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02. Dezember 2009

Neuer Bereich für Alterspsychiatrie sichert enge Verbindung zwischen Forschung und Krankenversorgung

4. Dezember: Einrichtung startet mit wissenschaftlichem Kolloquium

Am Universitätsklinikum Carl Gustav Carus nimmt an diesem Freitag (4. Dezember) der neu gegründete Bereich für Gerontopsychiatrie (Alterspsychiatrie) und kognitive Neuropsychiatrie seine Arbeit an der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie auf. Leiterin ist Prof. Vjera Holthoff, die seit Jahresbeginn die gleichnamige Professur innehat. Im Mittelpunkt ihrer Arbeit steht die Behandlung wie Erforschung von Alzheimerdemenz, die zusammen mit Morbus Parkinson zu den häufigsten altersbedingten Erkrankungen des Gehirns gehört. Die neue Einrichtung trägt dem wachsenden Bedarf an adäquater Diagnostik- und Therapie Rechnung, der aus der steigenden Lebenserwartung der Menschen resultiert. Der Bereich für Gerontopsychiatrie und kognitive Neuropsychiatrie behandelt diese Patienten nicht nur, sondern entwickelt gemeinsam mit niedergelassenen Ärzten Strategien, um auch in ländlichen Regionen eine qualitativ hochwertige Versorgung der Betroffenen aufzubauen. Auf dem Eröffnungskolloquium sprechen am Freitag ab 16 Uhr im Hörsaal des Kinder-Frauenzentrums am Uniklinikum Experten aus Großbritannien und Deutschland über den Stand der Forschung sowie dem zu erwartenden Zuwachs an Erkrankten.

Mit dem neuen Bereich bauen Uniklinikum und Medizinische Fakultät Carl Gustav Carus den Behandlungs- und Forschungsschwerpunkt „Neurodegenerative Erkrankungen“ weiter aus. Diese Initiative, die im Klinikum vor allem durch Prof. Heinz Reichmann, Parkinsonspezialist und Direktor der Klinik für Neurologie, sowie Prof. Michael Bauer, Direktor der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie getragen wird, erfährt bundesweite Anerkennung. Unter anderem wird die Dresdner Hochschulmedizin Teil des neu gegründeten Helmholtz-Zentrums für Neurodegenerative Erkrankungen.

Im Bereich der Demenzerkrankungen hat Prof. Holthoff in den vergangenen Jahren das Behandlungsangebot für Alzheimer-Patienten kontinuierlich auf- und ausgebaut. So wurde im Jahr 2000 die Gedächtnisambulanz gegründet, um Demenzerkrankungen frühzeitig diagnostizieren und behandeln zu können. Zwar ist es zurzeit nicht möglich, die schleichende Degeneration des Hirns zu stoppen. Doch durch Gabe von Medikamenten und durch innovative Trainingsprogramme lässt sich dieser Prozess beeinflussen. Für die Betroffenen bedeutet das ein Zuwachs an Lebensqualität, weil sie eine längere Zeit selbstbestimmt in ihrer gewohnten Umgebung verbleiben können.

Forschung und Krankenversorgung in interdisziplinärer Zusammenarbeit
Zum Team des Bereichs Gerontopsychiatrie und kognitive Neuropsychiatrie gehören Psychiater, Neuropsychologen, Ergotherapeuten, Doktoranden und Diplomanden. An der klinischen Versorgung der Patienten und an den wissenschaftlichen Projekten beteiligen sich von Seiten des Uniklinikums zudem Experten der Klinik für Neurologie sowie des Bereichs Neuroradiologie. In die Forschungsarbeit sind weiterhin Wissenschaftler der Fakultäten Architektur (Wohnumfeldoptimierung) und Erziehungswissenschaften (Behandlung mit Hunden bei Demenz) sowie das Zentrum für Technisches Design (Technikeinsatz bei Demenz) an der TU Dresden eingebunden.

Prof. Vjera Holthoff erwartet sich vom jetzt etablierten Bereich eine engere Verknüpfung von Grundlagenforschung und Krankenversorgung. Um neue Erkenntnisse zur Neurodegeneration schnellstmöglich in die Krankenversorgung zu überführen, gibt es eine besonders enge Zusammenarbeit mit Prof. Alexander Storch aus der Klinik für Neurologie. „Diese Translation von Wissenschaft und Innovation in die tägliche Versorgung wird dazu beitragen, alte und psychisch kranke Menschen künftig besser behandeln zu können. Basis dafür ist eine enge und kollegiale Zusammenarbeit sowie ein reger Austausch zwischen den Kliniken, den ambulant tätigen Ärzten und anderen Einrichtungen der Technischen Universität Dresden“, sagt die Leiterin des neuen Bereichs. Hierzu entsteht im Rahmen der Gesundheitsregion „Carus Consilium Sachsen“ ein wohnortnahes gerontopsychiatrisches Versorgungsnetz, das Anfang 2010 unter dem Namen Memobil starten wird. Experten aus dem Uniklinikum unterstützen dann vor allem in ländlichen Regionen Ostsachsens niedergelassene Hausärzte bei der frühzeitigen Diagnose von Demenzerkrankungen.

Kontakt
Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden
Klinik und Poliklinik für Psychiatrie und Psychotherapie
Bereich für Gerontopsychiatrie und kognitive Neuropsychiatrie
Leiterin: Prof. Dr. med. Vjera Holthoff
Tel.: 0351 458 3671
E-Mail: Vjera.Holthoff@uniklinikum-dresden.de