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Kinderurologie

Bereits vor der Geburt im Mutterleib diagnostizierbar, stehen im Neugeborenen- und Säuglingsalter auf dem Fachgebiet der Urologie angeborene Fehlbildungen der Niere und ableitenden Harnwege sowie des männlichen äußeren Genitale im Vordergrund. Bei den meisten dieser Fehlbildungen ist durch eine Operation heute die Lebenserwartung dieser Kinder nahezu normal und kann die Lebensqualität im Erwachsenenalter durch eine adäquate Therapie deutlich verbessert werden. Zur optimalen Versorgung unserer kleinen Patienten steht ein Team aus in der Kinderurologie erfahrenen Urologen, Kinderkrankenschwestern und Physiotherapeuten zur Verfügung. Ist eine Operation erforderlich, so erfolgt die Narkose durch in der Kinderanästhesie speziell ausgebildete Narkoseärzte. Wir bieten komfortabel eingerichtete Patientenzimmer und ermöglichen die gemeinsame Betreuung der Kinder mit den Eltern durch Rooming in. Insbesondere bei Säuglingen und Kleinkindern erfolgt eine enge Zusammenarbeit mit der hiesigen Kinderklinik. Zur ambulanten Betreuung der Kinder bieten wir eine kinderurologische Sprechstunde am Montag von 09:00 bis 13:00 und am Donnerstag von 15:00 bis 18:00 an. Die Vorstellung von Notfällen ist zu jeder Tages- und Nachtzeit gewährleistet.

Krankheitsbilder auf kinderurologischem Gebiet

    Vorhautverengung (Phimose)

    Die Phimose ist eine meist angeborene Verengung der Vorhaut (Präputium), welche sich nicht über die Eichel (Glans penis) zurückstreifen läßt. Bis zum Ende des zweiten Lebensjahres sind Verklebungen der Vorhaut, welche sich in der Regel ohne Operation lösen lassen, normal. Entzündungen der Vorhaut oder Eichel, derbes Zurückstreifen der Vorhaut und Hauterkrankungen (Lichen sclerosus) können zu Vernarbungen führen, welche ein Zurückstreifen der Vorhaut unmöglich machen. Bei hochgradigen Verengungen kann es zu Beschwerden beim Wasserlassen bis hin zu einem akuten Harnverhalt kommen. Leichte Verengungen und Verklebungen können durch eine lokale Betäubung gelöst werden. Höhergradige Phimosen werden durch eine teilweise (Vorhautplastik) oder komplette (Zirkumzision) Beschneidung der Vorhaut behandelt. Diese Operation wird normalerweise unter ambulanten Bedingungen durchgeführt. Bei Erhalt der Vorhaut ist ein tägliches Vor- und Zurückstreifen der Vorhaut, zur Vermeidung von erneuten Verklebungen und Entzündungen, notwendig. 

    Hypospadie (Fehlbildungen der Harnröhre)

    Die Hypospadie ist eine sehr häufige angeborenen Fehlbildung der Harnröhre des Penis bei Jungen und kommt mit einer Häufigkeit von 1:300 Geburten vor. Bei einer bekannten familiären Häufung beträgt das Risiko für die Erkrankung eines Kindes 8%, wenn der Vater eine Hypospadie hatte und 14% bei einer erneuten Schwangerschaft bei bereits einem betroffenen Kind. Eine gleichzeitige Hodenfehllage oder ein Leistenbruch wird in jeweils 10% der Betroffenen beobachtet. In etwa 36% ist die Erkrankung auch mit einer gleichzeitigen Abknickung (Deviation) des Penis bei der Erektion verbunden. Bei der Erkrankung kommt es zu einer Fehlmündung der Harnröhre infolge einer unvollständigen Verschmelzung der Urethralrinne (Harnröhrenschwellkörper) in der Frühphase der Schwangerschaft (8.-14. Schwangerschaftswoche). Je nach Mündung der Harnröhre wird eine hohe (im Bereich der Eichel gelegen, glandulär, coronar, subcoronar), mittlere (penil) oder tiefe (penoskrotal, skrotal, perineal) Hypospadie unterschieden. Ab einer Lage der Harnröhre am Übergang von der Eichel zum Schaft des Penis und/oder einer deutlichen Abknickung des Penis wird eine operative Versorgung der Fehlbildung empfohlen. Der optimale Zeitpunkt für eine Operation liegt zwischen dem 6. und 24. Lebensmonat, da hier psychische Schäden für das Kind verhindert werden können. Die Gründe für eine Behandlung sind zum einen die Verbesserung des Abb1.pngHarnstrahles (Miktion), die Ermöglichung der Geschlechtsfunktion (durch Aufrichtung einer möglichen Penisverkrümmung und Weiterleitung des Spermas durch die Harnröhre), eine Verbesserung des kosmetischen Aspektes und eine mögliche Verhinderung einer psychischen Entwicklungsstörung (Angst vor öffentlichen Einrichtungen, Schwimmbädern, Gemeinschaftstoiletten). Zur Verbesserung der Durchblutung der Penishaut und zur Vergrößerung des Penis kann vor der Operation eine Hormonsalbe (Dihydrotestosteron) lokal über 4-6 Wochen appliziert werden. Zur operativen Korrektur der Harnröhrenfehlmündung stehen je nach Lage der Harnröhrenmündung veschiedene Operationstechniken zur Verfügung. Je nach Vorbefund der Hypospadie ist eine Operation bei 70-90% der Kinder erfolgreich. Die Komplikationsmöglichkeiten bei dem Eingriff sind auch in erfahrenen Händen nicht gering und abhängig von der Lage der Fehlmündung. Am häufigsten kommt es zu einer Fistel (Verbindung zwischen der Harnröhre und der Penishaut), zu einer Verengung der Harnröhre durch Narben (Harnröhrenstriktur, Meatusstenose) oder zu Wundheilungsstörungen, so daß gegebenenfalls dann ein erneuter Eingriff notwendig wird. Nach der Operation ist eine gute Ruhigstellung des Penis durch einen straffen Verband und ggf. Bettruhe sowie eine Ableitung des Urins über einen Katheter zur Erlangung eines guten Operationsergebnisses von großer Bedeutung.
     

    Hodenfehllage (Maldescensus testis, Kryptorchismus)

     Bei 3-6% der termingerecht und bei etwa 9% der frühgeborenen Jungen befindet sich der Hoden nicht im Hodensack (Skrotum). Durch klinische Untersuchung und eine Sonographie kann die Hodenlage (am Skrotalansatz, im Leistenkanal, im Bauch, im Oberschenkel) bereits frühzeitig festgestellt werden. Ein unbehandelter Hodenhochstand kann in der späteren Entwicklung zu einer Störung in der Spermienproduktion mit daraus resultierender Unfruchtbarkeit - besonders bei beidseitigem Hodenhochstand - führen. Gleichzeitig ist das Risiko einer Entwicklung eines bösartigen Hodentumors um das 20- bis 40fache, im Vergleich zu jungen Männern mit normaler Hodenlage, erhöht. Problematisch bei der Erkennung einer Geschwulst ist hier besonders die fehlende Möglichkeit der Selbstuntersuchung des Hodens. Die Behandlung des Hodenhochstandes sollte möglichst bis zum vollendeten zweiten Lebensjahr abgeschlossen sein. Die Therapie der Wahl ist eine Stimulation durch Hormone (HCG oder LH-RH-Analoga), welche als Nasenspray oder als kleine Spritze in den Muskel verabreicht werden. Bei fehlendem Herabwandern des Hodens ist eine frühzeitige Operation zur Verlagerung der Hoden in den Hodensack erforderlich.  

    Hodentorsion (Hodenverdreheung)

    Die Hodentorsion ist ein akutes Krankheitsbild, welches zur Erhaltung des Hodens einer sofortige Behandlung möglichst innerhalb der ersten 4 Stunden bedarf. Es handelt sich hierbei um eine Verdrehung der sehr beweglichen Samenstranggebilde und des Hodens, so dass eine ausreichende Durchblutung des Hodens nicht mehr gewährleistet ist. Der Schmerz tritt meistens plötzlich und heftig nach einer drehenden Bewegung, aber auch in Ruhe auf. Der betroffene Hoden steht dabei meist etwas höher als der Hoden der gesunden Seite, ist häufig geschwollen und gerötet. Durch eine rechtzeitige Operation kann das Hodengewebe meistens erhalten werden. Zur Vermeidung einer erneuten Hodentorsion sollte gleichzeitig der gesunde zweite Hoden durch eine kleine Naht an der Innenseite des Hodensackes fixiert werden.  

    Krampfadern am Hoden (Varikozele testis)

    Es handelt sich hierbei um eine tast- und sichtbare Erweiterung der Venen (in 90% der Fälle am linken Hodensack) durch eine venöse Abflußstörung mit einer Häufigkeit zwischen 4 und 31% in der männlichen Bevölkerung. Aufgrund der stärkeren Durchblutung durch die Krampfadern resultiert eine Temperaturerhöhung des Hodens, die zu einer Veränderung der Spermienfunktion oder zu einer Schrumpfung des betroffenen Hodens führen kann. Zur Vermeidung einer Unfruchtbarkeit (Infertilität) wird bei ausgeprägtem Befund, bei Schmerzen und bei bereits vorhandener Schrumpfung des Hodens eine Operation empfohlen. Hierzu stehen verschiedene Möglichkeiten zur Verfügung: Verödung der Krampfadern unter Durchleuchtung (Erfolgsrate ca. 90%), laparoskopischer Verschluss (minimal-invasive Operation) der betroffenen Vene oder Unterbindung der Gefäße durch einen kleinen Schnitt im Leistenkanal (Erfolgsrate jeweils > 95%). 

    Refluxerkrankung (Urinrückfluß in den Harnleiter oder das Nierenbecken)

    Bei der Refluxerkrankung liegt ein unvollständiger Verschlussmechanismus der Harnleitermündung in die Harnblase vor, so dass Urin bei gefüllter Blase in den Harnleiter (Ureter) und die Niere zurückgedrückt wird. Die Häufigkeit beträgt etwa 1% im Kindesalter, wobei Kinder mit fieberhaften Harnwegsinfektionen in 20-50% einen sogenannten Reflux in einen oder beide Harnleiter aufweisen. Es wird eine familiäre Häufung beschrieben. Mädchen sind etwa 4mal so häufig betroffen wie Jungen, bei denen allerdings die angeborenen Formen überwiegen. In Kombination mit weiteren Fehlbildungen der Harnorgane (Harnröhrenklappen, Blasenentleerungsstörungen) kann oft bereits während der Schwangerschaft die Diagnose gestellt und damit eine unverzügliche Behandlung eingeleitet werden. Es wird zwischen einem angeborenen (primär, kongenital) und einem erworbenen (sekundär) Reflux unterschieden. Bei der angeborenen Variante verläuft der Harnleiter in einem zu kurzen Tunnel zwischen der Blasenmuskulatur und Blasenschleimhaut, so daß bei Druckerhöhung während der Urinentleerung aus der Harnblase die Harnleitermündung nicht effizient durch die Blasenmuskeln verschlossen werden kann. Ursachen für die erworbene Variante des Refluxes sind eine falsch erlernte Blasenentleerung (Detrusor-Sphinkter-Dyskoordination), angeborene Nervenerkrankungen (Spina bifida, Detrusor-Sphinkter-Dyssynergie), Verengung der Harnröhre (Striktur, Harnröhrenklappen, Phimose). Die Erkrankung wird meistens durch eine fieberhafte Harnwegsinfektion festgestellt. Weitere Anzeichen sind ein verstärktes Einnässen, fahle Hautfarbe, Gedeihstörungen, Müdigkeit (Apathie); im Säuglingsalter zusätzlich eine Trinkschwäche oder häufiges Erbrechen. Zur Diagnostik gehört die Ultraschalluntersuchung (Sonographie) der Nieren und Harnblase, die Harnstrahlmessung und eine Röntgendurchleuchtung der Harnblase während des Wasserlassens (Miktionszystourethrogramm). Bei bereits bestehender Schädigung der Niere (Verkleinerung oder Stauung in der Sonographie) muß eine Nierenfunktionsuntersuchung (Nierensequenzszintigraphie) vor der Operation durchgeführt werden. Die Refluxkrankheit wird in verschiedene Schweregrade eingeteilt (Grad I - Reflux nur in den Harnleiter, Grad II - Reflux in den Harnleiter und das Nierenbecken, Grad III - Reflux in den Harnleiter und das Nierenbecken mit Erweiterung desselben, Grad IV - wie III mit zusätzlicher Schädigung der Nierenrinde, Grad V - wie IV mit starker Erweiterung sämtlicher Gewebe). Aufgrund der hohen Selbstheilungsrate (Spontanremission) bei den Refluxgraden I und II kann nach Ausschluß einer behandlungsbedürftigen Ursache des Refluxes eine niedrigdosierte Antibiotikabehandlung über etwa 12-36 Monate zur Vermeidung weiterer Harnwegsinfektionen mit möglicher Nierenschädigung eingeleitet werden. Wichtig ist ebenfalls die Einhaltung einer ausreichenden Trinkmenge, regelmäßiger Toilettengang und engmaschige Urinuntersuchungen. Wichtigste Voraussetzung für eine erfolgreiche Behandlung ist hierbei die enge Zusammenarbeit von Eltern und Arzt. Bei höhergradigen Refluxen oder gehäuft wiederkehrenden Harnwegsinfektionen besteht die Notwendigkeit einer operativen Korrektur. Es stehen unterschiedliche Operationsverfahren zur Verfügung (Lich-Gregoir, Politano-Leadbetter, Cohen, Psoas-hitch), wobei der Erfolg der Refluxbehandlung bei 95-98% liegt und die Komplikationsraten niedrig sind. Eine Behandlung mit geringer Beeinträchtigung des Allgemeinbefindens der Kinder ist z.B. die Kollagen- oder Silikonunterspritzung der Harnleitermündung (submuköse Injektionsbehandlung). Allerdings ist hier das Risiko für ein Wiederkehren (Rezidiv) des Refluxes deutlich höher (Erfolgsrate von 60%, fehlende Langzeiterfahrungen bei Kindern, mögliche Fremdkörperreaktionen auf Rinderkollagen).


    Die adäquate Behandlung einer Refluxerkrankung ist von großer Bedeutung, da jede Harnwegsinfektion durch das Rückfließen des Urines in die Niere zu einer Entzündung des Nierenbeckens (Pyelonephritis) führen kann. Die Folgen davon sind Narbenbildungen in der Nierenrinde, Nierenschrumpfung mit Funktionsverlust und ein schwer behandelbarer Bluthochdruck. Daraus kann die Notwendigkeit zur Entfernung einer kranken Niere oder im Extremfall auch die Dialyse (Blutwäsche) resultieren.  

    Harnleiterabgangsenge (ureteropelvine Stenose, Subpelvinstenose) 

    Hierbei handelt es sich um eine Einengung des Überganges vom Nierenbecken in den Harnleiter durch eine angeborene Enge (fehlende Wiederöffnung des Harnleiters um den 42. Tag der Schwangerschaft) oder durch untypische Gefäße, welche zusätzlich den unteren Nierenpol mit Blut versorgen. Der Urin kann aus der betroffenen Niere nicht vollständig über den Harnleiter ablaufen und führt zu einer starken Aufweitung des Nierenbeckens, eventuell mit einer druckbedingten Schädigung der Niere. Die Häufigkeit beträgt etwa 0.2-0.5% der Neugeborenen. Im Kleinkindesalter handelt es sich meist um einen Zufallsbefund in der Sonographie. Ansonsten finden sich häufig uncharakteristische Symptome wie Gedeihstörungen oder Trinkschwäche. Ältere Kinder klagen manchmal über wechselnde Schmerzen in Abhängigkeit von der Trinkmenge und Bewegung, teilweise auch über kolikartige Beschwerden. Neben der Sonographie der Nieren und des Miktionszysturethrogramm (Ausschluss eines Reflux), ist die Nierenfunktionsuntersuchung (Nierensequenzszintigraphie) zur Feststellung der seitengetrennten Funktion und der Zeitbestimmung für die Urinentleerung aus dem Nierenbecken für die Entscheidung der Operationsnotwendigkeit Voraussetzung. Eine Röntgenuntersuchung (Ausscheidungsurogramm) ist nur bei speziellen Fragestellungen notwendig. Bei leichten Formen der Stenose mit guter Nierenfunktion ist eine Langzeitverlaufskontrolle ausreichend. Ab einer deutlichen Funktionseinschränkung der Niere wird eine Nierenbeckenplastik (Pyeloplastik nach Anderson-Hynes, eventuell auch laparoskopische Operation) mit Entfernung des kleinen, zu engen Harnleiterabschnittes und eines Teiles des ausgedehnten Nierenbeckens erforderlich. Ab einer Nierenfunktion von weniger als 15% wird eine Entfernung der betroffenen Niere bevorzugt, da die Schädigung meist schon sehr weit fortgeschritten ist und als Spätfolgen einer Schrumpfniere Harnwegsinfektionen, Steinbildung oder Bluthochdruck entstehen können.  

    Harnwegsinfektionen (Zystitis) 

    Harnwegsinfektionen sind die häufigsten durch Bakterien verursachten Infekte im Kindesalter bei Fieber unklarer Genese. Aufgrund der kurzen Harnröhre sind Mädchen mit 3-7.5% deutlich häufiger betroffen als Jungen (0.5-1.5%). Mehrfach wiederkehrende (rezidivierende) Harnwegsinfektionen sind meist die Folge einer Fehlbildung der Harnwege oder des äußeren Genitale, so daß jeder Harnwegsinfekt im Kindesalter urologisch abgeklärt werden muß. Typische Beschwerden (Symptome) bei einer Infektion sind Fieber, Erbrechen, Durchfall, Schmerzen beim Wasserlassen (Dysurie), häufiger Harndrang (Pollakisurie), verstärktes Einnässen (Enuresis, Inkontinenz) sowie trockene Haut bei Flüssigkeitsmangel (Dystrophie und Wachstumsverzögerung beim Säugling). Zu den wichtigsten akuten Untersuchungen gehört die Beurteilung des Urinbefundes (ggf. auch durch Katheterisierung) mit Ansetzen einer Urinkultur zur Bestimmung der Bakterienarten, die Sonographie der Nieren und Harnblase sowie die Bestimmung der Nierenfunktions- und Entzündungswerte im Blut bei Fieber. Je nach Befund muß eine zusätzliche Röntgenuntersuchung der Nieren und ableitenden Harnwege erfolgen. Nach Abklingen der akuten Infektion sollte eine Harnstrahlmessung, eine Röntgendurchleuchtung der Harnblase während des Wasserlassens (Miktionszystourethrogramm) und eventuell eine Blasendruckmessung (Urodynamik) oder Spiegelung der Harnblase (Zystoskopie in Narkose) erfolgen. Wichtig ist eine ausreichend lange Behandlung der Entzündung mit Antibiotika, besonders während der Phase der Durchführung sämtlicher urologischer Untersuchungen, um eine Nierenbeckenentzündung zu vermeiden. Zur Vermeidung erneuter Infektionen sind die Einhaltung einer ausreichenden Trinkmenge, die regelmäßige Entleerung der Harnblase und Urinuntersuchungen im regelmäßigen Abstand von Bedeutung. Urologische Fehlbildungen oder Begleiterkrankungen müssen - wie bei den einzelnen Krankheitsbildern erläutert - entsprechend behandelt werden. 

    Blasenentleerungsstörungen (neurogen / funktionell) 

    Hierbei handelt es sich um einen Überbegriff für das große Gebiet der Entleerungsstörung der Harnblase. Es muß zwischen Störungen der Füllungsphase und der Entleerungsphase der Harnblase (Veränderung des Zusammenspieles der Nervenversorgung der Blasenwand, zu großes oder zu kleines Fassungsvermögen, Störung der Schließmuskelfunktion) unterschieden werden. Häufig werden diese Störungen als Zufallsbefunde in der Sonographie (sehr große Blase, dicke Blasenwand, Harnstauung bis in die Nieren) oder während der Nachuntersuchungen nach einer Harnwegsinfektion festgestellt. Neben den allgemeinen Beschwerden wie Wachstumsstörung, Trinkschwäche oder chronische Darmverstopfung gibt es die speziell urologischen Störungen wie Einnässen (Enuresis, Inkontinenz), Harnverhalt (Unvermögen, die Harnblase vollständig zu entleeren), ständiger Harndrang, oder Harnstrahlabschwächung. Durch eine ausführliche Befragung der Eltern und Kinder über das Trink- und Miktionsverhalten, das Führen eines Miktionsprotokolles, sowie eine umfassende Untersuchung des Körpers und der Blasenfunktion (Harnstrahlmessung, Blasendruckmessung, Röntgendurchleuchtung der Harnblase, Sonographie, ggf. Blasenspiegelung) kann die entsprechende Ursache der Entleerungsstörung herausgefunden werden. Aufgrund der vielfältigen Ursachen ist auch die Wahl der entsprechenden Behandlung sehr komplex und soll hier nicht im Einzelnen erläutert werden. Bei einer Entleerungsstörung aufgrund einer angeborenen Nervenschädigung (neurogene Störung) kann eine Medikamentengabe zusammen mit einem mehrmaligen Selbstkathetern der Harnblase zur vollständigen Entleerung notwendig sein. Mädchen sind hingegen häufig von einer sogenannten "nichtneurogenen" Blasenentleerungsstörung (fehlerhaftes Zusammenspiel der Blasenmuskeln bei der Entleerung, "dysfunctional voiding") betroffen, bei der durch gezieltes Miktionstraining (Biofeedbacktherapie) eine normale Blasenentleerung wieder erlernt werden muss.

    Einnässen (Enuresis nocturna / Harninkontinenz)

    Unter Enuresis nocturna versteht man das Einnässen im Schlaf an mindestens zwei Nächten pro Monat nach dem 5. Lebensjahr, einem Alter, in dem normalerweise die volle Blasenkontrolle erreicht ist. Bei den 5-jährigen Kindern sind etwa 15-20% der Kinder betroffen, wobei die Selbstheilungsrate mit 15% pro Jahr sehr hoch ist. Im Alter von 15 Jahren sind noch 1-2% davon betroffen, wobei die Häufigkeit im Erwachsenenalter bei 1% liegt. Die Ursachen für die Enuresis sind vielfältig: Reifungsstörung (Maturationshemmung), genetische und familiäre Häufung, Störung der Produktion von Hormonen (ADH-Mangel), psychische Störungen, abnormes Trink- oder Miktionsverhalten, Schlafstörungen. Wichtig zur Erfassung der Beschwerden ist eine ausführliche Befragung der Eltern und des Kinde über das Trink- und Miktionsverhalten, über die familiäre und soziale Situation (Geschwister, Scheidung der Eltern, Schulprobleme), die körperliche Untersuchung, die Urinuntersuchung (mit Uringewicht), eine Sonographie der Nieren und Harnblase mit Restharnbestimmung sowie die Harnstrahlmessung. Von herausragender Bedeutung ist das Führen eines Miktionsprotokolles über mindestens 2 Tage, bei der die Trink- und Urinmengen gemessen und über jeweils 24h hinweg aufgeschrieben werden. Zusatzuntersuchungen (Durchleuchtung der Harnblase während des Wasserlassens, Blasendruckmessung, Röntgenuntersuchung der Niere und Harnwege, Nierenfunktionsuntersuchung) sind nur bei speziellen Fragestellungen nötig. Für eine erfolgreiche Behandlung der Enuresis ist die enge Zusammenarbeit zwischen Kind/Eltern und behandelndem Arzt wichtig. Bei fehlenden organischen oder psychischen Ursachen für das Einnässen ist die Erlernung eines normalen Trink- Miktionsverhaltens durch Führen von Miktionstagebüchern und Enuresiskalendern (Markierung trockener und feuchter Nächte durch Sonne und Wolken oder Bilder) mit anfänglicher Unterstützung durch Medikamente meistens erfolgversprechend. Eine hohe, jedoch meist nur vorübergehende Erfolgsrate besitzt die Behandlung mit einem Hormon (ADH - als Tablette oder Nasenspray), welches zu einer höheren Konzentrierung des Urins in der Nacht führt. Allerdings ist die Rückfallquote nach Absetzen des Medikamentes sehr hoch. Da häufig eine noch unreife Harnblase mit zu kleinem Fassungsvermögen während der Nachtphase vorliegt, kann durch sogenannte Anticholinergika als unterstützende Therapie das Fassungsvermögen der Blase erhöht werden. Eine weitere Behandlungsmöglichkeit bieten Alarmsysteme (Klingelhosen), die das Kind direkt zu Beginn des Einnässens wecken und den rechtzeitigen Gang zur Toilette fördern sollen.
    Alle Formen des zusätzlichen Einnässens am Tage (Harninkontinenz) bedürfen einer ausführlichen urologischen Zusatzuntersuchung, damit mögliche Blasenfunktionsstörungen erkannt und entsprechend behandelt werden können. Ein kontinuierlicher tröpfchenweiser Harnabgang tags und nachts ist ein klassischer Anhalt für das seltene Vorliegen eines doppelten Nierenhohlsystemes mit einer untypischen Mündung eines Harnleiters unterhalb des Schließmuskels, in der Harnröhre oder in der Scheide beim Mädchen, wobei der in der Niere produzierte Urin sofort unter Umgehung der Harnblase abläuft.

    Wichtige Untersuchungsmethoden in der Kinderurologie

    • Sonographie (Ultraschall)
    • Nuklearmedizinische Untersuchungen (Nierensequenzszintigraphie)
    • Röntgenologische Untersuchungen (Miktionszystourethrogramm, Urethrozystogramm, Ausscheidungsurogramm)
    • Computertomographie / Magnetresonanztomographie
    • Zystoskopie (Spiegelung der Harnblase)
    • Urodynamik (Blasendruckmessung)
    • Uroflowmetrie (Harnstrahlmessung)
    • Biofeedbacktraining (Verhaltenstraining bei funktioneller Blasenentleerungsstörung)