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Kultursensibles Video-Dolmetschen

Hintergrund:
Trotz des seit 2016 stark rückläufigen Trends bei den Neuzugängen von Asylsuchenden in Dresden, lebt 2019 eine größere Anzahl Geflüchteter in der Stadt als noch 2014 (laut Dresdner Melderegister 8,4% Ausländer in 2019 vgl. 5,1% in 2014). Da sehr viele der Geflüchteten vor Menschenrechtsverletzungen verschiedenster Art geflohen sind, ist die Prozentzahl der Traumatisierungen im Vergleich zur deutschen Bevölkerung mit ca. 30-40 % sehr hoch.

Im Gegensatz zu der erhöhten Bedarfslage nach psychotherapeutischer Behandlung ist die Versorgungslage von Geflüchteten und Migrant:innen prekär. Sprachbarrieren sind dabei die bedeutendste Zugangsbarriere bei der Inanspruchnahme dieser Gesundheitsleistung. Menschen mit geringen Deutschkenntnissen werden in über 60% der psychosozialen Versorgungseinrichtungen nicht ausreichend versorgt. Nur in 62% der Einrichtungen, in denen Menschen mit unzureichender Deutschkenntnissen behandelt werden, kommen Dolmetscher zum Einsatz.
Die Folge von fehlenden Dolmetschern in der traumafokussierten Psychotherapie ist häufig, dass keine Therapie stattfinden kann. Außerdem kommt es zu einer schlechteren Compliance des Patienten bezüglich der Medikamenteneinnahme wegen fehlender Erläuterung, keiner intensiven Erarbeitung des Krankheitsmodells sowie Chronifizierung, längerer Therapiedauer und damit verbundenen höheren Kosten. Für eine erfolgreiche traumafokussierte Psychotherapie dieser Menschen ist jedoch der Einsatz von entsprechend sprachlich und inhaltlich geschulter, kultursensibler Dolmetscher:innen zwingend erforderlich.


Ziele und Umsetzung:
Das übergeordnete Ziel des Projektes ist der Ausbau von zielgruppenspezifischen, traumasensiblen und bedarfsgerechten Angeboten für traumatisierte Geflüchtete, um eine bessere Partizipation an der Gesundheitsversorgung zu ermöglichen und einen wichtigen Beitrag zur Integration in die deutsche Gesellschaft zu leisten.
Das Projekt richtet sich an Migrationspatient:innen mit Fluchterfahrung, die an einer Traumafolgestörung leiden, aber für die Durchführung einer indizierten, vertieften traumaspezifischen Behandlung über keine ausreichend guten deutschen oder englischen Sprachkenntnisse verfügen.
Für die Durchführung einer erforderlichen Traumatherapie kommen geschulte Dolmetscher:innen von SprInt geG zu Einsatz, die über Telefon oder Video der Therapiesitzung von Therapeut:in und Patient:in zugeschaltet werden. Der Einsatz dieser videogestützten Sprach- und Integrationsmittlung wird projektbegleitend hinsichtlich der Akzeptanz und Zufriedenheit der Beteiligten evaluiert.


Laufzeit:
01.01.2021 – 31.12.2021


Kooperationspartner:
• SprInt gemeinnützige eGenossenschaft
• Psychosoziales Zentrum (PSZ) CALM Dresden
• Internationale Praxis der KV Sachsen
• Förderverein Traumanetz Seelische Gesundheit e.V.

Kontakt:


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Dr. med. Julia Schellong

Projektleitung

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Yvonne Friedrich

Projektmitarbeiterin


Förderung: