Benutzerspezifische Werkzeuge

Pflege-Bachelor als Antwort auf komplexere Therapien und steigenden Arbeitsdruck
04. November 2015

Pflege-Bachelor als Antwort auf komplexere Therapien und steigenden Arbeitsdruck

16. Dresdner Pflegetag beschäftigt sich mit den Themen Notfallversorgung, Akademisierung und Kommunikation / Erste Pflege-Studenten zur Praxisphase am Uniklinikum

Bereits zum sechzehnten Mal findet der „Dresdner Pflegetag“ statt, den abwechselnd die beiden Städtischen Kliniken und das Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden ausrichten. Die diesjährige Veranstaltung, die am morgigen Donnerstag (5. November 2015) in den Räumen der Sächsischen Landesärztekammer Dresden stattfindet, verantwortet Jana Luntz, in diesem Jahr neu berufene Pflegedirektorin des Dresdner Uniklinikums. Im Mittelpunkt der ganztägigen Veranstaltung stehen die Themenfelder Notfallmedizin, Akademisierung der Pflegeberufe sowie die berufsgruppenübergreifende Kommunikation im Team. Auch der diesjährige Pflegetag erfreut sich dabei großem Interesse und ist mit rund 200 angemeldeten Teilnehmern – vor allem Mitarbeiter der Dresdner Krankenhäuser – ausgebucht.

Der Einsatz von akademisch ausgebildeten Pflegekräften ist für die Pflegedirektorin des Dresdner Uniklinikums eine Herzensangelegenheit. Sie selbst hat vor rund zehn Jahren in Halle/Saale Pflege-und Gesundheitswissenschaft studiert und gehört damit zu den Vorreiterinnen ihres Fachs in Deutschland. Während diplomiertes Pflegepersonal bisher vor allem Leitungsaufgaben übernahm, betritt das Uniklinikum Neuland: Seit September beschäftigt es sechs Bachelor-Studierende, die neben dem Studium an der Dresden International University (DIU) ihren Praxis-Einsatz auf den Stationen des Klinikums absolvieren. Hierzu wurde ein Pilotprojekt initiiert, um neue Tätigkeitsfelder für die Akademiker zu erkunden. Ziel ist es, eine neue Generation von Pflegeexperten auszubilden. Sie sollen unter anderem als sogenannte Springer Pflegeteams unterstützen, wenn auf einer Station mehrere sehr aufwändig zu pflegende Patienten versorgt werden müssen. Oftmals leiden diese unter mehreren schweren Erkrankungen. Jana Luntz nennt als Beispiel einen Schlaganfallpatienten, der zudem unter schwerem Diabetes leidet, sich dabei jedoch wenig therapietreu zeigt. Gibt es gleich mehrere solcher Fälle auf der Station, benötigen die dortigen Schwestern und Pfleger Unterstützung von außen, um ihr Arbeitspensum zu schaffen. Künftig soll ein zentraler Pool diplomierter Pflegeexperten die Teams entlasten können. Die sechs Studierenden, die bereits am Uniklinikum ihre dreijährige Berufsausbildung in der Gesundheits- und Krankenpflege absolviert haben, arbeiten in einem bereits vor zehn Jahren etablierten Pool. Bisher sorgten hier 23 examinierte Schwestern und Pfleger dafür, durch Krankheit und Urlaub auftretende Personalengpässe auszugleichen. Nun kommen die sechs Nachwuchs-Pflegekräfte hinzu und eignen sich Spezialwissen für die neuen Aufgabengebiete an. Dank ihres Studiums, das ausbildungsbegleitend bereits vor drei Jahren begann, werden sie die Inhalte ihrer Tätigkeitsschwerpunkte teilweise selbst entwickeln und dazu ein Konzept erarbeiten. Ein weiteres mögliches Einsatzgebiet der künftigen Pflegebachelor ist die spezialisierte Pflege im Rahmen hochkomplexer Therapien etwa für Krebspatienten.

„Die Akademisierung der Pflegeberufe trägt der Zunahme an mehrfach erkrankten, besonders pflegebedürftigen Patienten Rechnung und erhöht die Attraktivität der Pflegeberufe, indem sie neue Karrieremöglichkeiten schafft“, sagt Pflegedirektorin Jana Luntz. Der Wissenschaftsrat geht davon aus, dass der Anteil der diplomierten Pflegekräfte in naher Zukunft einen Anteil zwischen zehn und zwanzig Prozent erreichen wird. Das Dresdner Uniklinikum hat diesen Trend erkannt und unterstützt die DIU dabei, einen entsprechenden Studiengang zu etablieren. Zugleich fördert das Klinikum pro Jahrgang bis zu fünf Berufsfachschüler, in dem es die Hälfte der Studiengebühren für den vierjährigen Pflegebachelor übernimmt. Der erste Jahrgang hat im Sommer nun die dreijährige Ausbildung an der Carus Akademie am Universitätsklinikum Carl Gustav Carus beendet und startet nun in den einjährigen Studienabschnitt, der zu einem Drittel den Einsatz im Pflegepool des Uniklinikums vorsieht. Wie die einzelnen Schritte der Ausbildung zwischen Klinikum und DIU aussieht und wo genau der Bedarf der künftigen Pflegebachelors liegt, steht im Mittelpunkt des zweiten Teils des Pflegetags.

Zum Auftakt der Veranstaltung geht es um die Notfallversorgung an Krankenhäusern. In das Thema führt Prof. Michael Albrecht, Medizinischer Vorstand des Uniklinikums, ein. Er spricht über die Problematik einer adäquaten Bezahlung der von den Krankenhäusern übernommenen Leistungen. Denn die deutliche Zunahme an Notfallpatienten belastet viele Krankenhäuser überproportional. Die Notfallbehandlung als Teamleistung sowie das Katastrophen- und Krisenmanagement sind weitere Themen dieses Programmpunkts. Fragen zur Arbeit und Kommunikation im Team bilden den Abschluss des Pflegetags. Hier geht es um psychische Belastungen der in der Krankenpflege Tätigen, die „Deeskalation in Notaufnahmen“ – zum Beispiel im Umgang mit besorgten Eltern, Demenzkranken oder alkoholisierten Patienten – und die Kommunikation in den Teams, in denen unterschiedlichste Berufsgruppen – von der Pflegehelferin bis zum Oberarzt – zusammenarbeiten.

Weitere Informationen
www.carus-management.de/veranstaltungen/2015/11/psd___16_dresdner_pflegetag

Kontakt für Journalisten
Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden
Bereich Pflege, Service, Dokumentation
Pflegedirektorin: Jana Luntz
Telefon: 0351 458 3362
E-Mail: