Benutzerspezifische Werkzeuge

Digital Health/Telemedizin

Ausgehend von ersten Anwendungen im Bereich Digital Health/Telemedizin wie SMS-Reminder über Tablet-basierte Telemonitoring-Anwendungen, Tele-Tumorboards und elektronische Fallakten sind die Entwicklungen im Bereich Digital Health mittlerweile weit vorangeschritten. Begriffe wie Big Data, Künstliche Intelligenz, Deep Learning, Blockchain, Chatbots oder Virtual Reality bestimmen die aktuelle Diskussion. Technische Neuentwicklungen gibt es eine Vielzahl – alle mit dem Ziel, die medizinische Versorgung weiterzuentwickeln.

Neben der Frage der technischen Realisierbarkeit gibt es jedoch eine weitere, wenn nicht die zentrale Frage für eine erfolgreiche Implementierung derartiger Lösungen in die Versorgungslandschaft: Was möchte und braucht der (potentielle) Nutzer, d.h. sowohl der Patient als auch der Leistungserbringer? Hier schließen sich weitere zentrale Fragen an:

Wie erreicht man den Endnutzer am effektivsten? Hat der Patient bzw. der Leistungserbringer überhaupt einen Bedarf und wie genau sieht dieser aus (Mikroebene)? Welche Bedarfe gibt es aus der Perspektive des Gesundheitssystems und der Versorgungsrealität (Makroebene)? Welche Rahmenbedingungen müssen erfüllt sein, damit sich die neue Technik reibungslos in die Versorgungsprozesse einfügt? Akzeptiert und nutzt der Patient/Leistungserbringer die Technik überhaupt? Kann er die Technik selbstständig nutzen oder welche zusätzlichen Unterstützungsangebote benötigt er? Stiftet ihm die Techniknutzung einen Mehrwert oder ist sie für ihn nur ein Zusatzaufwand? Welche Auswirkungen hat diese Intervention auf die Betroffenen als auch die tangierten Prozesse und Strukturen? Ohne Antworten auf diese Kernfragen können neue Technologien nicht erfolgreich und nachhaltig in medizinischen Versorgung eingesetzt werden, auch wenn sie technisch sehr innovativ und ausgereift sind. Gerade Entwicklungen, die ein höheres Maß an Technikinteresse und -verständnis voraussetzen, werden häufig zunächst skeptisch beurteilt und erfordern ein besonders hohes Maß an Nutzereinbezug und -sensibilisierung.

Der Forschungsbereich Digital Health/Telemedizin am ZEGV fokussiert sich in seiner Forschung explizit auf die Themen Bedarfsorientierung, Nutzerzentrierung und Mehrwertgenerierung.

Mit diesem Fokus wird untersucht, ob und wie die medizinische Versorgung – d.h. Prävention, Diagnostik, Therapie, Rehabilitation sowie ärztliche Entscheidungsberatung – durch den Einsatz von Informations- und Kommunikationstechnologien und die daraus folgende, stärkere Vernetzung weiterentwickelt und noch stärker individualisiert und patientenzentriert werden kann.

Das Team des Forschungsbereichs entwickelt, implementiert und analysiert digitale Lösungen für die Optimierung und weitere Patientenzentrierung der Prävention und medizinischen Versorgung. Es liefert dadurch entscheidende Impulse für eine versorgungsrelevante und nutzerzentrierte Weiterentwicklung der Telemedizin in Deutschland und darüber hinaus und eine nachhaltige Implementierung in die Versorgungslandschaft. Zudem widmet sich der Forschungsbereich der (Weiter)Entwicklung von Methoden zur adäquaten Evaluation von Anwendungen im Bereich Digital Health/Telemedizin .

Wir sind erfahrener Projektpartner und Berater bei allen Fragen des nutzerzentrierten Einsatzes von Digital Health-Lösungen. Um für jede Fragestellung und jede Zielgruppe das passende Studiendesign zu konzipieren, werden - basierend auf mehrjähriger Erfahrung und über zehn Forschungsprojekten - Methoden der qualitativen und quantitativen Forschung inklusive Mixed-Method Designs, Usability-Testverfahren sowie systematische Reviews und Methoden der Konsentierung eingesetzt. Unser Portfolio entwickeln wir entsprechend des aktuellen Standes der Forschung ständig weiter.

Das interdisziplinäre Team des Forschungsbereichs besteht aus Nachwuchsforschern und erfahrenen Wissenschaftlern aus den Bereichen Gesundheitswissenschaften, Medizininformatik, Psychologie, Soziologie, Statistik sowie medizinischer Dokumentation. Die Mitarbeiter suchen und pflegen gezielt den regionalen, nationalen und internationalen Austausch zu ihren aktuellen Forschungsthemen. Sie sind fest eingebunden in ein leistungsstarkes und interdisziplinäres Kompetenznetzwerk aus Wissenschaftlichen Einrichtungen, Forschungsverbünden und Arbeitsgruppen.

Wir verstehen uns als Ansprechpartner für stationäre und ambulante Leistungserbringer, Kostenträger sowie Akteure aus Forschung, Politik, Verbänden, Privatwirtschaft und Patientenschaft, die digitale Lösungen entwickeln, implementieren oder analysieren möchten. Hier besteht eine Vielzahl langjähriger und verlässlicher Kooperationen. Durch unseren Sitz am Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden verfügen wir zudem über einen unmittelbaren Zugang zu Patienten und Leistungserbringern.

Für eine noch stärkere Verzahnung von Lehre und Forschung binden wir aktuelle Projekte regelmäßig in die Lehre mit ein. Zur Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses und deren Einbindung in die laufende Forschung begleiten wir gern Master- und Promotionsarbeiten.

Gemeinsame Aktivitäten und einen Erfahrungsaustausch begrüßen wir ausdrücklich. Kommen Sie gern auf uns zu.

Laufende und abgeschlossene Projekte:

Das ZEGV widmet sich in seinen Projekten sowohl den klassischen Zielgruppen telemedizinischer Versorgung wie bspw. Diabetes-, Schlaganfall- oder Herzinsuffizienzpatienten (z.B. Diabetes Literacy und S-T-A-R-T) als auch speziellen Zielgruppen, die erst in jüngerer Vergangenheit ins Visier der Telemedizin geraten sind, hiervon jedoch potenziell stark profitieren können. Exemplarisch seien hier Menschen mit neurodegenerativen Erkrankungen (z.B. Telepark, ATMoSPHÄRE), mit seltenen Erkrankungen (z.B. TRANSLATE-NAMSE), onkologische Patienten (z. B. LeQuPan) oder ältere Patienten mit Depression oder Multimorbidität (z.B. ATMoSPHÄRE) genannt.

Zusätzlich beschäftigt sich der Forschungsbereich mit Entwicklungen im Bereich des maschinellen Lernens (u.a. automatisierte Klassifikationen, Ensembleklassifikationen) mit dem Ziel, lernende Therapieempfehlungssysteme (z.B. für Psoriasis, Depression oder Bluthochdruck) zu entwickeln, die dem Arzt auf Basis der Evidenz aus Studien, der (kollektiven) Erfahrung aus der Versorgungspraxis und individueller Patienteneigenschaften und Patientenpräferenzen die optimale Therapie für einen Patienten vorschlagen und anhand nachvollziehbarer Auswahlkriterien begründen (z.B. Projekt Therapieempfehlungssystem und dare).

Im Sinne einer nutzerzentrierten Weiterentwicklung ist es unser Anliegen, Standards für die Evaluation von Entwicklungen aus dem Bereich Digital Health zu entwickeln, um bestehende Evaluationsdefizite zu reduzieren und den Übergang derartiger Versorgungsansätze in die Regelversorgung zu erleichtern. Daher haben wir im Jahr 2015 im Rahmen des Projektes CCS Telehealth evidenz- und konsensbasierte Grundsätze für die Evaluation telemedizinischer Anwendungen entwickelt. Diese wurden als „ Minimal-Set “ konzipiert, sodass sie für jede Art von telemedizinischer Anwendung einsatzfähig sind (siehe: ZEFQ 117:9-19 ). Unsere Bestrebungen dürfen wir nun im Projekt „Häusliche Gesundheitsstationen“ weiterführen, an dessen Ende ein einheitliches Werkzeug für die Evaluierung von Telemedizin-Projekten in Sachsen stehen wird.

Ansprechpartnerinnen des Forschungsbereichs:

Leitung: Dr. Madlen Scheibe (aktuell in Elternzeit), stellvertretend: Dr. Brita Sedlmayr
Tel.: 0351 458 5665