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Geschichte der Transplantation

Die Geschichte der Übertragung von Organen ist ca. 100 Jahre alt, der Wunsch erkrankte Organe zu ersetzen, ist bis in frühgeschichtliche Epochen zu verfolgen. Die Niere als doppelt angelegtes Organ erweist sich dabei als günstig und spielt so eine zentrale Rolle.

Erste operative Erfahrungen wurden bereits vor über 100 Jahren gesammelt. Im Jahre 1902 verpflanzte der Wiener Chirurg Emerich Ullmann eine Niere erfolgreich am Hund. Hierbei handelte es sich allerdings lediglich um eine Lageveränderung innerhalb desselben Körpers. Die Verpflanzung einer Affenniere (1909 Unger, Berlin) wie auch die erste Übertragung einer menschlichen Niere (1933 Vorony, Kiew) waren zum Scheitern verurteilt, da das Wissen über die Gewebeverträglichkeit und Abwehrmechanismen fehlten.

 Erst am 23.12.1954 glückte Joseph Murray in Boston die Transplantation einer Niere von einem eineiigen Zwilling auf den nierenkranken anderen Zwilling. Die Hemmung des Immunsystems erfolgte bis zur Einführung des ersten Immunsuppressivum im Jahre 1962 (Azathioprin, Imurek®) mittels Kortisongabe und Ganzkörperbestrahlung. Nach Entdeckung der Rolle der Gewebemerkmale und deren Beachtung in der klinischen Medizin stellte die Entdeckung und Entwicklung des Ciclosporin (Sandimmun®) durch Borel 1976 einen Meilenstein in der Transplantationsmedizin dar. Die dadurch deutlich gesenkte Rate von Abstoßungsreaktionen ließ die Nierentransplantation zu einem Routineverfahren werden.

 In Deutschland wurde die erste Nierentransplantation in Berlin 1963 von den Urologen Wilhelm Brosig und Reinhard Nagel durchgeführt. Dabei wirkte wahrscheinlich der Gefäßchirurg Emil Sebastian Bücherl an dieser Operation mit. Transplantiert wurde dabei eine sogenannte freie Niere (d.h. eine Niere, die einem anderen Patienten wegen einer Ureter-Scheidenfistel entfernt werden musste). Diese erste Transplantation in Deutschland war leider nicht erfolgreich. In den folgenden Jahren gelang es, durch stetige Verbesserung der begleitenden Therapiemaßnahmen und insbesondere der abstossungshemmenden Medikamente (Immunsuppressiva), die Funktion des Transplantates über Jahre zu erhalten.

 Parallel zu dieser Entwicklung gelang erst im Jahre 1944, unter Verwendung eines externen Dialysators und dem gleichzeitigen Einsatz von Heparin als Blutgerinnungshemmer, Patienten durch ein Ersatzverfahren am Leben zu halten und so z.B. auch die Zeit bis zur Transplantation zu überbrücken. (Willem Kolff, Niederlande)

 Die Verabschiedung eines eigenen Transplantationsgesetztes durch den Deutschen Bundestag 1997 bringt Deutschland in die Reihe der in der Transplantationsmedizin und Transplantationsethik führenden Länder. Die klaren rechtlichen Regelungen zur Organspende und Organtransplantation lassen keinen Raum für intransparente Situationen und stellen eine klare Kampfansage an jegliche Formen des kommerziellen Organhandels dar.

Derzeit steht eine Überarbeitung des Transplantationsgesetzes im Bundestag an.