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13. November 2009

Kommunikation statt Amputation

13. November 2009: Sächsische Patienten und behandelnde Ärzte starten zum Weltdiabetestag bundesweit einmaliges Netzwerk / Bis zum Jahr 2020 verdoppelt sich die Zahl der Diabetiker

Mit einem verbesserten Informationsaustausch wollen sächsische Patientenvertreter und Ärzteschaft eine weitere Zunahme von gravierenden Diabetes-Folgeerkrankungen verhindern. Dazu initiieren der Landesverband Sachsen des Deutschen Diabetiker Bunds und das Universitätsklinikum Carl Gustav Carus das DiabetesNetzwerk Sachsen. Offizieller Starttermin des Projekts ist der Weltdiabetestag am morgigen Sonnabend (14. November). Im Zentrum der Initiative steht ein Internetportal: Unter der Adresse  www.diabetesnetzwerk-sachsen.de können sich Patienten, deren Angehörige sowie Interessierte informieren und Kontakt mit anderen Patienten und Ärzten aufnehmen. Das neue Netzwerk will die Versorgungsqualität der Bevölkerung verbessern und gleichzeitig dazu beitragen, den weiter steigenden Kosten im Gesundheitswesen entgegenzuwirken.

Jedes Jahr werden bei mehr als 1.000 Sachsen Zehen, Füße oder Beine amputiert. Bei zwei Drittel dieser Patienten ist der Diabetes Typ 2 Auslöser dafür: In dessen Folge kann es zu schweren Durchblutungsstörungen der unteren Extremitäten kommen. Letzter Ausweg ist dann die Amputation. „Diabetes-Patienten können das Risiko dieser und anderer Folgeerkrankungen minimieren, wenn ihr Blutzuckerwert richtig eingestellt ist und sie den ärztlichen Empfehlungen folgen“, sagt Prof. Peter Schwarz, Inhaber der Professur für Prävention und Versorgung des Diabetes an der Medizinischen Klinik und Poliklinik III des Dresdner Uniklinikums. Der Internist gehört zu den Gründern des Netzwerkes und ist für die medizinisch-wissenschaftlichen Inhalte verantwortlich.

Initiator des Netzwerkes ist der Deutsche Diabetiker Bund (DDB). Im Interesse der Patienten will der Verband sicherstellen, dass den Diabetikern die neuesten Erkenntnisse aus Forschung und Krankenversorgung nahegebracht werden. Ziel des DDB ist es, die Versorgungsqualität der Diabetiker nachhaltig zu verbessern: „Wir sehen den Nutzen des Netzwerkes in der regelmäßigen Information. Der Betroffene kann sein Wissen zur Krankheit ausbauen und so in Bezug auf die Erkrankung ein echter Partner für den Arzt werden. Das trägt dazu bei, die Compliance – das ist die Annahme und Einhaltung der Therapie durch den Patienten – zu verbessern“, sagt Rosmarie Wallig, Vorsitzende des Landesverbands Sachsen e. V. im Deutschen Diabetiker Bund. Das erhöhe nicht nur die Lebensqualität der Betroffenen, sondern helfe den Krankenkassen, Kosten zu sparen.

„Hauptproblem ist und bleibt die lange Symptomfreiheit unserer Diabetes-Patienten. Selbst bereits eingetretene Komplikationen sind oftmals mit nur geringer Belastung für den Patienten verbunden. Erst der spätere schwere Krankheitsverlauf erzeugt einen starken Leidensdruck bei unseren Patienten. Dann gibt es aber leider nur noch geringe Aussichten auf einen Behandlungserfolg“, sagt Erik Bodendieck, selbst Facharzt für Allgemeinmedizin und Diabetologe in eigener Niederlassung: „Das Diabetes-Netzwerk kann helfen, frühzeitig Patientinnen und Patienten auf die hohe Komplikationsrate des Diabetes mellitus hinzuweisen und die Behandlungseinsicht zu fördern. Damit erzeugt es eine bessere Mitarbeit durch Aufklärung.“

Die seit Jahren in Sachsen bestehende hervorragende Struktur der Diabetikerbetreuung mit der Vernetzung von Hausarzt, diabetologischer Schwerpunktpraxis, Klinik und Rehabilitation hat bereits zu einer deutlichen Verbesserung der Behandlung des Diabetes mellitus geführt. Untersetzt wird diese koordinierte Behandlungsstrategie mit fachübergreifenden Praxisleitlinien. „Mit Hilfe des Diabetes-Netzwerkes kommen wir dem Ziel einer lebensbegleitenden Aufklärung nochmals einen Schritt näher“, so Erik Bodendieck, der als Vizepräsident der Sächsischen Landesärztekammer für alle ärztlichen Kolleginnen und Kollegen spricht.

Die Zeitbombe Diabetes tickt
Allein in Sachsen werden aktuell rund 300.000 Menschen aufgrund eines Diabetes Typ 2 ärztlich behandelt. Hinzu kommt eine Dunkelziffer von 100.000 unerkannten Diabetikern, denn die ersten Symptome treten oft erst nach fünf- bis achtjähriger Erkrankung auf. Die chronische Erkrankung wird künftig noch mehr Menschen treffen: Bei Untersuchungen des Universitätsklinikums in Dresdner Betrieben haben die Wissenschaftler bei rund 60 Prozent der unter 35-jährigen Arbeitnehmer bereits einen von vier Risikofaktoren des so genannten Metabolisch-vaskulären Syndroms gefunden. Dieses Syndrom ergibt sich aus einer Kombination von Übergewicht, Bluthochdruck, Fettstoffwechselstörung und Diabetes oder einer seiner Vorstadien. In der Bevölkerung nimmt vor allem Übergewicht dramatisch zu. Die in Dresdner Betrieben vorgenommenen Untersuchungen des Klinikums bestätigen die Entwicklung, dass mit zunehmendem Alter mehr Menschen an Übergewicht leiden: Sind es bei den unter 35-Jährigen acht Prozent der Beschäftigten, liegt die Quote bei den Kollegen im Alter von 55 bis 65 Jahren bereits bei 22 Prozent. Hochrechnungen gehen deshalb davon aus, dass 2020 etwa eine Million Sachsen einen Diabetes mellitus oder entsprechende Vorstadien der Erkrankung haben. Damit rollt eine weitere milliardenschwere Kostenlawine auf das deutsche Gesundheitssystem zu: Insbesondere wegen seiner Folgekrankheiten stellt der Typ-2-Diabetes eine der teuersten chronischen Erkrankungen dar. Allein im Jahr 2006 beliefen sich die direkten Behandlungskosten sowie die Folgekosten wie Arbeitsunfähigkeit und Frühverrentung in Deutschland auf 14,6 Milliarden Euro.

Weitere Informationen
www.diabetesnetzwerk-sachsen.de

Kontakt
Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden
Medizinische Klinik und Poliklinik III
Prof. Peter Schwarz
Tel. 0351/ 4 58 2715
E-Mail: peter.schwarz@uniklinikum-dresden.de
www.uniklinikum-dresden.de