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Patienteninformation zur Insel-Autotransplantation

Sehr geehrte Patientin, sehr geehrter Patient,

die Insel-Autotransplantation ist eine Behandlungsmöglichkeit für Patienten, bei denen eine Operation an der Bauchspeicheldrüse (Pankreas) durchgeführt werden muss. Die primäre Betreuung erfolgt dabei über die "Pankreas-Sprechstunde" der Klinik für Viszeral-, Thorax- und Gefäßchirurgie. In der Bauchspeicheldrüse befinden sich die sogenannten Langerhans-Inseln, die das lebensnotwendige Hormon Insulin produzieren. Dieses Hormon ist für die Kontrolle Ihres Blutzuckers verantwortlich. Durch eine Operation, bei der ein Teil oder die gesamte Bauchspeicheldrüse entfernt werden muss, würden damit auch diese Langerhans-Inseln entfernt und daraus folgten die Entwicklung eines Diabetes und die Notwendigkeit zu einer dauerhaften Insulintherapie nach dem Eingriff.

Durch die sogenannte „Insel-Autotransplantation“ ist es möglich, aus der entfernten Bauchspeicheldrüse die Insulin-produzierenden Langerhans-Inseln in einem Laborverfahren herauszulösen (zu „isolieren“) um Ihnen diese Zellen wieder zurückzugeben. Damit kann möglicherweise ein Teil, bestenfalls sogar die gesamte Insulinproduktion des Körpers erhalten und ihr Blutzucker stabilisiert werden.

Was heißt Insel-Autotransplantation und wie wird sie durchgeführt?

Langerhans'sche Inseln der Bauchspeicheldrüse bestehen überwiegend aus Beta-Zellen. Diese produzieren das natürliche Hormon Insulin, das vom Körper zur Regulierung der Zuckerverwendung eingesetzt wird. Fehlen diese Zellen wie z.B. beim Typ-1 Diabetes mellitus, wo sie irrtümlicherweise vom eigenen Immunsystem des Patienten angegriffen und zerstört werden, oder nach einer operativen (Teil-)Entfernung der Bauchspeicheldrüse, wird eine ausreichende eigene Insulinproduktion unmöglich gemacht. Eine Re-Transplantation von Inseln, die aus der eigenen Bauchspeicheldrüse gewonnen werden, bietet die Möglichkeit, die fehlenden Zellen zu ersetzen, und so die benötigte Insulinmenge durch das funktionierende Inseltransplantat herstellen zu lassen.

Bei diesem Verfahren werden die Inseln vom umgebenden Bauchspeicheldrüsengewebe durch ein maschinell unterstütztes Verfahren abgetrennt und die frisch isolierten Inseln transplantiert.

Schematische Darstellung der autologen Inselisolation und –transplantation

Die isolierten Inseln werden dann in die Pfortader (große Lebervene) wie eine Infusion zurückgegeben. Der Zugang zu dieser Vene erfolgt über den gleichen Bauchschnitt, der bei Ihrer ursprünglichen Operation angelegt wurde. Über die Pfortader werden die Inseln dann unter einer Röntgen-kontrollierten Katheteranlage in die Leber eingeschwemmt. Die Inseln „schwimmen“ entlang der natürlichen Flussrichtung in das Portalvenensystem und setzen sich in den Kapillaren (kleinsten Gefäßen der Leber) fest. Dort wachsen die Inseln ein, produzieren Insulin und können somit nun in der Leber praktisch die gleiche Funktion wie ursprünglich in der Bauchspeicheldrüse erfüllen.

Was passiert nach der Transplantation?

Die Umgebung der frisch transplantierten Inseln in der Leber bietet zunächst kein optimales Milieu. Die Inseln müssen erst wieder Anschluss an den Blutkreislauf bekommen um ausreichend mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt zu werden. Dieser Prozess der „Einnistung“ der Inseln in der neuen Umgebung nimmt einige Wochen in Anspruch. In dieser Zeit versucht man, die Inseln möglichst zu schonen und sie keinem Stress auszusetzen. Das gelingt am besten, indem man von außen Insulin gibt, zunächst über die Vene und dann über subkutan Spritzen. Damit werden die Inseln in ihrer eigentlichen Funktion, nämlich der Insulinproduktion entlastet und können so in Ruhe einwachsen. Im Verlauf kann man dann unter Umständen die Insulindosis reduzieren, vielleicht sogar ganz weglassen. Oberstes Ziel soll aber eine möglichst optimale Einstellung des Blutzuckers sein. Wenn dazu Insulin von außen zusätzlich notwendig ist, sollte das auch konsequent gemacht werden.

Eine Besonderheit der sogenannten Insel-Autotransplantation ist die Tatsache, dass es sich um körpereigene Zellen handelt, die also vom Körper nicht abgestoßen werden. Medikamente, die das Immunsystem unterdrücken wie bei einer Transplantation eines Spenderorgans sind damit nicht notwendig.

Bedeutet Insel-Autotransplantation ein Verhindern des Auftretens einer Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus)?

Grundsätzlich wäre eine Blutzuckernormalisierung ohne Notwendigkeit für Insulininjektionen über einen langen Zeitraum gleichbedeutend mit einer Verhinderung des Diabetes, da eine Stoffwechsellage wie bei einem Gesunden erreichbar wäre. Solche sehr guten Ergebnisse können durch eine Autotransplantation durchaus erreicht werden. Allerdings hängt dies von vielen Faktoren ab, die im Vorfeld nicht immer klar eingeschätzt werden können. Beispielsweise spielt die Grunderkrankung, die überhaupt erst eine Operation an der Bauchspeicheldrüse erforderlich macht eine wichtige Rolle für den Zustand des Organs. Die Bauchspeicheldrüse ist unter Umständen schon schwer vorgeschädigt oder es steht nur ein kleiner Teil der Bauchspeicheldrüse für die Aufarbeitung der Inseln zur Verfügung. Auch kann eine Insel-Isolation schwierig sein, weil Verhärtungen oder vorangegangene Entzündungen das Gewebe geschädigt haben.

Es ist also nicht vorherzusehen, ob es bei Ihnen gelingt, funktionsfähige Inseln aus der Bauchspeicheldrüse herauszulösen und wenn ja, wie gut deren Funktion nach Rück-Transplantation sein wird. Da aber Ihr Stoffwechsel auch bei einer nur geringen Inselfunktion deutlich stabiler zu führen sein wird als ohne jegliche eigene Insulinproduktion, ist es immer anzustreben, sofern möglich, die eigenen Zellen zurückzugewinnen.

In jedem Fall werden Sie nach der Insel-Autotransplantation intensiv geschult bezüglich Blutzuckermessung, ggf. Insulintherapie und wichtigen Ernährungs- und Lebensgewohnheiten, damit Sie im Alltag mit der neuen Lebenssituation zurechtkommen. Auch nach Entlassung aus dem Krankenhaus stehen wir Ihnen für eine langfristige Betreuung natürlich zur Verfügung oder tauschen uns mit Ihrem Hausarzt/Diabetologen aus, um eine möglichst optimale Behandlung für Sie zu gewährleisten.

Voraussetzungen

Patienten, deren Bauchspeicheldrüse operativ entnommen werden muss (ganz oder teilweise) und wo sich keine Gründe ergeben, die gegen eine Isolation der eigenen Langerhans-Inseln sprechen.

Sprechstunde Pankreaschirurgie

Dienstag (8:30 - 16:00 Uhr)
+49 (0)351 458 3200
LOA Prof. Dr. med. T. Welsch, GOA PD Dr. med. M. Distler
FOA PD Dr. med. Ch. Kahlert, OÄ PD Dr. med. L. Seifert
E-Mail: