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17. Juni 2010

Vuvuzelas können so laut wie eine Kreissäge werden

17. Juni 2010: Südafrikanische Fussballtröte kann Gehör dauerhaft schädigen / Experte empfiehlt Hörschutz und deutlichen Abstand von Vuvuzela-Bläsern

Das Tröten der Vuvuzela stellt gerade bei öffentlichen Veranstaltungen eine große Gefahr für das Publikum da: Selbst unter freiem Himmel und bei einem Abstand von einem Meter bringt es ein ungeübter Bläser auf einen Schallpegel von gut 100 Dezibel. Das ergaben Messversuche der Klinik für Hals-Nasen-Ohrenheilkunde des Universitätsklinikums Carl Gustav Carus Dresden. Ist das Gehör über eine längere Zeit – etwa die Dauer eines Fußballspiels – diesem Lärm ausgesetzt, drohen irreparable Hörschäden. Denn bereits Dauerlärm von 85 Dezibel sind gefährlich für das menschliche Ohr. Wird eine Vuvuzela von einem geübten Bläser in einer dicht gedrängten Menge gespielt – etwa bei den sogenannten Public Viewings der Fußball-Weltmeisterschaft –, kann das Tröten durchaus 120 Dezibel erreichen. Das entspricht dem Schallpegel einer Kreissäge. Prof. Thomas Zahnert, Gehörspezialist und Direktor der HNO-Klinik des Uniklinikums, empfiehlt deshalb, bei Veranstaltungen deutlichen Abstand von Vuvuzela-Spielern zu halten und einen Gehörschutz – etwa handelsübliche Stopfen aus Wachs oder speziellen Schaumstoff – zu tragen. In Innenräumen sollte die Tröte überhaupt nicht geblasen werden.
Die Versuchsanordnung bei den Tests der Hörexperten der HNO-Klinik simulierte in Gegenwart von Journalisten eine Situation, die überall auf Fanmeilen oder Public Viewings drohen: Ein Fan bläst mit der Tröte in Ohrnähe seines Nachbarn – etwa 30 Zentimeter von dessen Kopf entfernt. Selbst Ungeübte erreichen dabei leicht einen Schallpegel von 110 Dezibel. Bei einem Abstand von anderthalb Metern sind es gerade 10 Dezibel weniger. Noch gefährlicher wird es, wenn die Vuvuzela im Wohnzimmer benutzt wird, denn in kleineren geschlossenen Räumen verändert sich der Schallpegel trotz größeren Abständen kaum. Der Lärm der Plastiktröte liegt weit über den Grenzen, die beim Arbeitsschutz gelten: „Arbeitnehmer müssen bei einen dauerhaften Lärmpegel von 85 Dezibel einen Gehörschutz tragen“, sagt Prof. Zahnert. Die Vuvuzela-Spitzenwerte liegen weit darüber: Die für Geübte durchaus möglichen 120 Dezibel entsprechen dem Lärm einer Kreissäge oder eines startenden Flugzeugs. Entscheidend ist auch die Dauer: Wer während eines Fußballspiels über zwei Stunden einem Lärmpegel von 98 Dezibel ausgesetzt ist, sollte danach mindestens eine Woche lang sein Gehör schonen, um einen dauerhaften Schaden zu vermeiden. „Die Schwelle für Hörschädigungen ist jedoch sehr individuell“, betont Prof. Zahnert. Es ist also möglich, dass bereits ein geringerer Pegel Probleme verursachen kann.
Belastungen über 98 Dezibel bleiben für das Gehör nicht folgenlos, denn das Ohr ist ein hochempfindliches Organ: Im Innenohr wandeln Tausende von Haarzellen die Schallwellen in Nervenimpulse um. Der hohe Lärmpegel der Vu-vuzelas schädigt diese hochempfindlichen Zellen dauerhaft. Schwerhörigkeit oder Ohrgeräusche (Tinnitus) beeinträchtigen dann die Wahrnehmung der Betroffenen. „Besonders gefährdet sind Kinder und Personen, bei denen schon Hörstörungen wie Knalltraumata, Hörstürze oder Tinnitus aufgetreten sind“, erklärt der Direktor der HNO-Klinik. Erste Anzeichen für Schäden nach starkem Lärm sind beispielsweise nur noch dumpf wahrgenommen Geräusche oder ein dauerhaftes Pfeifen im Ohr.
Wer auch nach der Weltmeisterschaft alles gut hören will, dem rät Prof. Zahnert: „Gehen Sie nicht ohne Gehörschutz – etwa Ohrenstöpsel – zu den Fußballveranstaltungen und halten Sie mehrere Meter Abstand zu Vuvuzela-Spielern.“ Der Gehörexperte appelliert auch außerhalb von Großveranstaltungen für einen bewussteren Umgang mit dem Hörsinn. Hierzu gehört eine tägliche Entspannungsübung für die Ohren – einfach für fünf Minuten den alltäglichen Lauten in seiner Umgebung bewusst folgen und so zur Ruhe kommen.

Kontakt
Universitätsklinikum Carl Gustav Carus
Klinik und Poliklinik für Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde
Prof. Thomas Zahnert
Tel. 0351/ 4 58 4420
E-Mail: orl@uniklinikum-dresden.de
www.uniklinikum-dresden.de
http://www.orl-dresden.de