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Andrologie


 

 Die Andrologie beschäftigt sich mit der Sexualität, der Fertilität und den Hormonstörungen des Mannes. 

1.Unerfüllter Kinderwunsch/Infertilität
2.Impotenz/Erektile Dysfunktion
3.Hormonstörungen des Mannes
4.Kontrazeption auf Seiten des Mannes

5.Induratio penis plastica


 
 
 1. Unerfüllter Kinderwunsch/Infertilität

Die Zeugungsunfähigkeit ist definiert als fehlender Eintritt einer Schwangerschaft trotz regelmäßigen, ungeschützten Verkehr innerhalb eines Jahres.
 Die Ursachen der Zeugungsunfähigkeit verteilen sich zu 40% auf den Mann, 40% auf die Frau und zu 20% auf Mann und Frau.
 Daher ist bei unerfülltem Kinderwunsch eine Untersuchung beider Partner erforderlich. Dennoch lässt sich trotz eingehender Untersuchung in einigen Fällen die Ursache der Infertilität nicht klären.

 Die Beurteilung der Zeugungsunfähigkeit beim Mann erfolgt anhand der Untersuchung der Samenflüssigkeit (sog. Spermiogramm).
 Wesentliche Kriterien der Befruchtungsfähigkeit der Spermien stellt deren Beweglichkeit, Anzahl und Gestalt dar.

 Die Gewinnung des Samenergusses erfolgt durch Masturbation nach einer 4-5 tägigen sexuellen Karenz.

 Ursachen männlicher Fertilisationsstörungen:
•Idiopathische Fertilitätsstörung (d.h. unerfüllter Kinderwunsch, bei der eine eingehende Untersuchung keine Ursache findet; entspricht mit 30% der häufigsten Ursache der männlichen Infertilität)
•Angeborene Störungen im Bereich des Hodens oder der Samenwege
•Genetische Störungen
•Störungen im Bereich des Blutgefäßsystems
•Hormonelle Störungen
•Störung der Ejakulation (medikamentös, postoperativ, neurogen bedingt nach Querschnittslähmung u.a.)
•Exogene Faktoren (z.B. Genussgifte und Arzneimittel, Umwelteinflüsse, radiologische Bestrahlung, Infekte)
•Systemerkrankungen (Leberzirrhose, Nierenerkrankungen u.a.)
Diagnostik
 Das Spermiogramm stellt die wichtigste Untersuchung zur Abklärung einer Zeugungsfähigkeit des Mannes dar. Bestimmt wird die Anzahl der Spermien im Ejakulat, deren Beweglichkeit, Morphologie und Vitalität. Zur Diagnostik gehört ferner die klinische Untersuchung, Analyse der Hormonwerte sowie eine Ultraschalluntersuchung.

Therapie der Infertilität
 Beseitigung von Krampfadern des Hodens durch Verödung oder laparoskopische (Bauchspiegelung) Unterbindung der Venen
 Antibiotische Therapie eines Samenwegsinfektes
 Medikamentöse Therapie einer hormonellen Störung
 Medikamentöse Therapie einer Ejakulationsstörung
 Assistierte Reproduktion (künstliche Befruchtung):
•Intrauterine Insemination (IUI): Übertragung von Spermien unter Anwendung von Hilfsmitteln in das innere Genitale der Partnerin. Dieses Verfahren findet Anwendung bei Deponierungsstörungen oder bei vorhandener guter Samenqualität. Die Schwangerschaftsrate liegt bei 8-10%/Zyklus.
•In-vitro-Fertilisation (IVF): nach hormoneller Auslösung des Eisprunges wird durch ultraschallgesteuerte Punktion von der Scheide aus der Eierstock punktiert (Follikelpunktion). Die hierdurch gewonnenen Eizellen werden mit zuvor aufbereiteten Spermien des Mannes in ein Kulturmedium gebracht. Wenn eine Befruchtung stattgefunden hat, wird die befruchtete Eizelle in die Gebärmutter der Frau übertragen. Die Schwangerschaftsrate liegt hier bei 10-15%.
•Intrazytoplasmatische Spermatozoeninjektion (ICSI): ein vitales Spermium wird in eine Glaspipette aufgezogen und in das Zytoplasma der durch Follikelpunktion gewonnenen Eizelle injiziert. Es stellt mit einer Schwangerschaftsrate von >23 % das erfolgsversprechende Verfahren dar.
Der Erfolg einer assistierten Reproduktion ist insbesondere abhängig vom Alter der Partnerin. Bei fehlendem Nachweis von Spermien im Ejakulat (Azoospermie) kann durch eine Gewebeentnahme aus dem Hoden bei einem Teil der infertilen Männer noch Spermien gefunden werden, welche später für eine künstliche Befruchtung angewendet werden können.

Kryokonservierung von Spermien
 Bei Patienten mit Krebserkrankungen bietet die Kryokonservierung (Einfrierung und Lagerung) von Spermien vor Durchführung einer Bestrahlung oder Chemotherapie die Möglichkeit einer späteren künstlichen Befruchtung.
 Die Kosten für die Aufbewahrung der Samenproben (Firma Air Liquide Deutschland GmbH) betragen etwa 330 € je angefangenes Vertragsjahr und werden von den Krankenkassen nicht getragen.

 
 2. Impotenz/Erektile Dysfunktion

 Ursachen der Erektionsstörung:
•Neurogene Störungen
•Arterielle Störungen
•Störung der venösen Abflussblockade
•Hormonelle Störungen
•Psychogene Störungen
Risikofaktoren für eine Potenzstörung
•Diabetes mellitus
•Bluthochdruck
•Fettstoffwechselstörung
•Nikotin
•Medikamente
Beim Zusammentreffen mehrerer Risikofaktoren steigt das Impotenzrisiko beträchtlich an, insbesondere bei bestehendem Nikotinkonsum.

 Behandlung der Erektionsstörung:
• Orale medikamentöse Therapie
      Sogenannte Phosphodiesterase-Inhibitoren (u.a. Cialis®, Levitra®, Viagra®)
Die Wirksamkeit der Phosphodiesterasehemmer liegt bei ca. 60-80%. Vor einer solchen Therapie müssen durch den behandelnden Arzt bestimmte Erkrankungen bzw. Medikamenteneinnahmen ausgeschlossen werden. Mögliche auftretende Nebenwirkungen unter der Einnahme von Phosphodiesterasehemmer sind Kopfschmerzen, Gesichtsröte, Gefühl einer verstopften Nase und temporäre Sehstörungen.

• Schwellkörperautoinjektionstherapie (SKAT)
 Hierbei wird die Substanz Prostaglandin E1 direkt in den Schwellköper des Penis injiziert. Eine erfolgreiche Behandlung der Potenzstörung ist in 90% der Fälle möglich. Mögliche Komplikationen sind eine lang anhaltende Erektion (> 6 Stunden), welcher einer ärztlichen Intervention bedarf oder narbige Veränderungen im Bereich des Schwellkörpers mit Abknickung des Penis.
• Vakuumpumpe
 Bei der Vakuumpumpe wird mit Hilfe eines Plastikzylinders, welcher über den Penis gestülpt wird ein Vakuum erzeugt. Hierdurch füllt sich der Penis passiv mit Blut und versteift. Ein Nachteil ist, dass der Penis sich kalt anfühlt.
• Operativ (Implantation einer Penisprothese)
 Für Patienten, bei denen die oben erwähnten Behandlungen nicht zum Erfolg führen, stellt der Einsatz einer Penisprothese im Schwellkörper die einzige Therapieform dar. Hierbei kommen am häufigsten die hydraulischen Prothesenmodelle zum Einsatz. Durch Betätigung eines Ventils, welches im Hodensack eingesetzt wird kann der Patient den Füllungszustand der im Schwellkörper implantierten Zylinder kontrollieren.
• Psychotherapie bei einem Sexualtherapeuten
 Bei psychogen bedingten Potenzstörungen besteht durch die Sexualtherapie Heilungsraten von über 90%. Die Behandlung ist zeitaufwendig und sollte gegebenenfalls die Partnerin in das Behandlungskonzept mit einbeziehen.
Die Wahl des therapeutischen Vorgehens wird abhängig von der Ursache der Erektionsstörung, den Vorerkrankungen des Patienten individuell zwischen Arzt, Patient und gegebenenfalls dessen Partnerin entschieden.

 
 3. Hormonstörungen des Mannes

 Hierbei handelt es sich in erster Linie um eine Verminderung des männlichen Sexualhormons Testosteron, welches im Hoden produziert wird.
 Ein Testosteronmangel hat eine vermehrte Knochenbrüchigkeit (Osteoporose), Abnahme der Muskelmasse und Muskelkraft, Zunahme des Körperfettes, Blutarmut, depressive Verstimmung, Hitzewallungen, Libidoverlust sowie eine Erektionsstörung zur Folge.
 Die Behandlung des Testosterondefizit besteht in einer Zufuhr des Hormons in Form von Tabletten, Pflastern, Hautgel oder einer intramuskulären Injektion im Abstand von 2-3 Wochen bis 3 Monate.
 Vor Beginn und während einer solchen Behandlung muss das Vorliegen einer Prostatakrebserkrankung durch einen Urologen ausgeschlossen werden, da das Testosteron das Wachstum eines vorhandenen Tumors beschleunigen kann.

 
 4. Kontrazeption auf Seiten des Mannes

 Als Vasektomie wird die operative Durchtrennung der Samenleiter beim Mann zur Sterilisation bei abgeschlossener Familienplanung bezeichnet.
 Sie gilt als sichere, einfache und dauerhafte Methode zur Schwangerschaftsverhütung beim Mann. Medikamentöse oder hormonelle Behandlungen stehen derzeit nicht zur Verfügung.
 Die Vasektomie des Mannes ist insbesondere im Vergleich zur Tubenligatur der Frau (operative Durchtrennung des Eileiters) ein risikoarmer Eingriff. 6-8 Wochen nach einer Vasektomie sollte die erste Kontrolluntersuchung des Ejakulates erfolgen. Sollten hiernach keine Spermien nachweisbar sein, sollte nach Ablauf von etwa 3 und 12 Monaten eine erneute Kontrolle erfolgen. Erst nach zweimaligem aufeinanderfolgendem Nachweis fehlender Spermien im Ejakulat ist von einer Unfruchtbarkeit auszugehen und eine Unterbrechung der Verhütungsmaßnahmen möglich. In äußerst seltenen Fällen kann es auch mehrere Jahre nach einer Vasektomie zu einer spontanen Rekanalisation (Wiederdurchgängigkeit) der durchtrennten Samenwege mit erneutem Auftreten von Spermien im Ejakulat kommen. Im Fall eines erwünschten Kinderwunsches kann eine operative Wiedervereinigung der Samenleiterstümpfe vorgenommen werden (sog. Vasovasostomie). Hiernach lassen sich in 90-98% der Fälle wieder Spermien im Ejakulat nachweisen.

 
 5. Induratio penis plastica

 Die Induratio penis plastica ist zu Beginn gekennzeichnet durch eine schmerzhafte Erektion, welche im Verlauf von meistens drei Monaten nachlässt. Hiernach kommt es zu einer zunehmenden lokalen Verhärtung (Plaquebildung) und Abknickung des Schwellkörpers.
 Diese kann so ausgeprägt sein, dass sie den Verkehr verhindert oder durch Schmerzen beeinträchtigt. Ferner kann es auch zu einer bandförmigen Einschnürung des Penis kommen. Des weiteren ist die Erkrankung häufig mit einer Potenzstörung vergesellschaftet.
 Bei der sogenannten Induratio penis plastica handelt es sich um eine Erkrankung, die mit einer lokalisierten bindegewebigen Vermehrung im Bereich des Penisschwellkörper einhergeht und vom Patienten als tastbare Verhärtung wahrgenommen wird.
 Die Ursache dieses Krankheitsbildes ist bislang unklar. Insgesamt wird geschätzt, dass etwa 10% aller Männer im unterschiedlichem Ausmaß von dieser Erkrankung, welche im wesentlichen erst nach dem 50. Lebensjahr auftritt, betroffen sind.
 Der spontane Verlauf der Induratio penis plastica ist individuell unterschiedlich und lässt sich nicht vorhersagen. In einigen Fällen kommt es zu einer Ausheilung bzw. einem Rückgang der Plaquebildung und der Verkrümmung.
 Verschiedene konservative Maßnahmen zur Therapie der Erkrankung haben letztlich keinen sicheren Nutzen erbracht. Neuerdings wird eine entzündliche Ursache diskutiert. Dies bestätigen auch Untersuchungen an der hiesigen Urologischen Klinik. Der Versuch einer antibiotischen und entzündungshemmenden Therapie ist deshalb möglich. Etabliert hat sich als operatives Verfahren lediglich die sog. Schwellkörperkorrektur zur Begradigung des Penis. Hierbei kann es zu einer Verkürzung des Penisschaftes kommen (pro 10° Krümmung muss mit einer Verkürzung von 1-2 mm Penislänge gerechnet werden). Andere operative Maßnahmen mit Entfernung der Plaques und Gewebeersatz bleiben sehr ausgedehnten Befunden vorbehalten. Hier ist häufig gleichzeitig die Implantation einer Penisprothese erforderlich.