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Qualitätsmessung in der Routineversorgung – DFG fördert Entwicklung einer Systematik zur Definition von Qualitätsindikatoren in Leitlinien

14.03.2016. Das Zentrum für Evidenzbasierte Gesundheitsversorgung (ZEGV) am Universitätsklinikum Dresden startet DFG gefördertes Projekt zur Erarbeitung eines evidenz- und konsensbasierten Standards zur systematischen Translation von Leitlinienempfehlungen in Qualitätsindikatoren.

Zur Sicherung und Weiterentwicklung der Versorgungsqualität stehen  Ärzten verschiedene Instrumente des Qualitäts- und Medizinischen Risikomanagements zur Verfügung. Dabei nehmen Leitlinien eine zentrale Rolle ein, um evidenzbasierte Diagnose- und Therapieempfehlungen gezielt einer breiten Anwendergruppe zur Verfügung zu stellen. Im Deutschen Gesundheitssystem nehmen Qualitätsindikatoren zunehmend eine Schlüsselrolle ein. Qualitätsindikatoren werden eingesetzt, um Behandlungsstrukturen und -prozesse sowie deren Ergebnisse zu messen. Sie dienen der Information von Patienten über die Versorgungsqualität und sollen zukünftig auch bei der Vergütung der Leistungserbringer berücksichtigt werden. Trotz der hohen Relevanz von Qualitätsindikatoren erfolgt deren Definition im Rahmen der Leitlinienerstellung derzeit sehr uneinheitlich und nicht systematisch. 

Ziel des von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) geförderten Projekts ist die Erarbeitung eines evidenz- und konsensbasierten Standards zur Ableitung geeigneter Qualitätsindikatoren zur Erfassung der Umsetzung von Leitlinienempfehlungen in der Routineversorgung. Dies erlaubt zukünftig eine transparentere Darstellung der Versorgungsqualität und bietet Aufgreifkriterien zur kontinuierlichen Weiterentwicklung der Versorgung abzuleiten.

Die Sicherstellung einer hohen Qualität der Patientenversorgung ist ein zentrales Ziel der medizinischen Versorgung. Versorgungsqualität wird in diesem Zusammenhang als Leit- und Steuerungskriterium im Gesundheitswesen betrachtet. Zur Messung der Qualität der medizinischen Versorgung werden Qualitätsindikatoren herangezogen. Auch im Rahmen der Leitlinienerstellung werden Qualitätsindikatoren entwickelt. Leitlinien sind systematisch entwickelte Aussagen des aktuellen Wissensstandes und sollen die an der Diagnostik und Therapie beteiligten Gesundheitsberufe sowie Patienten und Angehörige bei der Entscheidungsfindung unterstützen. Methodischer Goldstandard in Deutschland stellen S3-Leitlinien dar. Trotz der hohen allgemeinen Relevanz von S3-Leitlinien für die medizinische Versorgung in Deutschland spielen Qualitätsindikatoren im Kontext von Leitlinien bisher für eine qualitativ hochwertige, sichere, wirksame und effiziente Versorgung zum Monitoring der Versorgungsqualität keine entscheidende Rolle.

Leitlinien sind eine, unter medizinischen Leistungserbringern etablierte Form des Wissenstransfers, da sie interdisziplinär und teilweise auch multiprofessionell entwickelt werden. Die Ableitung von diagnostischen, therapeutischen oder präventiven Verfahren zu Leitlinienempfehlungen basiert auf einer weit entwickelten und transparenten Methodik. Dem gegenüber steht die Entwicklung von Qualitätsindikatoren zur Überprüfung von Leitlinienempfehlungen in der Routineversorgung, für die bisher kein methodisches Vorgehen definiert ist.

Aus diesem Grund wurde ein Konsortium unter Leitung von Herrn Prof. Dr. Jochen Schmitt vom Zentrum für Evidenzbasierte Gesundheitsversorgung (ZEGV), Medizinische Fakultät der TU Dresden und Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden gegründet. Ebenfalls am Projekt beteiligt sind das Institut für Medizinisches Wissensmanagement der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AMWF; Frau Dr. Monika Nothacker) und das Institut für Chirurgische Forschung an der Universität Witten/Herdecke (Herr Prof. Dr. Edmund A.D. Neugebauer).

Das Projekt umfasst die Entwicklung eines Standards zur strukturierten und systematischen Ableitung von Qualitätsindikatoren aus Leitlinienempfehlungen. Darin werden beispielhafte internationale Vorgehen identifiziert und die Erfahrungen von Leitlinienentwicklern einfließen. Im Anschluss gilt es Gütekriterien unter Leitlinienentwicklern und Anwendern zu konsentieren, die Qualitätsindikatoren als Nachweis einer hohen Relevanz und Tauglichkeit erfüllen sollten, um in der Routineversorgung angewendet zu werden. Das Projekt wird von Frau Dr. Regina Klakow-Franck (Unparteiisches Mitglied des Gemeinsamen Bundesausschusses) und der Gesellschaft für Qualitätsmanagement in der Gesundheitsversorgung (GQMG) unterstützt.

Bis zum ersten Quartal 2019 sollen die umfangreichen Vorarbeiten abgeschlossen sein, um anschließend eine nationale Konferenz zur Konsentierung eines Standards zur systematischen Translation von Leitlinienempfehlungen in Qualitätsindikatoren durchzuführen, zu der Vertreter aller beteiligten Interessengruppen der Gesundheitsversorgung eingeladen werden.

Kontakt

Prof. Dr. Jochen Schmitt, MPH
Direktor des Zentrums für Evidenzbasierte Gesundheitsversorgung
Universitätsklinikum Carl Gustav Carus an der TU Dresden
Tel.: 0351 458 6493
E-Mail: jochen.schmitt@uniklinikum-dresden.de
www.uniklinikum-dresden.de/zegv