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29. November 2012: Tagebuch hilft Frühchen-Eltern, schöne aber auch schwierige Momente zu verarbeitenPD Dr. Reichert (links) stellt Eltern eines Frühgeborenen das neue Tagebuch vor, das dank einer Spende von VitalAir finanziert werden konnte. Den Scheck überreichte Andreas Kunze, Mitarbeiter der Niederlassung Dresden. Foto: Uniklinikum/Ulrich Lippke
18. November 2008

29. November 2012: Tagebuch hilft Frühchen-Eltern, schöne aber auch schwierige Momente zu verarbeiten

10.000-Euro-Spende unterstützt Projekt „FamilieNetz“ bei Druck und Gestaltung von Materialien zur Bewältigung der ersten Lebensmonate zu früh oder krank geborener Babys

Um Eltern zu früh oder schwer krank geborener Kinder in den ersten Lebensmonaten ihres Nachwuchses nachhaltig zu unterstützen, hat der Fachbereich Neonatologie/Pädiatrische Intensivmedizin der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin des Universitätsklinikums Carl Gustav Carus Dresden das Projekt „FamilieNetz“ ins Leben gerufen. Elemente der intensiven psychologischen und sozialmedizinischen Betreuung der Eltern sind seit November dieses Jahres auch ein Elterntagebuch sowie ein Ordner für Dokumente und Informationsmaterialien. Das Tagebuch konnte dank einer Spende der Firma VitalAire GmbH gestaltet und gedruckt werden. Die hierfür zur Verfügung gestellte 10.000-Euro-Spende erhielt der Direktor der Uni-Kinderklinik, Prof. Reinhard Berner, am heutigen Donnerstag (29. November). Der Aufbau des bundesweit einmaligen „FamilieNetz“-Projekts wurde auch in den Vorjahren durch zwei Stiftungen unterstützt. Nach einer erfolgreichen Pilotphase finanzieren seit diesem Jahr die Krankenkassen unter Führung der AOK PLUS  einen Großteil des Projekts. Um jedoch weitere Angebote zu entwickeln, sind auch künftig Spenden notwendig.

„Anders als bei einer komplikationsfreien Geburt stehen Eltern von deutlich zu früh oder schwer krank geborenen Kindern unter starkem Stress und sind nicht selten sogar traumatisiert“, erklärt Prof. Berner: „Deshalb reicht es hier nicht, die Kinder medizinisch optimal zu versorgen. Wir müssen zugleich Eltern dabei helfen, mit der unerwarteten Situation umzugehen. Trotz der schwierigen Lage ist es wichtig, dass diese Eltern möglichst schnell ein enges Verhältnis zu ihren Kindern herstellen“, so der Klinikdirektor weiter. Sie werden dabei von Psychologen, Sozialarbeitern und Pflegekräften begleitet und geschult. Neben dem entsprechenden Einsatz der Experten, die seit diesem Jahr von den Krankenkassen mit einem sechsstelligen Betrag finanziert werden, entwickelten die Projektmitarbeiter des „FamilieNetz“ auch unterschiedliche Materialien. Jüngstes Ergebnis ist ein 70 Seiten umfassendes, ansprechend gestaltetes Tagebuch, das mit finanzieller Unterstützung der VitalAire GmbH gestaltet und gedruckt wurde. „Darin können die Eltern besondere und gemeinsame Momente mit ihrem Kind festhalten. Das Tagebuch ist so angelegt, dass es frei gestaltbar ist. Fotos finden dort ebenso Platz wie Briefe oder andere Dinge, die an die Zeit im Krankenhaus und auch danach erinnern. Damit haben die Eltern eine Möglichkeit, sich mit ihren Gefühlen und Gedanken über die ‚schönen‘ und ‚schlechten‘ Momente dieser Lebensphase auseinanderzusetzen, die sonst unausgesprochen blieben“, sagt Privatdozent Dr. Jörg Reichert, der das „FamilieNetz“-Projekt leitet. „Wir sind der Firma VitalAire sehr dankbar, dass sie unser Anliegen so unkompliziert und großzügig unterstützt. Dieses Tagebuch ist ein weiteres Detail auf unserem Weg, Eltern von Frühgeborenen ein umfangreiches und wirksames Programm anzubieten, das ihnen und ihren Kindern hilft, trotz eines schwierigen Starts eine positive und gesunde Entwicklung einzuschlagen“, sagt PD Dr. Reichert weiter. „„Mit unserer Spende für das Projekt ‚FamilieNetz‘ wollen wir die hervorragende Arbeit eines sehr engagierten Teams unterstützen. Hier wird ein bedeutender Beitrag für Kinder und Eltern in schwieriger Situation geleistet. Wir wünschen allen Beteiligten weiterhin großen Erfolg, sagt Andreas Kunze, Mitarbeiter der VitalAire GmbH, Niederlassung Dresden.

Das Tagebuch ist Teil eines ebenfalls neu entstandenen Ordners mit dem Titel „Wenn das Leben früh beginnt“. Darin können Eltern Flyer, Informationen und Dokumente aufbewahren, die ihnen nach und nach von unterschiedlichen Institutionen überreicht werden. „Das Tagebuch ergänzt die Sammlung reiner Fakten und stellt die Eltern vor die Aufgabe, den Umgang mit Kind sowie dessen Entwicklungen festzuhalten und sich auch auf diese Weise ihrer neuen und unerwarteten Rolle bewusst zu werden“, so der Psychologe PD Dr. Reichert.

Hintergrundinformation zum Projekt „FamilieNetz“
Etwa zehn Prozent aller Neugeborenen in Deutschland sind „Frühgeborene“ und kommen bis zu 16 Wochen vor dem erwarteten Geburtstermin zur Welt. Nachdem es in den neuen Bundesländern und besonders in Sachsen und Thüringen gelungen ist, die Sterblichkeit der besonders kompliziert zu behandelnden Frühgeborenen auf die bundesweit geringste Rate zu drücken, steht nun mehr denn je die Frage nach der Überlebensqualität im Mittelpunkt. Das wiederum stellt die Ärzte und Eltern vor große Herausforderungen: „Neben möglichen Organschäden sind es auch psychosoziale Faktoren, die die Langzeitentwicklung dieser Kinder beeinflussen und sich damit langfristig auf deren gesundheitlichen – insbesondere neurobiologischen – Zustand auswirken“, sagt Prof. Mario Rüdiger, Leiter des Fachbereichs Neonatologie/Pädiatrische Intensivmedizin an der Uni-Kinderklinik. Die Mütter und Väter haben deshalb einen wichtigen Anteil daran, dass sich Frühgeborene psychisch und physisch optimal entwickeln können. Deshalb rief der Fachbereich das Projekt „FamilieNetz“ ins Leben.

Ziel des bundesweit einmaligen Betreuungskonzeptes ist es, die psychologisch-sozialmedizinische Versorgung von Frühgeborenen unter Einbeziehung ihrer Eltern zu verbessern. Dadurch lässt sich die Langzeitentwicklung der zu früh geborenen Kinder positiv beeinflussen: Eltern werden während der Zeit des stationären Klinikaufenthalts zur selbstständigen Pflege und Versorgung ihres Kindes und zur „Neu-Organisation“ der Familie befähigt. Zudem sichert eine frühzeitige Organisation ambulanter Nachsorge und die Kontrolle ihrer Inanspruchnahme die in den ersten Lebensmonaten erzielten medizinischen Behandlungserfolge. Auch lassen sich durch eine bedarfsgerechte psychologisch-sozialmedizinische Versorgung geburtsbedingte Anpassungs- und Belastungsstörungen der Eltern vermieden.

Weitere Informationen

http://www.uniklinikum-dresden.de/das-klinikum/kliniken-polikliniken-institute/kik/patienteninfo/familienetz

Kontakt
Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden
Klinik und Poliklinik für Kinder- und Jugendmedizin
Bereich Neonatologie und Pädiatrische Intensivmedizin
Prof. Mario Rüdiger
Tel. 0351/ 4 58 36 40
E-Mail: mario.ruediger@uniklinikum-dresden.de
www.uniklinikum-dresden.de/kik