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Verbrennungschirurgie

Thermische Verletzungen durch Hitzeeinwirkungen (Verbrennungen, Verbrühungen, Stromunfällen oder chemischen Verletzungen) stellen ein Spektrum von leichten Bagatellverletzungen bis hin zu lebensbedrohlichen Traumen dar.

Einteilung der Verbrennungstiefe

Grad der Verbrennung

Betroffene Hautschichten

Klinik

1

Epidermis

Rötung, starker Schmerz, wie Sonnenbrand

2a

Oberflächige Dermis

Blasenbildung, Wundgrund rosig und rekapillarisierend, starker Schmerz, Haare fest verankert

2b

Tiefe Dermis (mit Hautanhangs­gebilden)

Blasenbildung, Wundgrund blasser und nicht oder schwach rekapillarisierend, reduzierter Schmerz, Haare leicht zu entfer­nen

3

Komplette Dermis

Trockener, weißer, lederar­tig harter Wundgrund, keine Schmerzen, keine Haare mehr vorhanden

4

Unterhautfettgewebe, Muskelfas­zie, Muskeln, Knochen

Verkohlung

Die Einteilung der Verbrennung bezogen auf die Körperoberfläche ist altersabhängig und wird im Ergänzungsbogen unten erläutert. Für Erwachsene wird die Neunerregel nach Wallace zur primären groben Abschätzung verwendet:
9 %, der komplette Rumpf bildet 36 %, die unteren Extremitäten jeweils 18 % und das Genitale 1% der Körperoberfläche, Hand 1%.

Chirurgische Versorgung

Die Versorgung ist abhängig von der Tiefe der Verbrennung, bei Verbrennung des Grades II a-b können nach Débridement (chirurgische bzw. mechanische Entfernung) der betroffenen Hautareale, diese mittels einem synthetischer Hautersatz (z.B. Suprathel) gedeckt werden.

Bei höhergradigen Verbrennungen/Verbrühungen, bei denen keine spontane Regeneration der Haut zu erwarten ist, müssen ebenfalls alle betroffenen Areale, teilweise auch Fett- und Muskelgewebe, entfernt werden. Bei speziellen Fällen müssen teilweise Entlastungsschnitte (Escharotomie) durchgeführt werden, um weitere Schäden der Muskulatur oder weiterer Weichteile zu vermeiden.

Anschließend erfolgt die Deckung wenn möglich mit Transplantation von eigener Haut mittels Spalthauttransplantation. Dabei wird ein Stück gesunde Haut (z.B. häufig vom Oberschenkel, jedoch abhängig von der Lokalisation der Verbrennung) in einer Dicke von ca. 0,2 mm entnommen und gitterförmig ausgedehnt auf die Defekt aufgebracht (Meshgraft-Deckung).

Spezielle Fälle sind Verbrennungen im Gesicht und an den Händen, hierbei wird die transferierte Haut zum optimalen Ergebnis im Normalfall nicht gemesht (keine gitterförmige Ausdehnung der Spalthaut), um ein ästhetisch optimales Ergebnis zu erzielen.

Neben der chirurgischen Intervention sind von entscheidender Bedeutung:

  • Schmerzbekämpfung mit ausreichender Analgesie
  • Psychologische Betreuung des Brandverletzten bei höhergradigen Verletzungen
  • Aufklärung über Narbenbehandlung ggf. Kontrakturbehandlung
  • Zeitnahe Bewegungstherapie
  • Beachten von psychiatrischen und psychosozialen Spätfolgen

 Sowohl die neugebildete als auch die transplantierte Haut ist anfangs empfindlich gegenüber UV-Belastung (direktes Einwirken von Sonnenlicht) und mechanischer Belastung. Des Weiteren kann es sein, dass sie sich im Laufe der Zeit etwas zusammenzieht, das Hautkolorit (Hautfarbe) sich von vergleichbaren Hautarealen unterscheidet  und / oder es zu einer Narbenbildung kommt. Infolge dessen können weitere Operationen notwendig werden.

Video Verbrennungschirurgie