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Forschungsbereich: Suizidprävention

Leiterin: PD Dr. med. Ute Lewitzka


beratend: Prof. Dr. med. Werner Felber

Beschreibung
Die Zielsetzung des Forschungsbereichs Suizidprävention umfasst die wissenschaftliche Erforschung der Ursachen suizidalen Verhaltens und der therapeutischen Möglichkeiten zur Beeinflussung desselben.

Historisches
Die hiesige Klinik weist eine lange Tradition im Bereich der Suizidforschung bzw. der klinischen Versorgung von Menschen mit suizidalem Verhalten auf. Bereits 1967 wurde auf Initiative des ehemaligen Chefs der Neurologisch-Psychiatrischen Klinik der Medizinischen Akademie Dresden, Professor Ehrig Lange, ein „Suizidgefährdeten Fürsorge-Beratungsdienst“ ins Leben gerufen.

Später (1999) wurde von Prof. em. Dr. med. Werner Felber gemeinsam mit Dr. med. Olf Kahre an dieser Klinik das deutschlandweit einmalige Konzept einer „Ambulanz für Suizidgefährdete“ eingeführt und im Rahmen der Behandlung von Menschen in suizidalen Krisen auch wissenschaftliche Fragestellungen untersucht. So stellte bereits Prof. Felbers frühere Arbeit „Typologie des Parasuizids“ (Felber 1989) eine genaue Beobachtung und Analyse von Menschen nach Suizidversuchen in den Mittelpunkt und fand mithilfe einer multivariaten faktoranalytische Methode eine Klassifizierung in vier Typen (Appellativ, ambivalent, verzweifelt und dranghaft). Diese Typologie hat eine gewichtige Bedeutung für die Klinische Arbeit, da sie zur Risikoeinschätzung herangezogen werden kann. Später wurden dann vor allem neurobiologische Studien durchgeführt, die untersuchten, inwieweit sich diese klinische Einteilung auch biologisch bestimmen ließ (Lewitzka 2003).

Suizidales Verhalten ist vielfach determiniert, d. h., soziologische, psychologische und biologische Faktoren spielen bei dem Auftreten und der Entwicklung von suizidalem Verhalten eine Rolle. Genetische Untersuchungen weisen auf eine erbliche Komponente hin. Suizidales Verhalten tritt häufig im Rahmen psychiatrischer Erkrankungen auf. Die Vorhersagbarkeit von (weiterem) suizidalem Verhalten für Patienten mit suizidaler Gefährdung, Suizidideen und nach Suizidversuch stellt ein gravierendes klinisches Problem dar. Bis heute ist es noch nicht gelungen, psychologische und/oder biologische Tests zur Vorhersagbarkeit von suizidalem Verhalten zu entwickeln, die ausreichende Sensitivität und Spezifität aufweisen. Aus dem Bereich der neurobiologischen Forschung wissen wir heute, dass das Auftreten von Suizidalität auch mit einer Störung des serotonergen Systems und des Stresshormonsystems verbunden ist. Deshalb besteht ein großes Interesse, biologische Parameter zu finden, die das Auftreten und die Entwicklung von suizidalem Verhalten vorhersagen können.

Die AG heute
Unsere Arbeitsgruppe versteht sich als offene Gruppe – sie besteht aus Mitarbeitern der hiesigen Klinik (Dr. med. Ute Lewitzka, Dr. rer. medic. Dipl-Psych. Dirk Ritter), des Weiteren wirken Kollegen (Prof. Dr. med. Burkhard Jabs)  der psychiatrischen Klinik des Krankenhauses Dresden Neustadts mit und regelmäßig treffen wir uns mit Dr. med. Mark Frank (Leiter DRF Luftrettung Dresden), Fr. Dipl-Psych. Constanze Höhne vom Psychosozialen Krisendienst und Dr. med. Matthias Fröhner vom Sozialpsychiatrischen Dienst Dresden. Für unsere Doktoranden dienen die AG-Treffen der Vorstellung und Diskussion der Ergebnisse der jeweiligen Arbeiten oder aber auch zur Ideengenerierung neuer Projekte. Alle Interessierten eint das Interesse an der Erforschung suizidalen Verhaltens sowie die Verbesserung suizidpräventiver Massnahmen. In diesem Rahmen sind sie auch ehrenamtlich in Vereinen wie der Deutschen Gesellschaft für Suizidprävention engagiert.

Sekretariat: Kerstin Heyde


Aktuelle Forschungsprojekte

1. Lithium und Suizidalität

Für Lithium als eine der ältesten in der Psychiatrie verwendeten psychotropen Substanzen wurde seit Anfang der 90iger Jahre ein eigenständiger, im Vergleich zu anderen Psychopharmaka wahrscheinlich spezifischer anti-suizidaler Effekt nachgewiesen (Lewitzka et al. 2015a). Derzeit leitet unsere Klinik ein multizentrisches Forschungsprojekt (BMBF und AFSP gefördert), welches untersucht, wie schnell der anti-suizidale Effekt einsetzt. Dazu wurde eine randomisierte, doppelblinde, plazebokontrollierte Studie konzipiert, bei der Patienten mit Depressionen zusätzlich zur adäquaten und leitliniengereichten Standardtherapie entweder Lithium oder Plazebo über 5 Wochen erhalten. Innerhalb dieser Zeit wird anhand standardisierter Tests sowie den regelmäßigen studienärztlichen Visiten überprüft, ob sich Suizidgedanken/suizidales Verhalten verringern (Lewitzka et al. 2015b).

Abbildung: Ablauf der Lithiumstudie

Verantwortlich:
Dr. med. Ute Lewitzka

Dr. med. Robert Haußmann


2. Parameter des autonomen Nervensystems und Suizidalität
:

Zusammenarbeit und Fortführung der Untersuchungen mit der Klinik für Neurologie des UKD / Autonomes und neuroendokrines Funktionslabor (ANF; Prof. Dr. med. T. Ziemssen). Im Rahmen dieser Arbeit wird die Häufigkeit und das Vorkommen von Störungen des Autonomen Nervensystems anhand des Posturalen Orthostatischen Tachykardiesyndrom (POTS)  bei Patienten mit einer depressiven Symptomatik und Zustand nach Suizidversuch im Vergleich zu Patienten mit einer depressiven Symptomatik ohne Suizidversuch sowie gesunden Kontrollen untersucht. Unter der Annahme, dass das POTS ebenso wie depressive Erkrankungen und Suizidalität mit einer hyperadrenergen Dysregulation assoziiert sein kann, soll in dieser Pilotstudie erstmals untersucht werden, ob hinsichtlich der Prävalenz Unterschiede zwischen Probanden mit einem kürzlich zurückliegenden Suizidversuch und/oder einer depressiven Störung im Vergleich zu Gesunden vorliegen.

Verantwortlich:

Dr. med. Ute Lewitzka
Email:

Doktorand:
Peter Prager
Email:

3. Suizidalität im Justizvollzug

Mit einer Förderung durch das sächsische Justizministerium werden derzeit verschiedene Fragestellungen zum Thema Suizidalität im Justizvollzug untersucht. Beispielsweise beschäftigt sich eine Arbeit mit der Frage des Einflusses von Haftdauer, Persönlichkeitsauffälligkeiten und Persönlichkeitsstörungen auf die Suizidalität von Inhaftierten am Beispiel des sächsischen Justizvollzugs.

Im Rahmen des vom Sächsischen Ministerium für Justiz und Europa geförderten Projektes werden zwei miteinander in Verbindung stehende Ziele verfolgt. Das erste Ziel dieses Projektes besteht in der Evaluation der bestehenden suizidpräventiven Maßnahmen des Freistaates Sachsen in den sächsischen Justizvollzugsanstalten. Aus diesem ersten Ziel leitet sich  das Hauptziel der Studie ab, das darin besteht, Suizide und suizidale Handlungen von Gefangenen zu verringern bzw. ganz zu verhindern. Dazu sollen neben den bereits bestehenden und zu evaluierenden Maßnahmen der Suizidprävention neue Maßnahmen gefunden, geplant und eingeführt werden.

Verantwortliche Studienleiter:

Prof. Dr. med. Burkhard Jabs
Email: burkhard.jabs@khdn.de

Dr. rer. medic. Dipl.Psych. Dirk Ritter
Email:

Doktoranden:
Susanne Frosch
Email: Susi147@gmx.li

Johannes Schönfeld
Email: schoenfeld.johannes@gmail.com

Jörg Schütze, Dipl.-Sozialarbeiter (FH)
Email: Joergschuetze36@googlemail.com

4. Stationäre Suizide in Sachsen :

Fortführung bzw. prospektive Erhebung der Suizide in sächsischen psychiatrischen Kliniken (ca. 30 Suizide pro Jahr, ca. 400 Suizide von 1985-1997). Hierbei liegt der besondere Schwerpunkt auf der Analyse der Medikamente, welche die Patienten im Rahmen der stationären Behandlung erhielten. Ziel dieser Arbeit ist es, über die gewonnenen Erkenntnisse, zukünftig eine bessere Suizidprävention in den verschiedensten Fachabteilungen eines Krankenhauses über Schulungen, Aufklärungen etc. möglich zu machen. Hierbei liegt das Augenmerk vor allem darauf, Mitarbeiter zu befähigen, Patienten mit evtl. vorhandenen Risikofaktoren zu erkennen und eine entsprechende Therapie einzuleiten.

Verantwortlich:

Prof. Dr. med. Burkhard Jabs
Email: burkhard.jabs@khdn.de
Doktorand:
Matthias Fülle
Email: matthias.fuelle@khdn.de

5.   Lithiumspiegel im Trinkwasser in Sachsen und Einfluss auf Suizidraten

Studien aus verschiedenen Ländern (z.B. Japan, Österreich, z.B. Kapusta et al., 2011) haben einen Zusammenhang zwischen dem Lithiumgehalt im Trinkwasser sowie den Suizidraten der jeweiligen Regionen gezeigt. Traditionsgemäß gehört Sachsen zu den Gebieten mit höheren Suizidraten innerhalb Deutschlands, deshalb soll in einer ersten Studie in Zusammenarbeit mit dem SMS Sachsen sowie dem Forschungsdatenzentrum eine Analyse der Lithiumspiegel im Trinkwasser sowie den Suizidraten der Jahre 2012-2014 auf Kreisebene untersucht werden. Im Anschluss ist eine Auswertung dieser Arbeit auf andere Bundesländer geplant. Da es keine bzw. nicht ausreichende zentrale Erfassung der zu untersuchenden Parameter (z.B. auch sozioökonomische Daten) gibt, müssen hier Kontakte zu den jeweiligen Institutionen auf Bundeslandebene geknüpft werden.

Verantwortliche Studienleiter:
Dr. med. Ute Lewitzka
Dr. rer. medic. Dipl-Psych. Dirk Ritter
Doktorand:
Marek Wysocki
Email:

6. Suizid in den eigenen Reihen - Eine vergleichende Studie zwischen Psychiatern, Psychotherapeuten und Ärzten anderer Fachrichtungen

Obwohl  „Suizidalität“ zunehmend an medialer Präsenz gewinnt ist davon auszugehen, dass eigene psychische Krankheiten bei Ärzten und psychotherapeutisch Tätigen schwer vorstellbar erscheint und weitestgehend tabuisiert wird. Doch die Professionalität und die Erfahrung im Umgang mit psychisch kranken Menschen stellen keinen Schutz dar, nicht ebenfalls in die Lage höchster seelischer Not zu geraten. In Bezug auf die jeweilige Gesamtbevölkerung variieren die Suizidraten von Medizinern zwischen 0,7-(Hawton et al. 2001) und bis zu 3,4-fach (Lindeman et al. 1997) sowie bei Medizinerinnen zwischen dem 1,68- (Juel et al. 1999,  Reimer et al. 2005) und dem 5,7-fachen (Arnetz et al. 1987). Die Suizidrate von Ärzten ist bis zu 3,4-mal höher als in der Normalbevölkerung, bei Ärztinnen sogar bis zu 5,7-mal erhöht (Reimers et al. 2005). Am häufigsten suizidieren sich Psychiater, gefolgt von Anästhesisten, Chirurgen, Internisten, Neurologen und Allgemeinmedizinern. Die häufigste Suizidmethode ist dabei die Vergiftung mit Medikamenten.

Die Durchführung der Studie erfolgt mittels Fragebogen, der an je 100 Psychiater, Psychotherapeuten und eine Gruppe von 100 Ärzten zufällig ausgewählter Fachrichtung in Sachsen verschickt wird. Die Auswahl erfolgt anhand des Verzeichnisses der Kassenärztlichen Vereinigung Sachsen. Die ausgewählten Ärzte bekommen ein Anschreiben mit einer kurzen Erläuterung des Forschungsvorhabens und gleichzeitig den dazugehörigen Fragebogen (FB) zugesandt. In diesem FB werden verschiedenste demographische Daten erfragt (z.B. Alter, Familienstand, Dauer der Ausübung des Berufes, Arbeitsweg, Größe des Ortes an dem die Tätigkeit ausgeübt wird) sowie Fragen zu eigenen akuten und chronischen Belastungsfaktoren, allgemeine und persönliche Meinung zu Suizidalität und suizidalen Krisen. Ein sehr wesentlicher Datenbereich befasst sich mit den individuellen Faktoren, die ein Hilfesuchverhalten für Therapeuten offensichtlich so schwierig macht sowie konkrete Wünsche nach zuverlässiger und anonymer Unterstützung in suizidalen Krisensituationen.

Ein Ziel unserer Untersuchung soll es sein, Risikofaktoren für „Suizidalität in den eigenen Reihen“ zu identifizieren und ein Netz aufzubauen, wo sich betroffene Kollegen in Krisensituationen hinwenden können.

Verantwortlich:
Dr. med. Ute Lewitzka
Doktorand:
Dipl.-Psych. Birgit Jahn
Email: pirna@psychopraxis-jahn.de , Schwerpunktpraxis für Hinterbliebene nach Todesfällen und Tumorpatienten

7. Hot Spot

Mithilfe der Erfassung von Notarzteinsätzen und deren Auswertung bei allen Einsätzen, die aufgrund von Suizidgedanken/Suizidversuchen/Suiziden stattfanden, soll untersucht werden, ob es in der Stadt Dresden einen sogenannten Hot-Spot gibt. Mit Hot-Spots werden in der Suizidologie Orte bezeichnet, bei denen es innerhalb einer gewissen Zeitspanne wiederholt zu Suiziden kommt. Bekanntestes Beispiel dafür ist die Golden Gate Brücke in San Francisco. Wir wissen heute, dass eine effektive suizidpräventive Maßnahme die Restriktion von Suizidmitteln darstellt. Deshalb ist es wichtig, herauszufinden, ob es Orte gibt, die beispielsweise durch Sicherungsmaßnahmen nicht mehr für einen Suizid verwendet werden können. Diese Studie findet in Kooperation mit der Rettungsleitstelle Dresden Dr. Haacke sowie DRF Luftrettung Dr. Frank statt und wird durch die Gulinsky Stiftung gefördert. Im ersten Teil der Arbeit wurden alle Einsätze von 2008-2009 ausgewertet, in einem zweiten Teil die Daten von 2010 bis 2013.

Verantwortlich:
Dr. med. Ute Lewitzka
Email:

Prof. Dr. med. Burkhard Jabs
Email: burkhard.jabs@khdn.de

Dr. med. Mark Frank
Email: mark.frank@drf-luftrettung.de

Doktoranden:
Anne-Katrin Hencke
Email: ak.hencke@gmx.de

Diplomand: Robert Müller
Email: robert.mueller7@mailbox.tu-dresden.de

8. Untersuchung des Einflusses von Lichtenergie auf Suizidraten innerhalb verschiedener geologischer Bereiche

Mit der hier vorgestellten Studie  soll die Fragestellung untersucht werden, ob es einen Zusammenhang zwischen Sonneneinstrahlung und Suizidraten innerhalb verschiedener Länder gibt. Eine saisonale Häufung (Frühsommer) von Suiziden ist sowohl für die nördliche als auch für die südliche Hemisphäre bekannt. Sonnenlicht wird als möglicher Trigger für suizidales Verhalten, z.B. im Rahmen von neuronaler Aktivität, diskutiert. Wir möchten untersuchen, ob es einen Zusammenhang zwischen der Sonneneinstrahlung auf die Erdoberfläche und der Häufigkeit von Suiziden gibt. Daten der Sonnenlichteinstrahlung können über die „US National Aeronautics and Space Administration“ (NASA) durch die Oberflächen Meterologie-und Solarenergie Datenbank (V6.0) erfasst bzw. dokumentiert werden. Diese stellt die pro Monat durchschnittlichen Sonneneinstrahlungsparameter für jeden 1x1 Breiten-und Längengrad auf der Erde zur Verfügung.

Um diese Analyse durchführen zu können, benötigen wir von jedem Land die Suizidraten (ermittelt über die Standardmortalitätsrate (SMR), möglichst aufgeschlüsselt nach städtischen und ländlichen Gebieten (bzw. nach der größtmöglichen Differenzierung). In Kooperation mit der UCLA in Los Angeles (Tasha Glenn) werden die Daten über das Auftreten der geologisch bedingt unterschiedlichen Lichtenergie und ein möglicher Zusammenhang mit den Suizidraten in den jeweiligen Gebieten untersucht.

Verantwortlich :

Dr. med. Ute Lewitzka
Email:

9. Einfluss von Medikamenten auf die Entstehung von Suizidalität

Mit dieser Untersuchung soll herausgefunden werden, ob es eine Gruppe von Medikamenten gibt, deren Übereinstimmung darin besteht, Suizidalität hervorzurufen bzw. zu verstärken. Es ist bekannt, dass neben den in der Psychiatrie eingesetzten Substanzen, auch Pharmaka anderer medizinischer Fachbereiche Einfluss auf Stimmung, Antrieb etc. haben und dadurch möglicherweise Suizidalität triggern können.

Verantwortlich:

Prof. Dr. med. Burkhard Jabs
Email: burkhard.jabs@khdn.de

Doktorand :
Daniela Schöne

10. Folgen einer Lithiumintoxikation auf die Niere

In der systematischen Untersuchung aller im Zeitraum von 2010 bis 2014 im Uniklinikum Dresden aufgrund einer Lithiumintoxikation behandelten Patienten sollen mögliche psychiatrische/internistische Langzeitfolgen (inklusive Nierenparameter) analysiert werden. Hierzu existieren derzeit wenige wissenschaftliche Arbeiten, die meisten Daten sind aus Fallbeschreibungen bekannt.

Viele Studien haben bereits die Gefahren der akuten (meist in suizidaler Absicht) und chronischen Lithiumintoxikation gezeigt und Hinweise auf schwerwiegende Langzeitfolgen gegeben, auch bei kurzer oder einmaliger Exposition. Nun werden neue Daten zur Entwicklung eines standardisierten Verfahrens zur Behandlung der Lithiumintoxikation benötigt, um das beste Outcome für den Patienten zu gewährleisten. Vor allem die Anwendung und Kombination extrakorporaler Verfahren, kann lebensrettend in der Akutphase sein, sowie mögliche Langzeitfolgen abschwächen und sollte daher, bezüglich Initiierung, Dauer und Wiederholung,  eingehend untersucht werden. In einem ersten Schritt sollen die Daten der im Zeitraum von 01.01.2010 bis 31.12.2014 aufgrund einer Lithiumintoxikation im Universitätsklinikum Dresden behandelten Patienten hinsichtlich der stattgefundenen Therapie ausgewertet werden. Hierbei interessiert uns insbesondere, wann und unter welchen Bedingungen die Indikation für ein extrakorporales Verfahren gestellt wurde und wie das Outcome der Patienten zum Zeitpunkt der Entlassung war. Diese Ergebnisse sollen die Grundlage für die Entwicklung eines für die Uniklinik Dresden empfohlenen internen Behandlungsstandards der Lithiumintoxikation bilden.

In einem zweiten Schritt soll versucht werden, diese Patienten zu kontaktieren und zu einer Follow-up- Untersuchung einzuladen, um eine bessere Beurteilung der Langzeiteffekte vornehmen zu können. Hierbei möchten wir die Patienten auch für eine Blutentnahme mit Bestimmung der Nierenfunktionswerte gewinnen. Diese Arbeit findet in Kooperation mit der Inneren Klinik (OÄ Dr. med. Simone von Bonin) statt.

Verantwortlich:

Dr. med. Ute Lewitzka
Email:

Robert Haußmann
Email:

Doktorand:
Tobias Mudra
Email:

Projekte in Vorbereitung

  • Luftrettung und Suizid

Bundesweite Untersuchung von  Luftrettungsdaten hinsichtlich des Einsatzes bei Suiziden (Zusammenarbeit mit Dr. Frank)

  • Fallstudie „Beinahe Suizide“

Erfassung des Outcomes von Menschen, die einen schweren Suizidversuch überlebt haben hinsichtlich stattgehabter Behandlungsmöglichkeit, Bedürfnisse etc. Hier wollen wir der Frage nachgehen, ob eine bestimmte Betreuung/Therapie o.ä. den Suizidversuch verhindern hätte können.

  • Alter und Suizid

Arbeit mit und in Alten-und Pflegeheimen: wie hoch ist die Dunkelziffer von Suiziden in Alten-und Pflegeheimen? Wie ist die Einstellung von prof. Berufen im Heim? Wie kann man dafür sensibilisieren? Wie unterscheiden sich die älteren Patienten, die aus dem Altersheim aufgrund eines Suizidversuches stat. aufgenommen werden von denen, die aus der Häuslichkeit kommen? (darunter: Unterschiede: Alter, Pflegezustand, Motivation Suizidversuch etc.). Verbesserung der Suizidprävention bei älteren Menschen.

  • Fehlgeburten/Schwangerschaftsabbrüche und Suizidalität

In Zusammenarbeit mit der Klinik für Frauenheilkunde soll die Fragestellung untersucht werden, inwieweit verschiedenartige Ereignisse wie Schwangerschaftsunterbrechung, Totgeburt, plötzlicher Kindstod bzw. späterer Verlust eines Kindes unterschiedliche Reaktionen (inkl. Suizidgedanken/Suizidales Verhalten) hervorrufen können.

Kooperationen

Die AG Suizidforschung veranstaltet seit 2009 alle 2 Jahre eine Veranstaltung anlässlich des Internationalen Tages der Suizidprävention am 10. September.

Diese Reihe „Suizid und Kunst“ widmet sich der Information, Aufklärung und Weiterbildung all der Menschen, die mit dem Thema Suizidalität konfrontiert sind. Dabei versuchen wir, besondere Schwerpunkte zu setzen.

10.9.2009, Dreikönigskirche Dresden
Depression und Suizidalität Flyer
Wissenschaflticher Vortrag von Prof. Dr. med. Werner Felber, Dresden
Lesungen aus Tagebüchern und Texten von Sylvia Plath, Hans-Jörn Weber
Musikalische Begleitung: Prof. Bruno Müller-Oerlinghausen, Querflöte
Andacht mit Musik von Hugo Distler, Pfarrer Hans-Christoph Werneburg

10.9.2010
Suizid und Lebenskrise – Opfer der Verhältnisse? Flyer
Wissenschaftlicher Vortrag von Prof. Dr. med. Burkhard Jabs, Dresden
Tschaikowski – Biografisches und Musik, vorgetragen von Dipl-Psych. Constanze Höhne, Dresden
Majakowski – Biografisches und Lesung
Werke von Walter Leistikow
Andacht in der Kirche, Pfarrer Hans-Christoph Werneburg

10.9.2012
Wenn Krisen bedrohlich werden
Depression und Suizidalität bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen
Flyer
Wissenschaftliches Symposium
Gedenkgottesdienst für Betroffene und Angehörige, Pfarrer Hans-Christoph Werneburg

6.-8.9.2013
Herbsttagung der Deutschen Gesellschaft für Suizidprävention
Suizidalität im Kontext psychischer Erkrankungen Flyer

8.9.2015
Die Einmaligkeit des Lebens und die Einsamkeit des Sterbenden
- Palliative Begleitung als Form der Suizidprävention- Flyer
Wissenschaftliche Vorträge von Birgit Weihrauch, Alexander Horn, Rita Bauer
Uraufführung: Dem Leben eine neue Chance geben – Harold & Maude finden ins Leben zurück. Theater-Fabrik-Sachsen unter der Leitung von Holger-Hoppla Pester

14.9.2016
Bitte hört, was ich nicht sage - [U25], ein Projekt, das Leben rettet Flyer

Wissenschaftliche Vorträge von Sybille Platzbecker und Alexander Oswald, Lernwerkstätten, Podiumsdiskussion
Gedenkgottesdienst für Betroffene und Angehörige, Pfarrer Hans-Christoph Werneburg gemeinsam mit Kaplan M. Noparlik

Archiv abgeschlossener Arbeiten/Projekte:

Maria Pesch (2016)

Einfluss von Haftdauer, Persönlichkeitsauffälligkeiten und Persönlichkeitsstörungen auf die Suizidalität von Inhaftierten

Robert Müller (2015)
Diplomarbeit
Not am Mann? Zu den Herausforderungen an krisenbedrohte Identitäten und der modernen Männlichkeit

Nadine Glasow (2011)
Bauliche Suizidprävention in stationären psychiatrischen Einrichtungen
Nähere Informationen: http://www.universalraum.de/know-how-traeger

Sebastian Denzin (2011)
Die Variabilität der Faktoren des Temperament- und Charakter-Inventars und der Barratt-Impulsivitätsskala in Abhängigkeit vom Zeitabstand zum Suizidversuch

Harald Tedone (2010)
Die Einrichtung Nationaler Suizidpräventionsprogramme in vier industrialisierten Nationen und der Nachweis ihrer Effizienz

Sina Körner (2009)
Persönlichkeitseigenschaften, psychopathologische Variablen und soziodemographische Merkmale von Patienten mit aktuellem Parasuizid im Vergleich zu Patienten mit Suizidgedanken aber ohne Parasuizid

Publikationen der Arbeitsgruppe zur Suizidforschung

Müller-Oerlinghausen B,  Lewitzka U.The contributions of lithium and clozapine for the prophylaxis and treatment of suicidal behavior, in Biological aspects of suicidal behavior, W. Kaschka and D. Rujescu, Editors. 2016, Karger AG, Basel. p. 145-60.

Lewitzka U, Severus E, Bauer R, Ritter P, Müller-Oerlinghausen B, Bauer M. The suicide prevention effect of lithium: more than 20 years of evidence – a narrative review. Int J Bipolar Disord 2015 (a);3(1):32

Haussmann R, Bauer M, von Bonin S, Grof P, Lewitzka U. Treatment of lithium intoxication: facing the need for evidence. Int J Bipolar Disord. 2015 Dec;3(1):23.

Lewitzka U, Jabs B, Fülle M, Holthoff V, Juckel G, Uhl I, Kittel-Schneider S, Reif A, Reif-Leonhard C, Gruber O, Djawid B, Goodday S, Haussmann R, Pfennig A, Ritter P, Conell J, Severus E, Bauer M. Does lithium reduce acute suicidal ideation and behavior? A protocol for a randomized, placebo-controlled multicenter trial of lithium plus Treatment As Usual (TAU) in patients with suicidal major depressive episode. BMC Psychiatry 2015 (b);15:117

Lewitzka U. Suicde prevention – it is everybody´s Business. BMC blog series, 29.5.2015 http://blogs.biomedcentral.com/bmcseriesblog/2015/05/29/suicide-prevention-everybodys-business/

Rombold F, Lauterbach E, Felber W, Müller-Oerlinghausen B, Ahrens B, Bronisch T, Kilb B, Lewitzka U, Richter K, Broocks A, Heuser I, Hohagen F, Quante A. Adjunctive lithium treatment in the prevention of suicidal behavior in patients with depression and comorbid personality disorders. Int J Psychiatry Clin Pract 2014;18(4):300-3

Lewitzka U, Bauer M. What Role Does (Should) Lithium Play in Suicide Treatment/Prevention? Psychiatric Times, 2014; 10-15

Seemüller F*, Lewitzka U* , Bauer M, Meyer S, Musil R, Schennach R, Riedel M, Doucette S, Möller HJ. The relationship of akathisia with treatment emergent suicidality among patients with first episode schizophrenia treated with haloperidol or risperidone. Pharmacopsychiatry. 2012; 45(7):292-6

Seemüller F, Schennach R, Mayr A, Musil R, Jäger M, Maier W, Klingenberg S, Heuser I, Klosterkötter J, Gastpar M, Schmitt A, Schlösser R, Schneider F, Ohmann C, Lewitzka U, Gaebel W, Möller HJ, Riedel M. Akathisia and Suicidal Ideation in First Episode Schizophrenia (FES). J  Clin Psychopharmacol. 2012;32(5):694-698

Lewitzka U, Andreazza A, Turecki G, Grof P, Seemüller F, Duffy A. Biological indicators of suicide risk in children and adolescents with mood disorders: what do we know so far? Curr Psychiatry Rep. 2012;14(6):705-12

Lewitzka U, Felber W, Bauer M, Müller-Oerlinghausen B. Die suizidprophylaktische Wirkung von Lithium – Übersicht über den aktuellen Stand der Forschung und deren Implikationen für die Therapie von affektiven Störungen. Nervenarzt. 2012 84(3):294-306.

Lewitzka U. Hoch-akut suizidgefährdete Patienten – eine besondere Herausforderung. Psychotherapie im Dialog 2012, 2:8-14

Müller-Oerlinghausen B, Lewitzka U. Lithium reduces pathological aggression and suicidality: a mini-review. Neuropsychobiology. 2010;62(1):43-9. Epub 2010 May 7. Review.

Müller-Oerlinghausen B, Lewitzka U. Lithium reduces pathological aggression and suicidality: a mini-review. Neuropsychobiology. 2010;62(1):43-9. Epub 2010 May 7. Review.

Lewitzka U, Müller-Oerlinghausen B, Felber W, Brunner J, Hawellek B, Rujescu D, Ising M, Lauterbach E, Broocks A, Bondy B, Rao ML, Frahnert C, Heuser I, Hohagen F, Maier W, Bronisch T. Is MAO-B activity in platelets associated with the occurrence of suicidality and behavioural personality traits in depressed patients? Acta Psychiatr Scand. 2008;117(1):41-9

Lauterbach E, Felber W, Müller-Oerlinghausen B, Ahrens B, Bronisch T, Meyer T, Kilb B, Lewitzka U, Hawellek B, Quante A, Richter K, Broocks A, Hohagen F. Adjunctive lithium treatment in the prevention of suicidal behaviour in depressive disorders: a randomised, placebo-controlled, 1-year trial. Acta Psychiatr Scand. 2008; 118(6):469-79

Lauterbach E, Brunner J, Hawellek B, Lewitzka U, Ising M, Bondy B, Rao ML, Frahnert C, Rujescu D, Müller-Oerlinghausen B, Schley J, Heuser I, Maier W, Hohagen F, Felber W, Bronisch T. Platelet 5-HT2A receptor binding and tryptophan availability in depression are not associated with recent history of suicide attempts but with personality traits characteristic for suicidal behavior. J Affect Disord. 2006; 91(1):57-62

Lauterbach E, Ahrens B, Felber W, Oerlinghausen BM, Kilb B, Bischof G, Heuser I, Werner P, Hawellek B, Maier W, Lewitzka U, Pogarell O, Hegerl U, Bronisch T, Richter K, Niklewski G, Broocks A, Hohagen F. Suicide prevention by lithium SUPLI--challenges of a multi-center prospective study. Arch Suicide Res. 2005; 9(1):27-34

Bronisch T, Brunner J, Bondy B, Rujescu D, Bishof G, Heuser I, Müller-Oerlinghausen B, Hawellek B, Maier W, Rao ML, Felber W, Lewitzka U, Oehler J, Broocks A, Hohagen F, Lauterbach E. A multicenter study about Neurobiology of Suicidal Behavior: design, development, and preliminary results. Arch Suicide Res. 2005;9(1):19-26

Lewitzka U. Neurobiologische Verlaufsuntersuchungen zentraler und peripherer serotonerger und dopaminerger Parameter bei suizidalen Patienten unter Berücksichtigung der Typologie des Parasuizides, Dissertation 2003

Lewitzka U, Rilke O, Winiecki P, Barth T, Oehler J (2001) Verlauf biochemischer Parameter bei Parasuizidenten. In: Bronisch T, Felber W, Wolfersdorf M (Hrsg.) Neurobiologie suizidalen Verhaltens. S Roderer Verlag, Regengsburg, S. 106 – 128

Weitere wissenschaftliche Arbeiten

Arnetz BB, Horte LG, Hedberg A, Theorell T, Allander E, Malker H. Suicide patterns among physicians related to other academics as well as to the general population. Results from a national long-term prospective study and a retrospective study. Acta sychiatr Scand 1987;75, 139-143.

Felber W. Typologie des Parasuizids. Regensburg: S. Roderer Verlag, 1992

Glasow N. Bauliche Suizidprävention – Handlungsebenen uns Ausführungsbeispiele. In: Hahn, S. et al. [Hrsg.]: Gesundheitsförderung und Gesundheitskompetenz. Eine Herausforderung für die psychiatrische Pflege in Praxis – Management – Ausbildung –Forschung, Verlag Abteilung Forschung/Entwicklung Pflege und Pädagogik, Bern, S.97-100, 2012

Glasow N. Bauliche Suizidprävention in stationären psychiatrischen Einrichtungen, Logos Verlag Berlin, 2011

Hawton K, Clements A, Sakarovitch C, Simkin S, Deeks JJ. Suicide in doctors: a study of risk according to gender, seniority and specialty in medical practitioners in England and Wales, 1979-1995. J Epidemiol Community Health 2001;55, 296-300.

Juel K, Mosbech J, Hansen ES. Mortality and causes of death among Danish medical doctors 1973-1992. Int J Epidemiol. 1999 Jun;28(3):456-60.

Kapusta ND, Mossaheb N, Etzersdorfer E, Hlavin G, Thau K, Willeit M, Praschak-Rieder N, Sonneck G, Leithner-Dziubas K. Lithium in drinking water and suicide mortality. Br J Psychiatry. 2011 May;198(5):346-50.

Lindeman S, Laara E, Hirvonen J, Lonnqvist J. Suicide mortality among medical doctors in Finland: are females more prone to suicide than their male colleagues? Psychol Med 1997; 27, 1219-1222.

Reimer C, Trinkaus S, Jurkat HB. Suizidalität bei Ärztinnen und Ärzten. Psychiatr Prax 2005; 32(8):381-385