Personal tools

Retrospektiver Teil der Dresdner Studie zu Alkoholvergiftungen bei Kindern und Jugendlichen (DRESALKIJU)

Fragestellung:  Lassen sich soziale Umgebungsfaktoren identifizieren, die jugendliches Rauschtrinken verstärken oder vermindern?

Methodik:  Wir führten eine retrospektive Aktenauswertung aller 588 Patienten der Jahre 2003-2008 durch, die bei Aufnahme in eine der beiden Dresdner Kinderkliniken die Diagnose „Alkoholintoxikation“ erhielten.  Dabei werteten wir u.a. aus: Blutalkoholkonzentration (BAK), Glasgow Coma Skala (GCS), Wochentag, Trinkanlaß, Trinksituation und das Wohnviertel der gemeldeten Adresse.

Ergebnisse:  87% der Trinkereignisse geschahen wenn am Folgetag Schul/Arbeitsfrei war.  In 75% der Fälle wurde anläßlich einer Feier zusammen mit Freunden, aber ohne die Eltern, in privaten Räumlichkeiten getrunken.  Das Trinkverhalten derjenigen 13% Jugendlicher, die trotz Schule/Arbeit am Folgetag tranken und der 7%, die alleine tranken, wurde deshalb als atypisch angesehen und war mit häufigerem Alkoholkonsum in der Vorgeschichte und häufigeren Begleitintoxikationen assoziiert.  Alter, Geschlecht, BAK, Alkoholverträglichkeit (gemessen am Verhältnis BAK zu GCS) sowie frühere intoxikationsbedingte Aufnahmen unterschieden sich jedoch nicht von den „typischen“ Trinkern.  Unter denjenigen 10%, die zur Konfliktbewältigung anstatt zum Feiern tranken, fanden sich überzufällig gehäuft Mädchen und früherer Alkoholkonsum in der Vorgeschichte.  Die BAK und die Alkoholverträglichkeit waren jedoch geringer.  Anhand von Daten der Stadtverwaltung Dresden wurde die relative Häufigkeit der Intoxikationsereignisse pro jugendlichem Einwohner für jeden der 61 statistischen Auswertebereiche des Stadtgebietes berechnet (Spannweite: 0 - 3,3% der Jugendlichen zwischen 10 und 17 Jahren innerhalb der beobachteten 6 Jahre) und in Beziehung zur jeweiligen Arbeitslosenquote gesetzt (Spannweite: 5 – 18%).  Dabei fand sich eine hochsignifikante positive Korrelation (r=0,55; p<0,001). BAK und Alkoholverträglichkeit zeigten diesen Zusammenhang jedoch nicht.

Schlußfolgerungen: Jugendliche die in atypischen Situationen trinken scheinen stärker suchtgefährdet zu sein; für Konflikttrinker sind die entsprechenden Hinweise jedoch widersprüchlich.  Daß die Arbeitslosigkeit in der Wohnumgebung eng mit der Häufigkeit von jugendlichem Rauschtrinken zusammenhängt überrascht insofern als der eigene Sozialstatus bzw. derjenige der Herkunftsfamilie in anderen Studien keine oder nur marginale Zusammenhänge mit dem Trinkmuster nicht alkoholabhängiger junger Menschen erkennen ließ. Diese Ergebnisse lassen nicht notwendigerweise auf Arbeitslosigkeit der Eltern als Kausalfaktor schließen, da diese nicht überzufällig gehäuft erschien, was aufgrund fehlender Vergleichsdaten jedoch nicht systematisch analysiert werden konnte.

Publikationen aus dem Projekt:

http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/25277424

http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/25978837

Laufzeit: 2008 - 2010

Förderung: Klinikeigene Mittel

Projektmitarbeiter: Cand. med. Andreas Lachnit, Manja Kalkbrenner, Linda Hoppe

externe Kooperationspartner: Prof. M. Gahr, Klinik und Poliklinik für Kinder- und Jugendmedizin des UKD. Prof. M. Kabus, Zentrum für Kinder- und Jugendmedizin am Krankenhaus Dresden-Neustadt