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Harnsteinerkrankungen

 

1.Einleitung
2.Wann müssen Harnsteine medizinisch behandelt werden ?
3.Wie werden Harnsteine behandelt ?

4.Was passiert nach der Steinbehandlung ?
5.Metaphylaxe der häufigsten chemischen Steinzusammensetzungen:
    5.1 Kalziumoxalatsteine
    5.2 Harnsäuresteine
    5.3 Kalziumphosphatsteine /Struvitsteine (Magnesium-Ammonium-Phosphat-Steine)

 
 1. Einleitung

 In Deutschland ist der Anteil der Bevölkerung mit einem Harnsteinleiden mit ca. 4% sehr hoch. Die Bildung von Harnsteinen ist das Ergebnis eines multifaktoriellen Geschehens. Das Maximum der Ersterkrankung liegt bei Männern im Alter von durchschnittlich 40 Jahren. Kalziumoxalat-Steine dominieren (75%), gefolgt von Harnsäure Steinen (12%) und Phosphat Steinen (12%). Die Ersterkrankung bei Frauen liegt im Durchschnitt 10 Jahre früher. Sie erkranken insgesamt jedoch seltener an Harnsteinen als Männer (m/f - 1,5:1). 97% aller Steine sind in den Nieren und Harnleitern lokalisiert. Die Rezidivrate beträgt je nach Steinart unbehandelt 50 - 100%, behandelt 10 - 15%.

 
 2. Wann müssen Harnsteine medizinisch behandelt werden ?

          ◾60 - 70% aller Harnsteine sind spontan abgangsfähig, was mit kolikartigen Beschwerden verbunden sein kann.
          ◾Harnsteine, die eine Größe von 4 mm überschreiten bzw. wiederholt zu Beschwerden führen, erfordern gezielte ggf. medikamentöse Maßnahmen der Steinaustreibung bzw. interventionelle Therapiemaßnahmen.

 
 3. Wie werden Harnsteine behandelt ?

           ◾ Steinaustreibung: Durch eine gezielte Steigerung des Harnvolumens mit einer Trinkmenge von mindestens 2 - 3 Litern über 24 Stunden, körperlicher Bewegung (Treppensteigen, Radfahren u.ä.) und ggf. medikamentös unterstützenden Maßnahmen kann eine Steinaustreibung unter ärztlicher Kontrolle erfolgen. Bei Steinen über 8 mm Durchmesser ist ein Spontanabgang unwahrscheinlich. Während des Steinabtriebes kann es durch akuten Harnstau der Nieren (Nierenkolik), bakterielle Infektionen (Urosepsis) zu akuten Notfällen kommen, die eine umgehende ärztliche Behandlung erfordern. Während der Steinaustreibung erfolgt das Wasserlassen in ein Steinsieb um den Stein für eine Analyse aufzufangen. 
           ◾ Interventionelle Maßnahmen: Extrakorporale Stoßwellenlithotriopsie (ESWL) - es erfolgt die Steinzertrümmerung durch eine außerhalb des Körpers erzeugte, über ein Ankopplungsmedium in den Körper geleitete, auf den Harnstein fokussierte Druckwelle. Die Behandlung erfolgt ohne Vollnarkose in Sedoanalgesie. 80% aller Steinträger können durch die alleinige ESWL behandelt werden.
           ◾ Ureterorenoskopie (Harnleiterspiegelung) - ein dem Durchmesser des Harnleiters angepasstes starres bzw. flexibles Endoskop wird durch die Harnröhre und den Harnleiter unter Sicht und röntgenologischer Kontrolle bis an den Harnstein herangeführt. Danach kann der Stein komplett mit Faßzangen, Dormiaschlingen entfernt werden. Bei entsprechender Größe wird der Stein durch mechanische Vibrationen (Lithoclast) bzw. durch laser-induzierte Stoßwellen (Holmium Laser) zerkleinert und entfernt. Die Behandlung erfolgt in Vollnarkose bzw. in Periduralanästhesie.
            ◾ Perkutane Nephrolithotomie (PNL) - nach Punktion und Bougierung des Nierenhohlsystemes in Vollnarkose wird über ein Nephroskop der Stein unter Sicht durch mechanische Vibrationen (Lithoclast, Sonotrode) bzw. durch laser-indzierte Stoßwellen (Holmium Laser) zertrümmert. Die Fragmente werden danach mit dem Nephroskop aus der Niere entfernt. Die Behandlung erfolgt in Vollnarkose. 
            ◾ Die chemische Zusammensetzung sämtlicher Fragmente bzw. Harnsteine wird mittels Steinanalyse untersucht. Die Steinanalyse der Harnsteine ist für eine gezielte weitere Behandlung unabdingbar.

 


 4. Was passiert nach der Steinbehandlung ?

            ◾ Das wiederholte Auftreten von Harnsteinen ohne weitere zielgerichtete Maßnahmen (Metaphylaxe) betrifft je nach chemischer Zusammensetzung des Harnsteines 50 - 100% der Patienten.
            ◾ Die metaphylaktischen Maßnahmen zur Verhinderung einer wiederholten Harnsteinbildung sind spezifisch für jede Harnsteinart. Die Metaphylaxe sollte deshalb unter ärztlicher Anleitung erfolgen.
Allgemeine Maßnahmen zur Verhinderung einer erneuten Steinbildung (Metaphylaxe) sind:

             1.ausreichende Harnverdünnung (ca. 2,5 l Harn / 24 Stunden)
             2.übermäßige Flüssigkeitsverluste vermeiden (z.B. Sauna, extreme Sportarten, Abführmittel)
             3.Gewichtsregulierung (Normalgewicht anstreben, kein extremes Fasten)
             4.Vermeidung von Stress, ausreichend Schlaf
             5.regelmäßige Blut- und Urinkontrolle
             6.regelmäßige sonographische Kontrolle der Nieren

 
 5. Metaphylaxe der häufigsten chemischen Steinzusammensetzungen:

 


 5.1 Kalziumoxalatsteine

Harndilution:

              ◾Trinkmenge 2,5 - 3 l/d
              ◾alkalisierende Getränke (hydrogenkarbonatreiche, kalziumarme Getränke)
              ◾harnneutrale Getränke: Tees, Quellwasser, Apfelsaft verdünnt
              ◾nur geringe Mengen: Bohnenkaffee, schwarzer Tee, Milch
              ◾ungeeignet: Cola, Limonaden, Alkohol


 Ernährung:

              ◾purinarme Kost, d.h. Proteinzufuhr: max. 150 g/d
              ◾Kalziumzufuhr: 800 -1200 mg/d nicht überschreiten
              ◾Oxalsäurezufuhr verringern
              ◾Ballaststoffe

 
 5.2 Harnsäuresteine

 Nur Harnsäuresteine können durch die medikamentöse Alkalisierung des Urins aufgelöst werden.
allgemeine Maßnahmen:

              ◾Kontrolle Urin pH Wert
Harndilution:

              ◾Trinkmenge 2,5 - 3 l/d
              ◾alkalisierende Getränke (hydrogenkarbonatreiche Getränke)
              ◾harnneutrale Getränke: Tees, Quellwasser, Apfelsaft verdünnt
              ◾nur geringe Mengen: Bohnenkaffee, schwarzer Tee
              ◾ungeeignet: Cola, Limonaden, Alkohol


Ernährung:

             ◾Proteinzufuhr: max. 150 g/d
             ◾extrem purinreiche Nahrungsmittel ganz vermeiden: d.h. Innereien, Fisch
             ◾purinarme Kost: Eier, Obst, Gemüse, Getreideprodukte


medikamentöse Therapie:

             ◾bei konstantem Urin pH Wert < 6,0: Alkalizitrat Ziel pH Wert 6,5 - 6,8

 
 5.3 Kalziumphosphatsteine /Struvitsteine (Magnesium-Ammonium-Phosphat-Steine)

allgemeine Maßnahmen:

             ◾Harnwegsinfektionen vorbeugen
             ◾Kontrolle Urin pH Wert


Harndilution:

             ◾Trinkmenge 2,5 - 3 l/d
             ◾säuernde Getränke (Hydrogenkarbonatarme und kalziumarme Getränke)
             ◾harnneutrale Getränke: Tees, Quellwasser, Apfelsaft verdünnt
             ◾nur geringe Mengen: Bohnenkaffee, schwarzer Tee
             ◾ungeeignet: Cola, Limonaden, Alkohol


Ernährung:

             ◾keine rein vegetarische Ernährung
             ◾Proteinzufuhr: max. 150 g/d
             ◾Kalziumzufuhr: einschränken (ca. 800 mg/d)
             ◾bei Hyperphosphaturie - Phosphatzufuhr einschränken (Hülsenfrüchte, Hart-Schmelzkäse, Nüsse, Kakao, Leber)
             ◾Ballaststoffe


medikamentöse Therapie:

              ◾Infektbehandlung
              ◾Harn pH Wert mit L-Methionin auf -Zielwert 5,8 - 6,2 bringen