Benutzerspezifische Werkzeuge

ATMoSPHÄRE – Zukunftsweisendes Verbundvorhaben in Sachsen gestartet

02.03.2016. Das Gemeinschaftsprojekt ATMoSPHÄRE entwickelt, erprobt und evaluiert in Sachsen die Integration einer medizintechnischen IT-Plattform mit einem umfassenden Versorgungsmanagementansatz, um vor allem chronisch erkrankten und multimorbiden älteren Patienten und Patientinnen ein unabhängiges Leben zu ermöglichen.

Logo ATMoSPHÄRE

Das Akronym ATMoSPHÄRE steht für: Autonomie trotz Multimorbidität in Sachsen durch Patientenempowerment, Holistische Versorgung für Ältere mit Vernetzung aller Regionalen Einrichtungen und Dienstleister. Ziel des Projekts ist die Entwicklung eines ganzheitlichen Versorgungsansatzes, der medizinische, pflegerische sowie soziale Dienstleistungen aus der Region miteinander vernetzt und zukünftig deutschlandweit eingesetzt werden kann. Im Vergleich zu bisherigen Telemedizin-Projekten wird erstmalig für Patienten und Patientinnen mit Risiken für die Inanspruchnahme, wie beispielsweise beginnenden kognitiven Defiziten oder psychischen Erkrankungen, der Zugang gewährleistet.


ATMoSPHÄRE – Aufhebung tradierter Versorgungsmuster
In stärkerem Ausmaß als andere Industrienationen steht Deutschland durch eine zunehmend älter werdende Gesellschaft vor enormen Herausforderungen. In der Folge wird dies zu erweiterten Anforderungen und wachsenden Ausgaben in den Gesundheits-, Pflege- und Sozialsystemen führen. Mit einer steigenden Anzahl von alten und hochaltrigen Menschen ist auch eine Zunahme der Menschen mit multiplen und chronischen körperlichen sowie kognitiven Einschränkungen absehbar. Im Sinne einer ganzheitlichen Versorgung benötigen insbesondere diese Patienten und Patientinnen mehr als nur eine medizinisch fokussierte Versorgung ihrer einzelnen Grunderkrankungen. Die aktuellen Versorgungsstrukturen werden den sich immer stärker ändernden Bedürfnissen der Menschen nur zum Teil gerecht. Was fehlt, sind flächendeckende, intersektorale, multiprofessionelle sowie regional übertragbare Lösungskonzepte.

ATMoSPHÄRE - Bündelung unterschiedlicher Kompetenzen zur Versorgungsoptimierung
Um dies zu erreichen, haben sich in dem Verbundprojekt ATMoSPHÄRE sieben Partner zusammengeschlossen. Durch die Bündelung der jeweiligen Kernkompetenzen der beteiligten Institutionen ist eine ganzheitliche Sichtweise auf den Patienten und das ihn umgebende Umfeld gewährleistet.

Die medizinische, präventive und patientenzentrierte Sichtweise wird hierbei durch die Medizinische Fakultät der Technischen Universität Dresden eingenommen unter der Leitung von Frau Prof. Vjera Holthoff-Detto (Mitglied der Medizinischen Fakultät der TU Dresden und Chefärztin der Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik des Krankenhauses Hedwigshöhe in Berlin) und in Kooperation mit Frau Prof. Antje Bergmann (Bereich Allgemeinmedizin/MK3), Herrn Prof. Jochen Schmitt (Zentrum für Evidenzbasierte Gesundheitsversorgung) und Herrn Prof. Peter Schwarz (Prävention und Versorgung des Diabetes, MK3). Neben der Patientenrekrutierung und der Miterstellung von Versorgungsprogrammen ist das Team insbesondere für die umfassende Evaluation der zu entwickelnden ATMoSPHÄRE-IT-Plattform zuständig. Im Mittelpunkt stehen hier die Aspekte Handhabbarkeit und Benutzerfreundlichkeit sowie die Akzeptanz und Zufriedenheit unter allen involvierten Nutzergruppen. 

Aus Dresden ist zudem die TUMAINI - Institut für Präventionsmanagement GmbH beteiligt, welche bei der Entwicklung von Versorgungsprogrammen mit dem Schwerpunkt Bewegung mitarbeitet. Der DRK Hausnotruf und Assistenzdienste in Sachsen und Sachsen-Anhalt übernimmt den Einbezug und die bedarfsgerechte Zuordnung sozialer Dienstleistungen für alle Teilnehmer sowie die Koordination der Patienten und Patientinnen im Raum Dresden in Form eines Care Coordination Centers. In der Region Leipzig zeichnet sich hierfür das GeriNet Leipzig verantwortlich. Die Umsetzung der technischen Lösung liegt bei der auf IT-Lösungen zur bedarfsorientierten Gesundheitsversorgung spezialisierten Firma vital.services GmbH sowie Philips Medizin Systeme. Philips übernimmt zudem die Projektkoordination und unterstützt bei der Erstellung der Versorgungsprogramme. Das Fraunhofer-Zentrum für Internationales Management und Wissensökonomie in Leipzig fokussiert sich in seiner Forschung auf die Aspekte der wirtschaftlichen Tragfähigkeit und Marktorientierung, welche eine wichtige Rolle für die Übertragbarkeit und Nachhaltigkeit der Produkt-Dienstleistungs-Lösung spielen.

Besonderes Merkmal von ATMoSPHÄRE ist die Einbeziehung von Patienten und Patientinnen mit beginnenden kognitiven Defiziten oder psychischen Erkrankungen, um festzustellen, wie diese von dem Versorgungssystem profitieren können und welche Verbesserungen noch erforderlich sind, damit auch diese Patientengruppen zukünftig telemedizinisch betreut werden können.

Frau Prof. Vjera Holthoff-Detto – Leiterin des Teilvorhabens – erklärt: „Erst eine wissenschaftliche Untersuchung der Inanspruchnahme, Handhabbarkeit und Akzeptanz einer solchen Vernetzung von sozialen und medizinischen Leistungen bei Patienten, Hausärzten und Dienstleitern, stellt einen Mehrwert für die Nutzer und die klinische Versorgungsrealität dar.“

Frau Prof. Antje Bergmann ergänzt: "Das Projekt  soll vor allem Patienten und Patientinnen, die schon Einschränkungen im Alltag spürten, die oft allein und nicht selten überfordert sind mit der Fülle an Hilfsangeboten, unterstützen. Die kooperierenden Hausärzte können besser nachvollziehen, was tatsächlich in Anspruch genommen wird, oder eben, welche Hilfsmittelrezepte nicht eingelöst werden. Das kann im derzeitigen System "untergehen".“

ATMoSPHÄRE – Förderung des BMBF über drei Jahre
Das im Oktober 2015 in Sachsen gestartete Projekt mit dem Förderkennzeichen 13GW0075A, wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) - innerhalb des Förderprogrammes „Medizintechnische Lösungen bei Multimorbidität“ im Rahmen des Aktionsfeldes Gesundheitswirtschaft der Bundesregierung - mit mehr als 3 Millionen Euro gefördert. Bis Ende 2018 werden an dem Projekt 700 Patienten und Patientinnen teilnehmen.

 Ansprechpartner im ZEGV für weitere Informationen:

Frau Dr. Madlen Scheibe
Tel.: 0351 458-6496
E-Mail: Madlen.Scheibe@uniklinikum-dresden.de