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Endovaskuläre Schlaganfalltherapie

Endovaskuläre Schlaganfalltherapie

Generelles zur Methode

Als mechanische Thrombektomie (auch endovaskuläre Schlaganfalltherapie oder mechanische Rekanalisation genannt) bezeichnen wir die Wiedereröffnung eines Verschlusses der großen hirnversorgenden Arterien (z.B. der A. cerebri media, siehe Abb. 1 und Abb. 2) mit einem Katheter und anderen über das Gefäßsystem eingebrachten Miniatur-Werkzeugen. Denn ein dauerhafter Gefäßverschluss kann zu einer Hirnschädigung führen, den  wir „ischämischen Infarkt“ nennen; d.h. ein Schlaganfall, der Folge einer Blutarmut im Gehirn ist. Das Ausmaß der Schlaganfall-Folgen hängt vom Ort und dem Schweregrad der Hirnschädigung ab. Eine schnelle und komplette Wiedereröffnung des Gefäßes (meist die Entfernung eines Blutgerinnsels: Thrombektomie) verbessert die Chancen auf ein Leben ohne Behinderung.

Indikation

Eine mechanische Thrombektomie zur Behandlung von akuten Schlaganfallpatienten ist empfehlenswert, wenn folgende Bedingungen erfüllt sind:

  • Ein klinisch relevantes neurologisches Defizit besteht.
  • Der Verschluss einer großen hirnversorgenden Arterie (im sog. vorderen Hirnkreislauf) in der Computertomographie (CT-Angiographie) oder MRT (MR-Angiographie) nachgewiesen ist.
  • Die Behandlung spätestens bis zu 6 Stunden nach Auftreten der Symptome begonnen werden kann (Zeitpunkt der Gefäßpunktion).

Neuere Studien konnten zeigen, dass die mechanische Thrombektomie bei ausgewählten Schlaganfallpatienten auch später als 6 Stunden nach Symptombeginn sicher und hochwirksam ist (basierend auf erweiterter Bildgebung: CT-Perfusionsmessungen etc.).

Ablauf des Eingriffs

Die Behandlung wird, von einem Narkosearzt betreut, unter Sedierung oder Narkose durchgeführt.

Zuerst wird über die Leistenarterie (A. femoralis)  ein langer, spezieller Katheter, die sog. Schleuse, über die Hauptschlagader (Aorta)  in die Halsschlagader (A. carotis interna)  geführt. Anschließend wird ein kleinerer Katheter mit Hilfe eines Mikrodrahtes an den Verschlussort platziert.

Die anschließende Thrombektomie folgt zwei Grundprinzipien:  Thrombusaspiration (Blutgerinnsel absaugen, Abb. 3) und Thrombusextraktion (Blutgerinnsel herausziehen, Abb. 4) oder eine Kombination beider Prinzipien.

Bei der Thrombusaspiration wird ein Aspirationskatheter an das Blutgerinnsel geführt. Anschließend wird eine Pumpe angeschlossen, die einen Unterdruck erzeugt. Das Blutgerinnsel wird in den Aspirationskatheter gesaugt und unter Aspiration wird der Katheter mit Blutgerinnsel entfernt.

Bei der Thrombusextraktion wird ein sog. Stent-Retriever (ein Stent, der zurückgeholt werden kann) zeitweise  im Blutgerinnsel entfaltet. Nach kurzer Einwirkzeit wird der Stent-Retriever mit dem Blutgerinnsel unter Aspiration entfernt (Abb. 4).

Beide Techniken können mehrmals wiederholt und miteinander kombiniert werden. Ziel ist eine vollständige Wiederherstellung der Durchblutung des betroffenen Hirnareals (Reperfusion).

 Fazit

Die mechanische Thrombektomie ist bei einem Schlaganfallpatienten mit nachgewiesenem Gefäßverschluss der vorderen Hirnzirkulation die Therapie der Wahl mit oder ohne einer vorher begonnenen medikamentösen Lyse-Therapie.

Die Bildgebung mit CT und CT-Angiographie ist Voraussetzung für die Therapieentscheidung. Rasches Handeln und optimale Abläufe sind erforderlich, um die Therapie schnellstmöglich durchzuführen, denn es gilt immer noch: TIME IS BRAIN!

zuletzt verändert: 08.01.2018