
Start einer neuen multizentrischen Patientenstudie
Patienten mit höhergradigen Schwerhörigkeiten, welche mit einem konventionellen Hörsystem nicht zufriedenstellend versorgt sind, kann im Rahmen einer Operation ein Cochlea-Implantat (CI) eingesetzt werden. Der zugehörige Versorgungsprozess in unserer Klinik wird dabei seit mehr als 30 Jahren durch das Team des Sächsischen Cochlear Implant Centrums sehr erfolgreich gesteuert.
Das Herzstück der CI-Operation ist das Einführen des Elektrodenträgers in die Cochlea (Hörschnecke). Der Elektrodenträger ermöglicht die direkte elektrische Stimulation des Hörnervens unter Umgehung erkrankter Teile des Innenohres, welche normalerweise für die Schallwahrnehmung und Reizweiterleitung an den Hörnerven zuständig sind. Bisher erfolgte das Einführen des Elektrodenträgers per Hand. Seit April 2025 steht der Klinik mit dem OTOARM/OTODRIVE-System der Firma MED-EL (Innsbruck, Österreich) ein in Europa zugelassenes chirurgisches Assistenzsystem zur Verfügung, welches den Vorgang der Elektrodenträgerinsertion unterstützt. Der Elektrodenträger wird hierbei kontinuierlich, tremorfrei und mit einer sehr langsamen Geschwindigkeit entlang einer zuvor durch die erfahrenen Ohrchirurg:innen festgelegten Trajektorie in die Cochlea eingeführt. Die implantierenden Ohrchirurg:innen starten den Insertionsvorgang mittels Tritts auf ein Fußpedal und überwachen den Vorgang durch das OP-Mikroskop. Im Vergleich zum Einführen des Elektrodenträgers in die Cochlea per Hand ist mit dem Assistenzsystem ein deutlich atraumatischeres Einführen möglich. Dadurch können Strukturen, welche sich innerhalb der Cochlea befinden, optimal geschont werden.
„Wir versprechen uns durch den Einsatz des Systems eine Verbesserung der postoperativen Ergebnisse. Insbesondere Patient:innen, welche vor der Operation noch über ein Resthörvermögen verfügen, welches nach der Operation zusätzlich zum CI mit einem Hörgerät verstärkt werden soll (Elektrisch-Akustische-Stimulation), sollen zukünftig vom Einsatz des Systems und dessen im Vergleich zum händischen Inserieren schonenderen Verfahren profitieren. Außerdem hoffen wir, die Rate des häufig auftretenden postoperativen Schwindels durch den Einsatz des Systems zu senken. Davon sollen alle Patient:innen, welche mit dem System implantiert werden, profitieren“, sagt Professor Thomas Zahnert, Klinikdirektor, über den Einsatz des Systems im OP.
Ob das System die hohen Erwartungen erfüllen kann, wird ab September 2025 im Rahmen einer multizentrischen Studie, welche durch Dr. Müller, Leiter der Nachwuchsforschungsgruppe „Chirurgische Assistenzsysteme“ betreut wird, erforscht. 2028 soll die Studie abgeschlossen werden. Patient:innen, welche in unserer Klinik ein Cochlea Implantat erhalten und Interesse an einer Studienteilnahme haben, sind herzlich eingeladen, im Rahmen der Vorgespräche das ärztliche Team des Sächsische Cochlear Implant Centrum anzusprechen.