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Neues Zentrum will jungen Leuten negative Psychiatrie-Erfahrungen ersparen

12. Juni 2009: Dresdner Uniklinikum eröffnet erstes sächsisches Früherkennungszentrum für psychische Störungen

Ein Team aus speziell geschulten Psychiatern, Kinder- und Jugend-psychiatern, Psychologen und Sozialarbeitern des Universitätsklini-kums Carl Gustav Carus hat das erste sächsische Früherkennungs-zentrum für psychische Störungen aufgebaut. Die unter dem Namen „Dresden früh dran“ geschaffene Anlaufstelle richtet sich vor allem an Jugendliche und junge Erwachsene. Damit haben Betroffene be-reits im Vorstadium einer psychischen Erkrankung die Möglichkeit, sich beraten, untersuchen und gegebenenfalls auch behandeln zu lassen. Die Initiative geht von der Klinik und Poliklinik für Psychia¬trie und Psychotherapie des Uniklinikums aus. Sie will möglichst viele Betroffene vor zu später oder falscher Behandlung einer mög-licherweise lebenslang anhaltenden Erkrankung der Psyche bewah-ren. Und es geht den Mitarbeitern des Zentrums auch darum, die Hil-fesuchenden zu identifizieren, bei denen eine lang andauernde schwere psychische Erkrankung unwahrscheinlich ist. Das auf dem Klinikumscampus in separaten Räumen untergebrachte Früherken-nungszentrum präsentiert sich am heutigen Freitagnachmittag erstmals einem breiteren Publikum.

„Im Gegensatz zu Früherkennungsprogrammen von Volkserkrankungen wie Diabetes oder Herz-Kreislauferkrankungen ist die Situation bei psy-chischen Erkrankungen desolat – auch in Deutschland herrscht eine ek-latante Unterversorgung“, sagt Prof. Michael Bauer, Direktor der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie des Uniklinikums. Die Folgekosten für zu spät behandelte Erkrankungen der Psyche belaufen sich europaweit auf jährlich rund 300 Milliarden Euro. Psychische Störungen treten verstärkt in Lebensphasen mit biologischen, sozialen und seelischen Veränderun-gen auf. Beispiele dafür sind Pubertät und Adoleszenz, in der die Seele besonders verletzlich ist. Vor allem sind es affektive Störungen – etwa Depressionen – und Psychosen, die in diesen Lebensabschnitten auftre-ten. Krankheitsbedingt sind die Betroffenen in ihrem psychosozialen Ver-halten eingeschränkt und ziehen sich zurück. Oft kommt es deshalb zu Fehlzeiten in Schule und Berufsausbildung und zu einem allgemeinen Leistungsrückgang. Dadurch sinken ihre Chancen auf ein unabhängiges, frei bestimmtes Leben.

Erheblich verschärfen kann sich die Situation der Betroffenen, wenn sie erst nach mehreren Jahren umfassend diagnostiziert und behandelt wer-den. Dies ist in Deutschland die Regel: Meist liegen zwischen dem Auf-treten erster unspezifischer Frühsymptome bis zur Erstbehandlung fünf bis sechs Jahre. „Dann hat sich die Erkrankung bereits richtig 'festgefres-sen'“, sagt die klinische Leiterin des Früherkennungszentrums, Dr. Karo-lina Leopold. Doch auch bei Erkrankungen der Psyche gilt: je früher eine Störung erkannt wird und therapiert wird, umso größer ist der Behand-lungserfolg. Lange Zeit unbehandelte Erkrankungen dagegen können gravierende Auswirkungen auf die nachfolgenden Entwicklungsphasen haben. Auch steigt die Wahrscheinlichkeit weiterer psychischer und so-matischer Erkrankungen sowie einer Chronifizierung, die oft eine Er-werbsunfähigkeit nach sich zieht.
Das Dresdner Früherkennungszentrum wurde gegründet, um Menschen mit psychischen Störungen unbürokratisch und niederschwellig zu helfen. „Für viele Betroffene ist die Scheu vor einem Nervenarzt oder gar einer psychiatrischen Klinik so groß, dass sie erst im fortgeschrittenen Krank-heitsstadium professionelle Hilfe suchen“, sagt Dr. Karolina Leopold. Au-ßerdem ist die Diagnose einer psychischen Krankheit im Frühstadium oft schwierig und erfordert Spezialwissen und besondere Untersuchungsme-thoden. Deshalb arbeiten im Dresdner Früherkennungszentrum speziell geschulte Psychiater, Kinder- und Jugendpsychiater, Psychologen und Sozialarbeiter Hand in Hand. Betroffene, Angehörige und Bekannte kön-nen sich unter www.ddfruehdran.de im Internet informieren und per E-Mail oder telefonisch einen Termin im Zentrum vereinbaren.

Das Früherkennungszentrum für psychische Störungen ist Teil der Prä-ventionsambulanz, die unter der Leitung von Dr. Andrea Pfennig gegrün-det wurde. Aufgabe des Projekts ist es, in allen Phasen psychischer Er-krankungen – beginnend mit den ersten Symptomen über den Gesamt-verlauf – Betroffenen und Angehörigen zu helfen.

Hintergrundinformation zu psychischen Störungen

Unter dem Begriff „psychische Störung“ verstehen Psychiater eine Viel-zahl erheblicher Veränderungen im Erleben und Verhalten. Diese können sehr verschieden aussehen und unterschiedlich ausgeprägt sein. Häufig steht eine sich ändernde Stimmung im Vordergrund, manchmal sind eher das Denken, die Wahrnehmung oder das Fühlen betroffen. Um von einer Störung sprechen zu können, müssen diese Veränderungen gravierend sein – etwa wenn mehrere Lebensbereiche betroffen und die Leistungs-fähigkeit beeinträchtigt sind.

In den meisten Fällen kommt es zunächst nur zu einzelnen Beschwer-den, wie Traurigkeit, Angst, Grübeln, Appetit-, Schlaf- oder Antriebslosig-keit. „Diese Gefühle oder Gedanken sind im Grunde ganz normal und tre-ten bei allen Menschen hin und wieder auf. Sie können jedoch auch Vor-boten einer späteren psychischen Erkrankung sein“, so die Leiterin des Früherkennungszentrums.

Kontakt

Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden
Klinik und Poliklinik für Psychiatrie und Psychotherapie
Dr. med. Karolina Leopold
Tel. +49 0351 458 12033
Fax +49 0351 458 5316
E-Mail: karolina.leopold@uniklinikum-dresden.de
http://psychiatrie.uniklinikum-dresden.de
www.ddfruehdran.de