresden und Sachsen gewonnen werden.

Uniklinikum renommierter Standort für klinische Studien
Zusätzlich konnte das Transplantationsprogramm das Uniklinikum Dresden zum international führenden Standort für die Durchführung von klinischen Studien entwickeln. So schloss etwa Prof. Johannes Schetelig in diesem Jahr die weltweit größte randomisierte Studie (Grappa-Studie) zur Vermeidung der Abstoßungsreaktion nach allogener Transplantation erfolgreich ab. Die Ergebnisse dieser Studie werden den neuen Behandlungsstandard festlegen.

Blick in die Zukunft der Transplantationen
Die Veranstaltung am 29. August 2025 brachte Expertinnen und Experten aus ganz Deutschland zusammen. Neben Rückblicken auf die medizinischen Meilensteine standen auch aktuelle Herausforderungen und Zukunftsperspektiven im Fokus – etwa der Umgang mit Tumoren und Infektionen, neue Konzepte der Spenderauswahl und die Bedeutung der Organspende. „Transplantationsmedizin ist Teamarbeit – und sie lebt vom Vertrauen der Gesellschaft“, so Prof. Uwe Platzbecker. „Unser Ziel ist es, diese Erfolgsgeschichte fortzuschreiben – mit wissenschaftlicher Neugier, ethischer Verantwortung und dem festen Willen, Leben zu retten.“

Weitergehende Informationen
www.dso.de/
www.uniklinikum-dresden.de/de/presse/aktuelle-medien-informationen/universitaetsklinikum-dresden-realisiert-2024-deutschlandweit-die-meisten-organspenden

Das TX-Zentrum am Uniklinikum Dresden ist in das „Netzwerk Transplantationsbeauftragte Region Ost“ eingebettet: www.txb-netzwerk-ost.de/
Aktuelle Zahlen zur Organspende in Deutschland finden sich hier: www.dso.de/organspende/statistiken-berichte/organspende
Zahlen zur Stammzelltransplantation: www.drst.de
Deutsche Knochenmarkspenderdatei: www.dkms.de

Kontakt für Medienschaffende
Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden
Pressestelle
Nora Domschke
Tel.: 0351 / 458 41 62
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