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Notfall-Hotline des Klinikums unterstützt Intensivmediziner regionaler KrankenhäuserProf. Dr. Thea Koch, Direktorin der Klinik und Poliklinik für Anästhesiologie und Intensivtherapie. Foto: Uniklinikum Dresden/Christoph Reichelt
27. April 2015

Notfall-Hotline des Klinikums unterstützt Intensivmediziner regionaler Krankenhäuser

Neue Möglichkeiten bei der Versorgung von Patienten mit schwersten Lungenproblemen / Prof. Thea Koch leitet vom 7. bis 9. Mai „Deutschen Anästhesiecongress 2015“

Experten der Klinik für Anästhesiologie und Intensivtherapie am Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden unterstützen die Krankenhäuser der Region mit einer Notruf-Hotline. Sie sind unter dieser Nummer rund um die Uhr erreichbar, um ihre Krankenhaus-Kollegen aus Ostsachsen bei der Behandlung von Patienten mit akutem Lungenversagen (ARDS) zu beraten. Wenn sich der Zustand des Betroffenen dennoch nicht verbessert, fahren die Dresdner Mediziner in die jeweilige Klinik, um den Intensivpatienten vor Ort zu untersuchen. In Einzelfällen setzen sie dann ein mobiles Lungenersatzverfahren ein und verlegen die gefährdeten Patienten nach Absprache mit dem behandelnden Arzt ins Uniklinikum. Dieses und weitere innovative Netzwerk-Konzepte sind einer der Schwerpunkte auf dem diesjährigen Deutschen Anästhesiecongress. Die unter der Präsidentschaft von Prof. Thea Koch, Direktorin der Klinik für Anästhesiologie und Intensivtherapie des Dresdner Uniklinikums, stattfindende Tagung steht unter dem Motto „Werte – Weitsicht – Wissenschaft“. Vom 7. bis 9. Mai diskutieren Mediziner aus ganz Deutschland in Düsseldorf mögliche Entwicklungen und Trends der Anästhesiologie.

Als Präsidentin des Deutschen Anästhesiecongresses 2015 hat sich Prof. Koch unter anderem für das Thema Telemedizin in der Intensiv- und Notfallversorgung von Patienten stark gemacht. Zwar sind bereits erste Projekte etabliert, die mithilfe von Telekommunikation die klinikübergreifende Zusammenarbeit fördern. Doch anders als in der Akutversorgung von Schlaganfallpatienten durch Neurologen fehlt es den Anästhesisten und Notfallmedizinern noch an finanziellen Mitteln zum Aufbau regionaler Strukturen in der Telemedizin. Prof. Thea Koch warnt vor den sich daraus ergebenden Einschränkungen in der Krankenversorgung aber auch in der Forschung: „Die Telemedizin ermöglicht schwerkranken Patienten unabhängig von ihrem Wohnort die bestmögliche Behandlung. Deshalb ist es wichtig, solche Netzwerke zu fördern und auszubauen. Als Partner der Medizin ist hier auch die Politik in der Pflicht, die geeigneten Rahmenbedingungen zu schaffen und vielversprechende Konzepte finanziell abzusichern.“

Seit drei Jahren engagiert sich die Klinik für Anästhesiologie und Intensivtherapie dafür, regionale Krankenhäuser bei der Versorgung von Intensivpatienten zu unterstützen. Mediziner aus umliegenden Kliniken können im Rahmen einer Notruf-Hotline rund um die Uhr erfahrene Oberärzte der Klinik kontaktieren. Genutzt wird dies unter anderem bei gravierenden Lungenproblemen von intensivmedizinisch versorgten Patienten. Verschlechtert sich deren Zustand im Laufe der Therapie weiter, bietet das Uniklinikum eine Verlegung des Patienten nach Dresden an. Dieses Angebot wird von vielen Medizinern aus dem Umland hochgeschätzt. Die Verlegung bietet den entscheidenden Vorteil, dass modernste Medizintechnik, wie zum Beispiel die extrakorporale Membranoxygenierung (ECMO), bereitsteht. Hierbei übernimmt eine Maschine die Funktion der Lunge und reichert das Blut des Patienten außerhalb des Körpers mit Sauerstoff an. Für die Dauer der Behandlung kann die Lunge somit maximal geschont werden.

„Leider gibt es aber auch immer wieder Fälle, in denen wir vor der Verlegung Zeit verlieren, da wir Voruntersuchungen vornehmen müssen, die sich mit telemedizinischen Möglichkeiten wie einer gemeinsamen Datenbank, einer Web-Cam-Zuschaltung oder einer digitalen Übersicht zu den Vitalwerten des Patienten vermeiden ließen“, erklärt Privatdozent (PD) Dr. Peter Spieth, der die Notruf-Hotline seit ihrer Gründung begleitet. Das bestehende Programm wird im Sommer 2015 weiter ausgebaut. Durch die Inbetriebnahme eines in Dresden stationierten und mit Ärzten des Uniklinikums besetzten Intensiv-Krankentrans¬portwagens (ITW) lässt sich die Verlegung von schwerstkranken Patienten deutlich verbessern.

Dresdner Uniklinikum ist Vorreiter bei Medizin-Netzwerken
Das Universitätsklinikum Carl Gustav Carus ist bundesweit Vorreiter beim Aufbau von Netzwerken zur medizinischen Versorgung von Patienten. Die Basis bildet dabei die 2008 gegründete Carus Consilium Sachsen GmbH, eine Tochterfirma des Uniklinikums, die mit verschiedensten Partnern aus Sachsens Wirtschaft, Forschung und Politik zusammenarbeitet, um die Krankenversorgung in der Region zu verbessern. Die Chancen speziell der telemedizinischen Vernetzung zeigen sich heute bereits deutlich an der Klinik für Neurologie. Hier werden Schlaganfallpatienten aus ganz Ostsachsen im Rahmen des SOS-NET-Programms, dem unter anderem eine Web-Cam-Betreuung zugrunde liegt, telemedizinisch versorgt. „Die Vernetzung und damit auch Durchdringung des ländlichen Raums wird in Zukunft immer wichtiger werden“, sagt Prof. Thea Koch. „Die Erweiterung unseres bestehenden Programms ist daher ein erster Schritt in die richtige Richtung. Nun gilt es aber auch die Möglichkeiten der neuen Kommunikationsmittel auszuschöpfen und massiv in den Ausbau der telemedizinischen Versorgung zu investieren, um in der Krankenversorgung unabhängig vom Behandlungsort zeitgemäße Spitzenmedizin leisten zu können.“

Kontakt
Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden
Klinik und Poliklinik für Anästhesiologie und Intensivtherapie
Direktorin: Prof. Dr. Thea Koch
Tel. 0351/ 4 58 34 53 (Sekretariat)
E-Mail: thea.koch@uniklinikum-dresden.de
www.uniklinikum-dresden.de/ane