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06. Mai 2010

Kinder brauchen ganz besondere Medizin

6. Mai 2010: Uniklinikum feiert 80-jähriges Bestehen der Kinderklinik in der Johannstadt / Spezialisierte Hochleistungsmedizin sichert Lebensqualität / Chronik zum Jubiläum erschienen

Mit einer Festveranstaltung am 7. Mai 2010 blickt die Klinik für Kinder- und Jugendmedizin am Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden auf die 80-jährige Geschichte ihres Standortes zurück: Die feierliche Einweihung des Neubaus an der heutigen Pfotenhauerstraße markierte am 15. Mai 1930 den Beginn einer dynamischen Entwicklung der stationären wie ambulanten Versorgung von Kindern und Jugendlichen. Heute sind es vor allem die Angebote der Maximalversorgung, die das Profil der Klinik prägen: Im Kinder-Frauenzentrum werden Patienten mit schweren sowie seltenen Erkrankungen behandelt. „Während es in früheren Jahren noch oft darum ging, das Überleben der Kinder zu sichern, geht es heute verstärkt darum, den Patienten ein Aufwachsen mit möglichst geringen Einschränkungen zu ermöglichen“, sagt Klinikdirektor Prof. Manfred Gahr. Exemplarische Beispiele hierfür sind die umfassende Betreuung von Früh- und Risikoneugeborenen oder mit schweren Erkrankungen zur Welt gekommenen Kindern, von Patienten mit Typ-1-Diabetes, Tumorerkrankungen, Rheuma, Immundefekten, Hormonstörungen und anderen chronischen Krankheiten. Neben der medizinischen Betreuung geht es der Klinik darum, das eigenverantwortliche Handeln der Kinder und ihrer Eltern zu stärken. So setzen die Neonatologen der Klinik mit einem in diesen Tagen gestarteten Schulungsprogramm Maßstäbe: Bereits während des stationären Aufenthalts lernen die Eltern der Frühgeborenen, ihre Kinder besser zu verstehen und sie in ihrerEntwicklung bestmöglich zu unterstützen.

Das von Prof. Jobst Henker, dem langjährigen, heute emeritierten Kinder-Gastroenterologen herausgegebene Buch „Chronik der Kinderklinik Dresden-Johannstadt/Universitätskinderklinik 1930 – 2010“ stellt neben der historischen Entwicklung der Kinder- und Jugendmedizin auch die aktuellen Strukturen der Klinik vor. Eine Stärke des Buches ist die große Zahl historischer wie aktueller Fotos, die den Wandel Arbeitsweise ebenso dokumentieren die vielen Mitarbeiter, die über die Jahrzehnte in der Klinik gearbeitet haben. Ein gutes Drittel der Chronik befasst sich mit dem aktuellen Angebot der ambulanten wie stationären Krankenversorgung der Unikinderklinik. Starkes Wachstum und Dynamik prägte in den vergangenen 20 Jahren den Bereich Neonatologie/ Pädiatrische Intensivmedizin: Seit 1989 wuchs die Zahl der Patienten von 432 auf weit über 1.000 im vergangenen Jahr. Kontinuierlich stieg auch die Anzahl betreuter Früh- und Risikoneugeborener von 419 auf 828 im Jahr 2009. Besonders deutlich erhöhte sich die Zahl intensivmedizinisch betreuter Kinder und Jugendlicher. Waren es vor 20 Jahren nur 13 Patienten, so wurden im vergangenen Jahr mehr als 350 schwer erkrankte Kinder und Jugendliche auf der pädiatrischen ITS interdisziplinär betreut.

„FamilieNetz“ gibt Eltern Frühgeborener Sicherheit

Kinder, die zu früh oder bereits krank das Licht der Welt erblicken, werden durch erfahrene Ärzte, Kinderkrankenschwestern und Pflegekräfte oft über Wochen oder Monate auf der neonatologischen ITS und einer weiteren Spezialstation versorgt. Damit auch die Eltern diese Zeit mit ihren vielen Hoffnungen und immer wiederkehrenden Ängsten um die Gesundheit ihres Kindes, die Trennungssituation sowie die nach der Entlassung einsetzenden alltäglichen Belastungen gut bewältigen können, gründete der Fachbereich Neonatologie und Pädiatrische Intensivmedizin an der Kinderklinik das „FamilieNetz“. Der Name steht für die Sicherheit, die das Team um den Psychologen PD Dr. Jörg Reichert den Eltern dieser Kinder geben möchte. Zwei Sozialpädagoginnen begleiten die Eltern vom ersten Tag an, beraten zu den vielen sozialen Fragen, die auftauchen, führen Krisengespräche und vermitteln Hilfen außerhalb der Klinik beispielsweise durch die Kooperation mit den Jugend- und Sozialämtern. Drei erfahrene Kinderkrankenschwestern leiten die Eltern an, ihr Kind möglichst frühzeitig selbständig zu pflegen und zu versorgen, damit Beziehungen und Bindungen zwischen Eltern und Kind entstehen.

Neben der medizinischen Betreuung in der Klinik stellt das von Prof. Mario Rüdiger geleitete kinderärztliche Team die Weichen für das Leben nach dem Krankenhausaufenthalt: Es berät die Familien zu den oft notwendigen weiteren Therapien und motiviert dazu, sich über anfängliche Erfolge hinweg der mitunter zeitraubenden weiteren Behandlung oder der Frühförderung zu stellen. Um die Eltern umfassend auf die neue Aufgabe vorzubereiten, startete der Bereich im Mai die „Elternschule“. Das im Rahmen des „FamilieNetzes“ geschaffene Kursangebot vermittelt Wissen über die besondere Entwicklung und Bedürfnisse dieser Kinder. „Wenn die Eltern die Entwicklung und das Verhalten ihres Nachwuchses genauer kennen und interpretieren können, fällt es ihnen leichter, deren Entwicklung eigenständig zu fördern und bei Problemen früh Hilfe zu holen“, erklärt PD Dr. Reichert den Ansatz der Elternschulungen. „Das von uns entwickelte „FamilieNetz“ könnte Modellcharakter für die Kliniken bekommen, an denen Frühgeborene mit ihren Eltern die erste Zeit des gemeinsamen Lebens verbringen“, sagt Prof. Rüdiger. Um die Wirksamkeit des Konzepts zu überprüfen, laufen an der Dresdner Kinderklinik Forschungsprojekte. „Wir gehen der Frage nach, ob die so betreuten Kinder und Eltern gesundheitlich stabiler sind und schneller in den familiären Alltag zurückfinden“, so der Neonatologe.

Moderne Medizin eröffnet jungen Diabetespatienten große Spielräume
Ein eindrucksvoller Beleg für die sich in den vergangenen Jahrzehnten rasant entwickelnden Hochleistungsmedizin liefert auch die Diagnostik und Therapie von Kindern, die am Typ-1-Diabetes erkrankt sind. Die Unikinderklinik betreut rund 200 dieser Patienten aus ganz Ostsachsen – vom Kleinkind bis zum jungen Erwachsenen. Das Team um die Kinderdiabetologin und Ernährungsmedizinerin Dr. Andrea Näke versorgt die Patienten entsprechend der internationalen Standards stationär wie auch ambulant. Hier können Kinder und Eltern auf den Erfahrungsschatz eines der größten deutschen Zentren für diese Erkrankung vertrauen. „Heute können wir die Therapie an die Bedürfnisse der Kinder und ihrer Familien anpassen. Früher dagegen musste sich das alltägliche Leben an einem starren, vom gespritzten Insulin abhängigen Regime orientieren“, erklärt Dr. Andrea Näke.

Entscheidende Elemente der Diabetestherapie sind moderne Medikamente und deren Einstellung bei den Patienten sowie der Einsatz von Insulinpumpen. „Damit brauchen die Diabetespatienten nicht mehr wie früher eine strenge Diät halten, sondern können wie ihre Altersgenossen eine gesunde Mischkost essen“, nennt Dr. Näke ein Beispiel für die erheblich verbesserte Lebensqualität der Typ-1-Diabetiker. Auch bei körperlicher Bewegung, die direkten Einfluss auf den Blutzuckerwert hat, müssen sich diese Kinder und Jugendlichen nicht mehr zurückhalten. Ein Beleg für die gute Versorgung der Diabetespatienten durch die Kinderklinik liefern die Patienten, die als Leistungssportler von sich reden machen. Ein Baustein für diese medizinischen Erfolge sind die hochmodernen Medikamente – sogenannte Insulinanaloga, die aus der Therapie vieler Kinder nicht mehr wegzudenken sind. Deshalb setzt sich Dr. Andrea Näke dafür ein, dass diese Medikamente auch weiterhin verordnet werden dürfen – zurzeit diskutiert der Gemeinsame Bundesauschuss, die Analoga zu streichen.

Erfolgreich ist die Behandlung der jungen Diabetespatienten aber nur, wenn alle an einem Strang ziehen: „Eltern und Kinder müssen sehr viel über die Krankheit wissen und dies auch täglich anwenden. Das bedeutet, den ganzen Tag darüber nachzudenken“, so Dr. Näke. Deshalb geht die hochspezialisierte Betreuung der Patienten weit über medizinische und pflegerische Versorgung hinaus: Zum Team der Unikinderklinik gehören neben den vier Ärztinnen zwei Diabetes- und eine Ernährungsberaterin sowie ein Sozialarbeiter und eine Psychologin. Um das Wissen der Patienten zu erweitern und über die Jahre präsent zu halten, engagiert sich die Klinik auch für die Schulungslager, die der Dresdner Verein „Zuckerstachel“ seit Jahren regelmäßig veranstaltet. Damit ein Teil der ambulanten Versorgung der Kinder und Jugendlichen wohnortnah erfolgen kann, unterstützen die Diabetes-Experten der Unikinderklinik auch den Aufbau von Diabetes-Schwerpunktpraxen, indem sie ihr Wissen in Schulungen an Ärzte und Praxismitarbeiter weitergeben.

Bibliographische Angaben
„Chronik der Kinderklinik Dresden-Johannstadt/Universitätskinderklinik 1930 – 2010“, herausgegeben von Jobst Henker, Deutscher Medizin Verlag, Senden, 2010, ISBN 978-3-936525-52-6

Kontakt für Journalisten
Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden
Klinik und Poliklinik für Kinder- und Jugendmedizin
Direktor: Prof. Manfred Gahr
Tel.: 0351 458 2440
manfred.gahr@uniklinikum-dresden.de
www.uniklinikum-dresden.de