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Mein Leben mit dem Kunstgelenk –  auf was ist zu achten?

Ein Kunstgelenk ist und bleibt ein Fremdkörper und einige Einschränkungen und Verhaltensregeln müssen ein Leben lang beachtet werden.

Achten Sie auf Entzündungsherde!

Wichtig für Patienten mit einem Kunstgelenk ist eine rasche Behandlung von auftretenden eitrigen Entzündungen an anderen Körperstellen, um eine Verschleppung von Bakterien über die Blutbahn an das Kunstgelenk zu vermeiden. Mögliche Streuherde sind:

  • Zahnwurzel-Entzündungen,
  • Infektionen des Hals-Nasen-Ohren-Bereiches,
  • Nagelbettentzündungen an den Zehen,
  • Geschwüre an den Beinen (z.B. bei chronischen Durchblutungsstörungen).

Deshalb ist eine regelmäßige Körperhygiene, Haut- und Fußpflege von großer Bedeutung.

Diese Vorsichtsmaßnahmen gelten lebenslang!


Antibiotikagabe bei Eingriffen

Wie bei einer künstlichen Herzklappe sollen auch Patienten mit einem Kunstgelenk bei Eingriffen (z.B. Zahnbehandlung) eine Antibiotikagabe erhalten, um die Verschleppung von dabei freigesetzten Bakterien zu vermeiden. Deshalb sollten Patienten immer erwähnen, dass sie ein Kunstgelenk haben. Empfohlen wird die Gabe von 1g Amoxicillin eine Stunde vor dem Eingriff.

Vermeiden Sie einseitige, statische und sturzgefährdete Belastungen

Körperlich einseitige Belastungen (z. B. übermäßig langes Stehen und Gehen) sollten vermieden werden. Günstig wirken sich möglichst viel Abwechslung zwischen stehenden, sitzenden und liegenden Positionen aus. Das Heben und Tragen von schweren Lasten (mehr als 25 kg), vor allem auch einseitig und über einen längeren Zeitraum sollte vermieden werden. Sturzgefährdete Positionen und Tätigkeiten bitte unterlassen und auch potentielle Stolperfallen in der Wohnumgebung beheben.

Optimierung des Körpergewichts

Übergewicht kann die Lebensdauer von Kunstgelenken durch einen vermehrten Verschleiß und eine vorzeitige Lockerung begrenzen. Deshalb ist die richtige Einstellung des Körpergewichts eine wichtige Maßnahme in der Behandlungsplanung.

Anpassung sportlicher Tätigkeiten

Grundsätzlich gilt auch für Patienten nach dem Kunstgelenkersatz, dass sportliche Betätigung günstig ist. Im Vorfeld der Operation haben sich häufig Einschränkungen v.a. in Koordination, Kraft, Ausdauer oder Gleichgewicht entwickelt. Beginnen Sie daher vorsichtig! Es ist zu empfehlen, die sportlichen Aktivitäten mit dem behandelnden Arzt abzustimmen, denn zu hohe Gelenkbelastung stellen ein Risiko für die vorzeitige Lockerung dar. Dies gilt zum Beispiel für die meisten Ball- und Sprungsportarten und übermäßige Laufbelastung. Folgende Sportarten können ohne wesentliche Einschränkung ausgeübt werden: Gymnastik, Fahrradfahren, Ergometertraining, Schwimmen, Wassergymnastik, Wandern, Nordic-Walking, Tanzen, Golf. Auch Krafttraining unter professioneller Anleitung (Gesundheitssport/Physiotherapie) kann durchgeführt werden, wobei unbedingt darauf zu achten ist, dass keine übermäßige Kraft über die Kniescheibe übertragen wird.

Mit entsprechender Erfahrung sind auch weitere Sportarten wie Bowling, Bergwandern (Abstützen auf Wanderstöcken beim Bergabgehen, Vermeidung langer Abstiege), Reiten oder Skilanglauf möglich. Ein sehr guter und von den Kostenträgern unterstützter Ansatz ist die Teilnahme am „Reha-Sport“ der mittlerweile von vielen Einrichtungen angeboten wird. Der behandelnde Arzt stellt dazu eine Verordnung aus und es muss nur ein geeigneter Anbieter (häufig Sportvereine, ambulante Reha-Einrichtungen mit entsprechenden Programmen) gefunden werden. Auch die regelmäßige Bewegungstherapie, die in Form von Eigenübungsprogrammen zu Hause durchgeführt werden kann, ist weiterhin sehr empfehlenswert.

Anpassung beruflicher Belastung

Bei hoher beruflicher Belastung sind entsprechende Unterstützungsmaßnahmen sinnvoll. Dazu gehören u. a. Hilfen zur Erhaltung eines Arbeitsplatzes, berufliche Anpassungsmaßnahmen und Leistungen an Arbeitgeber zur Unterstützung der Beschäftigungsbereitschaft. Bei Bedarf sollten Patienten mit ihrem Rentenversicherungsträger Kontakt aufnehmen, um ein Beratungsangebot zu erhalten.