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Takotsubo-Kardiomyopathie: Wenn Stress das Herz aus dem Takt bringtBei der Takotsubo-Kardiomyopathie erweitert sich die linke Herzkammer ballonartig und es treten herzinfarktähnliche Beschwerden auf.
07. Juni 2016

Takotsubo-Kardiomyopathie: Wenn Stress das Herz aus dem Takt bringt

Uniklinikum prüft Zusammenhang psychosomatischer Störungen mit Herzerkrankungen / Mediziner suchen gesunde Teilnehmer für „Broken Heart-Syndrom“-Studie

Atemnot, Brustenge und Schmerzen im Oberkörper: Die Symptome der Takotsubo-Kardiomyopathie, auch Stress-Kardiomyopathie oder „Broken Heart-Syndrom“ genannt, gleichen denen eines Herzinfarkts. Am Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden untersucht das Autonome und Neuroendokrinologische Funktionslabor der Klinik für Neurologie in Zusammenarbeit mit der Klinik für Psychosomatik und Psychotherapie und dem Herzzentrum Dresden jene Risikofaktoren, die das Entstehen der Erkrankung begünstigen. Denn anders als beim Herzinfarkt sind nicht verstopfte Arterien für die Beschwerden verantwortlich, sondern ein Überschuss an Stresshormonen, sogenannten Katecholaminen. In vielen Fällen lässt sich dieser erhöhte Anteil auf eine emotionale oder physische Ausnahmesituation zurückführen, die unmittelbar vor der Takotsubo-Kardiomyopathie aufgetreten ist. Um herauszufinden, warum einzelne Patienten so intensiv auf Stresssituationen reagieren, werden im Rahmen einer Studie jetzt Vergleichsdaten gesunder Frauen im Alter von 65 bis 80 Jahren sowie gesunder Männer zwischen 35 und 50 Jahren erhoben. Interessierte erhalten neben einer Aufwandsentschädigung auch ihre im Rahmen der Studie erhobenen Gesundheitsdaten.

Die Takotsubo-Kardiomyopathie wurde erstmals 1990 von japanischen Wissenschaftlern beschrieben. Trotz intensiver Forschungsbemühungen um ein besseres Verständnis der Erkrankung, ist bisher wenig über die Ursachen bekannt. Die Patienten leiden unter vielfältigen Bewegungsstörungen des Herzmuskels und einer eingeschränkten Pumpfunktion der linken Herzkammer. Im Herzecho der Betroffenen zeigt sich ein charakteristisches Bild mit einer teilweise ballonartigen Aufweitung der linken Herzkammer ähnlich der japanischen Tintenfischfalle „Takotsubo“, nach der das Krankheitsbild heute benannt ist. Ein Großteil der Patienten, von denen etwa 80 Prozent Frauen sind, übersteht das sogenannte „Broken-Heart-Syndrom“ zunächst ohne größere gesundheitliche Schäden. „Doch Langzeitbeobachtungen zeigen, dass Frauen und Männer, die an einer Takotsubo-Kardiomyopathie leiden, anfälliger für Folgeerkrankungen des Gehirns und des Herzens sind“, betont Dr. Manja Reimann vom Autonomen und Neuroendokrinologischen Funktionslabor am Uniklinikum Dresden. „Obwohl sich die Herzfunktion bei den meisten Patienten innerhalb von Tagen normalisiert, entwickelt etwa jeder fünfte Patient während der ersten Tage nach dem Anfall ernste Komplikationen wie etwa einen Anriss der Herzkammer, Bildung von Blutgerinnseln oder lebensbedrohliche Herzrhythmusstörungen. In seltenen Fällen kann die Erkrankung deshalb sogar zum Tod führen“, weiß Dr. Manja Reimann.

Obwohl Wissenschaftler nur ansatzweise verstehen, wie die Erkrankung entsteht, vermuten die Fachleute, dass das autonome Nervensystem eine Schlüsselrolle in der Krankheitsentstehung spielt, da dieses für die Ausschüttung von Stresshormonen - sogenannten Katecholaminen – verantwortlich ist. Katecholamine sind unter anderem an der Regulation von Herzfunktion und Blutdruck insbesondere unter Stressbedingungen beteiligt. Doch bisher ist unklar, warum es zu einer massiven Anreicherung der Stresshormone im Herzen der Betroffenen kommt. Diese Frage sollen die Forschungen von Dr. Manja Reimann und ihren Kollegen beantworten. Die Dresdner Wissenschaftler vermuten, dass Patienten mit Takotsubo-Kardiomyopathie eine erworbene neurobiologische Empfindsamkeit gegenüber Stressreizen aufweisen, die vergleichbar mit denen von Patienten mit Panikstörungen ist. In Analogie zur Takotsubo-Kardiomyopathie werden während einer Panikattacke massiv Stresshormone freigesetzt, vermutlich als Folge einer über Jahre entwickelten Überforderung der körpereigenen Stresssysteme.

Um genauere Erkenntnisse über die Verbindung zwischen Panikstörungen und Herzerkrankungen zu gewinnen, werden neben Patienten mit Takotsubo-Kardiomyopathie auch gesunde Probanden und Patienten mit Panikstörung, die nicht unter chronischen Krankheiten leiden, in die Studie miteinbezogen. „Um die körperlichen und mentalen Reaktionen auf Stress zu untersuchen, durchlaufen die Teilnehmer an zwei Untersuchungsterminen verschiedene Stresstests. Ein Teil der in dieser Studie angewandten Untersuchungsmethoden wird routinemäßig eingesetzt, um in der Klinik für Neurologie Schwindel, unklare Bewusstlosigkeit und Herzstolpern abzuklären. Damit stellen die Methoden eine sinnvolle diagnostische Ergänzung zur Abklärung somatischer Beschwerden bei Angstzuständen dar“, erklärt Dr. Manja Reimann. Die erhobenen Daten zur Stressreaktion der gesunden Kontrollgruppe vergleichen die Wissenschaftler anschließend mit jener Reaktion der Stress-Kardiomyopathie-Patienten und mit jenen, die unter Panikstörungen leiden. Die Teilnahme an der Studie wird mit einer Aufwandsentschädigung von 150 Euro vergütet. Bereits 2017 soll sie erste Ergebnisse zur „Takotsubo-Kardiomyopathie“ liefern.

Kontakt für Studienteilnehmer
Interessierte können sich unter Telefon 0351 / 458 -3859 sowie E‑Mail anf@uniklinikum-dresden.de für die Studie anmelden.

Kontakt für Journalisten
Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden
Klinik und Poliklinik für Neurologie
Autonomes und Neuroendokrinologisches Funktionslabor (ANF-Labor) Dresden
Dr. Manja Reimann
Tel. 0351/ 458 38 62
E-Mail: manja.reimann@uniklinikum-dresden.de
www.uniklinikum-dresden.de/neu