Benutzerspezifische Werkzeuge

Interdisziplinäre multimodale Therapie

Interdisziplinäre multimodale Schmerztherapie ist eine inhaltlich abgestimmte und integrative Behandlung von Patienten mit chronischen Schmerzen in Form von Gruppen- und Einzeltherapien (vgl. Arnold et al. ). Die Therapieinhalte setzen sich aus ärztlich-medizinischen, psychotherapeutischen, physiotherapeutischen sowie ergotherapeutischen Komponenten zusammen, die eng miteinander abgestimmt und sich inhaltlich ergänzend sind. Die Notwendigkeit einer gleichzeitigen Anwendung verschiedener Verfahren ergibt sich aus einem erweiterten Verständnis der möglichen Schmerzursachen und der sich daraus ergebenden komplexen Bedürfnisse der Patienten ("bio-psycho-soziales Schmerzmodell") heraus.

Die Behandlungsbausteine werden in der Regel als sogenannte Blockprogramme mit einem Zeitumfang von mehr als 100 Stunden absolviert. Andere Zeitmodelle sind unter Berücksichtigung der Einzelkomponenten und eines ausreichenden Gesamtzeitumfangs möglich.

Ziel der Behandlung ist neben der Schmerzreduktion vor allem die Wiederherstellung der objektiven und subjektiven Funktionsfähigkeit ("functional restoration") mit Wiedererlangung und Steigerung der Eigenkompetenzen der Patienten.

Die Effektivität interdisziplinärer multimodaler Therapieprogramme konnte mittlerweile in zahlreichen wissenschaftlichen Untersuchungen belegt werden (u.a.: Schütze et al .; Mattenklodt et al. ; Gunreben-Stempfle et al. ) und fand auch Eingang in der sogenannten Nationalen Versorgungsleitlinie Kreuzschmerz . In einer aktuellen Cochrane Review wurde festgestellt, dass die interdisziplinäre multimodale Schmerztherapie herkömmlichen Therapieprogrammen bei Patienten mit Rückenschmerzen überlegen ist.

Im Weiteren möchten wir Sie mit den Rahmenbedingungen und Behandlungsabläufen der Tagesklinik des UniversitätSchmerzCentrums vertraut machen:

Aufnahmemodalitäten

Zu Behandlungsbeginn ist zunächst ein Überweisungsschein des behandelnden Arztes in die Schmerzambulanz mit dem Vermerk „Tagesklinik“ erforderlich. Ein interdisziplinäres Therapeutenteam überprüft im Rahmen eines multidisziplinäres Eingangsassessments die Einschlusskriterien (z. B. ausreichende Belastbarkeit für das Aktivierungsprogramm) und entscheidet gemeinsam mit Ihnen, ob diese Behandlungsform für Sie in Frage kommt bzw. welche Behandlungsalternativen empfehlenswert sind.

Die interdisziplinäre multimodale Behandlung am USC erfolgt über einen Zeitraum von insgesamt 4 Wochen (Mo – Fr 8.00 – 16.15 Uhr) mit einer sich anschließenden 5. Woche ("Boosterwoche"), die nach weiteren 3 Monaten stattfindet.

Voruntersuchung / Assessment

Die Voruntersuchung ( interdisziplinäres Assessment; vgl. Casser et al. ) findet ca. 6 Wochen vor Beginn der tagesklinischen Therapie statt. Hierzu müssen 1 – 2 Termine mit jeweils 3 – 4 Stunden Zeitbedarf eingerechnet werden. Im Rahmen dieses Assessments werden Sie schmerztherapeutisch, orthopädisch, sportmedizinisch, psychologisch und neurologisch untersucht.

Alle vorliegenden Befunde sowie die vorhandene bildgebende Diagnostik (z. B. Röntgenbilder, MRT) müssen zu diesen Terminen mitgebracht werden.

Die individuelle Terminvereinbarung erfolgt über das Sekretariat (s.u.).

Am Ende des Assessments werden in einem Teamgespräch die Untersuchungsergebnisse zusammengefasst und es wird daraus ein Therapievorschlag erarbeitet, der mit den Patienten im Anschluß besprochen wird.

Behandlungsprogramme

Interdisziplinär multimodale tagesklinische Behandlung

Die interdisziplinär multimodale tagesklinsche Behandlung umfaßt ein komplexes einzel- und gruppentherapeutisches Programm mit:

  • körperlicher Konditionierung
  • Psychotherapie und Verhaltenstherapie
  • Entspannungsverfahren und Biofeedback
  • Arbeitsplatztraining
  • Kunsttherapie

In der Regel erfolgt die Behandlung in sogenannten gemischten Gruppen. D.h. hier werden Patienten mit unterschiedlichen Schmerzdiagnosen zeitgleich behandelt. Darüber können wir für Patienten mit Kopfschmerzen bzw. Senioren spezielle Gruppentermine anbieten (s.u.).
Die Behandlungsgrundsätze unserer interdisziplinär multimodalen Therapie richten sich nach den Vorgaben der Fachgesellschaften (vgl. Arnold et al. ).

Seniorenprogramm

Auch für ältere Patienten, die unter chronischen Schmerzen leiden, können wir eine interdisziplinär multimodale tagesklinische Behandlung anbieten. Die Programminhalte entsprechen im Wesentlichen den oben genannten Punkten. Jedoch versuchen wir, den geänderten Bedürfnissen und Leistungsfähigkeiten älterer Menschen gerecht zu werden. So wird z.B. das physiotherapeutische Programm entsprechend an das spezifische Leistungsvermögen angepasst.

Mittlerweile konnten in verschiedenen Untersuchungen Belege für eine ausreichende Wirksamkeit in dieser speziellen Patientengruppe nachgewiesen werden.

Kopfschmerzgruppen

In verschiedenen Untersuchungen konnte gezeigt werden, dass auch Patienten, die ausschließlich unter verschiedenartigen Kopfschmerzen (z.B. Migräne, Spannungskopfschmerz) leiden von multimodalen Therapieprogrammen profitieren.

Im USC werden tagesklinische Behandlungsgruppen mit Kopfschmerzpatienten angeboten. Auch wenn sich das Behandlungsprogramm in seinen Rahmenbedingungen nicht von der Behandlung sogenannter gemischter Schmerzpatientengruppen unterscheidet, so werden hier doch noch spezifisch für Kopfschmerzpatienten konzipierte Behandlungsmodule und -schwerpunkte integriert.

Berufsbegleitende interdisziplinär multimodale Schmerztherapie

Für einige Patienten ist es z.B. aus beruflichen Gründen nicht möglich an einer 4-wöchigen interdisziplinär multimodalen Therapie teilzunehmen. Vor allem an diese Gruppe richtet sich ein Behandlungsmodul, in welchem interdisziplinär multimodale gruppenbasierte Therapie (Kleingruppen)  über einen Zeitraum von bis zu einem halben Jahr einmal pro Woche ( Donnerstag Nachmittag ) durchgeführt wird. Auch hier wird der eigentlichen Behandlung eine umfangreiche Voruntersuchung (Assessment, s.o.) vorgeschaltet, bei der neben den medizinisch-psychologisch-physiotherapeutischen Befunden vor allem auch die Eignung für eine Teilnahme an dem Programm geklärt wird.

Dieses Behandlungsmodul richtet sich insbesondere an Patienten, deren Schmerzerkrankung noch nicht so weit fortgeschritten ist, die aber ein erhöhtes Chronifizierungsrisiko haben. Ziel ist es hier möglichst frühzeitig mit einem breit aufgestelltem Konzept diesem Risiko entgegenzuwirken.

Zur Zeit können nur Patienten , die in der AOK PLUS versichert sind, in das berufsbegleitende Programm aufgenommen werden.

Tagesklinisches Programm - Nachbehandlungsgruppe

Für einige Patienten, die an der regulären 4- bzw. 5-wöchigen multimodalen tagesklinischen Behandlung teilgenommen haben, kann es sinnvoll sein, sie nach Beendigung dieser Behandlung noch für eine Weile niederfrequenter nachzubehandeln, um erste positive Ergebnisse aus der Tagesklinik aufrechtzuerhalten bzw. weiter zu optimieren. Diese Behandlung findet in Kleingruppen (max. 6 Personen) einmal wöchtentlich für insgesamt 3 Monate statt.

Derzeit ist diese Behandlung nur Patienten der AOK PLUS zugänglich. Über eine etwaige Teilnahme entscheiden die Patienten gemeinsam mit dem Therapeutenteam am Ende der regulären tagesklinischen Behandlung.

PT1PT2

Sprechzeiten

Kontakt Ansprechpartner

Interdisziplinäre Schmerztagesklinik, UniversitätsSchmerzCentrum, Haus 15

nach Vereinbarung

Tel +49 (0) 351 458 5983 oder -4593

Fax +49 (0) 351 458 6391

Fr. H. Bergner