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EVA_TIBAS - Evaluation zur Beurteilung der Wirksamkeit eines Modellvorhabens in der Kinder- und Jugendpsychiatrie in Baden-Württemberg

EVA_TIBAS (Wissenschaftliche Evaluation Modellvorhaben in der Kinder- und Jugendpsychiatrie (§ 64b SGB V) – Therapeutische Intensivbehandlung im Ambulanten Setting (TIBAS) am Universitätsklinikum Tübingen (UKT)) ist ein Evaluationsprojekt am Zentrum für Evidenzbasierte Gesundheitsversorgung am Universitätsklinikum Carl Gustav Carus an der Technischen Universität Dresden in Zusammenarbeit mit der Klinik und Poliklinik für Psychiatrie und Psychotherapie am Universitätsklinikum Carl Gustav Carus an der Technischen Universität Dresden (Link: https://www.uniklinikum-dresden.de/de/das-klinikum/kliniken-polikliniken-institute/psy), dem Institut für Sozialmedizin und Gesundheitssystemforschung der Otto-von-Guericke Universität Magdeburg (Link: http://www.ismg.ovgu.de/) sowie dem Wissenschaftlichen Institut für Gesundheitsökonomie und Gesundheitssystemforschung in Leipzig (Link: https://www.wig2.de/).

Hintergrund

Mit der Einführung des § 64b SGB V im Rahmen des Psych-Entgeltgesetzes wurde die Möglichkeit geschaffen, Modellvorhaben auch für die Weiterentwicklung der Versorgung psychisch kranker Menschen zu vereinbaren. Zielsetzung ist die Verbesserung der sektorenübergreifenden Versorgung sowie die Optimierung der Patientenversorgung. Die AOK Baden-Württemberg und die SVLFG als Landwirtschaftliche Krankenkasse haben mit dem Universitätsklinikum Tübingen (UKT) ein Modellvorhaben in der Kinder- und Jugendpsychiatrie (KJP) entwickelt, welches seit dem 01.10.2017 für insgesamt acht Jahre in der Versorgungsregion Tübingen erprobt wird. Kern der Modellversorgung ist die Therapeutische Intensivbehandlung im Ambulanten Setting (TIBAS).

Ziel der Modellversorgung ist eine stärker sektorenübergreifende Leistungserbringung durch flexiblere Behandlungsintensitäten. Durch die Schaffung der TIBAS als intensive ambulante Behandlungsform soll eine frühzeitigere Entlassung aus dem vollstationären Setting ermöglicht werden. Es wurden vier TIBAS-Stufen implementiert, die unterschiedliche Behandlungsintensitäten und -frequenzen abbilden und je nach Bedarf der Patienten flexibel eingesetzt werden können. Ein personenbezogener Case Manager begleitet die Patienten über die gesamte Behandlungsdauer. Bei Bedarf werden die Patient:innen, insbesondere aber das Familiensystem, durch den Sozialen Dienst der AOK Baden-Württemberg begleitet und hinsichtlich einer Stabilisierung der Gesamtversorgungssituation unterstützt (psychosoziale Beratung und Vernetzung mit weiteren Versorgungsstrukturen etc.). Für die Diagnosen Anorexia nervosa und mittelgradige Depression ist ein Direktzugang in TIBAS ohne vorangegangenen Krankenhausaufenthalt möglich.

Ziel

Bei der vorliegenden Evaluation geht es im Kern um die Frage, ob die Modellversorgung gegenüber der Regelversorgung Vorteile bietet. Hier wird anhand von anonymisierten Routinedaten und durch zu erhebenden Primärdaten die Erreichung der Ziele des Modellvorhabens untersucht und eine Übertragbarkeit des Versorgungsansatzes in die Regelversorgung bewertet. Die wesentlichen Ziele des Modellvorhabens sind die Verkürzung stationärer Verweildauer unter Einsatz (intensiv-) ambulanter Behandlungsformen, Reduktion der kumulierten psychiatrischen Behandlungsdauer und der Notfallaufnahmequote, Verringerung der Symptombelastung, beschleunigte Rückkehr in psychosoziale Lebensbezüge und Steigerung der Lebensqualität. Durch Stabilisierung der Gesamtversorgungssituation der Familie sollen diese Verbesserungen nachhaltig gesichert werden. Durch qualitative Methoden werden die Zufriedenheit mit dem und der subjektive Nutzen des Sozialen Dienstes der AOK Baden-Württemberg sowie die Zusammenarbeit dieses Sozialen Dienstes mit dem UKT näher beleuchtet. Die Kosten der Modellversorgung sollen diejenigen der Regelversorgung nicht übersteigen bzw. sollen bei maximal gleichen Kosten bessere Ergebnisse hinsichtlich der genannten patientenbezogenen Ziele erzielt werden.

Ablauf

Untersucht werden Effektivität, Kosten und Kosten-Effektivität der Modellklinik im Vergleich zur Regelversorgung. Bei der hier vorgestellten Studie handelt es sich um eine kontrollierte Kohortenstudie, bei der ein Mix aus quantitativen und qualitativen Erhebungsmethoden der empirischen Sozialforschung eingesetzt wird. Es werden Routinedatenanalysen auf Basis von anonymisierten GKV-Daten, quantitative Primärdatenanalysen (Fragebögen) und qualitative Methoden (Einzelinterviews und Fokusgruppe) eingesetzt. Dem kontrollierten Design liegt zugrunde, dass Informationen der Patient:innen aus der Interventionsklinik, dem UKT, den Informationen von vergleichbaren Patient:innen aus strukturähnlichen Kliniken der Kinder- und Jugendpsychiatrie des gleichen Bundeslandes gegenübergestellt werden. Ein wissenschaftlicher Beirat aus Vertretern der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendpsychiatrie (DGKJP) und des Bundesverbands der Angehörigen psychisch Kranker (BApK) begleitet diese Evaluation.

Projektlaufzeit

August 2020 bis Dezember 2024

Förderung

AOK Baden-Württemberg & SVLFG als Landwirtschaftliche Krankenkasse

Projektleitung

Dr. Anne Neumann
Zentrum Evidenzbasierter Gesundheitsversorgung (ZEGV)
Medizinische Fakultät Carl Gustav Carus der Technischen Universität Dresden
Fetscherstraße 74, 01307 Dresden