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Prospektiver Teil der Dresdner Studie zu Alkoholvergiftungen bei Kindern und Jugendlichen (DRESALKIJU)

Dieses Projekt untersucht suchtspezifische Risikovariablen bei Jugendlichen mit stationär behandelten Alkoholvergiftungen im Vergleich zu einer Normstichprobe. In vielen Ländern der EU ist seit etwa 10 Jahren eine besorgniserregende Zunahme von Krankenhausbehandlungen bei Kindern und Jugendlichen infolge Rauschtrinkens zu beobachten. Seit dem Jahr 2000 waren hiervon allein in Deutschland kumulativ etwa 200.000 junge Menschen betroffen. Bislang gibt es kaum Studien dazu, inwiefern sich bei diesen Jugendlichen bereits eine Suchtentwicklung abzeichnet.

Methoden: Wir untersuchten 60 Jugendliche (davon 20 Mädchen) zwischen 11 und 17 Jahren, die im Zusammenhang mit einer Alkoholintoxikation stationär in eine der beiden Dresdner Kinderkliniken aufgenommen wurden. Am Tag nach der Aufnahme bearbeiteten die Betroffen Fragebögen zu ihrem Trink- und Rauchverhalten (z.B. den AUDIT). Ferner wurde die Suchtsektion des Composite International Diagnostic Interviews (CIDI) bezüglich Alkohol durchgeführt und der Konsum illegaler Drogen erfragt.

Ergebnisse: Die Blutalkoholkonzentration lag bei 1,5 ± 0,4 ‰ (Mittelwert und Standardabweichung), der AUDIT-Summenscore bei 7,4 ± 6,2; Median = 6). Beide Maße unterschieden sich nicht zwischen den Geschlechtern. Nur die Hälfte der Teilnehmer erfüllte kein diagnostisches Kriterium für Alkoholabhängigkeit. 13 Probanden erfüllten eines und 9 Probanden zwei Suchtkriterien. 8 Probanden (13% der Stichprobe) erfüllten 3 oder mehr Suchtkriterien innerhalb eines Jahres und waren deshalb als alkoholabhängig im Sinne von DSM-IV anzusehen. Zusammen mit den heterogenen AUDIT-Werten (bei Erwachsenen wird ein Summenwert von 8 Punkten oder mehr als Warnhinweis für Alkoholstörungen interpretiert) deuten diese Daten darauf hin, daß sich bei einer identifizierbaren Minderheit dieser Jugendlichen bereits eine Suchtentwicklung im Gang ist. Dies kann mit wenig Zeitaufwand am Krankenbett erkannt werden und sollte Anlaß zu medizinischen und komplementären Unterstützungsangeboten geben, die über die reine Behandlung der Intoxikation hinausgehen.

Laufzeit: 2009 - 2011

Förderung: Klinikeigene Mittel

Projektmitarbeiter: Cand. med. Mareike Schütze, Anja Sauck, Ariane Thiel

externe Kooperationspartner: Prof. M. Gahr, Klinik und Poliklinik für Kinder- und Jugendmedizin des UKD. Prof. M. Kabus, Zentrum für Kinder- und Jugendmedizin am Krankenhaus Dresden-Neustadt

Sirko Schamel / Projekt „Hart am Limit“, sächsische Landesstelle gegen die Suchtgefahren