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09. Juni 2010

„Psychisch Gesund Für ZWEI“ – Universitätsklinikum initiiert neues Projekt für Schwangere

9. Juni 2010: Modellvorhaben des Klinikums erweitert mit Tagesklinik und spezieller Beratung die Versorgung Betroffener / Partner sind Stadt Dresden und Krankenhaus Neustadt

Anhand eines innovativen Versorgungsmodells will das Universitätsklinikum Carl Gustav Carus die Betreuung von seelisch kranken oder belasteten Schwangeren und Wöchnerinnen deutlich verbessern. Hierzu initiierten die Kliniken für Psychotherapie und Psychosomatik sowie Psychiatrie und Psychotherapie des Klinikums gemeinsam das Modellprojekt „Psychisch Gesund Für ZWEI“, das vom Freistaat Sachsen mit rund 250.000 Euro unterstützt wird. Im Rahmen einer sachsenweit einzigartigen Kooperation zwischen Uniklinikum, Jugendamt der Landeshauptstadt Dresden und städtischem Krankenhaus Dresden-Neustadt können Frauen mit psychischen Störungen in Schwangerschaft, Stillzeit und Mutterschaft frühzeitig und umfassend betreut werden. Zugleich ermitteln die Ärztinnen und Wissenschaftler den tatsächlichen Bedarf an Therapie- und Beratungsangeboten im Großraum Dresden.

Psychische Krankheiten können in jeder Lebenssituation auftreten – auch in Schwangerschaft oder früher Mutterschaft. In dieser Phase haben der­artige Erkrankungen jedoch nicht nur Auswirkungen auf die Patientinnen, sondern auch auf deren ungeborene oder gerade entbundene Kinder. Um den betroffenen Frauen wirksam helfen zu können, ist ein auf diese besondere Situation zugeschnittenes Behandlungsprogramm notwendig. Dazu wurde am Universitätsklinikum ein spezialisiertes Modell zur Versorgung von psychisch kranken und belasteten Schwangeren und Wöchnerinnen etabliert. „Eine psychische Erkrankung kann bereits lange vorliegen, aber auch erst durch eine Schwangerschaft entstehen. Sie muss in jedem Fall unbedingt behandelt werden“, sagt PD Dr. Kerstin Weidner, Oberärztin an der Klinik und Poliklinik für Psychotherapie und Psychosomatik des Uniklinikums. Die Ärztinnen und Psychologinnen an dieser Klinik sowie an der ebenfalls zum Uniklinikum gehörenden Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie (Oberärztin Dr. Johanna Sasse) bieten den Betroffenen bereits seit Jahren schnelle und kompetente Hilfe an. Doch um nachhaltige Erfolge zu erzielen, reicht die in den Ambulanzen und Stationen des Universitätsklinikums angebotene Versorgung der Patienten nicht aus. „Ohne ein flächendeckendes Netzwerk für den Großraum Dresden lässt sich die zunehmende Zahl an Betroffenen nicht umfassend beraten und behandeln“, fasst PD Dr. Kerstin Weidner die Erfahrungen der letzten Jahre zusammen. Neben der Behandlung der Mütter steht dabei immer auch die Frage nach der Entwicklung der Kinder im Mittelpunkt des Versorgungsangebots. In besonders schweren Fällen werden zusätzlich wichtige Aspekte des Kinderschutzes einbezogen.

Daher haben nun die beiden Kliniken zusammen mit dem Jugendamt der Stadt Dresden und in Kooperation mit dem Krankenhaus Dresden Neustadt das gemeinsame Modellprojekt „Kinderschutz – Behandlung psychischer Störungen in Schwangerschaft, Stillzeit und Mutterschaft“, kurz „Psychisch Gesund Für ZWEI“, ins Leben gerufen. Dieses wird über drei Jahre mit Landesmitteln des Sächsischen Staatsministeriums für Soziales und Verbraucherschutz in Höhe von rund einer Viertelmillion Euro gefördert. „Psychisch erkrankte Schwangere und Frauen mit Kinderwunsch benötigen eine qualifizierte Beratung und Betreuung. Speziell auf die Schwangerschaft abgestimmte, psychotherapeutische Behandlungen von Depressivität und anderen Beschwerden“, sagt Evelin Hipke vom Jugendamt Dresden. „Werden die Frauen und ihre Kinder nicht adäquat behandelt, beraten und betreut, kann sich ihre Erkrankung verschlechtern – mit dramatischen Auswirkungen für die Frauen selbst, deren Kinder und die gesamte Familie.“

Im Rahmen des Projekts sind der weitere Ausbau sowie die Bewertung der bereits bestehenden Beratungs- und Behandlungsangebote für die Zeit der Schwanger- und frühen Mutterschaft geplant. Neben dem Versorgungsaspekt erhofft sich die Forschungsgruppe um PD Dr. Kerstin Weidner und Dr. Johanna Sasse auch eine Vielzahl neuer Erkenntnisse zu Risikofaktoren und Verläufen psychischer Auffälligkeiten in dieser sensiblen Lebensphase. „Um Vernachlässigungs- und Misshandlungsfälle zu vermeiden, bedarf es der frühzeitigen Identifikation von Risikofaktoren und der Einleitung von Hilfen“, erklärt Evelin Hipke aus Sicht des städtischen Jugendamtes die Notwendigkeit der Forschungen. Das Modellprojekt trägt zeitgleich auch dazu bei, betroffenen Frauen umfassender als bisher zur Seite zu stehen. Sie können je nach individuellem Hilfebedarf Gesprächsangebote, Gesprächstherapien oder aber vom Facharzt verschriebene medikamentöse Hilfe in Anspruch nehmen. Das Jugendamt wird darüber hinaus weiterhin zusätzliche Unterstützungsangebote im Bereich der Jugendhilfe, wie zum Beispiel Gesprächsangebote, die parallele Betreuung von weiteren Kindern und Familien, nachbetreuende Familienhilfe oder das zeitlich befristete Leben in einer Mutter-Kind-Einrichtung vorhalten.

Weitere Informationen
www.psychischgesundfürzwei.de

Kontakt für Journalisten
Universitätsklinikum Carl Gustav Carus
Klinik für Psychotherapie und Psychosomatik
PD Dr. Kerstin Weidner
Telefon: 0351 458 2071
Kerstin.Weidner@uniklinikum-dresden.de
www.uniklinikum-dresden.de
http://www.psychosomatik-ukd.de

Universitätsklinikum Carl Gustav Carus
Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie
Dr. Johanna Sasse
Telefon: 0351 458 5489
johanna.sasse@uniklinikum-dresden.de
www.psychiatrie.uniklinikum-dresden.de

Landeshauptstadt Dresden
Jugendamt / Geschäftsbereich Soziales
Geschäftsstelle Jugendhilfeausschuss/Öffentlichkeitsarbeit
Evelin Hipke
Tel.: 0351 4 88 47 36
Fax: 0351 488 46 03
Mail: EHipke@dresden.de