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Patientensicherheit - ABS-Programme verhindern Ausprägung von multiresistenten ErregernDr. Dr. Katja de With, Pharmazeutin und Internistin sowie Leiterin des „Zentralbereichs Klinische Infektiologie“ am Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden.
22. April 2015

Patientensicherheit - ABS-Programme verhindern Ausprägung von multiresistenten Erregern

Infektiologen drängen auf umfassenden Ausbau der deutschen „Antibiotic Stewardship“-Programme / Experten-Teams beraten Kliniken bei Antibiotika-Vergabe

Die steigende Anzahl an multiresistenten Erregern schränkt zunehmend die Behandlungsmöglichkeiten mit Antibiotika ein. Um die Wirksamkeit von Antiinfektiva zu erhalten und dem Mangel an Fachpersonal entgegen zu wirken, rufen deshalb immer mehr deutsche Kliniken „Antibiotic Stewardship“-Programme (ABS) ins Leben, in deren Rahmen ein interdisziplinäres Team die Ärzteschaft bei der richtigen Anwendung und Dosierung von Antibiotika-Arzneien berät. Während ABS-Programme in den USA, Portugal und Belgien längst etabliert sind, fehlt es deutschen Kliniken oft an finanziellen Mitteln. Auf dem 121. Internistenkongress der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin machte Dr. Dr. Katja de With, Pharmazeutin und Internistin sowie Leiterin des „Zentralbereichs Klinische Infektiologie“ am Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden, gestern (21. April) auf die angespannte Situation im Gesundheitswesen aufmerksam und forderte politische Unterstützung für die Arbeit gegen multiresistente Erreger. Das Uniklinikum Dresden ergriff bereits im März 2014 die Initiative und finanzierte aus eigenen Mitteln ein Zentrum zur Weiterbildung und Überwachung der korrekten Anwendung von Antibiotika-Arzneien.

„Die falsche Verschreibung von Antibiotika über einen zu langen Zeitraum hat in den letzten Jahren dazu geführt, dass sich vermehrt multiresistente Erreger gebildet haben, die mit Antibiotikum nur noch schwer zu behandeln sind“, erklärt Dr. Katja de With. Insbesondere in der Transplantationsmedizin sind antibiotika-resistente Erreger eine nicht zu unterschätzende Gefahr für das Leben geschwächter Patienten. Um eine optimale Patientensicherheit gewährleisten zu können, werden ABS-Programme deshalb immer wichtiger. Sie regeln die Auswahl der Substanzen, die Dosierung und Anwendungsdauer der Medikamente und helfen dadurch das Risiko einer Resistenzentwicklung zu minimieren. Während ABS-Programme international bereits anerkannt sind, steht die Einführung von ABS-Programmen in Deutschland noch an ihrem Anfang. „In vielen Fällen fehlt es den Kliniken an geeignetem Personal, um die Richtlinien der Deutschen Gesellschaft für Infektiologie in der Praxis umzusetzen. Hier ist die Politik in der Pflicht durch zusätzliche Investitionen den Ausbau der Programme zu unterstützen, neue Stellen zu schaffen und Deutschlands Position als Standort für weltweite Spitzenmedizin zu stärken“, fordert Dr. Katja de With.

Das Universitätsklinikum Dresden hat als eine der ersten deutschen Kliniken reagiert und bereits im März 2014 mit der Einrichtung des „Zentralbereichs Klinische Infektiologie“ strukturelle Grundlagen zur Resistenzbekämpfung geschaffen. Neben der Betreuung des Universitätsklinikums und der Weiterbildung der hiesigen Ärzteschaft, gehört auch der Aufbau eines sachsenweiten Dokumentationssystems über den Antibiotika-Verbrauch zum Aufgabenspektrum des neuen Zentralbereichs. „Wichtig ist jetzt, dass wir die notwendigen Mittel erhalten, um unser Engagement im Kampf gegen Antibiotika-Resistenzen aufrechtzuerhalten und weiter ausbauen. Die Arbeit von Dr. Katja de With und ihrem Team ist – gerade im Hinblick auf die Einrichtung eines Beobachtungssystems zum Antibiotika-Verbrauch – wegweisend für die Patientensicherheit in Sachsen“, sagt Prof. Michael Albrecht, Medizinischer Vorstand des Universitätsklinikums. Das ABS-Programm ist nach der Etablierung des medizinischen Qualitätsmanagements im Jahr 2000 der nächste große Meilenstein, der die hohe Patientensicherheit am Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden weiter entwickelt und nochmals verbessert.

Auch wenn die Einrichtung der ABS-Programme noch zu langsam voranschreitet, machen sich doch kleine Erfolge bemerkbar: Mit Unterstützung des Bundesministeriums für Gesundheit gelang es der Deutschen Gesellschaft für Infektiologie eine ABS-Fortbildungs-Initiative ins Leben zu rufen. Mit ihr konnten 300 Ärzte zu ABS-Experten weitergebildet werden. Doch bei der Aus- und Weiterbildung von Infektiologen, die mit ihrer besonderen Fachexpertise die Leitung der ABS-Programme übernehmen, fehlt es noch immer an entsprechenden Angeboten, die helfen, den steigenden Personalbedarf an qualifizierten Fachkräften zu decken. ABS-Experten-Teams bestehen pro Klinik in der Regel aus einem Infektiologen, einem Fachapotheker, einem Facharzt für Mikrobiologie und einem Hygieneverantwortlichen. Diese Fachleute orientieren sich bundesweit an den Richtlinien der Deutschen Gesellschaft für Infektiologie, die pro 500 Betten die Einrichtung einer Vollzeitstelle empfiehlt. In einer neuen Leitlinie nennt die Gesellschaft eine verkürzte Therapiedauer, eine optimierte Medikamenten-Dosis und eine Verwendung von erregerspezifischen Wirkstoffen – anstatt sogenannter Breitspektrum-Präparate – als Schlüsselfaktoren der Resistenzbekämpfung. Diese Maßnahmen führen dazu, dass Laborressourcen langfristig besser genutzt werden und die Verschreibungsqualität zunimmt. Der geminderte Medikamentenverbrauch verbessert damit nicht nur die Patientensicherheit, sondern erweist sich langfristig gesehen als wirtschaftlich rentabel und deckt die höheren Personalkosten.

Weiterführende Informationen
Deutsche Gesellschaft für Infektiologie: www.dgi-net.de

Kontakt
Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden
Zentralbereich Klinische Infektiologie
Leitung: Dr. hum.biol. Dr. med. Katja de With
Tel. 0351/ 4 58 28 51 (Sekretariat)
E-Mail: katja.dewith@uniklinikum-dresden.de
www.uniklinikum-dresden.de/infektiologie