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Das normale Kniegelenk

Zu einem funktionsfähigen Gelenk gehören immer verschiedene Strukturen, die Last übernehmen (Knochen und Knorpel), Stabilität sicherstellen (Kapsel, Bänder) und Kraft übertragen (Muskeln, Sehnen).

Das Kniegelenk ist das größte Gelenk unseres Körpers und besteht aus zwei Teilgelenken:

  • Hauptgelenk zwischen Ober- und Unterschenkel
  • Kniescheibengelenk

Das Hauptgelenk besteht aus den beiden Rollen des Oberschenkelknochens (Femurkondylen) und dem Schienbeinkopf (Tibiaplateau). Die Aufgabe dieses Gelenkteils ist die Lastübertragung vom Ober- auf den Unterschenkel. Es gibt
einen inneren und äußeren Gelenkanteil, dazwischen verlaufen die beiden Kreuzbänder. Zwei zusätzliche Faserknorpel (Innen- und Außenmeniskus) verlaufen bogenförmig am Rand des Schienbeinkopfes und vergrößern damit die Gelenkfläche für die Oberschenkelrollen.

Das Kniescheibengelenk besteht aus der Kniescheibe (Patella) und der Gleitbahn des Oberschenkelknochens (Trochlea). Die Kniescheibe dient der Kraftübertragung des kräftigen Streckapparates und vergrößert dessen Hebelarm. Sie ist damit für eine kraftvolle Streckung des Kniegelenkes (z.B. beim Treppensteigen) unverzichtbar.

Alle drei Gelenkpartner, Oberschenkelrollen, Unterschenkelplateau und Kniescheibe, sind  von einer Knorpeloberfläche überzogen, die eine reibungsarme Bewegung ermöglicht und Stöße abfedert. Eine intakte Knorpelschicht ist für eine normale Gelenkfunktion von besonderer Bedeutung. Sie wird aus langlebigen Knorpelzellen gebildet, die Faseranteile, Wasser, Eiweiße und Kohlehydrate produzieren.

Die Ernährung der Knorpelzellen erfolgt über die Gelenkflüssigkeit (Synovia). Sie wird von der inneren Gelenkkapsel gebildet und durch regelmäßige Bewegung in den Knorpel eingepresst. Die richtige Menge und Zusammensetzung der Gelenkflüssigkeit ist einerseits für die Knorpelernährung wichtig. Andererseits dient die Gelenkflüssigkeit als Schmiermittel und minimiert auftretende Reibungskräfte.


 

Das Kniegelenk wird von einer Gelenkkapsel umhüllt. Die innere Schicht der Kapsel besteht aus einer Schleimhaut, in der die Gelenkflüssigkeit gebildet wird. Die äußere Schicht sorgt für Stabilität und wird von kräftigen Bändern verstärkt (Innen- und Aussenband, Kniescheibenbänder).

Die Seitenbänder (Innen- und Aussenband) stabilisieren das Kniegelenk nach innen und außen, die Kniescheibenbänder sind für die Führung der Kniescheibe in der Gleitbahn zuständig. Die kräftigen Kreuzbänder (vorderes und hinteres) verlaufen im Kniegelenk und sind für die Stabilität nach vorn und hinten zuständig.

Eine Vielzahl von Muskeln umgreifen das Kniegelenk. Sie gewährleisten Bewegungen und  geben dem Gelenk zusätzliche Stabilität. Die wichtigsten Muskeln werden nach ihrer Zugrichtung unterschieden:

  • Beuger (Flexoren),
  • Strecker (Extensoren).

Die Muskeln sichern das Kniegelenk als eine sehr komplexe Manschette und setzen an ganz unterschiedlichen Knochenvorsprüngen am Oberschenkel- und Unterschenkel an.

Bedingt durch die Hauptbewegungsrichtung (Beugung und Streckung) wird das Kniegelenk häufig vereinfacht als Scharniergelenk dargestellt. Bei der Beugung kommt es aber zu einem Gleiten der Oberschenkelrollen nach hinten, welches auf der Außenseite ausgeprägter ist und somit eine zusätzliche Drehung des Oberschenkelknochens erfordert. Diese komplexe Bewegung (Roll-Gleitbewegung, siehe Abbildung Seite 9) erfordert ein Zusammenspiel aller passiven (Kapsel, Bänder) und aktiven (Muskeln) Gelenkstrukturen.

Das Kniegelenk ist das größte Gelenk des Menschen. Es spielt bei nahezu allen Aktivitäten des täglichen Lebens eine wichtige Rolle, so dass krankheitsbedingte Einschränkungen erhebliche Auswirkungen haben können.