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Transplantation

Transplantation

  • Transplantationschirurgie am Universitätsklinikum Dresden

Die lebensrettende Übertragung von Organen hirntoter Spender hat am Universitätsklinikum Dresden eine lange Tradition. Noch zu Ost-Zeiten wurden in den siebziger Jahren umfangreiche Forschungen durch die damalige Klinik für Chirurgie unter der Leitung von Herrn Professor Dr. H. Wolff vorangetrieben, die in der ersten erfolgreichen humanen Lebertransplantation im ehemaligen Ost-Block am 6.3.1977 gipfelte.

Die Nierentransplantation wird seit 1995 durch die Klinik für Urologie in Dresden durchgeführt. Im Jahre 2008 erhielt die Klinik für Viszeral-, Thorax- und Gefäßchirurgie die Zulassung als Zentrum zur Transplantation von Bauchspeicheldrüsen (Pankreas) und Insel-Zellen. Schon seit Jahrzehnten werden zahlreiche Patienten mit Diabetes mellitus Typ 1 durch die ausgewiesenen Diabetes-Spezialisten der Medizinischen Klinik 3 betreut; dies und die in Dresden beheimateten Forschungszentren (das Paul-Langerhans-Institut des Deutschen Zentrums für Diabetesforschung [DZD], das Zentrum für Regenerative Therapien Dresden [CRTD], das Max Planck Institut) waren entscheidende Faktoren, dass die Klinik für VTG-Chirurgie als europäisches Zentrum für Operationen an der Bauchspeicheldrüse (Pankreas) diese Erweiterung ihres Spektrums aufbauen konnte. Die Transplantationen werden seither gemeinsam als Kooperation der Kliniken für Viszeral-, Thorax- und Gefäßchirurgie (VTG), der Medizinischen Klinik 3 und der Klinik für Urologie durchgeführt.

  • Geschichte der Pankreastransplantation

Seit der ersten Pankreastransplantation 1966 wurden bis zum Jahr 2004 bereits mehr als 30.000 Pankreastransplantationen weltweit durchgeführt. Zu Beginn der Pankreastransplantation wurden sowohl komplette Organ- als auch Segmenttransplantationen vorgenommen, die mit Komplikationen durch den exokrinen Gewebeanteil (z.B. Leckagen, Abszesse, Gefäßthrombosen) behaftet waren. Auch blieb die Frage nach einer positiven Beeinflussung der diabetischen Spätkomplikationen zunächst offen. Als zusätzlich belastend für den Patienten kommen der lange intensivmedizinische Krankenhausaufenthalt und eine lebenslange immunsuppressive Behandlung hinzu.

Deshalb erfolgen die Pankreastransplantationen fast ausschließlich in Kombination mit der Transplantation anderer Organe. Langjährige Diabetiker mit Nierenversagen aufgrund diabetischer Nephropathie sind daher die größte Patientengruppe, wobei Niere und Pankreas entweder simultan (ca. 78% der Eingriffe) oder sequentiell, erst die Niere, dann das Pankreas (ca. 14% der Eingriffe), transplantiert werden. Nur in seltenen und besonders ausgewählten Fällen wird ein Spenderpankreas allein transplantiert (6%). Eine singuläre Pankreastransplantation ist zum Beispiel dann angezeigt, wenn es durch die Substitution von Insulin per Injektion nicht möglich ist, den Blutglukosespiegel einzustellen oder wenn es sich um einen extrem instabilen Diabetes oder eine schwere Hypoglykämiewahrnehmungsstörung (Unterzucker) handelt.

Durch verbesserte chirurgische Techniken, ein verbessertes perioperatives Management, weiterentwickelte immunsuppressive Strategien sowie mit zunehmender Erfahrung der einzelnen Zentren kam es im Verlauf der letzten 2 Jahrzehnte zu einem deutlichen Anstieg der erfolgreichen Pankreastransplantationen. Das Einjahrespatientenüberleben liegt für alle drei Verfahren über 95%, nach einem Jahr sind 76-85% der Patienten insulinunabhängig und weisen ohne Insulinsubstitution normale Blutzuckerwerte auf. Ebenso lassen sich eine Normalisierung des metabolischen und kardiovaskulären Risikoprofils feststellen. Mit dem Erreichen einer Insulinunabhängigkeit verbessert sich auch die Lebensqualität der Patienten nach der Transplantation signifikant. Zudem ist ein protektiver Effekt auf die Transplantatniere und eine Verbesserung der diabetischen Neuropathie vorhanden.

Die Pankreastransplantation ist damit heutzutage bei vertretbarem Operationsrisiko für dialysepflichtige Typ-I-Diabetiker ein lebensrettender Eingriff, der die Spätschäden des Diabetes stoppt oder gar verbessert und die Lebensqualität deutlich verbessert.

  • Transplantation von Bauchspeicheldrüse/Niere (simultan)

Ein Grund zur Transplantation der Bauchspeicheldrüse in Kombination mit einer Niere stellt die bereits bestehende bzw. drohende Dialysepflichtigkeit bei Patienten mit Diabetes mellitus Typ 1 dar. Idealerweise können damit eine Dialysebehandlung vermieden oder beendet und die täglich mehrfachen Insulin-Injektionen überflüssig werden. Erforderlich wird jedoch die lebenslange Einnahme von Medikamenten, die das Immunsystem unterdrücken, um Abstoßungen zu vermeiden. Mögliche Nebenwirkungen werden jedoch von den lebensverlängernden Effekten der Organtransplantation aufgewogen. Damit im besten Falle die Dialysetherapie nicht erst erforderlich wird, ist eine rechtzeitige Vorstellung in unserem Zentrum durch den behandelnden Diabetologen oder Nephrologen wichtig, um den Betroffenen rechtzeitig auf die Warteliste bei Eurotransplant setzen zu können. Hierzu müssen Voruntersuchungen durchgeführt werden, um auszuschließen, dass sich im Körper Infektherde oder nicht erkannte Tumoren befinden, die nach Transplantation ein Problem darstellen könnten. Diese Untersuchungen können stationär oder ambulant durchgeführt werden. Nach Listung liegt die Wartezeit zwischen 1,5 und 3 Jahren.

Operation

Die Operation wird in Vollnarkose durchgeführt und dauert ca. 3-6 Stunden. Nach Vorbereitung der Spenderorgane eröffnet ein Bauchschnitt in der Mittellinie den Bauchraum. Die Gefäße der Bauchspeicheldrüse werden an die rechte Beckenschlagader bzw. die untere Hohlvene genäht, das Sekret der Bauchspeicheldrüse wird über eine Verbindung zum Darm abgeleitet. Danach kann die Spender-Niere an die Gefäße der linken Beckengefäße angeschlossen werden. Der Harnleiter wird über eine innere Schienung in die Blase eingenäht. Die funktionslosen eigenen Organe verbleiben im Körper, da eine Entfernung  eine unnötige Ausdehnung der Operation würde.

Postoperativer Verlauf

Die initiale Überwachung erfolgt auf der Intensivstation. Bei komplikationslosem Verlauf kann nach einigen Tagen die Verlegung auf die Normalstation erfolgen. Es können jedoch auch wiederholte Operationen notwendig werden, wenn eine Entzündung der transplantierten Bauchspeicheldrüse vorliegt, die eine Spülung des Bauchraumes erforderlich macht. Auch bei fraglichen Durchblutungsstörungen der transplantierten Organe oder anderen Problemen kann eine Re-Operation notwendig sein. Die Dauer des stationären Aufenthaltes ist vom Verlauf abhängig und beträgt mindestens 2 Wochen.

Nachsorge

Bei Entlassung aus der stationären Behandlung wird durch die behandelnden Ärzte eine Rehabilitationsmaßnahme beantragt, sowie regelmäßige Wiedervorstellungstermine vereinbart, zunächst in wöchentlichen Abständen. Daher empfehlen wir die Rehabilitationsmaßnahme erst nach ca. 3 Monaten anzutreten, wenn von einer stabilen Funktion der transplantierten Organe auszugehen ist und die Vorstellungsintervalle größer gewählt werden können. Im weiteren Verlauf soll die Nachbetreuung vom niedergelassenen Nephrologen oder Diabetologen weitergeführt werden, wobei in größeren Abständen Vorstellungstermine in unserer Ambulanz geplant sind. Bei akut auftretenden Beschwerden sind wir rund um die Uhr für den behandelnden Arzt oder direkt für den Patienten ansprechbar.

  • Transplantation von Bauchspeicheldrüse (allein) oder Insel-Zellen

Ein alleinige Verpflanzung der Bauchspeicheldrüse kann bei Patienten mit Diabetes mellitus Typ 1 vorgenommen werden, wenn die Eigennierenfunktion nicht eingeschränkt, bzw. wenn bereits eine Niere verpflanzt worden ist (z.B. von einem Lebendspender). Auch bei Patienten mit geschädigter Bauchspeicheldrüse als Folge wiederholter Entzündungen kann unter bestimmten Voraussetzungen eine alleinige Bauchspeicheldrüsenverpflanzung erwogen werden.

Die Bauchspeicheldrüse wird wie oben beschrieben in den rechten Unterbauch transplantiert. Dabei werden Gefäßnähte zur Schlagader und Vene hergestellt und wird eine Verbindung zum Darm des Empfängers hergestellt um einen Abfluss des gebildeten Bauchspeicheldrüsensekrets zu gewährleisten.

Die Transplantation von Inselzellen können wir am Universitätsklinikum Dresden als einziges Zentrum in Deutschland anbieten. Dabei werden nur die Insulin- (und andere Hormone) produzierenden Zellen  bei Patienten verpflanzt, die trotz optimaler Insulintherapie einen extrem instabilen Glukose-Stoffwechsel aufweisen. Ziel ist die Stabilisierung des Blutzuckerstoffwechsels um lebensbedrohliche akute Unterzuckerungen zu verhindern, nicht die vollkommene Unabhängigkeit von Insulininjektionen. Die Isolation und Aufreinigung der Zellen aus dem Spenderorgan wird von unseren Kollegen der Diabetologie der Medizinischen Klinik 3 in einem aufwendigen Prozess vorgenommen. Die Transplantation erfolgt dann in Narkose über einen kleinen Schnitt im rechten Oberbauch. Nach Einlage eines Katheters in die Pfortader (Vene, die Blut aus dem Magen-Darm-Trakt in die Leber transportiert) werden die Inselzellen in die Leber eingeschwemmt, wo sie sich festsetzen und ihre Funktion aufnehmen.

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