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Blutpatch bei Liquorleck

Blutpatch bei Liquorleck

Generelles zur Methode

Defekte in der Rückenmarkshaut (Liquorleck) können durch Punktionen (diagnostische Liquorpunktion und spinale Anästhesie) entstehen. Darüber hinaus können spontane Liquorlecks auch eine traumatische Ursache haben.
Nach Punktionen verschließen sich die winzigen Defekte in der Rückenmarkshaut oft spontan.

Bleiben sie bestehen, klagen die Patienten typischerweise über einen Kopfschmerz, der im Liegen aufhört oder abnimmt (orthostatischer Kopfschmerz). Außerdem können Flüssigkeitsansammlungen über dem Gehirn zusätzliche Symptome verursachen.

Wenn konservative Therapiemaßnahmen (Bettruhe, medikamentöse Therapie) zu keiner Beschwerdebesserung führen ist der Blutpatch die Therapiemethode der Wahl. Dabei wird Eigenblut an den Ort des Rückenmarkshautdefektes über eine spezielle Nadel appliziert, was zu einer Vernarbung und schließlich zu einem Verschluss des Liquorlecks führen soll.  

Indikationen

  • fehlende oder ausbleibende Wirksamkeit konservativer Therapiemaßnahmen bei bildgebend nachgewiesenem Liquorleck

Ablauf des Eingriffs

Blutpatch mit Zugang auf Höhe der Lendenwirbelsäule

Der Patient befindet sich in der Regel in Bauchlage (auf einer Lagerungshilfe). Die Punktionshöhe wird anhand anatomischer Landmarken (Beckenkamm), dem Tastbefund der Wirbelkörperdornfortsätze und vorhandener Röntgenaufnahmen festgelegt.

Nach gründlicher Desinfektion (ggf. zusätzliche Lokalanästhesie) und sterilem Abdecken wird eine spezielle Punktionsnadel zwischen bzw. neben den Dornfortsätzen der unteren Lendenwirbelkörper in Richtung Wirbelkanal vorgeschoben. Dabei wird eine mit Kochsalz gefüllte Spritze auf die Punktionsnadel gesetzt und die Nadel unter Kolbendruck der Injektionsspritze vorgeschoben.

Sobald eine widerstandsfreie Kochsalzinfektion gelingt, ist der Raum um die Rückenmarkshaut (Epiduralraum) erreicht. Die korrekte Lage der Injektionsnadel wird durch Gabe eines röntgendichten Kontrastmittels kontrolliert. Mit einer speziellen Technik wird dann ein dünner Katheter in den Epiduralraum in die Nähe des Liquorlecks geschoben und ein Gemisch aus Eigenblut (meist 20 – 30 ml) und röntgendichtem Kontrastmittel appliziert.

Damit das Blut-Kontrastmittel-Gemisch an den Ort des Liquorlecks gelangen kann ist eine anschließende Kopftieflagerung (von bis zu 1 h) sinnvoll. Eine nachfolgende CT-Untersuchung dokumentiert die Verteilung des Blut-Kontrastmittel-Gemisches um das Liquorleck.

lokaler CT-gestützter Blutpatch

Wenn über die Lendenwirbelsäule durchgeführte Blutpatches zu keiner Beschwerdebesserung führen, kann der Blutpatch lokal, direkt auf Höhe der Leckage durchgeführt werden. Dabei wird ein Blut-Kontrastmittel-Gemisch unter CT-Navigation an den Ort des Rückenmarkshautdefektes appliziert.

Was muss beachtet werden?

  • Der Eingriff erfolgt stationär.
  • Sie erhalten mindestens einen Tag vor der geplanten Untersuchung ein Aufklärungsgespräch, bei dem das Verfahren sowie mögliche Risiken (wie z.B. Nachblutung, Nervenverletzung, Infektion und Liquorverlust-Syndrom besprochen werden). Bestehende Unverträglichkeiten (Allergien) auf Desinfektionsmittel, jodhaltiges Kontrastmittel und Pflaster müssen uns im Vorfeld mitgeteilt werden.
  • Für die Untersuchung müssen folgende Blutwerte bekannt sein (Blutgerinnung: Quick, PTT, INR-Wert, Thrombozytenzahl; Schilddrüse: TSH). Die Laborwerte sollten nicht älter als vier Wochen sein und können bereits ambulant bestimmt werden.
  • Ggf. müssen gerinnungshemmende Medikamente mehrere Tage im Vorfeld abgesetzt werden.
  • Bei bestehender Schwangerschaft muss die Indikation für die Untersuchung streng gestellt werden.
  • Wenn sich das Liquorleck in der Hals- oder Brustwirbelsäule befindet und der Blutpatch über die Lendenwirbelsäule durchgeführt wird, ist nach dem Eingriff eine bis zu 1-stündige Kopftieflagerung erforderlich.
  • Nach Durchführung des Blutpatches ist eine mindestens 1-tätige Bettruhe einzuhalten.

zuletzt verändert: 08.11.2017