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Nierentransplantation und Transplantationsgesetz, Hirntod, Verteilung

Nierentransplantation

Voraussetzung für eine Nierentransplantation ist das Vorhandensein eines Spenderorganes. Der Spender kann ein Lebendspender oder ein verstorbener (postmortaler) Spender sein.

Lebendspender sind in der Regel Personen aus der Verwandtschaft des Empfängers, die zwei gesunde Nieren haben und zu Lebzeiten eine dieser Nieren dem Empfänger spenden möchten. Dabei muss zum Zeitpunkt der Spende das Vorliegen von Erkrankungen ausgeschlossen sein.

Verstorbene Spender sind Personen, die einen plötzlichen Hirntod (etwa durch einen Unfall oder eine Hirnblutung) erlitten haben. Kann bei ihnen der Kreislauf soweit aufrecht erhalten werden, dass die Nieren keinen Schaden nehmen, können diese und gegebenenfalls auch andere Organe im Rahmen einer Spendeoperation entnommen und transplantiert werden. Voraussetzung zur Organspende (Explantation) ist aber die sichere Feststellung des Hirntodes und das Einverständnis zur Organspende. Geregelt wird auch dies durch das Transplantationsgesetz.

Transplantationsgesetz

Das Transplantationsgesetz (TPG), das seit dem 01.12.1997 in Kraft ist, regelt in der Bundesrepublik Deutschland die Spende, Entnahme, Vermittlung und Übertragung von Organen.

 Hier soll ein kurzer Überblick über die Bestimmungen auch in anderen Ländern im Vergleich mit dem Gesetz in Deutschland gegeben werden.

 Grundsätzlich gibt es unterschiedliche Möglichkeiten, die Organspende bei Verstorbenen zu regeln. In einigen Ländern dürfen die Organe jedes Verstorbenen, der aus medizinischer Sicht als Organspender in Frage kommt, explantiert werden, es sei denn, er hat noch zu Lebzeiten einer Organspende widersprochen (Widerspruchsregelung). In anderen Ländern muss der Spender zu Lebzeiten einer Organspende zugestimmt haben, etwa durch das Tragen eines Organspender-Ausweises (Zustimmungsregelung). In Deutschland gilt die erweiterte Zustimmungsregelung, bei der auch dann Organe entnommen werden dürfen, wenn davon ausgegangen werden kann, dass der Spender diesem zugestimmt hätte. Dies wird, wenn kein Organspendeausweis vorliegt, in einem Gespräch mit den Angehörigen des potentiellen Spenders erfragt, die dann zustimmen oder ablehnen können.

 In seiner Kernaussage legt das Transplantationsgesetz eine strikte Dreiteilung der Organtransplantation in Koordinierung der Spende, Vermittlung und eigentlicher Transplantation fest.


Für die Koordinierung der Organspende in der Bundesrepublik ist die Deutsche Stiftung Organtransplantation (DSO) verantwortlich. Ihre Mitarbeiter kümmern sich auch um organisatorische und logistische Belange wie z.B. den Transport der Organe vom Ort der Entnahme zu dem Transplantationszentrum, in dem sie transplantiert werden sollen. Als Vermittlungsstelle, die nach festen Kriterien bestimmt, welcher Empfänger ein Organ erhält, wurde hingegen Eurotransplant in Leiden/Niederlande benannt. Die Aufnahme eines Patienten in die Warteliste, die Transplantation und die Betreuung der Transplantierten obliegt bestimmten Kliniken, den Transplantationszentren. Diese sind auch per Gesetz zur Durchführung von Maßnahmen hinsichtlich der Qualitätssicherung und allgemeiner Datenerhebung verpflichtet.

 Auch die Durchführung der Lebendspende wird durch das TPG geregelt. Der Kreis der Spender ist auf Verwandte ersten Grades beschränkt. In Ausnahmefällen können auch dem Empfänger offenkundig nahe stehende Personen spenden. Darüber befindet die Lebendspendekommission der jeweiligen Ärztekammer, die vor jeder Lebendspende ein Gutachten erstellen muss. Eine anonyme Spende ist in Deutschland derzeit nicht erlaubt.

Das Transplantationsgesetz beinhaltet außerdem ein Verbot des Organhandels, wofür eine Freiheitsstrafe von bis zu 5 Jahren verhängt werden kann. Der Text des TPG kann auf der DSO - Internetseite  angesehen werden.

Hirntod

Die sichere Feststellung des Hirntodes eines möglichen Spenders muss vor der Organentnahme erfolgt sein. Der Hirntod definiert den Tod des Individuums als Zustand der irreversibel erloschenen Gesamtfunktion des Großhirns, des Kleinhirns und des Hirnstamms bei künstlicher Aufrechterhaltung der Herz-Kreislauf-Funktion durch kontrollierte Beatmung. Nach dem Transplantationsgesetz muss diese Feststellung durch zwei dafür qualifizierte Ärzte erfolgen, die den Spender unabhängig voneinander untersucht haben und weder an der Organentnahme noch an der Übertragung der Organe beteiligt sind. Die Feststellung des Hirntodes muss nach exakten Richtlinien der Bundesärztekammer erfolgen, die dem aktuellen Stand der Wissenschaft entsprechen und ständig aktualisiert werden müssen. Die durchgeführten Untersuchungen werden in standardisierten Protokollen festgehalten. Dieses Vorgehen schließt einen falsch diagnostizierten Hirntod aus.
 Die von der Bundesärztekammer erstellten Richtlinien können ebenfalls auf der DSO - Internetseite  angesehen werden.

Verteilung der Organe

Da die Zahl der Patienten, die auf eine Transplantation warten, die Zahl der zur Verfügung stehenden Organe weit übertrifft, muss eine Warteliste geführt werden. Dies wird für Deutschland, Österreich, Belgien, die Niederlande, Luxemburg, Slowenien und Kroatien durch Eurotransplant in Leiden/Niederlande durchgeführt. Die 1967 gegründete Organisation ist heute nicht nur für die Vermittlung von Nierentransplantaten zuständig, sondern vermittelt auch Leber-, Pankreas-, Herz-, Lungen- und Darmtransplantate. Um eine möglichst gerechte Verteilung der Organe zu erreichen, wird nach verschiedenen Kriterien entschieden, welcher Patient ein zur Verfügung stehendes Organ bekommt. Diese Kriterien umfassen bei der Vermittlung von Transplantatnieren unter anderem die Blutgruppe, den Grad der immunologischen Übereinstimmung zwischen Spender und Empfänger, vor allem aber die Wartezeit des Empfängers und die Dringlichkeit der Transplantation. Durch den Zusammenschluss mehrerer europäischer Länder konnte insbesondere die Wahrscheinlichkeit, eine gute immunologische Übereinstimmung von Organ und Empfänger zu erreichen, erhöht werden. Durch ein spezielles Programm haben auch ältere Empfänger die Möglichkeit, eine Transplantatniere zu bekommen (European Senior Programm).


Warteliste

Nicht jeder für eine Transplantation geeignete Patient kann sofort nach Einsetzen der künstlichen Blutwäsche (Dialyse) transplantiert werden. Den Hauptgrund für die Existenz einer Warteliste, stellt der Mangel an Spenderorganen dar. Auch große Anstrengungen seitens der Mediziner, Politik und Medien konnten die Spendenbereitschaft der Bevölkerung nur gering erhöhen. So bestehen im Eurotransplantverbund und auch weltweit Wartezeiten z.B auf eine Niere von ca. 5 Jahren.

Auch in Dresden ist die Anzahl der Patienten auf der Warteliste seit Jahren leicht gestiegen. Bei jährlich zunehmenden Transplantationszahlen kann so auch von einer deutlichen Zunahme der am Zentrum gemeldeten Patienten gesprochen werden.


 

Vor Aufnahme auf die Warteliste müssen einige Fragen geklärt werden:
◾Ist der Patient generell für eine Operation geeignet?
◾Ist eine Transplantation technisch durchführbar (Voroperationen im Becken, Blutgefäßsituation) ?
◾Bestehen keine Begleiterkrankungen, die durch die notwendigen Begleitmaßnahmen (Immunsuppressiva) eine negative Beeinflussung erfahren könnten (Infektionen, Tumore) ?

Oft sind zur Klärung dieser Fragen zahlreiche Untersuchungen notwendig, die meist schon am Heimatort vom behandelnden Nephrologen angeregt werden. In einigen Fällen und bei sehr speziellen Untersuchungen werden diese hier durchgeführt (Kontakt Frau Milde: +49 (351) 4 58-37 48 / )

 Auch während der Wartezeit ist fortlaufend der Gesundheitszustand der Empfänger zu überwachen, in einigen Fällen müssen vorbereitende Maßnahmen oder Operationen erfolgen, um die folgende Transplantation aussichtsreicher werden zu lassen. So stellt sich oft die Frage, ob vor der Transplantation die operative Entfernung der Eigenniere erfolgen sollte. Tumorverdacht, wiederholte Infektionen oder Blutungen (z.B. bei Zystenniere) stellen meist eine Indikation dar. Über die Notwendigkeit der Eigennirenentfernung und auch möglichen Verfahren (Knopfloch Chirurgie/ sogenannte Laparoskopie oder Schnitt-Operation) sollte am besten mit den transplantierenden Ärzten gesprochen werden.