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Chronische Durchblutungsstörungen der Beine (pAVK)

Beweglich sein ist Lebensqualität und Beweglichkeit an sich wirkt lebensverlängernd! Eine häufige Ursache für eingeschränkte körperliche Mobilität können Verengungen oder Verschlüsse der Schlagadern an den Gliedmaßen mit Durchblutungsstörungen im Sinne der sogenannten „Schaufensterkrankheit“ (Claudicatio intermittens) sein, welche schlimmstenfalls sogar zu Gliedmaßenverlust führen können.

Über eine Million vor allem ältere Menschen in Deutschland sind von dieser Erkrankung betroffen. Wir stehen dieser Erkrankung jedoch nicht hilflos gegenüber. Die schädigenden Einflüsse sind bekannt und können mittlerweile gezielt behandelt werden, darüber hinaus gibt es verschiedene Maßnahmen und Eingriffe zur Verbesserung der Durchblutung.

 

Was ist die periphere arterielle Verschlusskrankheit (pAVK)?

Die pAVK ist eine verkalkungsbedingte Verengung der Schlagadern an den Gliedmaßen, die zu einer Durchblutungsstörung führen kann. Typischerweise sind die Beine betroffen, selten auch die Arme. Ursache für die Verkalkungen sind Rauchen, Diabetes, schlecht eingestellter Bluthochdruck, erhöhtes Cholesterin oder eine familiäre Veranlagung.

 

Welche Beschwerden macht eine pAVK?

Im Anfangsstadium (Stadium I nach Fontaine) bestehen Gefäßverkalkungen, die noch keine Beschwerden verursachen. Im Stadium II macht sich die Erkrankung im Sinne der sog. „Schaufensterkrankheit“ (Claudicatio intermittens) bemerkbar. Dabei treten je nach Verschluss oder Stenose (Engstelle)-Lokalisation nach einer bestimmten Gehstrecke Muskelschmerzen in Wade, Oberschenkel oder Gesäß auf, die durch Stehenbleiben wieder verschwinden. Der Schmerz ist Ausdruck des Sauerstoffmangels der Muskulatur unter Belastung. Im Stadium III bestehen Schmerzen auch in Ruhe, die klassischerweise im Fuß oder den Zehen auftreten, nachts stärker sind und oft durch Herabhängen des Beines aus dem Bett gelindert werden. Hier ist der Schmerz Ausdruck der schweren Durchblutungsstörung mit drohendem Absterben von Gewebe. Im Stadium IV ist bereits Gewebe untergegangen, was sich durch schwarze Stellen meist den Zehen oder  sonstigen Bereichen des Fußes erkennen lässt, im Volksmund auch „Raucherbein“ genannt.

Betrifft die pAVK die Armschlagader, treten im Stadium II Muskelschmerzen bei Arbeit mit den Armen auf, insbesondere bei Überkopfarbeit wie Wäscheaufhängen oder Haare kämmen.  Auch Schwindel kann bei diesen Arbeiten auftreten wenn der Arm das benötigte Blut aus dem Kopf abzieht. Stadium III und IV rufen die für das Bein beschriebenen Symptome an den Fingern bzw. Händen hervor.

  

Wie kann man eine pAVK behandeln?

Die Behandlung hängt vom Erkrankungsstadium und Begleitumständen ab. Dabei gibt es unterschiedliche Maßnahmen.

  • Behandlung von Risikofaktoren! Eine gute Einstellung von Blutdruck, Cholesterin und Diabetes sowie eine Raucherentwöhnung können den Langzeitverlauf und die allgemeine Sterblichkeit an z.B. Schlaganfall u./o. Herzinfarkt ganz entscheidend beeinflussen und unter Umständen eine Amputation langfristig verhindern. Ihre Motivation und Mitarbeit ist dabei von größter Bedeutung. 
  • Durchblutungsfördernde (Prostaglandine) und blutverdünnende Medikamente (z.B. ASS und Clopidogrel) können den Krankheitsverlauf verbessern.

Gehtraining - Schritte in die richtige Richtung

Im Stadium I und II  ist das systematische Gehtraining die Grundlage der Behandlung. Bewegung führt zur Ausbildung von Umgehungsschlagadern (Kollateralen), so dass die schmerzfreie Gehstrecke deutlich verlängert werden kann. Auch hier ist Ihre Mitarbeit unerlässlich. Die Regelmäßigkeit ist wichtig und zahlt sich aus! Im Stadium III und IV ist diese Methode nicht geeignet, da die Gliedmaße schwer durchblutungsgestört ist. Hier muss eine Operation, Katheterbehandlung oder eine sinnvolle Kombination von beidem zur Wiederherstellung der Durchblutung dringend und zeitnah durchgeführt werden, da sonst die Amputation droht.

Kathetereingriff

Mit dem Katheterverfahren kann über einen Einstich -z. B. in der Leiste- ein Ballon in die Schlagader eingebracht und so unter Röntgenkontrolle eine Engstelle/Verschluss aufgedehnt werden (Angioplastie). Bei Bedarf kann auch ein Gitterröhrchen (Stent) zum Offenhalten der Schlagader eingebracht werden. Diese Eingriffsmethode ist sehr schonend, kann meist in Lokalanästhesie durchgeführt werden und erfordert in der Regel nur einen kurzen Krankenhausaufenthalt. Mittlerweile können sehr viele und auch langstreckige Verschlussprozesse so behandelt werden. Durch die Verwendung medikamentenbeschichteter Ballons und Stents konnten hier auch in den letzten Jahren die mittelfristigen Ergebnisse deutlich verbessert werden.

Operation

In bestimmten Fällen ist jedoch nach wie vor die Operation die beste Methode, um die Durchblutung der betroffenen Gliedmaße auch längerfristig wiederherzustellen, insbesondere bei langstreckigen, komplexen Verschlüssen und bei Verschlüssen im Bereich von Bewegungssegmenten der Schlagadern (z.B. Leistenarterie). Die Möglichkeiten der Rekonstruktion reichen von Ausschälen des Kalkes bis hin zu Bypassoperationen, also dem Anlegen von „Umleitungsschlagadern“ um den verengten oder verschlossenen Schlagaderanteil herum, so dass die Durchblutung des Beines wiederhergestellt ist. Der Krankenhausaufenthalt beträgt je nach Operation einige Tage bis eine gute Woche, je nach Wundheilung und individuellem Erholungsverlauf auch etwas länger.

Hybrideingriff

Unter Hybridverfahren versteht man die sinnvolle Kombination aus Katheterverfahren und Operation. Diese Kombination ermöglicht oft auch bei komplexeren Erkrankungsbefall in unterschiedlichen Regionen eine maßgeschneiderte Behandlung in einer Sitzung.  Da sowohl komplexe Katheterbehandlungen als auch offenen Operationen zu unserem Behandlungsspektrum gehören, führen wir viele Hybdrideingriffe durch, um für den Patienten die schonendste Lösung mit der längsten Haltbarkeit anbieten zu können. Paradebeispiel für eine Hybridbehandlung ist z.B. eine Ausschälplastik der Leistenschlagadern in Kombination mit einer Katheter-Behandlung der Beckenschlagadern. Bei guten Langzeitergebnissen bleibt dem Patienten dabei ein früher üblicher belastender Bauchschnitt erspart, da die Behandlung über einen kleinen Leistenzugang erfolgt.

Obwohl wir als Behandler der pAVK viele verschiedene „Pfeile im Köcher“ haben, ist nicht für jeden Patienten jedes Verfahren geeignet. Bei unterschiedlichen Erkrankungsmustern, Begleiterkrankungen, Beschwerdestadien und Lebenswünschen ist ein individuelles Behandlungskonzept wichtig. Im gemeinsamen Gespräch lässt sich dies am besten herausfinden.

Worauf muss man bei pAVK noch achten?

Für alle Patienten mit pAVK und insbesondere für Diabetiker gilt: achten Sie auf Ihre Füße! Verletzungen sollten unbedingt vermieden werden. Tragen Sie gutes und nicht drückendes Schuhwerk- es sollte ggf. vom Schuhorthopädietechniker angepasst werden. Pflegen Sie Ihre Füße mit äußerster Sorgfalt und Vorsicht bzw. lassen Sie Ihre Füße von ausgewiesenen Fußspezialisten (Podologen) pflegen. Neu aufgetretene Wunden sollten unbedingt ärztlich untersucht werden.

Die Schlagaderverkalkung ist eine generalisierte Erkrankung und kann in vielen Fällen auch die Herzkranzgefäße oder die Halsschlagader betreffen, so dass unter Umständen auch diese untersucht werden sollten. Auf alle Fälle ist zur Verringerung des Herzkreislaufrisikos auch eine internistische Überprüfung/Einstellung der „Gefäßrisikofaktoren“ angezeigt wie dies während jedes stationären Aufenthaltes auf der interdisziplinären Gefäßstation üblich ist.