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Behandlungserfolg bei chronischen Schmerzen - Was sind geeignete Messinstrumente?

28.02.2014. Studie will einheitliche Standards zur Erfassung der Effektivität multimodaler Therapie chronischer Schmerzen definieren

In der vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderten Studie „VAPAIN“ ermitteln das UniversitätsSchmerzCentrum (USC) und das „Zentrum für Evidenzbasierte Gesundheitsversorgung“ (ZEGV) des Universitätsklinikums Carl Gustav Carus Dresden die Parameter, die das Ergebnis multimodaler Schmerztherapien im Ergebnis sichtbar machen. Im Rahmen einer Expertenkonferenz mit 30 internationalen Forschern wollen die Dresdner Wissenschaftler im kommenden Jahr eine interdisziplinär anerkannte Empfehlung zur Definition relevanter Bereiche des Krankheitserlebens bei Patienten mit chronischen Schmerzerkrankungen entwickeln. Am Ende sollen Messinstrumente bestimmt werden, mit denen sich zuverlässig die Effektivität der Therapie von chronischen Schmerzen messen lässt. Damit soll in Zukunft eine ressourcenschonendere Umgangsweise mit Angeboten im Versorgungswesen auf der einen Seite sowie eine Verbesserung der Behandlungsqualität auf der anderen erzielt werden.

 Die multimodale Therapie chronischer Schmerzen widmet sich einem komplexen und vielschichtigen Erkrankungsbild und findet gleichzeitig unter sehr unterschiedlichen Bedingungen und Therapieangeboten statt. Bisherige Studien verwenden häufig unterschiedliche Parameter zur Bestimmung ihrer Effektivität, was dazu führt, dass die Ergebnisse nicht miteinander vergleichbar sind und somit wenig zur Vertiefung des bestehenden Wissens beitragen. Die Anwendung in der Praxis, um zum Beispiel Therapieangebote besser an bestimmte Patientengruppen anzupassen, ist daher nur eingeschränkt möglich. Ein einheitlicher Konsens, weder national noch international, zur Anwendung bestimmter Effektivitätsparameter besteht aktuell nicht, und ist daher Ziel von VAPAIN. Dabei soll den Besonderheiten der Schmerztherapie in multimodalem Behandlungsrahmen Rechnung getragen werden, indem das Vorgehen interdisziplinär von allen beteiligten Fachdisziplinen, einschließlich Patienten, gestaltet wird.

Unter Multimodaler Schmerztherapie versteht man die gleichzeitige, aufeinander abgestimmte Behandlung eines Patienten mit chronischen Schmerzen durch verschiedene somatische und psychologische Therapieformen nach vorgegebenem Behandlungsplan und mit identischem, unter den Therapeuten abgesprochenem Therapieziel sowie gemeinsamer Therapiekontrolle. In einer solchen Behandlung arbeiten Ärzte, Physiotherapeuten, Sporttherapeuten, Ergotherapeuten und Psychologen unter ärztlicher Leitung intensiv zusammen.  Das Ziel dieser Therapie ist in erster Linie die Wiederherstellung der körperlichen und seelischen Leistungsfähigkeit unter Anerkennung der bestehenden Befunde und Einschränkungen.

Im ersten Teil der VAPAIN-Studie wird dazu zunächst eine Empfehlung zu patientenrelevanten Bereichen des Krankheitserlebens zur Bestimmung der Effektivität von multimodaler Therapie bei chronischen Schmerzen entwickelt. Die Empfehlung wird ein interdisziplinäres Team erarbeiten, das sich aus Vertretern der Medizin, Psychotherapie, Physiotherapie, Versorgungsforschung und Patienten aus verschiedenen europäischen Ländern zusammensetzt. Zu diesen Bereichen sollen zudem wissenschaftlich zuverlässige und ausreichend empfindliche Messinstrumente empfohlen werden. Als Grundlage für diesen Abstimmungsprozess wird am Rahmen einer systematischen Literaturrecherche nach allen bisher veröffentlichten Publikationen zur multimodalen Schmerztherapie über relevante Messinstrumente recherchiert sowie ein umfangreicher Datensatz von Patienten mit chronischen Schmerzen rückblickend zu Gütekriterien der verwendeten Messinstrumente analysiert.

Aus den resultierenden Empfehlungen wird ein Fragebogenset erstellt, welches im zweiten Teil der Studie in vier multimodal tätigen interdisziplinären Einrichtungen deutschlandweit prospektiv hinsichtlich seiner Gütekriterien sowie seiner Aussagekraft zur Effektivität der Therapie untersucht werden soll. Ergänzt wird dieser Teil der Studie durch Untersuchungen teilnehmender Patienten zur Akzeptanz der Befragung und Therapiezufriedenheit, die in den endgültigen Schlussfolgerungen zur Güte des Fragebogensets berücksichtigt werden sollen.

Die Erkenntnisse dieses Prozesses werden in verschiedene Ebenen der Forschung und Versorgung einfließen. Zum einen soll sich eine international und europaweit anerkannte Forschergruppe etablieren, die die weitere Entwicklung dieser Outcome-Forschung im multimodalen Therapiesetting vorantreibt und zur Diskussion dieses Themas einlädt. Die Vernetzung und Präsenz der Gruppe soll durch das Projekt ermöglicht und gestärkt werden. Des Weiteren sollen die gewonnenen Ergebnisse zur Beschreibung von Effektivität multimodaler Schmerztherapie in die Therapieplanung einfließen, wo die Angebote auf die Patientengruppen noch besser zugeschnitten werden sowie die geeigneten Patienten für bestimmte Programme identifiziert werden können.

Kontakt:

Universitätsklinikum Carl Gustav Carus, Dresden
UniversitätsSchmerzCentrum
Studienleitung: Dr. rer. nat. Dipl.-Psych. Ulrike Kaiser

www.uniklinikum-dresden.de/usc