Benutzerspezifische Werkzeuge

Behandlungsschwerpunkte


Die Tumororthopädie beschäftigt sich mit der Diagnostik, Therapie und Nachsorge von primären und sekundären Tumoren des Stütz- und Bewegungsapparates. Zum Einsatz kommen biologische Rekonstruktionen von Knochen und Weichteilsegmenten, spezielle Tumorendoprothesen (sowohl modulare Systeme als auch Individualprothesen), die Versorgung mit Knochenersatzmaterialien und Verfahren der internen und externen Stabilisierung. Durch eine enge interdisziplinäre Zusammenarbeit mit allen Fachgebieten im Rahmen des Tumorzentrums und dem interdisziplinären Tumorboard-Meeting unserer Einrichtung können moderne therapeutische und diagnostische Verfahren angeboten werden. Die interdisziplinäre Beratung aller Patienten legt den Grundstein für die individuelle Therapieplanung unserer Patienten.

Diagnostik bei unklaren Weichteil- und Knochentumoren

Klinische Vorstellung

  • Anamnese, insbesondere Dynamik der Veränderung (Wachstumsgeschwindigkeit)
  • Tumor- und Familienanamnese
  • Begleiterscheinungen/B-Symptomatik
  • klinische Untersuchung

Erforderliche Bildgebung

  • MRT mit Kontrastmittel des gesamten Kompartiments
  • Röntgenbild in 2 Ebenen
  • CT mit Kontrastmittel bei Knochentumoren
  • ggf. Staging-CT (Thorax, Abdomen, Becken) mit Kontrastmittel
  • ggf. Laboruntersuchung

Ggf. ergänzende Diagnostik

  • Positronenemissionstomographie (PET)
  • Skelettszintigraphie
  • zur Darstellung metabolisch aktiver Anteile dedifferenzierter Tumorabschnitte 
     

Interdisziplinäres Tumorboard

  • Interdisziplinäre Konferenz mit Anwesenheit von Vertretern aus Radiologie, Chirurgie, Onkologie, Strahlentherapie, Pathologie, ggf. Nuklearmedizin
  • Wertung des radiologischen Befunds, der klinischen und laborchemischen Untersuchungsergebnisse
  • Hinweise zum unterschiedlichen Kontrastmittelverhalten bzw. PET- Enhancement und damit zum Entnahmeort der Biopsie
  • Vorinformation der Pathologen über die Bildgebung, Kenntnis von der radiologischen Verdachtsdiagnose
  • Festlegung der weiteren diagnostischen Schritte, z.B. ergänzende Bildgebung oder Indikation zur Biopsie 

Biopsie

  • Indikation bei Verdacht auf eine lokal aggressive benigne Läsion, einen malignen Knochen-/ Weichteiltumor oder bei in der Bildgebung dargestellten unklaren Läsionen
  • Inzisionsbiopsie: bei allen Befunden über 5cm Größe und unterhalb der Faszie gelegenen Befunden
  • Exzisionsbiopsie: bei kleineren, oberflächlich gelegenen Befunden unter Berücksichtigung der onkochirurgischen Kriterien
  • Bildgestützte Biopsie: sonographisch gestützte, CT-gestützte oder navigiert gestützte Biopsie
  • Berücksichtigung der definitiven Resektionsplanung bei der Biopsie für den korrekten Zugangsweg
  • Durchführung an dem Tumorzentrum, an dem auch die anschließende Resektion erfolgt

Primär maligne Knochen- und Weichteilsarkome

Primär maligne Knochen- und Knorpeltumoren

  • Osteosarkom
  • Ewingsarkom
  • Chordom
  • Chondrosarkom

Primär maligne Weichteiltumoren

  • Unterteilung nach Gewebeursprung:
    • Fettgebe: Liposarkom
    • Bindegewebe: Fibrosarkom, malignes fibröses Histiozytom, Synovialsarkom
    • Muskelgewebe: Leiomyosarkom, Rhabdomysarkom
    • Gefäßsystem: Angiosarkom, Hämangioperizytom
    • Nervensystem: maligner peripherer Nervenscheidentumor (MPNST)
    • Bisher nicht eindeutig geklärt: alveoläres Weichteilsarkom, pleomorphes/undifferenziertes Sarkom (NOS)
  • Grading (Abstufung der Bösartigkeit):
niedriggradig (low grade)hochgradig (high grade)
G1: gut differenziertG3: schlecht differenziert
G2: mäßig differenziertG4: undifferenziert

Benigne und weniger maligne Knochen-, Knorpel- und Weichteiltumoren

Gutartige Knochentumoren

  • Knochenbildend
    • Osteom
    • Osteoidosteom
    • Osteoblastom
  • Knorpelbildend
    • Kartilaginäre Exostose
    • Chondrom/Enchondrom
    • Chondroblastom
  • Riesenzelltumor des Knochens

Tumorähnliche Läsionen

  • Pigmentierte villonoduläre Synovialitis, tenosynovialer Riesenzelltumor
  • Synoviale Chondromatose
  • Aneurysmatische und juvenile Knochenzyste
  • Fibröse Dysplasie
  • Langerhanszell-Histozytose
  • Morbus Paget
  • Desmoidtumor
  • Hämangiom des Knochens

Operative Therapie in der Tumororthopädie

  • extremitätenerhaltende Operationen an allen Gliedmaßen
  • funktionserhaltende Rekonstruktionen nach Weichteil- und Knochentumorresektionen, plastische Deckungskonzepte mit Spalthauttransplantationen oder Lappenplastiken gemeinsam mit Abteilung plastische Chirurgie
  • Kürettage/Excochleation und Auffüllung mit körpereigenem Knochen, Knochenersatzmaterial oder Knochenzement
  • Knochentransplantation (z.B. vaskularisierter Fibulatransfer)
  • Tumorendoprothesen und Individualprothesen (z.B. Beckenteilersatz, Totalersatz von proximalem, distalem oder gesamten Femur oder Tibia, Totalersatz des proximalen Humerus)
  • Becken(teil)resektionen

Behandlung von benignen und malignen Wirbelsäulentumoren 

  • Ein- oder Mehretagen-En-Bloc-Resektion
  • spinale Defektrekonstruktion mit Wirbelkörperersatz und dorsaler/ventraler Spondylodese
  • Einsatz der intraoperativen bildgestützten Navigation

Behandlung knöcherner Metastasen

  • abhängig von Tumorentität, Therapieintention und Prognose
  • Segmentresektion und funktionserhaltende Rekonstruktion mit körpereigenem / Knochenersatzmaterial / Tumor- oder Individualprothese
  • Stabilisierung bei pathologischer Fraktur
  • prophylaktische Stabilisierung bei Bruchgefahr
  • postoperative konsolidierende Bestrahlung

Publikationen

2022

2021

2020

2019

2017

2016