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High-Tech-Implantate für bessere Lebensqualität
18. Juni 2015

High-Tech-Implantate für bessere Lebensqualität

Uniklinikum feiert 20-jähriges Bestehen des Sächsischen Cochlea Implantat Zentrums / Über 900 taub geborene ertaubte oder schwerhörige Patienten können wieder hören

Wenn es die körperlichen Voraussetzungen zulassen, ist Taubheit kein unabwendbares Schicksal mehr: Dank modernster Technik und chirurgischem wie therapeutischem Know-how können Patienten an dem 1995 am Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden gegründeten Sächsische Cochlea Implantat Zentrum (SCIC) umfassend versorgt werden. In diesen organisatorischen und auch räumlichen Strukturen finden die Voruntersuchungen, die OP-Vorbereitungen aber auch die interdisziplinäre Rehabilitation statt. Diese eng koordinierte Zusammenarbeit unterschiedlicher Professionen ist eine wesentliche Voraussetzung für den Behandlungserfolg. Davon profitieren taub geborene oder hochgradig schwerhörige Menschen, die dank der Cochlea-Implantate (CI) ohne die früher erlittenen massiven Einschränkungen leben können. Anlässlich seines zwanzigjährigen Bestehens veranstaltet das SCIC am Sonnabend (20. Juni 2015) ein Symposium, zu dem neben CI-Experten auch rund 250 Patienten des Zentrums kommen werden.

Die Erfahrungen und Erfolge des zur HNO-Klinik des Uniklinikums gehörenden Sächsischen Cochlea Implantat Zentrum spiegeln sich in der großen Zahl der Implantationen wieder: Insgesamt wurden am Uniklinikum bei rund 900 Patienten mittlerweile 1.150 Cochlea-Implantate eingesetzt. In der Hör- und Sprachrehabilitation betreut das Zentrum aktuell mehr als 300 Patienten - vom Kleinkind bis zum Senior und jedes Jahr kommen rund 130 neue Cl-Träger neu hinzu. Das SCIC ist damit eines der größten Zentren seiner Art in Deutschland und entspricht in vollem Umfang den an eine Rehabilitationseinrichtung gestellten Anforderungen der Qualitätssicherung. „Das Cochlea-Implantat ist eine segensreiche Option, wieder kommunikativ am privaten und gesellschaftlichen Leben teilhaben zu können", sagt Prof. Dirk Mürbe, ärztlicher Leiter des SCIC sowie der Abteilung Phoniatrie und Audiologie der HNO-Klinik des Uniklinikums. Auch wenn erwachsene Patienten nach Operation und der wenige Wochen später folgenden Aktivierung des Cl-Prozessors eine in der Regel zweijährige Rehabilitation durchlaufen, um optimal mit dem Implantat hören zu können, empfinden sie bereits der Moment des Einschaltens wie ein Wunder. Etwas anders ist es bei den taub geborenen Kindern. Sie müssen erst Schritt für Schritt das Hören erlernen. In der über drei Jahre angelegten, ebenfalls in den SCIC-Räumen erfolgenden Rehabilitation wird die Sprachentwicklung der jungen Patienten kontinuierlich gefördert. Insgesamt betreuen die Experten parallel 18 Patienten jeden Alters.

Implantat regt Hörnerv direkt an
Das Cochlea Implantat ist für Patienten geeignet, deren Hörnerv intakt ist, die aber aufgrund anderer Probleme nichts oder extrem schlecht hören. Ihnen hilft das in Teilen implantierte Gerät, das Geräusche und Töne in elektrische Signale umwandelt, die über eine Elektrode den Hörnerv stimulieren. „Mit dem Einsetzen der Prothese ist es jedoch nicht getan", betont Prof. Dirk Mürbe: „Die Patienten müssen das Hören neu lernen - das ist ein höchst komplexer Prozess, der Geduld und Einfühlungsvermögen erfordert. Bis heute wurden am Dresdner Uniklinikum über 1.150 Cochlea Implantationen vorgenommen. Waren es am Anfang jährlich jeweils bis zu zehn Patienten, die operiert und therapiert wurden, sind es 2014 insgesamt 131 Implantationen gewesen. Die Basis für die positive Entwicklung sind erfahrende Operateure, das therapeutische Konzept des Zentrums, das seit 2009 über ein eigenes Gebäude verfügt, sowie die Ausweitung der Indikation: Etwa drei Viertel der heute versorgten Patienten sind erwachsen und leiden unter einer erworbenen hochgradigen Schwerhörigkeit.

Über 20 Jahre Erfahrung mit Cochlea-Implantaten
Sächsischer Cl-Pionier war der 1993 nach Dresden berufene Prof. Karl-Bernd Hüttenbrink. Als versierter Mitteiohrchirurg hatte er bereits In Münster ersten Patienten eine solche Hörprothese implantiert. Nur wenige Monate nach Übernahme der Uni-HNO-Klinik ging er in Dresden die ersten OPs dieser Art an. Im Laufe der letzten Jahre rückten weitere Aspekte in den Fokus einer optimalen Versorgung der Patienten: Um ihn eine bestmögliche Inklusion – die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben – zu ermöglichen, bedarf es einer individuell geplanten Rehabilitation. „Dazu erarbeitete das SCIC in den vergangenen Jahren neue Reha-Konzepte. Das 30-köpfige, aus Ärzten, Sprach- und Musiktherapeuten, Logopäden und Technikern bestehende Team des Zentrums stimmt sich bei jedem Patienten zu einer jeweilig individuell konzipierten Reha ab", erklärt Dominique Müller, Therapeutische Leiterin des SCIC.

Weitere Informationen
http://www.uniklinikum-dresden.de/scic

Kontakt für Journalisten
Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden
Klinik und Poliklinik für Hals-Nasen-Ohrenheilkunde
Sächsisches Cochlear Implant Centrum Dresden
Prof. Dirk Mürbe
Tel.: 0351 458 70 45 (Sekretariat)
E-Mail:
http://www.uniklinikum-dresden.de/scic
http://www.uniklinikum-dresden.de/hno