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ParkinsonNetzwerk Ostsachsen (PANOS)

Digitalisierte, sektorenübergreifende integrierte Versorgung von Parkinsonpatient*innen in Ostsachsen

Projektlaufzeit:

  1. Förderzeitraum: 01.09.2019 - 31.12.2021
  2. Förderzeitraum: 01.01.2022 - 31.12.2023

Hintergrund:

Altersbezogene chronische Erkrankungen stellen im Rahmen des demographischen Wandels eine zentrale versorgungsmedizinische Herausforderung dar. Der Mangel an Ärzt*innen, insbesondere von Fachspezialist*innen, außerhalb der Ballungsgebiete wirkt sich hierbei besonders nachteilig aus. Mit dem „ParkinsonNetzwerk Ostsachsen“ – kurz PANOS – soll die Basis für mehr Versorgungsgerechtigkeit in der Region hergestellt werden. Die neue, sektorenübergreifende Versorgungsstruktur für Parkinsonerkrankte soll den Betroffenen, unabhängig von ihrem Wohnort, alle Möglichkeiten der Diagnostik und Therapie bieten. In PANOS haben sich Ärzt*innen, Kliniken mit spezieller Parkinsonexpertise, Forschungseinrichtungen und Organisationen, wie die Deutsche Parkinsonvereinigung, die Sächsische Landesärztekammer und die Kassenärztliche Vereinigung Sachsen zusammengeschlossen, um gemeinsam die Versorgung von Parkinsonerkrankten in der Region zu verbessern. Dies ist nicht zuletzt vor dem Hintergrund der Kennzahlen für Ostsachsen ein dringendes Handlungsfeld:

Schon heute sind allein in Sachsen etwa 32.000 Menschen von einer Parkinsonerkrankung betroffen. Durch den demografischen Wandel wird sich diese Zahl Schätzungen zufolge bis 2030 verdoppeln. Eine Notfalleinweisungsquote von 56% am Universitätsklinikum Dresden ist für eine gut behandelbare chronische Erkrankung viel zu hoch und verdeutlicht, dass aktuell viele Parkinsonerkrankte keinen rechtzeitigen Therapiezugang finden. In einzelnen Landkreisen haben bis zu 40% der Betroffenen keinen Zugang zu spezialisierter neurologischer Betreuung.

Zielsetzung:

Das Ziel von PANOS besteht darin, ein integriertes sektorenübergreifendes Behandlungskonzept zu etablieren, um diese Versorgungslücken zu schließen und die Parkinsonversorgung zukunftsfest zu machen. Die praktische Umsetzung des seit 2017 entwickelten Konzeptes erfolgte ab September 2019. Der Einschluss von Parkinsonbetroffenen ist für das 4. Quartal 2020 geplant.

Eckpunkte der Umsetzung:

  • Aufbau eines regionalen intersektoralen Behandlungsnetzwerkes auf Grundlage eines digital unterstützten, standardisierten Behandlungspfades
  • Etablierung von spezialisierten ambulanten Parkinsonzentren mit einem einheitlichen Behandlungsstandard (Universitätsklinikum Dresden, Elblandklinikum Meißen, Klinik am Tharandter Wald Hetzdorf)
  • Dauerhafte gemeinsame Behandlung der Erkrankten durch niedergelassene Ärzt*innen auf Basis des standardisierten intersektoralen Behandlungspfades
  • Festlegung der Intensität der dauerhaften spezialisierten Mitbehandlung auf der Grundlage von individualisierten Behandlungsplänen
  • Aufbau einer leistungsfähigen strukturellen und personellen Infrastruktur:
      • Sektorenübergreifendes, dauerhaftes Case-Management durch Parkinson-Lots*innen
      • Entwicklung einer intersektoralen elektronischen Arbeits- und Dokumentationsplattform
      • Durchführung eines semiautomatischen repetitiven Patienten-Monitorings unter Einsatz tragbarer Sensorik
      • Aufbau einer standardisierten Patientenschule
      • Aufbau eines strukturierten professionellen Fort- und Weiterbildungskonzeptes
      • Aufbau eines kontinuierlichen Qualitätsmanagements
  • Projektbegleitende medizinisch-ökonomische Evaluation
  • Umsetzung eines strukturierten Wachstumskonzeptes zur Einbindung neuer Partnerschaften und zur Sicherstellung der Übertragbarkeit auf andere Regionen in Sachsen

Rolle des ZEGV im Rahmen des Projektes:

Das ZEGV arbeitet federführend in zwei Arbeitspakten:

Arbeitspaket: „Medizinische Konzepte und Inhalte“

Ziel des Arbeitspaketes ist es, den bereits in den Vorarbeiten des Projektes konzeptionierten Behandlungspfad in eine alltäglich und intersektoral einsetzbare zentrale Arbeits- und Dokumentationsgrundlage, einschließlich aller dafür benötigten Formulare, zu übertragen. Die Ergebnisse sollen die Grundlage für den Aufbau der intersektoralen digitalen Arbeitsplattform und Patientenakte bilden.

Hierzu werden strukturierte intersektorale Workshops abgehalten, um die Bedürfnisse und Anforderungen aller professionellen Leistungserbringer*innen, Patient*innen sowie involvierten Institutionen (Krankenkassen, Sächsische Landesärztekammer, Kassenärztliche Vereinigung Sachsen) in einer für eine nachhaltige Umsetzung notwendigen Detailtiefe zu berücksichtigen. Am Ende dieses Workshop-Prozesses wird ein Konsenspapier stehen, in dem diese Ergebnisse festgehalten werden und welches für die dann folgende Detailkonzeptionierung die verbindliche Arbeitsgrundlage bildet.

Arbeitspaket: „Evaluation“

Im Arbeitspaket „Evaluation“ erfolgt die evidenzbasierte Überprüfung der Erreichung der angestrebten Ziele des ParkinsonNetzwerkes Ostsachsen. Bestandteile der Evaluation sind:

  • Analyse der medizinischen Leistungserbringung in der Region anhand von GKV-Sekundärdaten der AOK PLUS und der IKK classic.
  • Analyse der Auswirkungen einer digitalisierten, sektorenübergreifenden integrierten Versorgung von Parkinsonpatient*innen in der Krankheitsspätphase im Zeitablauf anhand verschiedener medizinischer und nicht-medizinischer Endpunkte.
  • Untersuchung des nachhaltigen Kompetenzerwerbs im Rahmen von Patienten- und Angehörigenschulungen und von medizinischen Fortbildungen.
  • Entwicklung geeigneter Qualitätsindikatoren zum Monitoring der Struktur-, Prozess- und Ergebnisqualität als Grundlage für die Übertragung integrierter Versorgungsstrukturen sowohl in die Routineversorgung als auch für die Etablierung in anderen Regionen in Sachsen und darüber hinaus.

Gesamtprojektleitung:

Institut für Angewandte Informatik e.V. (InfAI), Leipzig

Projektbeteiligte:

    • Institut für Angewandte Informatik e.V., Leipzig
    • Klinik für Neurologie, Universitätsklinikum Dresden
    • Klinik für Neurologie, Elblandklinikum Meißen
    • Klinik am Tharandter Wald, Hetzdorf
    • Zentrum für Evidenzbasierte Gesundheitsversorgung, Technische Universität Dresden
    • Professur Bewegungswissenschaft, Technische Universität Chemnitz
    • Deutsches Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen, Standort Dresden
    • Professur für Wirtschaftsinformatik, insb. Systementwicklung, Technische Universität Dresden
    • Zentrum für Medizinische Informatik, Technische Universität Dresden
    • Privates Institut für angewandte Versorgungsforschung GmbH, Berlin
    • „Was hab ich?“ gGmbH, Dresden
    • Kassenärztliche Vereinigung Sachsen

Förderung:

Das Projekt wird aus Mitteln des Bundesministeriums für Gesundheit (BMG) und dem Freistaat Sachsen gefördert.

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Weitere Unterstützer:

  • Unabhängige Treuhandstelle des Bereiches Medizin, Technische Universität Dresden
  • Zentralbereich Qualitäts- und Risikomanagement, Universitätsklinikum Dresden
  • Sächsische Landesärztekammer
  • AOK PLUS
  • IKK classic
  • SOS-TeleNET
  • SOS-Care
  • Deutsche Parkinsonvereinigung, Region Sachsen
  • ParkinsonNet Niederlande IQ healthcare & department of neurology, Radboud University Medical Center, Nijmegen, Niederlande
  • ParkinsonNet Luxemburg
  • Parkinsonnetz Münsterland+
  • Parkinson Netzwerk Allianz Marburg (PANAMA)
  • Swedish National School Department of Medical and Health Science, Linkoping University, Linkoping, Sweden

Ansprechpartner am ZEGV:
Dipl.-Ing. Gabriele Müller  Dipl.-Berufspäd. Caroline Lang, MPH  Andreas Knapp, M.Sc.