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Patienteninformation zum Prostatakarzinom

 


1.Was ist die Prostata (Vorsteherdrüse)?
2.Was hat es mit dem PSA (prostataspezifisches Antigen) auf sich?
3.Wird die Früherkennung des Prostatakarzinoms von den gesetzlichen Kassen bezahlt?
4.Wie erfolgt die Gewebeentnahme aus der Prostata?

5.Was bedeutet die Diagnose Prostatakarzinom?
6.Kann das Prostatakarzinom geheilt werden?
7.Mein Urologe teilte mir mit, ich hätte einen Prostatakrebs mit einen Gleason-Score von 6. Was bedeutet das?
8.Wie groß sind die Chancen für mich persönlich, durch die empfohlene Operation auch tatsächlich geheilt werden?
9.Welche der Therapien werden in der Universitätsklinik in Dresden durchgeführt?
10.Mir wurde von meinem Urologen die operative Entfernung der Vorsteherdrüse (radikale Prostatektomie) empfohlen. Was bedeutet das?
11.Ich habe gehört, dass ich durch die Operation impotent werden kann. Kann das verhindert werden?
12.Warum werden bei der Operation die Lymphknoten im Becken mit entfernt? Hat das Folgen für mich?
13.Wie ist der Ablauf nach Aufnahme in die Klinik?
14.Wie oft wird die Operation bei Ihnen durchgeführt? Wer wird mich operieren?

15.Was geschieht mit mir nach der Operation?
16.Bei der Besprechung des feingeweblichen Befundes wurde mir mitgeteilt, daß das Tumorgewebe an einer Stelle den chirurgischen Schnittrand erreicht. Gibt es eine Möglichkeit einer Anschlußbehandlung, damit der Tumor dennoch nicht wiederkehrt?
17.Wer übernimmt die weitere Betreuung? Welche Nachsorge ist empfehlenswert?
18.Mein PSA steigt jetzt wieder an, nachdem es nach der Operation 5 Jahre gleich 0 gewesen ist. Der letzte Wert lag bei 0.4 ng/ml. Ist mein Tumor wiedergekehrt? Gibt es Behandlungsmöglichkeiten?
19.Bei mir wurden Absiedlungen in den bei der Operation entfernten Lymphknoten festgestellt. Jetzt soll eine Hormontherapie erfolgen. Was bedeutet das?

20.Ich habe gehört, dass die Hormontherapie nach einigen Jahren nicht mehr wirkt. Gibt es dann noch Therapiemöglichkeiten?
21.Werden meine Daten zu Forschungszwecken verwandt? Soll ich an Studien zur Erprobung neuer Medikamente oder Behandlungsverfahren teilnehmen?

 
 1. Was ist die Prostata (Vorsteherdrüse)?

 Dieses Organ liegt direkt unterhalb der Harnblase und umschließt den ersten Teil der Harnröhre (siehe Abbildung). Zu den Aufgaben der Prostata gehören die Produktion eines wichtigen Teils der Samenflüssigkeit sowie die Mitwirkung bei der Ausstoßung des Samens. Unterhalb der Prostata liegt der willkürliche Schließmuskel. Seitlich der Prostata ziehen an ihrer Rückseite Nervenfasern entlang,  die Gliedversteifung steuern. 

                         

 
 2. Was hat es mit dem PSA (prostataspezifisches Antigen) auf sich?

 Das PSA ist ein Eiweiß, welches die Prostata in hoher Konzentration in die Samenflüssigkeit abgibt. Es dient zur Verflüssigung der Samenflüssigkeit. Es wird nahezu ausschließlich von Prostatazellen gebildet, vermehrt von bösartigen Zellen. Daher kann es zur Früherkennung und Verlaufsbeobachtung des Prostatakarzinoms genutzt werden. Gegenwärtig wird allgemein empfohlen, bei einem PSA-Wert über 4 ng/ml (nach Bestätigung dieses Wertes durch eine zweite Bestimmung und Ausschluß einer Entzündung) eine Gewebeentnahme aus der Prostata vorzunehmen, um ein eventuell vorhandenes Karzinom in einem heilbaren Frühstadium zu erkennen. Neuere Untersuchungen legen nahe, vor allem bei jungen oder besonders gefährdeten Männern (mit nahen Verwandten mit Prostatakrebs) diesen Grenzwert auf 3 oder 2.5 ng/ml abzusenken. Allerdings schließt ein niedriger („normaler“) PSA-Wert das Vorliegen eines Prostatakarzinoms nicht aus.

 
 3. Wird die Früherkennung des Prostatakarzinoms von den gesetzlichen Kassen bezahlt?

 Die gesetzlichen Kassen übernehmen nur die Kosten für die Tastuntersuchung der Prostata. Sie wird durch den Enddarm vorgenommen. Nachteil der Untersuchung sind eine hohe Untersucherabhängigkeit (nur ein erfahrener Arzt sollte sie durchführen) sowie das Problem, daß Prostatatumoren oft erst zu tasten sind, wenn sie weit fortgeschritten daher eine chirurgische Heilung nicht mehr möglich ist. Eine wirkliche Früherkennung ist nach heutigem Erkenntnisstand nur unter Einsatz des PSA möglich, welches allerdings als reine Früherkennungsmaßnahme nicht von den gesetzlichen Kassen getragen wird. Viele Urologen bieten diese Leistung als (kostenpflichtige) Zusatzleistung an. Sie sollten sich jedoch vor Bestimmung des PSA-Wertes zu Früherkennungszwecken durch Ihren Urologen über die Vor- und Nachteile sowie über die Bedeutung eines positiven oder negativen Testergebnisses beraten lassen.

 
 4. Wie erfolgt die Gewebeentnahme aus der Prostata?

 Die Gewebeentnahme aus der Prostata erfolgt ambulant nach 2-tägiger Vorbehandlung mit einem Antibiotikum in örtlicher Betäubung. In der Regel ist dieser Eingriff nur mit geringen Schmerzen verbunden, prinzipiell kann er aber auch in einer Art kurzer Narkose erfolgen. Es wird eine fingerdicke Ultraschallsonde in den Enddarm eingeführt, welche die Prostata bildlich darstellt. Unter Nutzung dieser Ultraschalldarstellung werden aus den beiden Seiten der Prostata repräsentative Proben mit Hilfe einer durch eine Biopsiepistole in Sekundenbruchteilen eingestochenen Nadel herausgestanzt. In unserer Klinik werden in der Regel insgesamt 12 Gewebszylinder entnommen. Nach Beendigung der Gewebeentnahme wird ein kleiner Mullstreifen vorübergehend in den Enddarm eingelegt, um eventuelle Blutungen zu stillen. Sie können danach die Klinik verlassen. Empfohlen wird, das Antibiotikum noch weitere 3 Tage einzunehmen und vor und nach der Biopsie keinerlei die Blutgerinnung verändernde Medikamente (z. B. Aspirin) einzunehmen. Sollten Sie derartige Medikamente dauernd einnehmen müssen, sollten Sie sich von Ihrem Hausarzt und Ihrem Urologen vorher beraten lassen. Im Universitätsklinikum Dresden werden bei der Prostatabiopsie auch Spezialmethoden (Elastographie, Histoscanning, MRT-Sonographie-fusionierte Biopsie, z. T. im Rahmen von Studien) eingesetzt.

 
 5. Was bedeutet die Diagnose Prostatakarzinom?

 Das Prostatakarzinom ist eine bösartige Erkrankung der Vorsteherdrüse. Die Ursachen für seine Entstehung sind noch nicht ausreichend geklärt. Es handelt sich um die häufigste bösartige Neubildung (Gewebswucherung) beim Mann. Um ein Prostatakarzinom klinisch (durch eine Gewebeprobe) entdecken zu können, muß es eine gewisse Größe erreicht haben. Derartige Tumoren sind prinzipiell in der Lage, Tochtergeschwülste (Metastasen) abzusiedeln, die beim Prostatakarzinom in erster Linie im Skelett und in den Lymphknoten gefunden werden. Darin unterscheidet es sich nicht von den meisten anderen bösartigen Tumoren. Allerdings ist das Wachstum dieses Tumors in der Regel sehr viel langsamer, ohne Behandlung vergehen beim auf die Prostata begrenzten Tumor meist mehrere Jahre, bis Symptome auftreten oder der Tumor lebensbedrohlich wird.

 
 6. Kann das Prostatakarzinom geheilt werden?

 

 Eine Heilung des Prostatakarzinoms ist prinzipiell möglich, wenn der Tumor auf die Prostata beschränkt ist und keine Tochtergeschwülste abgesiedelt hat. Heute werden dank der PSA-Bestimmung die meisten Tumoren in diesem frühen Stadium entdeckt. Als Standardtherapie gilt die radikale chirurgische Entfernung der Prostata und der lokalen Lymphknoten (radikale Prostatektomie). Wenn der Tumor tatsächlich organbegrenzt ist, so liegt die tumorbezogene 10-Jahres-Überlebenswahrscheinlichkeit nach radikaler Prostatektomie bei über 90 %. Alternativ ist eine Heilung des Tumors auch durch die Strahlentherapie von außen oder durch die Einbringung radioaktiver Strahlkörperchen in die Prostata (sogenannte Brachytherapie oder Seedimplantation) möglich.

 
 7. Mein Urologe teilte mir mit, ich hätte einen Prostatakrebs mit einen Gleason-Score von 6. Was bedeutet das?

 Der Gleason-Score (nach dem amerikanischen Pathologen Gleason benannt) ist ein Maß für die Bösartigkeit des Prostatakarzinoms. Er ist unter anderem für die Heilungschancen und das langfristige Überleben von Bedeutung. Meist werden drei Gruppen von Patienten mit zunehmendem Risiko unterschieden: Gleason-Score 2-6, 7, 8-10. Mit einen Gleason-Score von 6 liegen Sie daher noch in der günstigen Gruppe. Allerdings ist es nicht ungewöhnlich, daß nach Entfernung und Untersuchung des gesamten Tumors der Gleason-Score (nach oben oder unten) korrigiert wird.

 
 8. Wie groß sind die Chancen für mich persönlich, durch die empfohlene Operation auch tatsächlich geheilt zu werden?

 Es gibt Tabellen (Nomogramme), in denen basierend auf den Daten Tausender Patienten anhand bestimmter Parameter (PSA-Wert, Gleason-Score der Biopsie und klinisches Tumorstadien) die Heilungschancen vorhergesagt werden können. Sie sind unter www.mskcc.org/mskcc/html/10089.cfm im Internet verfügbar. Sie sollten sich jedoch im Klaren darüber sein, daß dies nur Vorhersagen für Gruppen sind. Ihr Urologe wird Ihnen sicher gern die notwendigen Daten zur Verfügung stellen und Sie bei der Anwendung der Nomogramme beraten. Die tumorspezifische 10-Jahresüberlebensrate nach radikaler Prostatektomie liegt heute bei etwa 95 %. Selbst bei einem Befall der Lymphknoten liegt sie – eine konsequente Nachbehandlung vorausgesetzt - mit etwa 80 % deutlich höher als bei anderen vergleichbaren bösartigen Erkrankungen. Die Ergebnisse der Klinik für Urologie am Universitätsklinikum Dresden können Sie unter folgendem Link nachlesen: http://content.karger.com

 
 9. Welche der Therapien werden in der Universitätsklinik in Dresden durchgeführt?

 In der Urologischen Universitätsklinik Dresden werden sowohl die radikale Prostatektomie als auch die Brachytherapie durchgeführt. Eine externe Strahlentherapie kann in der Klinik für Strahlentherapie und Radioonkologie erfolgen. Die radikale Prostatektomie wir in der hiesigen Klinik sowohl offen-chirurgisch als auch minimal-invasiv durch roboterassistierte Technik vorgenommen. Sollten Sie sich für die roboterassistierte Operation entscheiden, entstehen Ihnen keine Zusatzkosten, obwohl dieser Eingriff für die Klinik einen deutlich höheren Kostenaufwand verursacht als das konventionell-offene Vorgehen.

 
 10. Mir wurde von meinem Urologen die operative Entfernung der Vorsteherdrüse (radikale Prostatektomie) empfohlen. Was bedeutet das?

 Die radikale Entfernung der Vorsteherdrüse ist wegen ihrer engen räumlichen Nachbarschaft zu wichtigen anderen Strukturen nicht unproblematisch und erfordert daher höchstes operatives Können. Unmittelbar unterhalb der Prostata liegt der Schließmuskel, der die willkürliche Kontrolle über den Harnstrahl ermöglicht. Dieser muß unbedingt geschont werden. Weiterhin erforderlich ist die sorgfältige Rekonstruktion des inneren Schließmuskels (am Ausgang der Harnblase). Es genügt hier nicht, einfach die Blase mit der Harnröhre zu verbinden, da sonst Probleme wie Vernarbungen resultieren können. Heute wenden wir eine besondere Form der Neubildung dieses inneren Schließmuskels an, die diese Komplikation erheblich vermindert. Es kann nach der Operation zu unwillkürlichem Urinverlust kommen, wobei durch Physiotherapie (Beckenbodengymnastik) in den meisten Fällen im Laufe einiger Wochen wieder die volle Harnkontinenz erreicht werden kann. Dabei nimmt die Stärke des Schließmuskels ständig zu. Eine Besserung ist bis zu über einem Jahr nach der Operation möglich. Bei einem geringen Prozentsatz der Patienten kann durch derartige Maßnahmen keine ausreichende Besserung erreicht werden, so daß über die Implantation eines künstlichen Schließmuskels nachgedacht werden muß. Im eigenen Krankengut war das bei weniger als 1 % nötig. Weitere Komplikationen, die mit der Operation in Zusammenhang stehen sind Vernarbungen der Harnröhre, Verengungen der Harnleiter, Lymphflüssigkeitsansammlungen im Becken (vorübergehend) sowie allgemeine Komplikationen (u. a. Blutung, Infektionen, Thrombose). Sehr selten wird der Enddarm bei der Entfernung der Vorsteherdrüse eröffnet. Obwohl diese Verletzung meistens unproblematisch nach sorgfältiger Vernähung ausheilt, kann in extrem seltenen Fällen vorübergehend (etwa 6 Wochen) ein künstlicher Darmausgang erforderlich werden. Die Klinik für Urologie am Universitätsklinikum Dresden ist als Prostatakarzinomzentrum zertifiziert. Das bedeutet, daß hier die radikale Prostatektomie nur von Operateuren selbständig vorgenommen werden darf, die zuvor mindestens 100 Eingriffe unter Aufsicht eines erfahrenen Operateurs absolviert haben. Insgesamt sind die Ergebnisse an großen Zentren am besten.

 
 11. Ich habe gehört, daß ich durch die Operation impotent werden kann. Kann das verhindert werden?

 Verlust der sexuellen Potenz durch die Durchtrennung der für die Gliedversteifung unentbehrlichen Nerven (Abbildung 2) ist ein weiteres wichtiges Problem.

                    

 Bei nicht-nervschonender Operationstechnik (bei aggressiven oder größeren Karzinomen) ist mit nahezu 100%-iger Wahrscheinlichkeit mit einem Verlust der Potenz zu rechnen. Der Erhalt dieser Nerven ist wegen der Gefahr, Tumorzellen in ihnen zurückzulassen, nur bei kleineren und weniger aggressiven Tumoren empfehlenswert (in der Regel nicht tastbare Tumoren mit einem PSA unter 10 und einem Gleason-Score (Maß für die Bösartigkeit des Tumors) von maximal 6. Die nerverhaltende Operation wird an der hiesigen Klinik regelmäßig vorgenommen. Von uns durchgeführte Nachuntersuchungen haben dabei sehr gute Ergebnisse gezeigt.
Wegen meines glücklicherweise frühzeitig erkannten Prostatakarzinoms hat mein Urologe empfohlen, bei der Prostataoperation die Potenznerven zu schonen. Trotzdem soll ich hinterher Medikamente zur Stärkung der Potenz einnehmen, die meine Krankenkasse nicht bezahlt. Ist das wirklich nötig?
Wie jedes längere Zeit nicht benutzte Organ droht auch nach der radikalen Prostatektomie dem Penisschwellkörpergewebe ein Funktionsverlust (Atrophie), da die Erholung der spontanen sexuellen Potenz nach der Operation oft einige Zeit dauert. Es liegen Hinweise vor, daß durch frühzeitige Aktivierung die Chance auf eine gute postoperative Potenzfunktion steigen, daher empfiehlt Ihr Urologe die Medikamente. Sie sollen aber nicht täglich, sondern nur bei Bedarf eingenommen werden. Ohne sie ist zwar eine Erholung der Potenz nicht ausgeschlossen, jedoch werden möglicherweise Chancen damit vergeben.

 
 12. Warum werden bei der Operation die Lymphknoten im Becken mit entfernt? Hat das Folgen für mich?

 Die Entfernung der Lymphknoten, die die von der Prostata kommende Körperflüssigkeit (Lymphe) filtern, dient der Erkennung und Entfernung eventueller kleiner Absiedlungen des Tumors. Es gibt Hinweise darauf, daß eine sorgfältige Lymphknotenausräumung, wie sie an unserer Klinik seit vielen Jahren durchgeführt wird, die Heilungschancen verbessert. Wesentliche zusätzliche Probleme sind dadurch nicht zu erwarten. In einigen Fällen kommt es zu einer vorübergehenden Schwellung des Gliedes oder des Hodensacks bzw. der Beine oder zu Lymphansammlungen im Becken (sogenannte Lymphozelen). Diese Veränderungen bilden sich meist folgenlos und ohne spezielle Therapie zurück. Gelegentlich ist jedoch ein Zweiteingriff erforderlich.

 
 13. Wie ist der Ablauf nach Aufnahme in die Klinik?

 Bei Rückfragen hinsichtlich Ihres Aufnahmetermins wenden Sie sich bitte an das Aufnahmesekretariat, Telefon 0351-4582686. Nach Ankunft auf der Station (im Haus 27 des Universitätsklinikums auf der Fetscherstraße 74) erfolgt eine nochmalige Befragung zur Vorgeschichte mit körperlicher Untersuchung (allgemeine Untersuchung inklusive des Genitales und der Prostata) und Ultraschall durch einen kompetenten Arzt. Dieser Arzt führt auch das Aufklärungsgespräch über den Eingriff und stellt Ihre spezielle Problematik mit den vorliegenden Befunden am Nachmittag in der Klinikkonferenz vor. Sollten Sie dennoch weitere Fragen haben, so ist dazu bei der nachmittäglichen Visite auf Ihrer Station Gelegenheit. Ebenfalls am Nachmittag sucht Sie ein erfahrener Anästhesist auf und bespricht alle mit der Narkose (Vollnarkose) zusammenhängenden Fragen. Bitte stellen Sie dann alle Sie bewegenden Fragen. Am Abend vor der Operation (in der Regel wird am der Aufnahme folgenden Arbeitstag operiert) erhalten Sie leichte Kost (Suppe), das Operationsgebiet wird rasiert. Weiterhin wird ein mildes Abführmittel (Klistier) verabreicht.

 
 14. Wie oft wird die Operation bei Ihnen durchgeführt? Wer wird mich operieren?


Momentan werden in der Urologischen Universitätsklinik Dresden weit über 400 radikale Prostatektomien pro Jahr durchgeführt. Das bedeutet etwa 10 Operationen pro Woche. Um eine hohe Qualität zu erhalten und zu verbessern, werden die operierten Patienten regelmäßig mittels Fragebögen nachkontrolliert. Wir bitten Sie, in diesen Fragebögen kurz darzustellen, wie es Ihnen nach der Operation geht.

Mir wurde vorgeschlagen, die Prostataentfernung minimalinvasiv mit einem Roboter vornehmen zu lassen. Was bedeutet das und kommt das für mich in Frage?
Mit dem sogenannten Operationsroboter "da Vinci" kann der Operateur über sehr kleine Zugänge ("Knopflochchirurgie") die Prostata entfernen. Am Universitätsklinikum Dresden werden derartige Operationen seit 2006 durchgeführt. Die Ergebnisse sind denen der offenen Operation gleichwertig. Der Operationsroboter ermöglicht eine erstklassige Sicht mit Vergrößerung und eine hochpräzise Schnittführung.

 
 15. Was geschieht mit mir nach der Operation?

 Die Operation selbst dauert in der Regel zwischen eineinhalb und drei Stunden. Nachdem die Wunde verschlossen ist, erwachen Sie aus der Narkose und werden auf die urologische Intensivstation verlegt, die sich unmittelbar an den Operationstrakt anschließt. Sie werden dort intensiv überwacht, insbesondere hinsichtlich der Schmerzbehandlung herrschen optimale Bedingungen. Es sind zudem alle Möglichkeiten vorhanden, um Ihnen eine höchste Sicherheit zu gewährleisten.
 In der Regel am Folgetag werden Sie wieder auf Ihre Aufnahmestation verlegt. Alle Zimmer sind modern ausgestattet mit maximal 2 Betten, Dusche und Fernseher. In der Regel können Sie schon am ersten Tag nach der Operation das Bett verlassen und so den Heilungsprozeß fördern. Nach einigen Tagen liegt der feingewebliche Befund entsprechend dem höchsten internationalen Standard vor, über den Sie umgehend und umfassend informiert werden. Er teilt beispielsweise mit, ob der Tumor auf die Prostata begrenzt war. Je nach Befinden können Sie die Klinik nach etwa 4-8 Tagen (zumeist nach 5 Tagen) verlassen. Zu diesem Zeitpunkt ist häufig die Verbindung zwischen Blase und Harnröhre jedoch noch nicht optimal verheilt. Das ist jedoch extrem wichtig, damit keine einengenden Narben entstehen. Der Katheter in der Blase dient hier als Schienung, und es kann erforderlich sein, für etwa 3 Wochen nach der Operation einen Harnblasenkatheter zu tragen, um ein Verheilen der neu geschaffenen Verbindung zwischen Harnblase und Harnröhre zu ermöglichen. Vor Entfernung des Dauerkatheters wird durch eine Röntgenuntersuchung mit Kontrastmittelgabe über die Harnröhre geprüft, ob die Verbindung zwischen Harnblase und Harnröhre verheilt ("dicht") ist. Ist das der Fall, kann der Katheter entfernt werden. Danach trainieren Sie unter Anleitung eines Physiotherapeuten den Blasenschließmuskel. Wenn Sie gesetzlich versichert sind, haben Sie einige Tage nach Abschluß der Behandlung in der hiesigen Klinik Anspruch auf eine Anschlußheilbehandlung in einer Rehabilitationsklinik. Dies wird von unserem Sozialdienst für Sie organisiert. In der Rehabilitationsklinik wird weiterhin die Funktion des Blasenschließmuskels trainiert.

 
 16. Bei der Besprechung des feingeweblichen Befundes wurde mir mitgeteilt, daß das Tumorgewebe an einer Stelle den chirurgischen Schnittrand erreicht. Gibt es eine Möglichkeit einer Anschlußbehandlung, damit der Tumor dennoch nicht wiederkehrt?

 Der Nachweis von Tumorgewebe am chirurgischen Schnittrand ist nach radikaler Prostatektomie nur in ca. 30 % mit einer späteren Wiederkehr des Tumors verbunden. Liegen insgesamt günstige Bedingungen vor, kann eine Strahlentherapie angeschlossen werden, die allerdings einige Nebenwirkungen hat. Insbesondere ist nach einer nerverhaltenden Operation die eventuell erhaltene Potenz gefährdet. Eine weitere Möglichkeit einer Anschlußbehandlung ist die Gabe von Hormonen (als Tabletten oder Spritzen). Diese Behandlung wird dann empfohlen, wenn die Gefahr einer Tumorausbreitung im Körper hoch ist, beispielsweise, wenn entfernte Lymphknoten Tumorbefall aufweisen oder ein organüberschreitender Tumor von hoher Bösartigkeit (Gleason-Score) vorliegt. Eine Alternative ist, abzuwarten und die Behandlung von einem eventuellen Anstieg des PSA abhängig zu machen. Als zertifiziertes Prostatakarzinomzentrum führt die Klinik regelmäßig gemeinsam mit den Strahlentherapeuten und weiteren Fachexperten interdisziplinäre posttherapeutische Konferenzen durch, bei denen jeder Risikobefund geprüft und eventuell eine Anschlussbehandlung empfohlen wird.

 
 17. Wer übernimmt die weitere Betreuung? Welche Nachsorge ist empfehlenswert?

 Die Tumornachsorge wird durch Ihren Urologen übernommen, der die Erkrankung diagnostiziert hat. Er wird Sie in der Regel zunächst in dreimonatigen Abständen sehen wollen. Zur Nachkontrolle hinsichtlich des Tumors spielt das PSA eine große Rolle. Da es sich um ein nahezu ausschließlich von der Prostata hergestelltes Eiweiß handelt, muß der Wert nach radikaler Entfernung unter die Nachweisbarkeitsgrenze absinken (je nach Testsystem unter 0.1-0.2 ng/ml). Ist nach der Operation noch PSA über diesem Wert nachweisbar, so weist das auf verbliebenes oder wiederaufgetretenes Tumorgewebe hin. Die Nachkontrolle sollte lebenslang erfolgen, jedoch können die Abstände mit der Zeit vergrößert werden, so dass schließlich nur noch eine jährliche PSA-Kontrolle erfolgt.

 
 18. Mein PSA steigt jetzt wieder an, nachdem es nach der Operation 5 Jahre gleich 0 gewesen ist. Der letzte Wert lag bei 0.4 ng/ml. Ist mein Tumor wiedergekehrt? Gibt es Behandlungsmöglichkeiten?

 Es ist von einer Wiederkehr des Tumors auszugehen. Etwa 25 % aller Patienten haben teilweise Jahre nach der radikalen Prostatektomie ein wiederauftretendes (und steigendes) PSA. Nur wenige Patienten jedoch versterben dann noch an ihrem Tumor, da der Verlauf der Erkrankung auch ohne Therapie sehr langsam ist. Ohne Therapie dauert es im Mittel etwa 8 Jahre vom Zeitpunkt des Wiederauftritts des PSA bis zum Auftreten von Symptomen seitens des Tumors. Danach bleibt eine weitere mittlere Lebenserwartung von 4-5 Jahren. Der Verlauf der Erkrankung ist allerdings sehr vom Grad der Bösartigkeit des Tumors abhängig. Bei sehr schlecht differenzierten Tumoren sollte rasch eine Behandlung (Strahlentherapie und/oder Hormontherapie) erfolgen, während gut differenzierte Tumoren allein wegen eines langsam ansteigenden PSA-Wertes nicht unbedingt sofort einer Therapie bedürfen. Im geschilderten Fall (lange PSA-freie Zeit nach Operation) bietet eine Bestrahlung der Prostataloge eine gute Chance, den Tumor dennoch dauerhaft zu heilen. Hierfür ist jedoch eine frühzeitige Bestrahlung, bei einem PSA-Wert möglichst unter 0.5 ng/ml erforderlich.

 
 19. Bei mir wurden Absiedlungen in den bei der Operation entfernten Lymphknoten festgestellt. Jetzt soll eine Hormontherapie erfolgen. Was bedeutet das?

 Das Vorliegen von Absiedlungen des Prostatakarzinoms in den Beckenlymphknoten bedeutet, dass eine Heilung des Tumors durch die Operation kaum zu erwarten ist. Daher erfolgt eine Hormonbehandlung, deren Prinzip die Unterdrückung der männlichen Geschlechtshormone ist, welche das Wachstum des Prostatakarzinoms fördern. Diese Therapie sollte unmittelbar nach der Operation beginnen. Es gibt verschiedene Möglichkeiten dieser Behandlung, hauptsächlich eingesetzt werden die Entfernung des Hodengewebes oder eine Depotspritze (monatlich oder auch mit längeren Zwischenräumen) und/oder Tabletten. Als unmittelbare Nebenwirkungen sind ein Verlust des Geschlechtstriebes und der sexuellen Potenz zu erwarten. Diese Probleme können durch neuere Medikamente (Antiandrogene als Tabletten) teilweise vermieden werden. Trotz der ungünstigen Situation hinsichtlich des Tumorstadiums ist von einem mehrjährigen Krankheitsverlauf auszugehen. Die meisten Patienten leben auch noch 10 Jahre nach der Operation ohne Symptome des Tumorleidens. Neuere Daten lassen eine postoperative Strahlentherapie im Falle positiver Lymphknoten sinnvoll erscheinen, möglicherweise kann diese die langfristige Wahrscheinlichkeit erhöhen, den Tumor unter Kontrolle zu halten.

 
 20. Ich habe gehört, dass die Hormontherapie nach einigen Jahren nicht mehr wirkt. Gibt es dann noch Therapiemöglichkeiten?

 Das stimmt. Der Zeitraum bis dahin ist von der Tumorlast bei Beginn der Hormontherapie abhängig und kann viele Jahre betragen. Bei einem Fortschreiten des Tumors trotz Hormontherapie sollte zunächst geprüft werden, ob die Therapie ausreichend ist (Bestimmung der Hormonspiegel), und ein Wechsel des Hormontherapieregimes sollte erwogen werden. Ist damit keine Besserung zu erreichen, kann eine Chemotherapie zumindest bei einem Teil der Patienten Linderung bringen und das Leben verlängern. Diese Chemotherapie wird in der hiesigen Poliklinik und bei niedergelassenen Urologen ambulant durchgeführt. Es ist mit Nebenwirkungen zu rechnen (Blutbildungsstörungen, daher Blutungs- und Infektionsgefahr, Übelkeit, Haarausfall). Eine Heilung ist durch diese Therapie allerdings nicht möglich. Eine weitere Therapieoption ohne schwere Nebenwirkungen ist die Gabe von Bisphosphonaten oder speziellen Antikörpern, die möglicherweise die für das Prostatakarzinom typischen Knochenmetastasen günstig beeinflussen. Beim fortgeschrittenen Prostatakarzinom sind derzeit vielversprechende neue Therapien zugelassen oder in der Prüfung. Wir empfehlen Ihnen, sich hierzu von Ihrem Urologen oder in der Prostatakarzinomsprechstunde der hiesigen Klinik beraten zu lassen.

 
 21. Werden meine Daten zu Forschungszwecken verwandt? Soll ich an Studien zur Erprobung neuer Medikamente oder Behandlungsverfahren teilnehmen?

 Als Universitätsklinik ist die Forschung neben der Patientenbehandlung und der Ausbildung von Ärzten eine unserer wichtigsten Aufgaben. Das Prostatakarzinom ist einer der Forschungsschwerpunkte der hiesigen Klinik (Publikationen). Mehrere Mitarbeiter der Klinik sind an der Erarbeitung der deutschen S3-Leitlinie zum Prostatakarzinom beteiligt, der Klinikdirektor Prof. Dr. Dr. h. c. M. Wirth koordiniert diese Leitlinie. Jeder Patient kann einer anonymen Verwendung seiner Daten oder Blut- oder Gewebeproben zu wissenschaftlichen Zwecken zustimmen. Versagt er sein Einverständnis, erwachsen ihm daraus keine Nachteile. Unsere Klinik nimmt ständig an Studien zur Erprobung neuer Medikamente oder Behandlungsverfahren teil (Studien beim Prostatakarzinom). Sollten Sie für eine dieser Studien in Frage kommen, wird ein ausführliches Gespräch mit Ihnen geführt, die Teilnahme ist vollkommen freiwillig. Derartige Studien unterliegen einer sehr strengen Kontrolle. Eine Teilnahme ist für Sie von Vorteil, da Sie optimal betreut werden und Sie neuartige Medikamente erhalten können, die ansonsten erst Jahre später zur Verfügung stehen.