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Versorgungsforschung der Dresdner Hochschulmedizin erhält Millionenförderung
23. Januar 2017

Versorgungsforschung der Dresdner Hochschulmedizin erhält Millionenförderung

Innovationsfonds der Bundesregierung unterstützt Uniklinikum und Fakultät mit 2,2 Millionen Euro

Die Dresdner Hochschulmedizin hat sich mit großem Erfolg am kompetitiven Verfahren für eine finanzielle Förderung aus dem Innovationsfonds der Bundesregierung beteiligt. Allein zur Förderung von Studien der Versorgungsforschung hat der Innovationsausschuss des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) 75 Millionen Euro bereitgestellt. Inzwischen sind insgesamt 62 Projekte für eine Förderung ausgewählt worden. Der Zuschlag für vier Projekte ging dabei an das Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden beziehungsweise an die gleichnamige Medizinische Fakultät. Damit ist die Dresdner Hochschulmedizin nach dem Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf erfolgreichster Antragsteller auf dem Gebiet der Versorgungsforschung: Für die vier Dresdner Projekte wurden gut 2,2 Millionen Euro an Fördergeldern bewilligt.

Das Zentrum für Evidenzbasierte Gesundheitsversorgung (ZEGV) war bei zwei Projekten Hauptantragsteller. Dessen Direktor Prof. Jochen Schmitt verantwortet als Konsortialführer die Projekte „Determinanten bei der Versorgung von Patienten mit Wirbelsäulenoperation“ (DEWI) und „Effektivität des Initiative Qualitätsmedizin (IQM)-Peer Review Verfahrens zur Verbesserung der Ergebnisqualität“ (IMPRESS). Damit ist der ZEGV-Direktor als Person einer der erfolgreichsten Antragsteller im Innovationsfonds. Mit 1,5 Millionen Euro konnte Prof. Andrea Pfennig von der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie den größten Betrag für die Hochschulmedizin Dresden einwerben. Sie erhält die Mittel für das Projekt „Wirksamkeit sektorenübergreifender Versorgungsmodelle in der Psychiatrie“ (PsychCare). Zudem war Prof. Andreas Hermann von der Klinik für Neurologie mit dem Projektantrag „Eyetracking-basierte Erhebung der Lebensqualität von Patienten mit Locked-in-Syndrom“ (EyeLLIS) erfolgreich.

Das übergeordnete Ziel des Innovationsfonds ist es, die Versorgung in der gesetzlichen Krankenversicherung qualitativ weiterzuentwickeln. „Wir freuen uns außerordentlich, dass unsere Forschungsprojekte durch den Innovationsfonds der Bundesregierung gefördert und damit in ihren Forschungsanliegen für wichtig erachtet werden“, so Prof. Michael Albrecht, Medizinischer Vorstand des Universitätsklinikums. „Die Ergebnisse der insgesamt vier geförderten Projekte werden Erkenntnisse liefern, die vom Gemeinsamen Bundesausschuss in seine Richtlinien zur Gestaltung der Versorgung übernommen werden oder dem Gesetzgeber als Grundlage für strukturelle Veränderungen des gesetzlichen Rahmens dienen können.“

Psychiatrie: Weiterentwicklung der sektorenübergreifenden Versorgung
Mit einer Gesamtfördersumme von 2,2 Millionen Euro wird das Projekt „Wirksamkeit sektorenübergreifender Versorgungsmodelle in der Psychiatrie“ (PsychCare) gefördert, davon gehen 1,5 Millionen Euro nach Dresden. Ansatzpunkt ist die Erkenntnis, dass psychische Erkrankungen einen Menschen oft ein Leben lang begleiten. Sie beeinflussen die soziale Teilhabe der Betroffenen und verursachen hohe Kosten im Gesundheitssystem. Um psychische Erkrankungen gut versorgen zu können, müssen unterschiedliche Berufsgruppen aus ambulanten und stationären Einrichtungen wie beispielsweise psychiatrische Ambulanzen und Tageskliniken im Rahmen einer sektorenübergreifenden Versorgung eng zusammenarbeiten.

Das Team um die Projektleiterin und Hauptantragstellerin Prof. Andrea Pfennig von der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie des Dresdner Uniklinikums beurteilt bestehende Behandlungsmodelle, die über die bisherige Regelversorgung hinausgehen. „Das Besondere an diesen Modellen ist, dass sie die Weiterentwicklung der sektorenübergreifenden, patientenzentrierten psychiatrischen Versorgung durch die Bildung eines Gesamtbudgets aus stationärem Krankenhausbudget und den Erlösen der Psychiatrischen Institutsambulanz (PIA), ermöglichen“ erklärt Prof. Andrea Pfennig. „Die Sicht aller Betroffenen, also den Patienten, Angehörigen und dem medizinischem Personal, steht bei der Untersuchung im Mittelpunkt.“ Die Wissenschaftler evaluieren, wie sich die Behandlungszufriedenheit und Lebensqualität im Vergleich zur Regelversorgung verändert. Hinzu kommen Faktoren, wie beispielsweise Symptombelastung, berufliche Integration, Fehlzeiten in der Schule, Arbeitsunfähigkeit und Angehörigenbelastung. Befragt werden unter anderem Erwachsene mit einer Suchterkrankung, einer affektiven Störung oder Schizophrenie und Kinder mit Verhaltensauffälligkeiten oder Essstörungen.

Die Antworten von Patienten aus Modellkliniken und aus Kliniken der Regelversorgung werden miteinander verglichen. Auch Angehörige und Behandler werden befragt. Gleichzeitig erheben die Wissenschaftler Kosten von Modell- und Kontrollkliniken, berechnen deren Kosten-Effektivität und kombinieren Angaben aus Befragungen mit Routinedaten gesetzlicher Krankenkassen und vergleichen sie miteinander. „PsychCare liefert wichtige Erkenntnisse zu psychiatrischen Behandlungsmodellen aus der Sicht von Patienten, Angehörigen und Behandlern“, so Prof. Pfennig. „Erfolgreiche Behandlungsmodelle können in die Regelversorgung übertragen und Versorgungsabläufe der Behandlung psychisch kranker Patienten verbessert werden.“ Konsortialpartner  dieses Projekts ist sind das von Prof. Jochen Schmitt geleitete ZEGV, die Medizinische Hochschule Brandenburg (Prof. Heinze), das Universitätsklinikum Würzburg (Prof. Romanos), die Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg (Dr. Swart) und das WIG2 in Leipzig (Dr. Häckl).

Wirbelsäulenchirurgie bedarfsgerecht und effizient planen und gestalten
In der alternden Gesellschaft nehmen Gelenk- und Wirbelsäulenerkrankungen zu und gehören inzwischen zu den Volkskrankheiten. Eine chronisch erkrankte Wirbelsäule beeinträchtigt Lebensqualität und Arbeitsfähigkeit der Betroffen erheblich, was auch hohe Kosten verursacht. – Auch weil sich in den vergangenen Jahren die Zahl der Wirbelsäulenoperationen verdoppelte. Allerdings gibt es dabei starke regionale Unterschiede, was Hinweise darauf liefert, dass nicht alle Patienten optimal versorgt werden. Mit dieser Problematik beschäftigt sich das Forschungsprojekt „Determinanten bei der Versorgung von Patienten mit Wirbelsäulenoperation“ (DEWI), das mit einer Gesamtfördersumme von einer Viertelmillion Euro gefördert wird. Davon fließen 200.000 Euro an die Dresdner Hochschulmedizin.

Im Rahmen von DEWI werden die Dresdner Wissenschaftler belastbare Daten für eine bedarfsgerechte und effiziente Versorgungsplanung und -gestaltung auf dem Gebiet der Wirbelsäulenchirurgie erheben und auswerten. Das Projekt verknüpft und analysiert Versorgungsdaten, um zu ergründen, welche Faktoren die Häufigkeit von Wirbelsäulenoperationen bedingen beziehungsweise welche Vorbehandlungen von einweisenden Ärzten verordnet und vorgenommen werden. Darüber hinaus erheben die Wissenschaftler, welcher Anteil an Versicherten sich im Verlauf der Therapie einem erneuten Wirbelsäuleneingriff unterziehen muss und welche Faktoren dafür verantwortlich sind. „Die Projektergebnisse sollen dazu beitragen, Qualität, Gerechtigkeit und Effizienz der Versorgung von Patienten mit Wirbelsäulenerkrankungen zu verbessern“, sagt ZEGV-Direktor Prof. Jochen Schmitt, der zugleich Inhaber der Professur für Sozialmedizin und Versorgungsforschung an der Medizinischen Fakultät ist. „Die Ergebnisse können als Grundlage dienen, um die Versorgung der Patienten bedarfsgerecht zu planen und zu gestalten, damit jeder Patient die Therapie erhält, die er benötigt.“

Wirksamkeit des Peer-Review Verfahrens anhand eines zentralen Prozesses der intensivmedizinischen Behandlung
Eine hohe Versorgungsqualität und Patientensicherheit sicherzustellen, ist eine zentrale Aufgabe des deutschen Gesundheitssystems. Das so genannte Peer-Review Verfahren stellt ein mittlerweile häufig angewendetes Instrument des Qualitätsmanagements mit dem klaren Ziel der Verbesserung der Patientenversorgung dar. Dabei bewerten externe und unabhängige Experten aus verschiedenen Fachdisziplinen und Berufsgruppen  die Strukturen und vor allem Prozesse an der jeweiligen Einrichtung und erarbeiten im Bedarfsfall gemeinsam Handlungsempfehlungen zu deren Optimierung. Im Fokus dieses Verfahrens steht der Fachdialog auf Augenhöhe zwischen den Fachdisziplinen und den medizinischen Berufsgruppen mit dem Ziel, des Lernens voneinander. Die Wirksamkeit des Peer-Review Verfahrens ist – wie zahlreiche Instrumente des Qualitätsmanagement - nicht ausreichend belegt.

Das Projekt „Effektivität des Initiative Qualitätsmedizin (IQM)-Peer Review Verfahrens zur Verbesserung der Ergebnisqualität“ (IMPRESS) untersucht die Wirksamkeit des Peer-Review Verfahrens anhand eines zentralen Prozesses der intensivmedizinischen Behandlung. Bei der Beatmung von Patientinnen und Patienten kommen viele komplexe und ineinandergreifende Prozesse zum Tragen – sie reichen vom Stellen der Indikation bis hin zur Behandlung. Das Projekt schließt Patientinnen und Patienten aus 60 Kliniken ein, die im Rahmen der Routineversorgung mehr als 24 Stunden beatmet wurden. Indikationen dafür sind Herzinfarkt, Schlaganfall oder Lungenerkrankungen wie COPD (Chronisch-obstruktive Bronchitis – Chronic obstructive pulmonary disease) oder Pneumonie sowie schwere kolorektale Erkrankungen. Diese schweren Krankheiten führen zu hohen Versorgungskosten im stationären und ambulanten Bereich.

Im Rahmen des durch Wissenschaftler des ZEGV geleiteten IMPRESS-Projekts werden geschulte Peers  gemäß den Vorgaben der Bundesärztekammer die entsprechenden Fälle systematisch aufgrund von statistischen Auffälligkeiten zur Sterblichkeit bei beatmeten Patienten überprüfen.. „So lassen sich Verbesserungen für die Versorgung in der täglichen klinischen Praxis identifizieren und entsprechende Maßnahmen gemeinsam erarbeiten“, erklärt Prof. Maria Eberlein-Gonska, Leiterin des Zentralbereichs Qualitäts- und Medizinisches Risikomanagement am Dresdner Uniklinikum und Konsortialpartnerin in dem Projekt. „Ziel ist es, den Erfolg der Peer-Review Verfahren ebenso zu steigern wie Versorgungsqualität, Patientensicherheit und Versorgungseffizienz.“ Die Gesamtfördersumme für das Projekt beträgt 710.000 Euro, davon erhält die Dresdner Hochschulmedizin 400.000 Euro.

Eyetracking als Schlüssel zur besseren Versorgung von Locked-in-Patienten
Patienten mit Locked-in-Syndrom (LIS) sind fast vollständig gelähmt und können sich trotz vollem Bewusstseins nicht sprachlich oder durch Gesten kommunizieren, sondern nur mittels Augenbewegungen. Lebensqualität und Wohlbefinden lassen sich deshalb nur unzureichend über Angehörige oder Suggestivfragen erheben. Um die Kommunikation mit den Betroffenen zu verbessern, bieten sich elektronische Systeme an, die die Augenbewegungen erfassen und auswerten können. Sogenannte Remote- oder Datenbrillen-Eyetracker, die mittlerweile auch bei modernen Computerspielen eingesetzt werden, bieten hier die Möglichkeiten, standardisierte Untersuchungsverfahren für LIS-Patienten zu entwickeln. Dazu hat sich Prof. Andreas Hermann von der Klinik für Neurologie des Dresdner Uniklinikums mit dem Projekt „Eyetracking-basierte Erhebung der Lebensqualität von Patienten mit Locked-in-Syndrom“ (EyeLLIS) um Fördermittel aus dem Innovationsfonds beworben. Der Hauptantragsteller arbeitet dabei mit der Interactive Minds Dresden GmbH, der Fachgruppe Digitale Systeme der Fakultät für Elektrotechnik an der westsächsischen Hochschule Zwickau und der Ingenieurspsychologie der TU Dresden zusammen. Zudem findet eine direkte Kooperation mit Patientennetzwerken (ALS mobil e.V. und LIS e.V.) statt.

Ziel von EyeLLIS ist es, eyetrackingbasierte standardisierte, in der Breitenversorgung anwendbare Untersuchungsverfahren zu entwickeln beziehungsweise weiterzuentwickeln und zu validieren. Im Mittelpunkt stehen dabei die direkte, vollkommen untersucherunabhängige Erfassung der subjektiven Lebensqualität und des Wohlbefindens sowie die Einstellung von LIS Patienten zu Therapiemaßnahmen und ihrer aktuellen Versorgungssituation. Dazu werden augensteuerungsbasierte standardisierte Untersuchungsverfahren für Remote Eyetracker und Datenbrillen-Eyetracker entwickelt und in Beziehung zu soziodemografischen, finanziellen und krankheitsassoziierten Parametern gesetzt. Mit diesen innovativen Untersuchungsverfahren lassen sich Faktoren, welche die Lebensqualität beeinflussen, sowie die Wahrnehmung der Versorgungssituation von LIS-Patienten selbst erstmals in der Breitenversorgung routinemäßig ermitteln. Dies führt unmittelbar zu mehr Patientensicherheit – zum Beispiel bei Änderung der Einstellung zu lebenserhaltenden Maßnahmen – und kann die Bedarfsgerechtigkeit erhöhen, in dem sich Unter- aber auch Überversorgung vermeiden lässt. EyeLLIS wird im Rahmen des Innovationsfonds mit insgesamt 567 500 Euro gefördert. Davon entfallen 128.250 auf die Hochschulmedizin Dresden. Prof. Hermann ist dabei Konsortialleiter.

Kontakte
Medizinische Fakultät Carl Gustav Carus der TU Dresden/
Universitätsklinikum Carl Gustav Carus
Zentrum für Evidenzbasierte Gesundheitsversorgung (ZEGV)
Direktor: Prof. Dr. med. Jochen Schmitt
Tel.: 0351 / 458 64 95
E-Mail: Jochen.Schmitt@uniklinikum-dresden.de
www.uniklinikum-dresden.de/zegv

Universitätsklinikum Carl Gustav Carus
Klinik und Poliklinik für Neurologie
EyeLLIS
Prof. Dr. med. Dr. rer. med. Andreas Hermann
Telefon: 0351 / 458 25 32
E-Mail: Andreas.Hermann@uniklinikum-dresden.de
www.als-dd.de
www.uniklinikum-dresden.de/neu

Universitätsklinikum Carl Gustav Carus
Klinik und Poliklinik für Psychiatrie und Psychotherapie
PsychCare
Prof. Andrea Pfennig
Telefon: 0351 / 458
39 46
E-Mail: Andrea.Pfennig@uniklinikum-dresden.de
www.uniklinikum-dresden.de/psy

Ansprechpartner
Universitätsklinikum Carl Gustav Carus an der TU Dresden, Anstalt des öffentlichen Rechts +49 (0) 351 458 - 0 +49 (0) 351 458 - 4340 E-Mail

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