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15. Oktober 2013

15. Oktober 2013: Aus falscher Scham meiden viele Frauen den Gang zum Arzt

Neue Leiterin der Urogynäkologischen Sprechstunde der Uni-Frauenklinik setzt auf umfassende und einfühlsame Beratung der Patientinnen / OP ist nur eine Therapieoption

Mit dem Wechsel von Dr. Anna Kolterer vom Uniklinikum Leipzig an die die Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe des Universitätsklinikums Carl Gustav Carus ergänzt die Dresdner Hochschulmedizin ihre Expertise bei der Behandlung weiblichen Blasenschwäche (Harninkontinenz) und Senkungen der Beckenorgane. Der Bedarf an einer speziellen urogynäkologischen Versorgung ist hoch: Etwa jede zweite bis dritte Frau leidet mit zunehmendem Alter an diesen Problemen. Doch viele scheuen sich vor dem Gang zum Frauenarzt oder Urologen. Eine frühzeitig gestellte Diagnose erhöht in vielen Fällen jedoch die Heilungschancen. Die Urogynäkologische Sprechstunde der Uni-Frauenklinik bietet ein breites Spektrum an Untersuchungs- und Behandlungsoptionen. Hierzu werden bei Bedarf auch Experten anderer Disziplinen des Dresdner Uniklinikums unter anderem Neurologen, Urologen sowie Viszeralchirurgen hinzugezogen.

Der Beckenboden einer Frau ist im Laufe Ihres Lebens starken Belastungen ausgesetzt. So hinterlassen zum Beispiel schwer verlaufende Geburten, Übergewicht, Operationen oder andere Erkrankungen Spuren am Gewebe des Beckenbodens. Neben der Harn- oder Stuhlinkontinenz können Senkungen der Genitalorgane, auch bekannt als Gebärmutter- oder Blasenvorfall, auftreten. Diese Probleme offen anzusprechen, fällt Frauen sehr schwer, berichtet Dr. Anna Kolterer. Die Lebensqualität ist meist deutlich eingeschränkt und der Leidensdruck jedoch groß. Nicht wenige Frauen kennen im näheren Umfeld jede öffentliche Toilette, schränken die Trinkmenge vor außerhäuslichen Unternehmungen ein oder stellen jegliche sportliche Aktivitäten aus Angst vor Urinverlust oder Senkungsbeschwerden ein. Nicht selten kommt es vor, dass ältere Patientinnen aufgrund anderer schwerer Erkrankungen ins Krankenhaus kommen und die Genitalsenkung oder Inkontinenz als sogenannte Zufallsbefunde in Erscheinung treten.

So weit muss es nicht kommen, sagt die Urogynäkologin Dr. Kolterer. Es gibt gute Behandlungsmöglichkeiten, akute Beschwerden können zunächst auch ohne eine korrigierende OP oder gar die Entfernung der Gebärmutter gemindert werden. Allerdings sollten sich die Betroffenen frühzeitig dem behandelnden Frauenarzt oder Hausarzt anvertrauen. Diese können bereits erste Maßnahmen zur Besserung und die Überweisung in eine urogynäkologische Sprechstunde einleiten. „Mit Patientinnen, die sich dann erstmals in unserer urogynäkologischen Sprechstunde vorstellen, führen wir zunächst ein ausführliches Gespräch über die Beschwerden, Begleiterkrankungen und den persönlichen Leidensdruck und zudem erfolgt eine gründliche gynäkologische Untersuchung. Erste Ursachen können geklärt und Diagnosen gestellt werden. In einem zweiten Schritt ziehen wir zur genaueren Beurteilung modernste diagnostische Geräte heran. Dazu gehören eine urogynäkologische Ultraschalluntersuchung (Perineal-/Introitussonografie), die Blasendruckmessung (Urodynamik) und je nach Beschwerdebild die Blasenspiegelung (Zystoskopie). Auf der Basis der Ergebnisse erstellen wir dann für jede Frau ein individuelles Therapiekonzept“, erklärt Dr. Kolterer. Nach Möglichkeit werden dabei in einem ersten Schritt sogenannte konservative Methoden – das sind nicht-operative Therapien – angewandt. Dazu zählen Beckenbodengymnastik, Medikamentengaben, Elektrostimulation oder der Einsatz von Pessaren. In schwierig abzuklärenden Fällen nimmt die Spezialambulanz zusätzliche Untersuchungen vor. Eine Mitbetreuung kann in der Chirurgie, Proktologie und Urologie notwendig werden.

„Basis der Therapieentscheidung sind jedoch nicht allein die Untersuchungsergebnisse – wir beziehen natürlich die Wünsche der betroffenen Frau ein. Dabei wird gemeinsam mit der Patientin besprochen, ob eine konservative Therapie möglich oder doch eine operative Therapie nötig ist“, so die Urogynäkologin. „Allerdings ist vielen Patientinnen nicht klar, dass sich die Beschwerden durch eigenes Engagement, wie konsequentes Beckenbodentraining, Ernährungsumstellung und Gewichtsabnahme bereits bessern können“, betont Dr. Kolterer.

Falls eine Operation notwendig sein sollte, bietet die Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe des Dresdner Uniklinikums alle anerkannten Operationsverfahren an, die zumeist minimal-invasiv – also die sogenannte Schlüssellochchirurgie –  ausgeführt werden. Die Folgen des gesenkten Beckenbodens lassen sich operativ durch das Anheben der Blase oder des Darmes durch Eigengewebe oder wenn notwendig mit Netzen korrigieren. Dabei kann auch eine Fixierung der Gebärmutter oder des Scheidenstumpfes notwendig sein. Bei der Belastungsinkontinenz, einer Form der Blasenschwäche, bei der es beim Husten/Niesen oder Lachen zum Urinverlust kommt, kommt die Einlage eines spannungsfreien Vaginalbandes (TVT – tension free vaginal tape) in Frage. Alternativ kann die Harnröhre mit einem nicht resorbierbarem Gel unterspritzt werden.
„Die Erfolgsaussichten der einzelnen Therapieformen ist sehr gut. Dies hängt jedoch auch von den Begleiterkrankungen, der Art des Defektes und dem Ausmaß der Bindegewebsschwäche ab. Wichtig ist allerdings, dass die Inkontinenz und die Beckenbodensenkung keine Tabuthemen bleiben, denn vielen Frauen kann geholfen und damit die Lebensqualität deutlich gebessert werden“, sagt die Urogynäkologin.

Kontakt
Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden
Klinik und Poliklinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe
Urogynäkologische Sprechstunde
Beratungsstelle der Deutschen Kontinenz Gesellschaft e.V.
Dr. med. Anna Kolterer
Tel. 0351/ 4 58 18181
E-Mail: anna.kolterer@uniklinikum-dresden.de
www.uniklinikum-dresden.de/gyn