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Thoraxchirurgie

Thoraxchirurgie


1. Einleitung
Die Thoraxchirurgie ist eines der drei Standbeine der Viszeral-, Thorax- und Gefäßchirurgie (VTG) des Universitätsklinikums Dresden. Speziell ausgebildete Chirurgen kümmern sich um Sie. Die Thoraxchirurgie befasst sich mit den Erkrankungen und Verletzungen der Organe im Inneren des Brustkorbs und der Brustwand mit Ausnahme des Herzens und der Hauptschlagader. Zu ihren Aufgaben zählt die Untersuchung und Behandlung der Erkrankungen der Lunge, des Brustkorbes und des Mittelfellraums (Mediastinum). Im Vordergrund steht die chirurgische Behandlung von Tumoren der Lunge (u. a. Lungenkarzinom, Lungenmetastasen), Tumoren der Brustwand und des Mittelfellraumes, Erkrankungen des Brustfells (u. a. Pleuramesotheliom, Pleuraempyem) und Verletzungen der Organe des Brustraumes. Hierzu stehen moderne Techniken wie die minimal invasive Thoraxchirurgie (Schlüsselloch-Chirurgie) und die lungenschonende (parenchymsparende) Chirurgie zur Verfügung.

2. Tumoren der Lunge

2.1. Lungenkarzinom (Bronchialkarzinom, Lungenkrebs)
In Deutschland erkranken jährlich rund 50.000 Menschen an Krebs der Lunge und der Bronchien. Bei Männern und Frauen ist Lungenkrebs somit die dritthäufigste Krebserkrankung. Das mittlere Erkrankungsalter, in dem die Diagnose gestellt wird, liegt bei etwa 69 Jahren für Männer und bei 68 Jahren für Frauen. Über 90 Prozent der Männer und rund 60 Prozent der Frauen mit Lungenkrebs haben längere Zeit geraucht. Das Risiko zu erkranken, hängt im Wesentlichen von der Zahl der Jahre (pack years) ab, in denen geraucht wurde. Als weitere Risikofaktoren für die Entstehung von Lungenkrebs gelten die Exposition zu Asbestfasern, zum Edelgas Radon, zu Dieselruß und sonstigen Luftschadstoffen sowie Röntgenstrahlung.
Der Lungenkrebs geht vom Lungengewebe selbst aus und hier in erster Linie von den Zellen, die die Atemwege (Bronchien) von innen auskleiden. Fachsprachlich werden diese Tumoren als Lungen- oder Bronchialkarzinome bezeichnet. Man unterteilt den Lungenkrebs in das kleinzellige Karzinom (SCLC) und die Gruppe der nicht-kleinzelligen Karzinome (NSCLC). In der Gruppe der nicht-kleinzelligen Karzinome sind das Plattenepithelkarzinom, Adenokarzinom und das großzellige Karzinom zusammengefasst, da sie sich in ihrem Wachstums- und Streuungsverhalten ähneln und somit auch ähnlich therapiert werden.
Wegweisende Frühzeichen treten meist nicht auf. Reiz- oder Bluthusten, Auswurf, Kurzatmigkeit sowie Schmerzen treten in Abhängigkeit von Lokalisation und Tumorausdehnung eher in fortgeschrittenen Stadien der Erkrankung auf.
Die Diagnostik bei Verdacht auf das Vorliegen eines Lungenkarzinoms umfasst anfänglich meist eine einfache Röntgenuntersuchung des Brustkorbs und wird später um eine Computertomographie (CT) und eine Spiegelung der Bronchien (Bronchoskopie) ergänzt. Die Gewinnung einer feingeweblichen Probe (Biopsie) ist bei Verdacht auf das Vorliegen eines Lungenkarzinoms anzustreben, da sich die Therapie zwischen einem kleinzelligen (SCLC) und der Gruppe der nicht-kleinzelligen (NSCLC) Lungenkarzinom stark unterscheidet. Während die nicht-kleinzelligen Karzinome am besten operativ entfernt werden, ist die Basis der Therapie des kleinzelligen Lungenkrebses die Chemotherapie. Lediglich Patienten mit kleinzelligen Tumoren im Frühstadium profitieren von einer Operation.
Zur Festlegung der bestmöglichen Therapie ist nach Feststellung eines Lungenkarzinoms das Ausmaß (Stadium) der Erkrankung zu bestimmen. Hierzu werden weitere bildgebende Verfahren (Ultraschall oder Computertomographie des Bauches, PET-CT, Knochenszintigraphie, Kernspintomographie oder CT des Schädels) durchgeführt.
Therapeutische Optionen für das Lungenkarzinoms sind die Operation, die Chemotherapie, die Strahlentherapie oder eine Kombination dieser Methoden. Maßgebend für die Auswahl der geeigneten Therapie sind der Gewebetyp (SCLC, NSCLC), das Tumorstadium sowie Begleiterkrankungen des Patienten. Die optimale Therapie wird für jeden Patienten in einer interdisziplinären Konferenz aus Thoraxchirurgen, Onkologen und Strahlentherapeuten festgelegt.
Wird die Entscheidung zur Operation getroffen, ist meist die Entfernung eines Lungenlappens (Lobektomie), von zwei Lungenlappen (Bilobektomie) oder des gesamten Lungenflügels (Pneumonektomie) erforderlich. Um gesundes Lungengewebe zu erhalten, können in manchen Fällen Teile des Bronchial- oder Blutgefäßsystems entfernt und die verbleibenden Anteile wieder miteinander verbunden werden (Manschettenresektion). Stets werden die Lymphknoten im Bereich der Lungenwurzel und des Mittelfellraumes zur Festlegung des Tumorstadiums entfernt, um daraus Empfehlungen zu ergänzenden Therapien wie einer Chemotherapie oder Bestrahlung ableiten zu können. Diese Operationen erfordern meist einen seitlichen Zwischenrippenschnitt (Thorakotomie). Bei kleinen Tumoren und günstiger Lage ist eine minimal-invasive Operation (VATS) möglich.

2.2. Lungenmetastasen
Lungenmetastasen sind Absiedelungen (Tochtergeschwülste) eines ursprünglich in einem anderen Organ entstandenen bösartigen Tumors. Ihr Gewebe ähnelt in aller Regel demjenigen des zugrundeliegenden Tumors. Sie treten in 30-55% im Verlauf einer Tumorerkrankung auf und sind häufig am Rand der Lunge lokalisiert. Umgangssprachlich werden Metastasen anderer Tumoren in der Lunge häufig fälschlicherweise als Lungenkrebs bezeichnet.
Meist verursachen Lungenmetastasen keine Krankheitszeichen, weswegen sie häufig als Zufallsbefund oder im Rahmen der Erst- oder Nachsorgeuntersuchung einer Tumorerkrankung festgestellt werden. Gelegentlich rufen Lungenmetastasen Beschwerden wie Kurzatmigkeit, Reiz- oder Bluthusten, Lungenentzündungen oder Brustschmerzen hervor.
Neben der meist zunächst durchgeführten einfachen Röntgenaufnahme des Brustkorbs bietet die Computertomographie (CT) die Möglichkeit der detaillierten Darstellung der vermuteten Lungenmetastasen. Eine PET-CT-Untersuchung (Positronen-Emissions-Tomographie) ist eine Ganzkörperuntersuchung, die das Ausmaß einer Tumorerkrankung insbesondere hinsichtlich weiterer Metastasen in Lymphknoten oder anderen Organen bestimmt. Eine Lungenspiegelung (Bronchoskopie) dient der Beurteilung der Schleimhaut der Bronchien und erlaubt die Gewinnung einer Gewebeprobe.
Die Behandlung von Lungenmetastasen hängt u. a. von der Art des verursachenden Tumors, der Zahl und Lokalisation der Lungenmetastasen, weiterer im Körper befindlicher Metastasen, Vortherapien, Begleiterkrankungen und dem gesamtgesundheitlichen Zustand des Patienten ab. Die Planung der Behandlung einschließlich einer möglichen operativen Entfernung bedarf der Zusammenarbeit von Onkologen, Strahlentherapeuten und Thoraxchirurgen.
Zur Entfernung der Lungenmetastasen stehen je nach Behandlungsziel zum einen die konventionellen Verfahren mit einem seitlichen Zwischenrippenschnitt (laterale Thorakotomie) oder einer Längsdurchtrennung des Brustbeins (mediane Sternotomie) und zum anderen die minimal-invasive videoassistierte thorakoskopische Chirurgie (VATS) zur Verfügung. Maxime jedes Operationsverfahrens ist die vollständige Entfernung der Metastasen unter möglichst geringem Verlust von gesundem Lungengewebe. Die Entfernung der in Lunge und Mittelfellraum (Mediastinum) befindlichen Lymphknoten dient der Einschätzung des individuellen Krankheitsverlaufs und zu ergreifender medikamentöser Therapien. Für Patienten in stark reduziertem gesundheitlichem Gesamtzustand kommen auch neuere Verfahren, wie die Radiofrequenzablation (RFA) einzelner Lungenmetastasen, zum Einsatz.

3. Tumoren der Brustwand
Tumoren der Brustwand sind in ca. 35% gutartige (benigne) Tumoren, in ca. 39% bösartige Tumoren, die in der Brustwand selbst entstanden sind (primär maligne), und in ca. 26% Tumoren, die ihren Ursprung an anderer Stelle im Körper haben (sekundär maligne). Gutartige Tumoren der Brustwand können beispielsweise Lipome, Fibrome, Hämangiome, Neurofibrome, Fibröse Dysplasie, Chondrome, Osteora und Osteochondrome sein. Zu den primär malignen Tumoren der Brustwand zählen Chondrosarkome, Weichteilsarkome und Knochentumoren. Die sekundären malignen Brustwandtumore beschreiben eine Gruppe von Tumoren, die durch lokale Infiltration (z.B. Lungen-/Bronchialkarzinom, Mammakarzinom) oder Metastasierung (z.B. Nieren-, Prostata-, Schilddrüsen-, Mammakarzinom) in die Brustwand gelangen.
Neben einer sicht- und tastbaren Schwellung der Brustwand teils verbunden mit einer Rötung und Überwärmung sind Schmerzen das häufigste Zeichen, das durch Brustwandtumoren verursacht wird. Neben der körperlichen Untersuchung werden bildgebende Verfahren wie eine Röntgenaufnahme des Brustkorbs, eine Computertomographie (CT) und in manchen Fällen eine Magnetresonanztomographie (MRT) zur Untersuchung des Ausmaßes der Erkrankung eingesetzt.
Die Entfernung des Tumors mittels einer Operation hat in der Therapie meist die größte Rolle. In Abhängigkeit vom Typ des Tumors werden die Strahlen- und Chemotherapie mit einer Operation kombiniert. Die Empfehlung zu einer Operation hängt neben der vollständigen Entfernbarkeit des Tumors in der Brustwand von möglicherweise an anderer Stelle im Körper vorliegenden Absiedelungen von Tumorgewebe ab.
Erstes Ziel der Operation ist die vollständige Entfernung des Tumors unter allseitigem Nachweis von gesundem Gewebe. Das Ausmaß des entfernten Gewebes hängt von Größe und Lokalisation des Tumors ab. Die Wiederherstellung der Stabilität der Brustwand mit Ersatz des entfernten Gewebes macht häufig die Implantation von körperfremdem Material wie z. B. Kunststoffnetzen notwendig.

4. Tumoren des Mittelfellraumes (Mediastinum)
Das Mediastinum ist der zwischen den Lungenflügeln gelegene Teil des Brustkorbs, der vom Hals bis zum Zwerchfell reicht. In das Bindegewebe des Mittelfellraumes sind alle Organe der Brusthöhle mit Ausnahme der Lungen eingebettet.
Als Mediastinaltumoren werden alle Geschwulste und Neubildungen bezeichnet, die von Geweben im Mediastinum ausgehen. Dies können Tumoren sein, die vom Thymus (dt. Bries; Thymome), von Lymphknoten (Lymphome), vom Binde- oder Nervengewebe oder von der Schilddrüse ausgehen. Zudem kommen im Mediastinum nicht selten gutartige Zysten ausgehend von verschiedenen Geweben vor.
Tumoren des Mediastinums können Symptome wie Husten, Kurzatmigkeit, Brustschmerzen, Heiserkeit, Fieber und Nachtschweiß versuchen. Die Hälfte der Tumore wird als Zufallsbefund anhand eines Röntgenbildes des Brustkorbs entdeckt, ohne dass Symptome bestehen.
Die Therapie eines Mediastinaltumors ist vom Typ und der Ausdehnung des Tumors abhängig. Im Falle von Thymomen, neurogenen Tumoren und besonderen Formen der Keimzelltumoren besteht die Empfehlung zur Entfernung mittels einer Operation. Lymphome werden mittels Chemotherapie gegebenenfalls in Kombination mit einer Strahlentherapie behandelt.

5. Erkrankungen der Luftröhre (Trachea)
Die Notwendigkeit einer Operation an der Luftröhre (Trachea) kann durch eine gutartige Einengung der Luftröhre (Stenose), Instabilität der Trachea mit Kollaps sowie bösartige Tumoren der Trachea bedingt sein. Gutartige Einengungen können in Folge von Verletzungen, nach Langzeitbeatmung und Luftröhrenschnitten oder durch Kompression von außerhalb der Luftröhre beispielsweise durch eine vergrößerte Schilddrüse verursacht werden.
Eine Einengung der Luftröhre führt zu Atemnot mit teils plötzlichen Anfällen von Luftnot und einem pfeifenden Geräusch bei der Einatmung. Zur Abklärung solcher Beschwerden erfolgt neben einer körperlichen Untersuchung, der Anfertigung eines Röntgenbildes des Brustkorbes und einer Lungenfunktionsprüfung eine Lungenspiegelung (Bronchoskopie), bei der die Ausprägung der Einengung festgestellt wird. Ergänzend wird meist eine Computertomographie (CT) des Halses und des Brustkorbes durchgeführt.
Sollte eine Operation notwendig sein, wird der betroffene Teil der Luftröhre entfernt und die entstehenden Enden miteinander vernäht. Die Operation behebt das Problem dauerhaft, während Dehnungen und Behandlungen mittels Laser Engstellen meist nur vorübergehend beheben. Ist eine Vergrößerung der Schilddrüse Ursache für die Einengung, reicht eine Operation mit Entfernung der betroffenen Anteile der Schilddrüse meist aus.

6. Tumoren des Brustfells (Pleuramesotheliom)
Das Pleuramesotheliom ist ein von den Mesothelzellen (Zölomepithel) des Brustfells (Pleura) ausgehender bösartiger Tumor. Mit 1000 – 1500 Neuerkrankungen pro Jahr in Deutschland ist es eine seltene Krebsart.
Für die Erkrankung wird als Risikofaktor in einer Großzahl (ca. 80 %) der Fälle eine meist beruflich bedingte Belastung mit Asbeststaub verantwortlich gemacht, welches zu einer starken Einschränkung der Asbestverarbeitung seit den 1980er Jahren geführt hat.. Die Exposition nachzuweisen ist jedoch oft schwierig, da ein Mesotheliom eine Latenzzeit von 20 bis 40 Jahren hat. Das Auftreten des malignen Pleuramesothelioms wird aufgrund der langen Latenzzeit nach Asbestexposition im Jahre 2017 ihren Gipfel in Deutschland erreichen. Bei nachgewiesener Exposition zu Asbest oder Glasfaserstäuben wird der Tumor als Berufskrankheit anerkannt.
Das Pleuramesotheliom breitet sich diffus im gesamten Rippenfell und später dem Lungenfell der  betroffenen Brustkorbseite aus. Die Hauptsymptome sind Atemnot durch eine Flüssigkeitsansammlung (Pleuraerguss) zwischen Lunge und Brustwand und Schmerzen im Bereich der Brustwand durch Einwachsen des Tumors. Zudem können weniger spezifische Symptome wie Gewichtsverlust, allgemeine Schwäche und Nachtschweiß auftreten.
Die Untersuchung umfasst zunächst die Erhebung der Krankengeschichte, insbesondere hinsichtlich einer möglicher Exposition zu Asbest und Glasfaserstäuben, und die körperliche Untersuchung. Es folgen eine Röntgenaufnahme des Brustkorbes, eine Lungenfunktionsprüfung und eine Schnittbildgebung mittels Computertomographie (CT) und gegebenenfalls Positronenemissionstomographie (PET) zur Bestimmung der Krankheitsausdehnung.
Da in der aus der Brusthöhle gewonnen Flüssigkeit sich häufig keine Tumorzellen nachweisen lassen, erfolgt die Sicherung der Diagnose meist mittels einer minimal-invasiven Spiegelung der Brusthöhle (Thorakoskopie, VATS) in Allgemeinanästhesie mit Entnahme einer Gewebeprobe (Biopsie) aus dem Rippenfell.
Die Behandlung ist eine auf den Patienten entsprechend dem Ausmaß der Erkrankung (Staging), der Lungenfunktion und der Nebenerkrankungen abgestimmte multimodale Therapie. Es kommen Chemotherapie, Operation und Strahlentherapie zum Einsatz. Ausschlaggebend für den Behandlungserfolg ist die enge Zusammenarbeit zwischen Lungenfachärzten (Pneumologen), Onkologen, Thoraxchirurgen und Strahlentherapeuten, wie sie am Universitätsklinikum Dresden besteht.
Die chirurgische Behandlung kann zum einen das Ziel der Entfernung des Brustfells als Pleurektomie / Dekortikation verfolgen. Im Falle einer Erkrankung im Frühstadium und einem guten Allgemeinzustand des Patienten wird eine extrapleurale Pleuropneumonektomie mit Entfernung des Brustfells, des befallenen Lungenflügels und benachbarter Strukturen angeboten. Im Falle einer fortgeschrittenen Erkrankung kann eine Verklebung der Brustfellblätter (Pleurodese) mittels einer Brusthöhlenspiegelung (Thorakoskopie, VATS) zur Verbesserung der Atmung, Reduktion der Schmerzen und Vermeidung einer erneuten Flüssigkeitsansammlung erfolgen.
Ein Pleuramesotheliom ist eine schwerwiegende Erkrankung mit aktuell einer geringen Rate des Langzeitüberlebens. Im Falle einer Diagnosestellung in einem frühen Erkrankungsstadium stehen therapeutische Verfahren zur Verlängerung der Lebenszeit und Verbesserung der Lebensqualität zur Verfügung.

7. Lungenkollaps (Pneumothorax)
Ein Pneumothorax ist definiert als Luftansammlung zwischen Lunge und Brustwand. Gemäß der Entstehung unterscheidet man drei Formen des Pneumothorax. Der primäre Spontanpneumothorax betrifft oft junge, schlanke Männer ohne erkennbares Trauma. Neben dem asthenischen Habitus gilt das Rauchen als maßgeblicher Risikofaktor. Der sekundäre Spontanpneumothorax entsteht auf dem Boden einer vorbestehenden Lungengerüsterkrankung wie einem bullösen Lungenemphysem oder einer chronisch-obstruktiven Lungenerkrankung (COPD). Der traumatische Pneumothorax ist durch eine stumpfe oder penetrierende Verletzung des Brustkorbs hervorgerufen.
Die Beschwerden der Patienten reichen von geringem Hustenreiz bis zum ausgeprägten Gefühl der Atemnot. Neben einer schnellen Atmung (Tachypnoe), einem schnellen Herzschlag (Tachykardie) können Schmerzen, Druckgefühl über dem Brustkorb und ein Lufteintritt unter die Haut (Hautemphysem) auftreten. Durch die nicht seitengleiche Belüftung der Lunge entstehen asymmetrische Atembewegungen. Das Abhören mit dem Stethoskop erbringt den Nachweis eines fehlenden oder stark abgeschwächten Atemgeräusches auf der betroffenen Seite. Mittels einer Röntgenaufnahme des Brustkorbes ist ein bedeutsamer Pneumothorax sicher nachweisbar. Im Falle eines Rezidivs eines Spontanpneumothorax, eines sekundären oder traumatischen Pneumothorax erfolgt zur genauen Diagnostik eine Computertomographie (CT) des Brustkorbes.
Die meisten Patienten mit einem Pneumothorax bedürfen einer therapeutischen Intervention. Die alleinige Überwachung ist lediglich bei Patienten ohne Symptome und bildgebend einem gering ausgeprägten Pneumothorax vertretbar. Bei Erstereignis eines primären Spontanpneumothorax und stabilem Patienten ist das Abziehen der Luft aus dem Brustfellraum (Pleuraraum) eine Therapieoption. Bei allen sonstigen Patienten ist die sofortige Einlage eines Drainageschlauches in den Brustfellraum unter lokaler Betäubung der Therapiestandard. In der Regel verschließt sich beim primären Spontanpneumothorax das Luftleck an der Lungenoberfläche im Verlauf der folgenden Tage ohne weitere Maßnahmen. Sollte die Leckage anhalten, ist die Therapie mittels einer Operation notwendig. Beim primären Spontanpneumothorax ist die Spiegelung der Brusthöhle (Thorakoskopie) als minimal-invasive Operation mit Entfernung des blasig veränderten Lungengewebes und Herbeiführen einer Verklebung der Brustfellblätter (Pleurodese mittels partieller Pleurektomie) das durchgeführte Verfahren. Zur operativen Versorgung eines sekundären Pneumothorax ist meist ein Zwischenrippenschnitt (Thorakotomie) erforderlich.

8. Vereiterungen des Brustraumes (Pleuraempyem, Pyothorax)
Unter einem Pleuraempyem versteht man die Ansammlung infizierter Flüssigkeit zwischen Lunge und Brustwand (Pleuraspalt). Im Rahmen einer bakteriellen Lungenentzündung (Pneumonie) kann sich bei Übertritt der Bakterien vom Lungengewebe in den Brustfellraum (Pleuraraum) Eiter zwischen Lunge und Brustwand ansammeln. Dies kann begleitend zu einer Lungenentzündung (parapneumonisches Pleuraempyem) oder nach abgelaufener Lungenentzündung (postpneumonisches Pleuraempyem) auftreten. Die Erkrankung tritt bei 2 -5 % aller Patienten mit einer durch Bakterien verursachten Lungenentzündung auf. Besonders gefährdet sind Patienten im mittleren bis höheren Lebensalter bei Vorliegen mehrfacher Begleiterkrankungen. Häufige Erreger sind Pneumokokken, Staphylokokken und Klebsiellen. Zum anderen können Pleuraempyeme Komplikationen von Lungenabszessen, von Einrissen der Speiseröhre (Ösophagusperforation), von Eingriffen an der Lunge sowie Folge einer Blutvergiftung (Sepsis) sein.
Die Diagnose wird anhand der klinischen Symptomatik mit meist hohem Fieber, allgemeiner Schwäche, Auswurf, Atemnot und Schmerzen im Bereich des Brustkorbes, erhöhten Entzündungswerten im Blut (Leukozytose, CRP), einer Punktion der Ergussflüssigkeit im Brustkorb und bildgebender Zeichen (Computertomographie) gestellt.
Die Therapie umfasst in den frühen Stadien (Stadium I und II) der Erkrankung eine Spiegelung der Brusthöhle (Thorakoskopie) mit Entfernung der eitrigen Gewebsanteile, Einlage einer Pleuradrainage und die Gabe eines Antibiotikums. Bei länger bestehenden Pleuraempyemem (Stadium III) ist eine Operation mit Zwischenrippenschnitt (Thorakotomie) zur Säuberung der Brusthöhle und Befreiung der Lunge notwendig sein.
Das Pleuraempyem ist eine potentiell lebensbedrohliche Erkrankung mit Notwendigkeit der notfallmäßigen chirurgischen Behandlung. Im Falle der frühzeitigen und angemessenen Therapie besteht eine hohe Chance der vollständigen Ausheilung.

9. Lungenemphysem
Das Lungenemphysem bezeichnet eine krankhafte und irreversible Zerstörung der Lungenbläschen mit folglicher Überblähung der Lunge. Ursachen der Erkrankung sind chronische Entzündungen, Rauchen oder genetische Veränderungen wie ein Alpha-I Antitrypsinmangel. Wichtigste therapeutische Maßnahme zur Vermeidung des Fortschreitens des Emphysems ist der Verzicht auf das Rauchen und die Reduktion sonstiger inhalativer Giftstoffe. Zur Beschwerdelinderung und Steigerung der Lebensqualität kommen Medikamente zur Inhalation (Kortison), die Langzeitsauerstofftherapie und ein der Belastbarkeit angepasstes körperliches Training zur Anwendung.
Eine Operation mit Entfernung von Teilen des Lungengewebes ist lediglich bei bestimmten Formen des Lungenemphysems und stark eingeschränkter Atmung sinnvoll. Ziel der Operation ist eine Verbesserung der Funktion der weniger stark geschädigten Lungenanteile durch Verminderung der Überblähung der Lunge. Die Volumenreduktion führt zu einer verbesserten Beweglichkeit des Zwerchfells als größtem Atemmuskel.

10. Verletzungen des Brustkorbs
Verletzungen der Organe des Brustkorbs treten meist in Folge stumpfer oder spitzer Gewalteinwirkung auf und sind grundsätzlich als schwere Verletzungen anzusehen. Insbesondere in Verbindung mit weiteren schweren Verletzungen kann eine akute Gefährdung des Lebens eintreten.
Bei Prellungen, leichten Quetschungen des Brustkorbs und vereinzelten sowie unverschobenen Rippenbrüchen ist meist keine Operation notwendig. Um eine schmerzfreie Atmung zu ermöglichen und eine Lungenentzündung zu vermeiden, erhält der Patient ausreichend Schmerzmittel und wird durch die Physiotherapie betreut. Bei Lungenkollaps (Pneumothorax) oder einer Blutansammlung im Brustkorb erfolgt in der Regel die Einlage einer Thoraxdrainage.
Bei schwerwiegenden Verletzungen ist eine Notfalloperation mit Versorgung von Verletzungen der Lunge, der Luftröhre, der Blutgefäße im Brustkorb oder der Speiseröhre lebensrettend. Bei Vorliegen einer Instabilität der Brustwand durch mehrfache Rippenbrüche kann in ausgewählten Fällen eine operative Versorgung von Brüchen der Rippen oder des Brustbeines notwendig werden. Bei Auftreten von Verschwartungen innerhalb des Brustkorbes kann auch nach einiger Zeit nach Eintreten der Verletzung eine Operation mit dem Ziel der vollständigen Entfaltung der Lunge angezeigt sein.