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Kopf hoch, Slawik!Foto: Birgit Andert, Kinderarche Sachsen e.V.
13. Juli 2011

Kopf hoch, Slawik!

13. Juli 2011: Hautärzte des Uniklinikums operieren Brandnarben von ukrainischem Jungen / Mehrmonatige Hilfsaktion des Kinderarche Sachsen e.V. kurz vor dem Abschluss

Um ihn von seinen schweren Haltungsschäden zu erlösen, transplantierte die Hautchirurgin Dr. Annette Stein von der Klinik und Poliklinik für Dermatologie des Universitätsklinikums Carl Gustav Carus dem 15-jährigen Slawik aus der Ukraine Haut aus der Leistenbeuge in den Halsbereich und korrigierte einen über die Jahre gebildeten Narbenstrang. Auslöser für die Probleme des Jugendlichen aus Golowtschinzi ist eine großflächige Brandverletzung, die er sich als Dreijähriger zugezogen hatte. Mit der kostenlosen Operation und den folgenden Kontrolluntersuchungen beteiligte sich das Klinikum an der Hilfsaktion des „Kinderarche Sachsen e.V.“.

Da die vernarbte Haut nicht so mitwächst wie die natürliche, litt die Bewegungsfreiheit des 15-Jährigen zunehmend: Den Kopf gerade halten und seinem Gegenüber in die Augen schauen, konnte er nicht mehr – Haltungsschäden waren die Folge. Nur eine Hauttransplantation kombiniert mit einer Narbenkorrektur konnte ihn aus seiner misslichen Lage befreien. Jetzt ist Slawik 15 Jahre alt und hat nach der Operation am Uniklinikum sowie der Nachbehandlung in Westsachsen Hoffnung, sich in Zukunft wieder normal bewegen zu können. „Eine Transplantation der Haut ist immer eine Herausforderung“, berichtet Dr. Annette Stein, Oberärztin an der Klinik für Dermatologie. Die erfahrene Hautchirurgin hatte dem Jugendlichen Ende Juni ein vier Mal elf Zentimeter großes Hautstück aus der Leistengegend entnommen und in den vorderen Halsbereich übertragen. Zudem wurde ein die Bewegungsfreiheit einschränkender Narbenstrang aufgetrennt. „Wir haben versucht, die durch den Eingriff entstehenden neuen Narben so gut wie möglich zu verstecken“, erklärt Dr. Annette Stein.

Durch die enge Partnerschaft des ukrainischen Kinderheims in Golowtschinzi mit der Kinderarche Sachsen sind deutsche Erzieher auf Slawik aufmerksam geworden. Der verwaiste Jugendliche stammt aus schwierigen familiären Verhältnissen und kam vor vier Jahren in das Heim. Seitdem hat der 15-Jährige große Fortschritte in seiner Entwicklung gemacht. Doch seine eingeschränkte Bewegungsfreiheit vor allem des Kopfes blieb eine Hypothek. Antje Schwichten-berg, Erzieherin im Kinder- und Jugendheim Crimmitschau, hat ihrem Hautarzt Dr. Karsten Pfennig Fotos des Jugendlichen gezeigt – der engagierte sich daraufhin für dessen Operation in Deutschland.
Dank der Unterstützung vieler Menschen und Institutionen konnte Slawik nahezu kostenlos behandelt werden: Ortsansässige Ärzte in Crimmitschau und Werdau verzichteten auf das Honorar für alle notwendigen Voruntersuchungen. Das Uniklinikum hat die in der Klinik entstandenen Behandlungskosten komplett übernommen. Und auch der Aufenthalt des Jugendlichen in Deutschland war mit keinem großen finanziellen Aufwand verbunden, da Slawik drei Monate lang in der Familie von Antje Schwichtenberg zu Gast war. Die im Alltag anfallenden Kosten wurden über eine Spende von Dr. Sven Billhardt, Geschäftsführer der Firma Sturm und Partner, finanziert. „Wir freuen uns sehr über diese Unterstützung“, sagt Henry Weyhmann, Vorstandsmitglied der Kinderarche Sachsen und Projektverantwortlicher für die Ukraine-Partnerschaft, „denn sie ermöglicht dem Jungen, in Zukunft ein weniger eingeschränktes Leben zu führen.“

Die Prognosen für eine dauerhaft erhaltene Bewegungsfreiheit sind für Slawik gut. „Es ist ein schönes Gefühl, dass wir dem Jugendlichen mit dieser Operation helfen konnten und ihm so sein Leben ein Stück leichter gemacht zu haben. An den wenigen Tagen, die er in der Klinik war, ließ er uns seine Dankbarkeit spüren“, sagt Prof. Gottfried Wozel, Direktor der Klinik für Dermatologie des Dresdner Uniklinikums. Wenn Slawik nun in die Ukraine zurückkehrt, muss die in den vergangenen Wochen in Sachsen sichergestellte Pflege der neuen Operationsnarben fortgesetzt werden. Entscheidend für den Genesungsprozess ist die weitere Entwicklung des Jugendlichen: Falls er noch weiter wächst, könnte in zwei bis drei Jahren ein weiterer korrigierender Eingriff notwendig sein.

Fotos
Aufnahmen von Slawik, seiner Gastmutter Antje Schwichten¬berg und den behandelnden Ärzten stellt die  Kinderarche Sachsen e.V. auf Anfrage gern zur Verfügung.

Kontakte
Universitätsklinikum Carl Gustav Carus
Holger Ostermeyer, Pressesprecher
Tel. 0351/ 4 58 41 62
presse@uniklinikum-dresden.de

Kinderarche Sachsen e.V.
Birgit Andert , Öffentlichkeitsarbeit
Tel. (0179) 66 74 718
b.andert@kinderarche-sachsen.de